Die Revolution des Kameramarktes durch Carl Zeiss und Rollei

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Verzerrungsfreie Fotografie oder wie Carl Zeiss und Rollei den Kameramarkt revolutionierten

Zeiss und Rollei sind deutsche Unternehmen, die ihren Weltruf einerseits mit der ersten Spiegelreflex-Systemkamera der Welt, der Leicaflex, und andererseits mit der zweiäugigen Rolleiflex, einer richtungweisenden Rollfilmkamera, begründeten. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stand Rollei konkurrenzlos da und die Rolleiflex ließ sich dadurch in immer größeren Mengen verkaufen. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts verwendete praktisch jeder Pressefotograf eine Rolleiflex. Bei Fotoamateuren war diese Kamera ebenfalls ausgesprochen häufig anzutreffen. Dieser Fotoapparat war so populär, dass es im Laufe der Zeit über 500 Nachbauten gab, davon mehr als 50 Prozent aus Japan. Das Rollei-Werk wuchs sehr schnell, 1956, in dem die 1.000.000ste Kamera verkauft wurde, hatte es schon 1.600 Mitarbeiter, 1957 waren es bereits 2.000 Mitarbeiter. Die Carl Zeiss AG ist ein Betrieb der feinmechanisch-optischen Industrie. Der heutige Firmensitz des Konzerns ist Oberkochen. Von Carl Zeiss wurden nach dem Aufbau einer eigenen optischen Produktion die Objektive für die Mess-Sucherkameras Contax IIa und Contax IIIa sowie im Anschluss daran für die Spiegelreflexkameras Contarex und Contaflex gefertigt. Nach der Übernahme von Voigtländer durch die Carl-Zeiss-Stiftung wurden auch Objektive für deren Kameras hergestellt. In den folgenden Jahren produzierte Zeiss auch Objektive für Mittelformatkameras nicht stiftungsnaher Hersteller, nämlich für Rollei und Hasselblad.

Wie die Rolleiflex entwickelt wurde

Der erste Prototyp der neuen Kamera von Rollei entstand 1927. Den Namen Rolleiflex, den der neuartige Fotoapparat erhielt, war absolut auf höchste Zuverlässigkeit hin entwickelt worden und verfügte aus diesem Grund über ein robustes Spritzgussgehäuse aus Aluminium. Die Konstrukteure verzichteten auf einen Lederbalgen für den Objektivauszug, weil sie mit einer derartigen Vorrichtung schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Einige Jahre zuvor hatten sie bei einer Kodak-Kamera beobachtet, dass ihr Balgen, als der Apparat einmal in einem Keller vergessen worden war, später von einer Ratte zerfressen worden war. Dies brachte die Erkenntnis, dass ein Fotoapparat für eine Reportage-Reise, die selbst in den Tropen ohne Aussetzer funktionieren musste, keine Materialien besitzen darf, die leicht verrotten konnten. Aus den gleichen Gründen sahen sie auch von einem textilen Verschluss ab und verwendeten den sogenannten soliden Compur-Zentralverschluss.

Bei der neuen Rolleiflex wurde die Einstellung der Entfernung dadurch vorgenommen, dass der Träger gleichzeitig mit dem Aufnahme- und Sucherobjektiv verschoben wurde. Dabei verfügte er gewissermaßen über einen Metallbalgen, wobei die Platte entsprechend seitlich das Gehäuse umfasste. Einer der wichtigsten Punkte dabei war, dass die Platte exakt parallel verschoben wurde, wozu die Bauherren der Rolleiflex eine raffinierte Konstruktion entwickelten, die entscheidend zum Erfolg beitrug. Das bestimmende Element hierbei war, dass sich um die Öffnung für den Strahlengang hinter dem Objektiv für die Aufnahme ein zentrales Zahnrad befand, das vier kleine Rädchen aktivierte. Diese kleinen Zahnräder setzten Zahnstangen in Gang, die ihrerseits mit dem Objektivträger verbunden waren. Das System lief ordnungsgemäß ab und das dank hochwertiger Materialien auch noch nach langjähriger Verwendung. Nur die Rückwand und der Sucheraufsatz der Kamera, beides Teile aus Aluminium, mussten mit mehr Vorsicht behandelt werden. Dies konnte auch bis zum Start der Serie nicht mehr verändert werden.

Ein weiterer Prototyp wurde 1928 konstruiert. Unmittelbar darauf begann die Herstellung der ersten serienmäßig gefertigten Kamera aus dem Hause Rollei. In diesem Jahr entstanden insgesamt 14 Exemplare. Nach dem Krieg fragte der Tauchpionier Hans Hass bei dem Unternehmen an, ob es möglich sei, ein besonderes Gehäuse für Unterwasseraufnahmen zu entwickeln. Aus diesem Anlass entstand das neuartige, bis 100 m Tiefe geeignete Unterwassergehäuse Rolleimarin, das aus zwei Guss-Stücken gefertigt war. Das Oberteil wies ein Prisma auf, das an die Kamera-Einstellscheibe angeschlossen wurde. Überdies war das Rolleimarin auf seiner Oberseite mit Drehknöpfen ausgestattet, die die Blenden- und Zeiteinstellung übertrugen. Auf der linken Unterseite war die Einstellung der Entfernung und auf der rechten Seite die Transportkurbel zusammen mit einem Bildzählwerk angebracht. Darüber hinaus gab es einen Filterrevolver. Um Blitzlichtaufnahmen schießen zu können, war es möglich, eine spezielle Leuchte anzuschließen. Hierzu war es notwendig, ein Batteriegehäuse in das Gehäuse einzulegen. Das Gehäuse konnte auch an einen Rahmensucher angeschraubt werden.

Die Entwicklung der Rolleiflex-Spiegelreflexkameras

Als in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkameras immer beliebter wurden, startete die Firma Rollei - etwas verspätet - 1966 mit der Konstruktion eines solchen Foto-Apparates. Dies geschah durch eine hierfür erforderliche Zusammenarbeit mit einer finanzkräftigeren japanischen Gesellschaft, die in erster Linie erheblich mehr Werbung in Magazinen und Fachzeitschriften machen konnten. Daneben wurden auch Fotohändler vermehrt zu Werksbesuchen nach Japan eingeladen. Die Rolleiflex SL 35 wurde 1970 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Rolleiflex-Spiegelreflexkamera selbst war sehr kompakt und konnte sowohl unter technischen Gesichtspunkten wie auch wegen seines moderaten Verkaufspreises mit der Konkurrenz aus Fernost mithalten. Rollei hatte sich bei seiner Spiegelreflex an der meistverkauften Kleinbild-SLR Pentax Spotmatic orientiert, jedoch konnte die deutsche Konstruktion den technischen Maßstäben der Pentax nicht gerecht werden. Rollei setzte einen eigenen Objektivanschluss ein, das als solches bezeichnete QBM-Bajonett.

Gründung und erste Schritte der Firma Zeiss

Bis zum 2. Weltkrieg war die Zeiss Ikon AG einer der bedeutendsten Produzenten von Kameras und Weltmarktführer bei Schmalfilmkameras. Zeiss Ikon fertigte neben optischen Instrumenten auch Buchungsmaschinen, Spiegelleuchten sowie Türschlösser und patentierte als Erste den heute allgemein gebräuchlichen Profilzylinder. Die Marke „Zeiss Ikon" wird auch auf Produkte angewendet, die nicht mit der Dresdner Gesellschaft und ihren Rechtsnachfolgern in Verbindung gebracht werden. Um die schwerpunktmäßige Ausrichtung auf die Fotografie zu unterstreichen, wurde das griechische Wort ikóna für Bild ein Teil des Firmennamens. 1927 erschien der erste Gesamtkatalog und enthielt noch eine ganze Reihe von Produkten der Vorgängerfirmen. Bald danach gingen noch zwei weitere Produzenten in der Zeiss Ikon AG auf. Die Fotoapparate von Zeiss Ikon mit höchsten Stückzahlen waren in den Jahren 1930 bis 1939 die Klappkameras vom Typ Ikonta. Diese Modelle wurden in verschiedenen Ausstattungen, Bestückungen und Negativ-Formaten angeboten. Am unteren Ende wurde die Modellreihe ergänzt durch die etwas abgespeckten Apparate der Bob- und Nettar-Reihe. Als Konkurrenzprodukt zur Leica der Ernst Leitz GmbH, die vom Markt mit großem Erfolg angenommen worden war, präsentierte Zeiss die Systemkamera Contax. Ihr folgte 1936 die Contax II, die erste Mess-Sucherkamera weltweit.

Zeiss-Kameras im 2. Weltkrieg

Zeiss Ikon stellte sich bereits 1933 auf die neuen, nationalsozialistischen Machthaber ein und stellte die "Baldur" vor. Dieser Apparat, der nach dem NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach benannte worden war, war eine Boxkamera in den unterschiedlichen Ausführungen für die Aufnahmeformat 4,5 x 6 und 6 x 9 Zentimeter. Mit der Super Nettel folgte 1934 eine 135er-Klappkamera mit Schlitzverschluss, die in der Werbung als ideal für Wehrtechnik und Sport angepriesen wurde. 1936 kam die Contaflex in den Handel. Diese zweiäugige Spiegelreflexkamera für den Kleinbildfilm war der erste Fotoapparat mit eingebautem Belichtungsmesser. Zeiss präsentierte 1938 die Tengor II, eine verbesserte Goerz Box-Tengor für das Aufnahmeformat 6 x 9 Zentimeter. 1937 wurde die Tenax vorgestellt. Dies war eine Schnellschuss-Kamera für das Format 24 x 24 Millimeter auf 135er-Film. Noch kurz vor Kriegsausbruch folgte diesem Modell die einfachere, im handlichen Taschenformat konzipierte Tenax I.

Zeiss-Kameras in den Jahren des Aufbaus

Ab 1953 wurde der am Dresdner Standort verbliebene Betrieb VEB Mechanik Zeiss Ikon umbenannt, ab 1955 VEB Zeiss Ikon. 1959 entstand unter der Bezeichnung VEB Kamera- und Kinowerke Dresden ein neues Großunternehmen, in dem weitere Betriebe der ostdeutschen optischen Industrie zusammengefasst wurden. In den weiteren Jahren erfolgten immer wieder Umbenennungen, deren letzte schließlich 1985 das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena war. In der Nachkriegszeit wurden unter anderem Kameras und Sicherheitsschlösser produziert. Unter dem Namen Zeiss wurden zwischen 1951 und 1956 Ikon Mittelformat- beziehungsweise Boxkameras hergestellt. Das letzte Modell dieser Bauweise war die Turbo-Tengor 56/2. Die Zeiss Ikon AG, die nach Stuttgart verlegt worden war, gründete 1950 ein Werk in Kiel für die Herstellung einer Produktlinie von Kinoprojektoren. Die Produktion von Objektiven wurde 1970 nach Braunschweig verlegt, die Herstellung von Kameras verblieb in Stuttgart. 1972 wurde der ehemalige Betrieb in Stuttgart geschlossen und die Fertigung von fotografischen Geräten beendet.

Spiegelreflexkameras, die gemeinsam mit Zeiss produziert wurden

Nachdem in Deutschland die Herstellung der letzten eigenen Modelle von Fotoapparaten von Zeiss zu Beginn der 70er Jahre eingestellt worden war, vereinbarte das Unternehmen 1972 eine Kooperation mit dem japanischen Kameraproduzenten Yashica. Yashica wurde seinerseits 1983 von Kyocera übernommen. Daraufhin starte Kyocera die Produktion von Kameras. Zwischen 1974 und 2005 entstanden auf der Basis der ehemaligen Kooperation zahlreiche Kameras unterschiedlichster Bauarten. Das erste Produkt der Zusammenarbeit war die Kleinbild-Spiegelreflexkamera Contax RTS. Die Abkürzung „RTS" stand für „Real Time System" und sollte den reibungslosen Ablauf der Kamerafunktionen in Echtzeit mithilfe einer elektronische Steuerung kennzeichnen. Mit dem als Zubehör angebotenen „Professional Motor Drive" (PMD) konnten fünf Aufnahmen je Sekunde realisiert werden. F. A. Porsche war für das Design der Contax RTS verantwortlich, das auch bei den Folgemodellen beibehalten wurde. Zeiss erhob für die Contax RTS den Anspruch einer Profikamera. Demgegenüber richtete sich die die Contax 137 MD von 1980 und die Contax 139 Quartz von 1979 an das anspruchsvollere Amateurpublikum. Die Contax 137 MD war ein lupenreiner Zeitautomat, allerdings verfügte dieser Fotoapparat über einen integrierten Motor zum Transport des Films.

Die deutschen Firmen Zeiss Ikon und Rollei GmbH genießen in der Welt der Fotografie einen ausgezeichneten Ruf, mit ihren Spiegelreflexkameras konnten sie zeitweise der japanischen Konkurrenz auf Augenhöhe entgegentreten.

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