Die Kunst der Buchbinderei

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Die Kunst der Buchbinderei

Kunstvolles Handwerk

Die Faszination an Geschichten, Wissen und Mysterien, welche die Zeiten überdauern, ist bis heute ungebrochen. Bereits die alten Ägypter haben auf Papyrus wichtige Geschäfte schriftlich festgehalten. Die verschiedensten Inhalte werden bis in die heutige Zeit in Büchern verewigt. Aus diesem Grund sind diese ein wertvolles Kulturgut. Die Herstellung umfasst verschiedene Arbeitsschritte, wobei der letzte Arbeitsgang das Binden des Buches darstellt. Hier werden nach Abschluss der Druckarbeiten die Seiten zu einem Buchblock zusammengefügt und in einen Einband gefasst. Auch wenn die meisten Bücher heutzutage maschinell gefertigt werden, gibt es immer noch traditionelle Buchbindungen bei denen die Werke liebevoll per Hand gefertigt werden. Dieses kunstvolle Handwerk schafft es, stilvoll und haltbar lose Blätter zusammenzufügen. Das hat eine sehr lange Tradition und ist gleichzeitig zu einem Hobby vieler Buchliebhaber geworden. Wenn Sie Bücherliebhaber sind oder es werden wollen, tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Buchbinderei. Im Folgenden finden Sie einige wichtige Informationen zu den Bestandteilen und zur Herstellung von hochwertig handgefertigten Büchern.

Nicht jedes Buch ist tatsächlich ein Buch

Die meisten wissen oft gar nicht, dass viele Bücher eigentlich gar keine Bücher sind. Tatsächlich gibt es verschiedene Klassifizierungen von Druckprodukten. Werfen Sie doch einmal einen Blick in Ihr Bücherregal. Finden Sie dort ein Werk, welches einen hohen Buchrücken vorweist, der Einbund mit Vorsatzpapier befestigt und der innere Buchblock kleiner als der Einband ist, haben Sie ein echtes Buch in den Händen. Eine andere Klassifizierung wäre zum Beispiel die Broschüre (Softcover), wobei der Buchblock hier direkt an dem flexiblen Umschlag anliegt. Bei dieser Variante wird die moderne Klebebindung verwendet. Die traditionelle Art der Bindung ist jedoch das Binden mittels Heftlade. Die Herstellung eines Buches ist also differenzierter als man zunächst annehmen mag.

Bestandteile und Herstellung eines Buches

Die meisten Leser oder Nutzer von Büchern betrachten diese oft als ein Ganzes. Dabei ist es sehr aufschlussreich, gerade bei handgefertigten Büchern, einmal genauer hinzuschauen. Dadurch lernt man den tatsächlichen (künstlerischen) Wert eines Buches und dessen Herstellung zu schätzen.

Erste Schritte zur Herstellung eines Buches

Zunächst werden Buchblock, also die zusammengeführten einzelnen Blätter, und Buchdecke in getrennten Arbeitsgängen hergestellt und danach erst zusammengebracht. Dabei ist es wichtig zu wissen, wie dick der Buchblock ist oder werden soll, weil die Rückeneinlage daran angepasst sein muss. Die Bildung des Buchblocks geschieht mittels Gewebebändern und Heftfäden. Besonders bei sehr wertvollen Büchern sind echte Bünde zu finden. Das bedeutet, dass diese sich erhaben unter dem Bezugsstoff des Buchrückens abzeichnen. Im Gegensatz dazu gibt es die eingesägten Bünde, welche in den Buchblock eingelassen werden und den Buchrücken glatt erscheinen lassen. Vorsicht, lassen Sie sich nicht täuschen. Oft werden sogenannte Scheinbünde (oder falsche Bünde) eingelassen, die als bloße Verzierung dienen. Diese Täuschung wurde ab dem 16. Jahrhundert eingeführt, da es beim mittelalterlichen Einband üblich war, bis zu sieben Doppelbünde zu verwenden. Je kostbarer das Buch, desto mehr Bünde. Aus diesem Grund fügte man zu den echten Doppelbünden oft noch einige falsche ein. Das Material für die Bünde bestand, je nach Jahrhundert, entweder aus Hanf oder Wildleder. Erst ab dem 19. Jahrhundert führte man Leinen- oder Köperbänder ein. Allerdings kommen auch in der modernen Handbuchbinderei teilweise noch Hanfbünde zum Einsatz. Die Verbindung mit den Buchdeckeln nennt man Ansetzen oder Anschnüren. Ab dem 15. Jahrhundert wurde die Ansatztechnik grundlegend verändert, da sich das Material des Deckels von Holz auf Pappe änderte. Der Buchrücken ist entweder rund oder gerade und mit einer Beschriftung, die entweder senkrecht oder waagerecht verläuft, versehen. An der Beschriftung lässt sich auch erkennen, aus welchem Land das Buch kommt. In englischsprachigen Gebieten ist die falzparallele Beschriftung von oben nach unten zu lesen, in Deutschland, Frankreich und Italien vorwiegend von unten nach oben. Das Titelschild eines Buches existiert bereits seit dem Mittelalter. Mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, stieg die Anzahl der Bücherproduktion an. Die Buchbinder führten Ornamentestempel und Bronzebuchstaben ein, die sie erhitzten und auf den Bezugsstoff, meist Leinen oder Leder, pressten. In der Renaissance und Romantik sind die Prägungen auf dem Buchrücken prunkvoll gestaltet und aus Gold. Ab dem 18.Jahrhundert setze der Trend ein, diese Prägungen farbig zu unterlegen. Vorwiegend waren diese Felder rot, grün oder blau. Der Bucheinband besteht aus Rückeneinlage, Buchdecke (Front- und Rückdeckel) und dem Bezug. Die Buchdecke ist damit der Teil, der den Buchblock schützt. Er wird aus fester Pappe gefertigt, welche dann mit Gewebe, Leder, Leinen oder anderem Material überzogen wird. Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert verwendete man auch Holz für den Buchdeckel. Die Materialauswahl ist außerdem abhängig von Größe und Gewicht des Buches. Daher gibt es verschiedenteilige Buchdecken. Üblich ist die vierteilige Buchdecke.

Der letzte Schliff - Bücherverzierungen

Der Buchdeckel ist neben dem Buchrücken der repräsentativste Teil des Buches. Aus diesem Grund wurden auch hier aufwendige Verzierungen und Beschriftungen angebracht. Dazu zählen die Einprägung von Mustern und Schriften ohne Farbe (Blindprägungen), Vergoldungen, Lederauflage, Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie Plaketten aus Elfenbein. Die Blindprägung stellt die älteste Technik der Verzierung dar und wurde erstmals in der Spätantike verwendet. Hierbei werden Ornamente und Buchstaben in das Material eingebrannt. Die Temperatur muss genau abgestimmt sein, da dies sonst zur Verbrennung oder Zerschneidung des Leders führen kann. Heutzutage wird dieses Verfahren nur noch auf Wunsch, also bei Einzelanfertigungen, verwendet. Buchdeckel und Buchblock werden außerdem durch das Vorsatzpapier verbunden. Dies stabilisiert und schützt das Buch, weshalb das Papier eine höhere flächenbezogene Dichte (100-130g/m²) haben muss. Für hochwertig handgebundene Bücher wird Marmorpapier oder Moiré-Papier verwendet. Auch die Ausstattungsmerkmale eines Buches sind verschieden. Der Einsatz eines Kapitalbandes ist heutzutage eher optional und dient ästhetischen Gründen. Im 16. Jahrhundert jedoch war es im Zuge der Bindung ein „Nebenprodukt“. Eine weitere Verzierung des Buches kann durch die Schnittfärbung geschehen. Dies dient nicht nur der Aufwertung, sondern auch dem Schutz. Die Schnittverzierungen stammen aus dem Verfahren, die Titel der Bücher auf die Buchschnittfläche zu schreiben. Als sich dies änderte und man den Buchrücken sichtbar ins Regal stellte, färbte man die Flächen des Buchschnitts ein und verzierte diese. Vorwiegend geschah dies mit Gold oder Silber. Besonders schöne Varianten haben einen farbig marmorierten Vorderschnitt. Heute gibt es solche aufwendigen Verzierungen nicht mehr, die Einfärbung beschränkt sich meist nur auf den Oberschnitt.

Das Werkzeug

Da das Handwerk immer nur so gut sein kann wie das Werkzeug ist auch in der Handwerkskunst der Buchbinderei dazu zu raten. Falzbein, Hammer, Heftlade, Beschneidehobel, Buchbindernadel, Ahle und Buchbindermesser und Pressen gehören zur Grundausstattung. Das Falzbein ist traditionell aus Knochen gefertigt. Durch das Falzen entspannt sich das Material und bricht beim Knicken nicht. Besonders wichtig ist auch die Heftlade, welche zum Aufspannen der Schnüre oder Bänder dient. Die Größe der Heftlade ist unterschiedlich. Sie richtet sich nach den Maßen des Buches. Über den Entstehungszeitraum dieses Geräts ist man sich heute uneins. Es wird angenommen, dass sie zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert erstmals eingesetzt wurde. Nicht nur handwerkliche, auch alte industrielle Buchbindung kann interessant sein. So zum Beispiel die Rückenrundemaschine. Was früher mit dem Hammer geschah, wurde später maschinell getätigt. Damit rundet man den Buchblock am Rücken des Rundes. Ein Buch wird auch noch einmal in Form geschlagen, wenn die Bogen schon gefalzt sind. Aber auch die Buchbindernadel ist ein wichtiges Utensil. Wie der Name bereits sagt, ist dies eine Nadel zum Binden für Bücher, welche besonders lang und stabil sein muss. Normale Nadeln würden an dieser Stelle brechen.

Selbst binden und restaurieren

Wer sich besonders für die Materie und die Handwerkskunst interessiert, hat mit dem Restaurieren von antiken Büchern vielleicht sein Hobby gefunden.  Wenn Sie in die Kunst der Buchbinderei eintauchen wollen, können Sie sich bei eBay inspirieren lassen. Hier gibt es viele alte Bücher, welche wieder neu zum Leben erweckt werden wollen. Retten Sie ein Stück Geschichte. Rekonstruieren Sie alte Heftungen, Überzugsmaterial und Papier. Wenn Sie sich analog dazu das Binden eines Buches aneignen möchten, kein Problem. Sichern Sie sich Werkzeuge und Anleitung auf eBay. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Achten Sie aber darauf, dass Sie sich gerade bei Restaurationsarbeiten Zeit nehmen. Dies Handwerk lebt vom Fingerspitzengefühl. Dieses sollte ausreichend trainiert und die Technik erst einmal geschult werden, um sich später an die schwierigen Fälle zu wagen. Aber auch hierfür lässt sich günstiges Übungsmaterial erstehen. Falls Sie sich gar nicht an die Selbstrestauration wagen, aber ein besonders schönes und altes Buch erworben haben, bietet sich die professionelle Restauration an. Geben Sie das Schmuckstück in Fachhände und es wird bald in altem Glanz erscheinen. Dies bietet sich vor allem bei sehr stark beschädigten Büchern oder Schädlingsbefall an.

Antike Bücher und Werkzeuge als Blickfang

Je nach Art und Weise der Verarbeitung und verwendeten Materialien, kann man erkennen, aus welchem Jahrhundert das vorliegende Buch stammt. So ist es möglich, an der Verbindung von Buchblock und Buchdeckel zu erkennen, ob es sich um karolingische oder gotische (spätromanische) Einbände handelt. Wenn Sie auf die Originalität des Werkes oder des Werkzeuges Wert legen, sollten Sie sich über solche Merkmale informieren. Dies hilft Täuschungen aus dem Weg zu gehen. Bei eBay gibt es zahlreiche Bücher über diese alte Kunst der Buchbinderei. Ein Blick lohnt sich. Antike Bücher und Buchbinderwerkzeuge sind rare Sammlerobjekte und gleichzeitig auch dekorative Elemente. Damit werten Sie ihre Hausbibliothek auf und begeistern Besucher. Antike Bücher sind nicht nur ein Hobby für Restauratoren. Lernen Sie die Schönheit alter Buchrücken und Schnittfärbungen kennen und nutzen Sie diese, um ihrer Wohnung einen besonderen Flair zu verleihen. Dies gilt auch für das Handwerkszeug der Buchbinder. Als Buchliebhaber ist eine Heftlade ein Muss, als Zierde im Bücherregal. Auch eine alte Rückenrundemaschine können Sie als Blickfang in Szene setzen. Diese sind nicht leicht zu erwerben, weshalb sich ab und an ein Blick auf eBay lohnt. Oder Sie fertigen aus alten Bucheinbänden eine Wandgestaltung an – lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden