Die Brakteaten aus der Epoche der Völkerwanderung

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Die Brakteaten aus der Epoche der Völkerwanderung

Der folgende Text soll Sie über Brakteaten aus der Zeit der Völkerwanderung informieren. Hier bekommen Sie Informationen zum Aussehen dieser Münzen, zum Vorkommen und auch zur Verbreitung.

Was ist ein Brakteat?

Der Begriff Brakteat kommt von dem lateinischen Begriff „bractea", welcher übersetzt "dünnes Metallblech" bedeutet. Mit Brakteaten sind jene Münzen oder Medaillen gemeint, die aus dünnem Blech von einer Seite geprägt worden sind. Bei dem Metall handelt es sich meist um Billon oder Silber. Die Brakteaten bilden damit den Gegensatz zu den Dünnpfennigen oder Denaren, welche von beiden Seiten geprägt wurden.

Bereits im fünften und sechsten Jahrhundert wurden aus Edelmetall einige Schmuckscheiben von einer Seite bedruckt. Ursprünglich wurden diese Brakteaten in der römischen Spätantike angefertigt, um Kaisermedaillons zu imitieren. Die meisten Brakteaten dieser Zeit sind uns heute aus England, Norwegen, Schweden und Dänemark erhalten. Aber auch in germanischen Gebieten wie Sachsen, Preussen, Bayern oder Baden formte man Münzen nach dem römischen Vorbild. Sie zeigen neben Göttern auch Runen auf ihrer bedruckten Seite und hatten zu den damaligen Zeiten meist eine magische Form.

Im Mittelalter fanden die Brakteaten eine weitere Verbreitung. Sie wurden zu dieser Zeit meist aus Silber angefertigt und als Münzen verwendet. Während die Münzseite in der Regel Reliefs zeigte, blieb die Rückseite der Münzen hohl. So waren die Brakteaten vom zwölften bis ins vierzehnte Jahrhundert im gesamten deutschsprachigen Raum jene Münzsorte, die am meisten verwendet wurde.

Brakteaten zur Zeit der Völkerwanderung

Zur Zeit der Völkerwanderung bis etwa zur Vendelzeit, die sich ungefähr von fünfhundert bis siebenhundert nach Christus erstreckte, waren die Brakteaten in nordeuropäischen Raum weit verbreitet und keine Seltenheit. Selten sind allerdings die Münzen, die aus Gold gearbeitet wurden. Denn diese goldenen Brakteaten stammen vorwiegend aus dem Römischen Reich, das das kostbare Metall durch Sold, Handel oder Tribut in das Reich bekam.

Die Völkerwanderung umfasst in Europa etwa die Zeit von 375 bis 568 nach Christus. Unter den Forschern gilt diese Epoche als wichtiges Bindeglied zwischen dem Ende der Spätantike und dem Beginn des Frühmittelalters in Europa. Diese wichtige Epoche in der europäischen Kulturgeschichte begann mit dem Eintreffen der Hunnen in Ostmitteleuropa, denn dieser Einfall löste die Wanderung von vielen verschiedenen germanischen Gruppen aus. Diese Gruppen fielen in andere Länder und Regionen ein und brachten damit wiederum andere Stämme in Bewegung. So entstand die Bezeichnung „Völkerwanderung". Das Ende der Völkerwanderungszeit wird im Allgemeinen mit dem Einfall der Langobarden in Italien bezeichnet.

Verschiedene Arten von Brakteaten

Aus der Zeit der Völkerwanderung sind die verschiedensten Arten von Brakteaten bekannt. Es handelt sich dabei um die A-, B-, C-, D-, E-, F- und M-Brakteaten. Diesen wenden sich thematisch einem anderen Rahmen zu und wurden von den Experten dahingehend kategorisiert. Der folgende Abschnitt wird Ihnen bei der Einordnung der Münzen helfen. Von den A-Brakteaten sind ungefähr zweiundneunzig Exemplare bekannt, die das Gesicht eines Menschen zeigen und nach dem antiken Vorbild aus dem römischen Kaiserreich gearbeitet wurden. Von den B-Brakteaten sind ungefähr einundneunzig Exemplare bekannt, die eine menschliche Figur zeigen. Diese Figuren sind stehend, kniend oder sitzend abgebildet und werden meistens von Tieren begleitet.

Die sogenannten C-Brakteaten sind die am besten vertretene Gruppe. Von ihnen sind mit über vierhundertzwanzig Münzen die meisten Exemplare bekannt. Sie zeigen den Kopf eines Mannes, der von vielen Experten als der germanische Gott Wotan interpretiert wird. Zudem ist oft ein Pferd auf diesen Münzen abgebildet. Eine weitere große Gruppe sind die D-Brakteaten, auf denen ein oder auch mehrere stilisierte Tiere geprägt sind. Auch die E-Brakteaten sind mit bis zu zweihundertachtzig Exemplaren gut vertreten. Sie zeigen eine Triskele in Tiergestalt. Die F-Brakteaten zeigen imaginäre Tiere. Die wohl kleinste Gruppe bilden die M-Brakteaten, die eine zweiseitige Imitation von Medaillons der römischen Kaiserzeit sind.

Repliken von Brakteaten finden

Obwohl die Brakteaten kostbare, aber leider seltene Zeugen der alten Zeiten sind, können interessierte Sammler historische Repliken erwerben. Bei der Produktion dieser Nachahmungen legte man großen Wert auf die detaillierten Abbildungen, die sich auf der Vorderseite der Münzen befinden. Oft sind die Münzen eine genaue Nachbildung der echten Münzen. Sie wurden von den Herstellern aufwendig gearbeitet, oft wurde sogar der originale Ausgangsstoff, nämlich Silber, Gold oder Billon, für die Herstellung dieser Münzrepliken verwendet.

Die Verbreitung und Anwendung der Brakteaten

Zur Zeit der Völkerwanderung wurden bei den Brakteaten oft immer dieselben Motive verwendet. Diese Motive wurden in vielen verschiedenen, aber dennoch ähnlichen Variationen in allen Gebieten in Europa kopiert. So wurden manche Motive nicht nur in ihren Ursprungsregionen hergestellt, sondern mit der Zeit auch in anderen Regionen für gut befunden und bearbeitet. Dieses Phänomen ist etwa bei der Darstellung von Pferd und Kopf als sogenanntes Wotan-Amulett sogar im Süden Europas verbreitet.

Oft wurden Brakteaten in der Vergangenheit bei Ausgrabungen auch in verkleinerter Form wiedergefunden, etwa halbiert oder geviertelt. Dies deutet darauf hin, dass diese Münzen beim Handel in vergangenen Zeiten in ihrem Wert verkleinert werden konnten. Dementsprechend können Sie heute auch Münzteile, nicht nur komplette Münzen finden. Auch diese Münzteile haben, trotz ihrer geringen Größe, noch immer einen erheblichen Wert, sollten sie tatsächlich Originale sein. Angebote wie diese sind rar, dennoch sollten Sie Ausschau nach ihnen halten. Zudem können Sie griechische Münzen oder antike Münzen erwerben.

In vergangenen Zeiten hat man die Brakteaten oft mit einer Öse versehen und sie als Amulett um den Hals getragen. Dies geschah jedoch zu den sehr frühen Zeiten der Brakteaten, später erhielten sie wie bereits erwähnt die Bedeutung als Währung. Deshalb hat man später auf die Ösen verzichtet und das Metall als Münze ausgeformt. So erkennen Sie als Sammler von originalen Brakteaten noch heute, aus welcher Zeit ihre Münzen ungefähr stammen und wann sie gearbeitet wurden.

Brakteaten als Ziergegenstände

In der Zeit, als die Brakteaten mit Ösen ausgestattet wurden, wurden sie vor allem als Hängeschmuck und Ziergegenstände eingesetzt. Sie bestanden aus Gold oder in seltenen Fällen auch aus Silber oder Bronze. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer nutzten die Möglichkeit, sich durch diese Münze zu schmücken und somit ihren Reichtum anzuzeigen. Vor allem Könige, Fürsten und andere Herrschergruppen schmückten sich mit Brakteaten und kehrten somit ihren Reichtum nach außen.

Die drei Werte des Brakteaten

Im Mittelalter hatte ein Brakteat drei verschiedene Werte. Zum einen nutzte man ihn als Zweipfennigstück, welches auch Blaffert genannt wurde. Dieses Münzstück zierte meist ein aufwendig gearbeitetes Bild. Zum anderen wurde der Brakteat als Einpfennigstück verarbeitet, welches auch Hohlpfennig genannt wurde. Hier wurde ein eher grobes Bild in das Metall eingearbeitet. Zudem wurde eine kleine Hohlmünze aus dem Brakteat gefertigt, der als halber Pfennig oder sogenannter Scherf bekannt wurde. All diese verschiedenen Arten hatten gemeinsam, dass sie mit einem verbogenen Rand ausgestattet wurden. Zwar hatten sie einige Buchstaben im Metall, doch verzichtete man bei allen auf eine Wertzahl oder einen Text.

Der tatsächliche Wert der Brakteaten allerdings richtete sich nach dem Gewicht der Münzen. So wurde eine jede Münze oder Teilmünze gewogen, bevor sie für den Geldverkehr genutzt werden konnte. Sehr große Beträge konnten so vor allem auf Wochenmärkten einfach abgewogen werden und mussten nicht mühevoll abgezählt werden. Da man im Alltag allerdings eher kleine Beträge der Münze brauchte, war der exakte Zahlungsverkehr mit diesen Münzen oft ein Problem. Heute richtet sich der Wert dieser Münzen vor allem nach ihrer Vergangenheit. Zum einen stellt das verwendete Material dabei ein Parameter dar, zum anderen ist die geschätzte Entstehungszeit von großer Bedeutung. Denn die Brakteaten sind auch heute noch ein wichtiger Beleg für die Münzsysteme der Vergangenheit und stellen wichtige Funde dar.

Interessantes zu den Brakteaten

Den verschiedenen Brakteaten liegt etwas Interessantes inne. So wurden sie in regelmäßigen Abständen, meist ein- oder zweimal im Jahr, von den Geldmachern eingezogen. Gleichzeitig brachte man neue Münzen auf den Markt, wobei diese neuen Münzen in ihrer Ausarbeitung nicht sonderlich von den alten Münzen abwichen. Das Augenmerk lag auch nicht in der Bearbeitung der Münzen, sondern in der Auszahlung an die Menschen. Denn für etwa vier eingezahlte Münzen erhielten die Menschen lediglich drei Münzen zurück. Damit wollte man erreichen, dass Geld nicht zuhause gehortet wurde, sondern als Tauschmittel im Umlauf blieb. So mussten die Menschen die Münzen tauschen, da die alten Exemplare an Wert verloren. Durch diese Methode sollte die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhalten bleiben und die Wirtschaft angekurbelt werden.

Über die Herstellung der Brakteaten

In vergangenen Zeiten gab es keine offiziellen Prägestätten, wie wir sie heute kennen. Vielmehr wurde die Herstellung von Münzen von sogenannten Münzmeistern übernommen. Diese Menschen zogen meist über die Lande von Hof zu Hof, um den Herrschern ihre Dienste beim Prägen von Münzen anzubieten. Nur vereinzelt gab es Prägestätten, an denen auch dauerhaft Münzen hergestellt wurden. Solche Stätten fand man etwa in Aalfeld, Mühlhausen, Altenburg oder Nordhausen. Hier ließ beispielsweise der König Barbarossa seine wundervollen Brakteaten prägen. Schon im Mittelalter kannte man das Problem der Fälschung von Münzen. So wurden schon damals Fälscher sehr hart bestraft, wie etwa mit dem Abhacken der Hand. Es gab eine sogenannte Münzverfassung, in der die genauen Maßgaben der verschiedenen Münzen niedergeschrieben waren. Solch eine Verfassung findet man noch heute etwa im bekannten Sachsenspiegel abgedruckt. Zudem finden sich darin die Gesetze, die bei einer Herstellung von Brakteaten eingehalten werden mussten. So war es beispielsweise erlaubt, eine Änderung an einer bestimmten Münze vorzunehmen, vorausgesetzt jedoch, es gab einen neuen Herrscher.

Für die Münzmeister war es recht einfach, Brakteaten herzustellen. So brauchten die Meister keine Unterstempel für die Herstellung, sondern lediglich eine weiche Unterlage. Die meistgenutzte Unterlage war vermutlich Blei. Auf diese bleierne Unterlage wurde ein eiserner Stempel aufgesetzt, der das ausgewählte Motiv eines Münzrohlings in sich trägt. Durch einen sehr heftigen Schlag mit dem Hammer erhält der Brakteat seine einzigartige Prägung.

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