Deutsche Mittelaltermünzen als Sammlerobjekte

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Einkaufsleitfaden: Deutsche Mittelaltermünzen entdecken

Das Mittelalter ist in vielerlei Hinsicht einer der spannendsten Epochen der deutschen Geschichte. Europa begann sich nach dem Zusammenbruch der antiken Welt neu zu ordnen. Fürstentümer und Königreiche entstanden und gingen wieder unter. Die politische Landkarte jener Zeit gleicht einem sich ständig ändernden Flickenteppich. Neben der schriftlichen Überlieferung, sind es nicht zuletzt Münzen, die uns über die Geburtsstunde des modernen Deutschland Auskunft geben können.
Deutsche Mittelaltermünzen sind aber nicht nur für Historiker von größtem Interesse. Gerade ihre Vielfalt macht sie auch zu begehrten Sammelstücken für Numismatiker.

Die Geschichte der Mittelaltermünzen

Die deutschen Münzen des Mittelalters bauen auf der Währung der alten Römer auf, die wiederum von den altgriechischen Münzen inspiriert wurde. Zur Zeit des Frühmittelalters ging die Nutzung von Münzen stark zurück, denn viele Bürger bezahlten mit ungemünztem Metall oder lebten vom Tauschhandel.

Jene Münzen die noch im Umlauf waren, orientierten sich sehr stark an den römischen Vorbildern. Die jeweiligen Herrscher legten nur fest, welches Mindestgewicht eine Münze zu haben hatte, nicht jedoch, welche Prägung oder Gestalt genutzt werden sollte. Nachdem das zunächst ausschließlich dem König vorbehaltene Recht der Münzprägung auch auf geistliche und andere weltliche Herrscher erweitert wurde, kam die Münze jedoch wieder  in Mode.  Im 10. und 11. Jahrhundert hatte sich die Münze als vorrangiges Zahlungsmittel durchgesetzt, an der sich bis zur Erfindung des Papiergeldes nichts mehr ändern sollte.

Das Münzwesen im Mittelalter war alles andere als stabil. Gewicht, Prägung und Material der Münzen wurden ständig geändert. Münzen wurden zum Teil eingezogen und durch weniger wertvolle oder besonders wertvolle Alternativen ersetzt. Viele Münzen der damaligen Zeit gingen leider verloren, da in den einzelnen Ländern gerade fremde Münzen von Inhabern des Rechts zur Münzprägung eingeschmolzen und durch eigene, zumeist weniger wertvolle Münzen ersetzt wurden. Hinzu kamen Kriege, Hungersnöte und Seuchen, die für eine zusätzliche Instabilität der Währung sorgten. So entstanden in der Zeit des deutschen Mittelalters viele verschiedene Arten von Münzen.

Der Pfennig

Bereits Karl der Große legte zu seiner Amtszeit fest, dass aus einem karolingischem Pfund Silber insgesamt 240 Münzen herzustellen sind, die,  nach dem altrömischen Vorbild, Denarius benannt wurden. Woher das Wort Pfennig stammt ist nach wie vor ungeklärt. Fest steht jedoch, dass sich dass althochdeutsche „Phenninc“ auf den karolingischen Denarius bezieht. Aus „Phenninc“ entwickelte sich im Laufe der Zeit der Pfennig, der zu einer der wichtigsten Münzen überhaupt wurde und bis zur Einführung des Euros auch in Deutschland Teil des Währungssystems war.
Viele auf ihn folgende Zahlungsmittel waren entweder ein Vielfaches oder ein Teilbetrag des Pfennigs. So zum Beispiel der Rappen, der auch als „Raben-Pfennig“ bezeichnet wurde und heute noch in der Schweiz zu finden ist, der Albus, der auch als „Weißpfennig“ bekannt ist, sowie der Schwaren, der den Beinamen „schwerer Pfennig“ bekam. Auch der englische Penny baut auf diesem Grundgerüst auf.

Der Heller

Zu den populärsten und am meisten geschätzten Münzen des deutschen Mittelalters gehört der Heller. Seinen Namen verdankt die Münze der Stadt Hall am Kocher, dem heutigen Schwäbisch Hall. Der Heller wurde bereits am Anfang des 13. Jahrhunderts zum ersten Mal geprägt. Er entsprach einem halben Pfennig und wurde zunächst auch als Händeheller bezeichnet, da auf der Münze oftmals eine Hand abgebildet war. Der Heller wurde zunächst aus Silber geprägt doch mit der Zeit wurde immer häufiger andere, billigere Metalle beigemischt, weshalb man heute neben der Silbermünze auch weiße, rote und schwarze Heller finden kann.
Erst mit der Einführung der einheitlichen Reichswährung von Reichsmark und -pfennig 1873 verschwand der Heller von der deutschen Bildfläche. In anderen Ländern blieb er jedoch gängiges Zahlungsmittel, so zum Beispiel in Österreich-Ungarn und in der Tschechoslowakei. Dort konnte er sich bis 1993 halten eher er kontinuierlich aus dem Umlauf gezogen wurde. So findet man heute im Münzhandel eine über 600 Jahre umfassende Bandbreite an Hellern verschiedener Herkunft.

Der Kreuzer

Der Kreuzer (früher oft auch Kreutzer und Creutzer) wurde erstmals gegen Ende des 13. Jahrhunderts geprägt.  Im 16. Jahrhundert war der Kreuzer bereits im ganzen süddeutschen Raum weit verbreitet, während das norddeutsche Pendant der Groschen, beziehungsweise der Schilling war. Ihren Namen erhielt die Münze aufgrund des, auf der Vorderseite eingeprägten Doppelkreuzes. In den meisten Regionen hatte der Kreuzer den Wert von vier Pfennig oder 8 Hellern. Kreuzer wurden zunächst aus Silber und Kupfer hergestellt. Mit der Zeit verlor sich jedoch ihr Silberanteil, bis sie letztendlich nur noch aus Kupfer geprägt wurden. Der Kreuzer konnte sich ebenfalls bis zur Einführung der Reichsmark halten und war sogar Vorbild für die alten brasilianischen Währungen Cruzeiro und Cruzado.

Der Batzen

Woher der Berner Batzen seinen Namen hat, ist bis heute nicht gesichert. Eine Theorie besagt, dass er seinen Namen von dem auf seiner Rückseite abgebildeten Bären (auch „Bätz“) erhielt, dem Wappentier des Schweizer Kantons Bern. Das erste Mal wurde er gegen Ende des 15. Jahrhunderts geprägt und erlangte vor allem im Süden des deutschsprachigen Raumes große Popularität. Zunächst wurde er aus Silber hergestellt, doch wie so oft in dieser Zeit wurde nach und nach sein Wert vermindert, bis er irgendwann nur noch in Billon geprägt wurde. Dabei handelt es sich um eine Silber-Kupfer-Legierung, die oft mit Zink und Zinn versetzt wurde.
Da er jedoch keine einheitliche Größe hatte und sich zwei Batzen mitunter enorm voneinander unterschieden, war der Batzen bei den deutschen Fürsten weit weniger beliebt und wurde Mitte des 16. Jahrhunderts per Reichsdekret verboten. In der Schweiz wurde der Batzen, bis zur Einführung des Schweizer Franken 1850, auch weiterhin geprägt.

Der Dukat

Die im Mittelalter am weitesten verbreitete Münzeinheit war der Dukat. Beim Dukaten handelte es sich ursprünglich um eine italienische Münze aus Gold, die erstmals gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Venedig geprägt wurde.  Namensgebend war der, unter einer Christusdarstellung, eingeprägte Spruch „Sit tibi Christe datus quem tu regis iste ducatus“ („Dir, Christus, sei dieses Herzogtum, welches du regierst, gegeben“). Diese ersten Dukaten wurden auch als Zechine oder Zecchino bezeichnet, abgeleitet vom italienischen Wort für Münzprägung „zecca“.

Aufgrund seines stabilen Feingehalts an Gold entwickelte sich der Dukaten im 14. und 15. Jahrhundert zur wichtigsten Währungseinheit der europäischen und orientalischen Welt und wurden 1559 zur offiziellen deutschen Reichsmünze erklärt. Dukaten wurden in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert geprägt wobei die Prägung im Laufe der Zeit stark zurückging. In Österreich werden diese Münzen bis heute, in Form von Nachprägungen von Dukaten aus der Regierungszeit Kaiser Franz-Josephs I., für Geschenk- und Sammlerzwecke geprägt.

Achtung beim Kauf von Münzen: Worauf sollten Sie achten?

Über den Wert einer Münze entscheiden im Groben folgende vier Faktoren: Verfügbarkeit, Nachfrage, Erhaltungszustand und Einstufung.

Nachfrage und Verfügbarkeit

Die Nachfrage kann den Wert einer Münze entscheidend erhöhen. Eine häufige Münze, die von Sammlern hoch angesetzt ist, hat einen höheren Wert, als eine häufige Münze, die von Sammlern nicht so gesucht wird. Seltenere Münzen haben meist eine höhere Nachfrage. Dabei spielt das Alter nur manchmal eine Rolle. Beispielsweise sind griechische und römische Münzen trotz ihres Alters relativ preiswert, da sehr viele erhalten sind. Andererseits lässt sich aus einer großen Anzahl ursprünglich geprägter Münzen nicht zwangsläufig eine hohe aktuelle Verfügbarkeit einer Münze ableiten.

Erhaltungszustand

Nur kleine Unterschiede im Zustand können ebenfalls einen enormen Preisunterschied ausmachen. Münzen, die in Umlauf waren und als Zahlungsmittel verwendet wurden, sind natürlich abgenutzt. Daher haben unzirkulierte Münzen, also Münzen, die nie in Umlauf waren, oft einen höheren Wert als zirkulierte. Wenn Sie Münzen kaufen oder verkaufen wollen, sollten Sie sich mit den Erhaltungsgraden und den entsprechenden Begriffen vertraut machen, die sich bei den Sammlern eingebürgert haben.

Münzen prüfen

Das Prüfen der Münzen verschafft Ihnen Sicherheit über Zustand, Echtheit sowie Herkunft und Alter Ihrer gesammelten Stücke. Münzen sollten vor starken Temperaturschwankungen oder Manipulationen geschützt aufbewahrt werden, z.B. in speziell dafür hergestellten Münzalben.
Amerikanische Firmen, wie die NGC (Numismatic Guaranty Corporation) oder PCGS (Professional Coin Grading Service) bieten die Einstufung des Erhaltungsgrades von Münzen und die Feststellung ihrer Echtheit an. Die US-amerikanischen Experten, die diese Prüfung vornehmen, sind erfahrene Numismatiker, welche Münzen zuverlässig mit den zur Verfügung stehenden Informationen vergleichen können. Viele dieser Prüfer haben Erfahrung im kommerziellen Sektor oder waren oft selbst professionelle Händler. Diese Prüfer sind sogar vom aktiven, kommerziellen Münzverkehr per Verbot ausgeschlossen, um eine unabhängige Einschätzung zu gewährleisten und Interessenkonflikte zu vermeiden.
In Deutschland gibt es keine solche Prüfstelle, dafür bürgen der Verband der deutschen Münzwarenhändler (VDDM) und der Berufsverband des deutschen Münzfachhandels für die Echtheit der von ihren Mitgliedern angeboten Münzen.

Erhaltungsgrade von Münzen

Jede Institution, die die Identifikation und Prüfung von Münzen anbietet, hat ihre eigene Philosophie über den grundsätzlichen Zweck der Einstufung. Um den Wert einer Münze zu bestimmen, werden die seit der Prägung zugefügten Beschädigungen dokumentiert und ein Rangsystem zu Rate gezogen. Es haben sich unter Sammlern Beschreibungsweisen und Einstufungen von Erhaltungsgraden eingebürgert, die zu kennen für den Kauf und das Sammeln von Münzen wichtig ist. In den USA gibt es beispielsweise das „Sheldon-Grading-System“. In Deutschland können Sie sich an den Stufen nach den Empfehlungen des Gietl-Verlags orientieren.

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