Deutsch-Ostafrika - Besonderheiten und Geschichte der Zahlungsmittel deutscher Kolonien

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Deutsch-Ostafrika - Besonderheiten und Geschichte der Zahlungsmittel deutscher Kolonien

Die Entstehung der Kolonie Deutsch-Ostafrika

Die Kolonie an der Küste des Indischen Ozeans war die größte und bevölkerungsreichste des Deutschen Reiches. 7,75 Millionen Einwohner lebten auf einer Fläche von 995000 km2, die das heutige Tansania, Burundi, Ruanda sowie einen Teil von Mosambik umfasste. Damit war die Kolonie Deutsch-Ostafrika rund doppelt so groß wie das Deutsche Reich selbst.

Gründer der Kolonie war die Gesellschaft für deutsche Kolonisation unter der Leitung von Carl Peters, der am 10. November 1884 in Sansibar landete und kurz darauf Schutzverträge mit den lokalen Häuptlingen abschloss. Zurück in Deutschland erreichte Peters nach Verhandlungen mit dem Reichskanzler des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck, die Ausstellung eines Schutzbriefes durch Kaiser Wilhelm I. Damit wurde die Besetzung der Gebiete anerkannt und gleichzeitig unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt. Für die wirtschaftliche Entwicklung und die Verwaltung der Kolonie war zunächst jedoch die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft zuständig. Diese private Gesellschaft sollte auch für die Einführung der Münzen in Deutsch-Ostafrika zuständig sein.

Die ersten Münzen in Deutsch-Ostafrika

Im Jahre 1890 erhielt die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft das Recht zur Münzprägung. Da an der Küste Ostafrikas die indische Rupie seit dem 19. Jahrhundert weit verbreitet war und in der Kolonie als anerkanntes Zahlungsmittel galt, orientierte sich die Gesellschaft an dieser Währung. Die indische Rupie wird nicht in Hundertstel, sondern in Vierundsechzigstel geteilt und man übernahm auch diesen Brauch bei der Einführung der Währung. So entstand neben der Deutsch-Ostafrikanischen Rupie auch der Pesa, von dem 64 nötig waren, um eine volle Rupie zu erhalten.

Die Prägung dieser ersten Münzen wurde komplett von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft finanziert und fand im Jahre 1890 in der Münzprägestätte Berlin statt. 1890 wurden zunächst nur zwei Münznominale geprägt. Zum einen war dies die 1-Pesa-Münze aus Kupfer, sowie die 1-Rupie-Münze aus Silber. Die 1-Pesa-Münze, die auch noch in den Jahren 1891 und 92 geprägt wurde, hatte einen Durchmesser von 25,2 mm. Während um 1890 die Auflage dieser Münze bei einer Million lag, wurden in den darauffolgenden Jahren ungleich mehr dieser kleinsten Münze Deutsch-Ostafrikas geprägt. Insgesamt wurden über 41 Millionen 1-Pesa-Münzen geprägt, von denen Sie viele auch heute noch auf dem Markt finden. Auf dem Avers der Münze finden Sie außen einen Lorbeerkranz und mittig in arabischer Schrift den Aufdruck „Gesellschaft Deutschlands“. Die Rückseite zeigt in der Mitte den Reichsadler. Unter diesem ist das Prägejahr zu finden und der Text „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ ist kreisförmig außen aufgeprägt. Die Kupferpesa wurde schnell zu einer der wichtigsten Münzen in Deutsch-Ostafrika und verdrängte alle anderen, fremden Münzen.

Schon seltener ist die 1-Rupie-Münze. Sie wurde von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft bis 1902 fast jährlich geprägt und hatte einen Durchmesser von 30,5 mm. Insgesamt wurden fast 2,3 Millionen Exemplare dieser Münze angefertigt, die auf der Vorderseite das Bild von Kaiser Wilhelm II. sowie die Aufschrift „Guilelmus II – Imperator“ trägt. Auf dem Revers ist das Wappen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft zu sehen und die Jahreszahl der Prägung.

Weitere Münznominale

1891 folgten zwei weitere Münznominale. Da es außer dem 1-Pesa-Stück keine Kleinmünzen unterhalb der Rupie gab, führte man die Viertel-Rupie ein. Diese hatte den Wert von 16 Pesa. Auch diese Münze wurde in Deutschland geprägt und per Schiff in die Kolonie transportiert. Den Wert von 32 Pesa hatte die Halbe Rupie, die ebenfalls 1891 eingeführt wurde. Beide Münzen wurden aus Silber gefertigt und hatten die exakt gleichen Aufschriften und Symbole auf Vorder- und Rückseite wie die 1-Rupie-Münzen. Mit 19,2 mm bei der Viertel-Rupie und 24,4 mm Durchmesser bei der Halben Rupie waren die Münzen jedoch bedeutend kleiner als die 1-Rupie-Münze. Beide Münzen wurden deutlich seltener geprägt, letztmalig im Jahre 1901. Die Auflage der Viertel-Rupie betrug 800000, während von der Halb-Rupien-Münze 358342 Stück geprägt wurden.

Die letzte Münze, die von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft eingeführt wurde, war die 1893 und 1894 geprägte 2-Rupie-Münze. Diese ist die seltenste der Rupie-Münzen aus dieser Zeit. Sie wurde nur 50854 Mal geprägt und wie alle Rupien aus Silber mit einem Feingehalt von 91,66 Prozent gefertigt. Ihr Rauhgewicht lag bei 23,327 g und sie besaß einen Durchmesser von 35 mm.

Münzen unter der Verwaltung des Kaiserreichs ab 1904

Ab 1904 wurden die Rupien von der Reichsregierung herausgegeben. Als zentrales Verwaltungsinstitut wurde die Deutsch-Ostafrikanische Bank gegründet, die als Notenbank fungierte. Dies machte die Umgestaltung der Münzen notwendig, was Sie vor allem an den geänderten Rückseiten der Rupien erkennen können. Alle Hinweise auf die Ostafrika-Gesellschaft sind nun durch den Text „Deutsch Ostafrika“ ersetzt worden. Ebenfalls finden Sie nun einen kleinen Buchstaben unterhalb der Jahreszahl. Bei diesem handelt es sich entweder um ein A oder ein J. Es ist der Hinweis auf die Prägestätte und folgt der Beschriftung der Münzen im Deutschen Reich. Die Prägestätte in Berlin markierte ihre Münzen mit einem A, während Münzen aus Hamburg mit einem J markiert wurden. Die Vorderseite der Münzen blieb hingegen unverändert, genauso wie Feingehalt, Durchmesser und Rauhgewicht der Rupie. Abgeschafft wurde hingegen die 2-Rupie-Münze, alle anderen Nominale blieben erhalten. Die Reichs-Rupien sind deutlich öfter geprägt worden als die Münzen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Zwischen 1904 und 1914 ist alleine die 1-Rupie-Münze 12530000 Mal gefertigt worden.

Der Heller und das Dezimalsystem in Deutsch-Ostafrika

Als am 1. April 1903 das Finanzwesen unter die Kontrolle des Deutschen Reiches gelangte, kam es zu grundlegenden Veränderungen im Münzsystem Deutsch-Ostafrikas. Die Reichsregierung entschied sich zwar, die Rupie als Währung beizubehalten, führte jedoch das Dezimalsystem ein und legte einen festen Wechselkurs zwischen Mark und Rupie fest. Das Dezimalsystem machte die Einführung einer neuen Scheidemünze notwendig. Diese wurde Heller getauft und am 1. April 1904 in Umlauf gebracht. 100 Heller ergaben nun eine Rupie. Die alten Pesa-Münzen wurden, da ungültig, eingezogen und eingeschmolzen. Man benutzte das Material zur Prägung der neuen Heller-Münzen. Der Heller wurde in vier verschiedenen Nominalen aufgelegt. Im Jahre 1904 wurden jedoch nur Münzen zu einem und einem halben Heller geprägt.

Daran erkennen Hellermünzen aus Deutsch-Ostafrika

Beide Münzen wurden aus Kupfer gefertigt und tragen auf der Vorderseite die Jahreszahl der Prägung, die Aufschrift „Deutsch Ostafrika“ und zeigen mittig die Kaiserkrone. Das Revers zeigt einen Lorbeerkranz und den Wert der Münze. Der halbe Heller wurde bereits im Jahr 1906 wieder abgeschafft. Von dieser Münze gelangten somit nur rund 18,3 Millionen Stück in Umlauf. Im Gegensatz zu den Münzen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft wurden die Reichsmünzen in deutlich höheren Auflagen geprägt. So wurden von der 1-Heller-Münze bis zum Jahr 1913 über 91 Millionen Exemplare gefertigt und nach Deutsch-Ostafrika verschifft. Von der 1-Heller-Münze existieren darüber hinaus ganz besondere Exemplare. In der Berliner Münzanstalt wurden 1905 und 1906 Prägungen in polierter Platte vorgenommen, die von Numismatikern besonders gerne gesammelt werden. Jedoch betrug die Auflage nur 95 beziehungsweise 15 Exemplare, sodass Sie diese Münzen äußerst selten auf dem Markt finden werden.

 Die 5 Heller-Münze

1908 folgte in der Serie der Heller-Münzen die 5 Heller-Münze. Sie folgte vom Aussehen den beiden älteren Münzen, wurde jedoch aus einer Kupfer-Nickel-Legierung gefertigt, was ihr einen etwas anderen Farbton verlieh. 1909 wurde die Prägung dieser Münze, deren Auflage knapp 1,5 Millionen betrug, vorläufig eingestellt. Ab 1913 wurden neue 5-Heller-Münzen geprägt, die nun jedoch ein neues Aussehen bekamen. Es handelt sich bei diesen Münzen um sogenannte Lochmünzen, denn sie besitzen in der Mitte ein Loch. Als Prägematerial wurde eine Kupfer-Nickel-Legierung mit hohem Anteil an Nickel verwendet, was der Münze einen silbrigen Glanz verleiht. In der gleichen Art wurden die 10-Heller-Münzen bereits seit 1908 gefertigt, zunächst jedoch nur in einer kleinen Auflage zu 12000 Stück. Bis 1914 wurden jedoch insgesamt rund 3,2 Millionen der 10-Heller-Lochmünzen geprägt.

Münzen aus Deutsch-Ostafrika zwischen 1914 und 1916

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 kam es zu Versorgungsproblemen in den Kolonien des Deutschen Reiches. Alle Güter und Waren wurden mit Schiffen transportiert, jedoch waren die Schifffahrtsrouten von den Gegnern des Deutschen Reiches blockiert, sodass die Kolonien auf sich allein gestellt waren. Um den Zahlungsverkehr in Deutsch-Ostafrika aufrecht zu erhalten, entschied man sich dazu, eine Münzprägestätte in der Kolonie einzurichten und dort die notwendigen Münzen zu prägen. Diese Prägestätte wurde weit im Landesinneren in Tabora errichtet. Die Stadt im tansanischen Binnenland, die zur damaligen Zeit Weidmannsheil hieß, liegt rund 1100 Kilometer von der Küste entfernt und war ein Handelszentrum für Karawanen.

Material und Prägemotive

Aus Mangel an Silber griff man auf andere Materialien zum Prägen der Münzen zurück. Für die größte Münze, die 15-Rupie-Münze, wich man zum Beispiel auf Gold aus. Als Motiv für die Münze wählte man einen Elefanten, während die Rückseite vom Reichsadler geziert wurde. Es wurden immerhin 16198 Exemplare dieser goldenen Notmünzen gefertigt. Das Gewicht der Goldmünzen beträgt 7,1 g und man verwendete Gold mit einem Feingehalt von 75 Prozent, was einem Feingewicht von 5,325 g Gold pro Münze entspricht.

Auch Heller wurden in Tabora geprägt und zwar Münzen zu 20 und 5 Hellern, von denen es jeweils unterschiedliche Versionen gibt. Von den 20-Heller-Münzen gibt es rund 11500 Exemplare, die aus Kupfer geprägt wurden und ebenso viele aus Messing. Beide besitzen einen Durchmesser von 29 mm. Die 5-Heller-Münzen wurden ebenfalls aus Messing gefertigt und bis zum Ende der Münzprägestätte in Tabora wurden 20000 Münzen dieses Nominales geprägt. Die Darstellung auf den Heller-Münzen orientierte sich an den Reichsprägungen der Heller aus den Jahren 1908/1909. Jedoch ist die Prägequalität deutlich schlechter und die Motive der Reichskrone und des Lorbeerkranzes bei Weitem nicht so detailliert wie auf den älteren Reichsprägungen. Münzen wurden in Tabora bis ins Jahr 1916 geprägt und sie waren damit die letzten Münzen aus den deutschen Kolonien. Als Erkennungszeichen tragen die Münzen auf der Vorderseite den kleinen Buchstaben T, was für Tabora steht.

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