Der erste Schritt zum Meisterbild: Tipps für den Kauf von Ölfarbe

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Der erste Schritt zum Meisterbild: Tipps für den Kauf von Ölfarbe

Ölfarben sind die wohl beliebtesten Farben im Künstlerbedarf. Sie zeugen von einer sehr langen Geschichte und wurden bereits bei vielen berühmten Gemälden eingesetzt. Im Vergleich dazu erfand man die Acrylfarben erst im 20. Jahrhundert. Die lange Tradition und das Geschick im Umgang mit den Ölfarben macht sie zu etwas ganz Besonderem. Bis heute zählt die Malerei in diesem Bereich zu einer sehr anspruchsvollen Disziplin und erfordert vom Künstler selbst wahres Können. Doch nicht nur die Technik macht ein Ölgemälde zu einem hochwertigen Kunstwerk. Auch bei den Farben selbst gibt es enorme Unterschiede. Ölfarben besitzen eine wahre Farbbrillanz, eine sehr hohe Farbintensität und eine strukturierte Oberfläche, denen keine andere Farbe gleichkommt. Es gibt Sie im Künstlerbedarf in unterschiedlichen Qualitäten, wobei hier die komplette Farbpalette zu finden ist. Die Auswahl erscheint auf den ersten Blick nicht einfach. Mit etwas Hintergrundwissen findet man jedoch schnell die passende Ölfarbe für das eigene Gemälde. In diesem Ratgeber stellen wir Ihnen die verschiedenen Marken und Qualitätsmerkmale von Ölfarben vor.

Zusammensetzung: Aus diesen Inhaltsstoffen bestehen Ölfarben

Nahezu alle Ölfarben besitzen die gleiche Basis. Sie bestehen aus halbtrockenen oder trockenen Pflanzenölen für eine längere Haltbarkeit. Die Tradition schreibt die Verwendung von Leinöl vor, weil es seither mit seinen Vorteilen überzeugen konnte. Das Öl vergilbt kaum und lässt den Farben damit ihre Brillanz. Außerdem bildet es einen festen und sehr haltbaren Film, damit das Gemälde möglichst lange erhalten bleibt. Je nach verwendetem Öl verändern sich die Eigenschaften der Ölfarben. Sie bekommen ein anderes Malverhalten oder trocknen anders ab.

Folgende Öle kommen ebenso bei der Herstellung der besonderen Farben zum Einsatz:

  • Hanföl
  • Wallnussöl
  • Sonnenblumenöl
  • Rizinusöl
  • Mohnöl

Zum ausgewählten Öl kommen die jeweiligen Farbpigmente als weitere Inhaltsstoffe hinzu. Sie geben der Ölfarbe aber nicht nur den gewünschten Farbton, sondern nehmen Einfluss auf die Struktur. Folgen Sie hier den Hinweisen auf der Verpackung. Es kann sich um sehr feine Farbpigmente handeln, die einen reinen Ursprung haben. Andere Ölfarben sind wiederum mit günstigen Ersatzstoffen gestreckt. Ein weiteres Kriterium ist die Pigmentdichte. Sie ist mithilfe von Punkten oder Sternen auf der Verpackung angegeben und bestimmt später über die Wirkung und Durchlässigkeit der Farbe auf dem Gemälde.

Außerdem bestehen die Farben aus unterschiedlichen Lösungsmitteln und Harzen. Oft kommt Terpentin als Lösungsmittel und Dammar als Harz zum Einsatz. Jeder Hersteller verfolgt hier seine eigenen Richtlinien und Qualitätsansprüche. Die Zusammensetzung der Ölfarben bestimmt sehr viel über deren Haltbarkeit und den späteren Farbauftrag.

Wichtige Qualitätsmerkmale für den Kauf von Ölfarben

Zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen gehört die bereits genannte Pigmentdichte. Hier gilt eine einfache Regel: Je mehr Pigmente die Ölfarbe besitzt, desto hochwertiger ist sie. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf einer Farbe grundsätzlich die Angabe zur Pigmentdichte. Die meisten Ölfarben werden in Tuben angeboten. Auf den Tuben selbst sind kleine Sterne oder Punkte abgebildet, die über die Pigmentdichte informieren. Bei den meisten Herstellern liegt eine Skala zwischen eins und fünf zugrunde. Je mehr Sterne oder Punkte ausgewiesen sind, desto höher ist die Pigmentdichte. Eine Ölfarbe mit einer geringen Dichte wirkt weniger brillant und besitzt eine deutlich geringere Leuchtkraft. Außerdem deckt sie weniger auf dem Untergrund. Überlappen sich zwei Farben, so könnten die dunkleren Pigmente immer durchschimmern.

Ein weiteres Merkmal bei Ölfarben ist die Deckkraft. Auch sie wird durch ein Symbol auf der Farbtube angegeben. In den meisten Fällen handelt es sich hier um ein Viereck, das entweder gefüllt oder leer ist. Je voller das Viereck, desto stärker ist die Deckkraft. Dies richtet sich zum einen nach der Zusammensetzung der Farbe. Zum anderen spielen die verwendeten Farbpigmente eine wichtige Rolle. Art und Farbton selbst bestimmen, welche Deckkraft die Farbpigmente mitbringen. Passen Sie diese Angabe grundsätzlich an ihre Maltechnik und das dazustellende Motiv an. Bestenfalls besteht schon vor dem Einsatz der Farben Klarheit über deren Einsatz.

Natürliche oder synthetisch hergestellte Farbpigmente – was ist besser?

Die Qualität der Ölfarben ist stark von den jeweils verwendeten Farbpigmenten abhängig. Hier unterscheidet man zwischen Pigmenten natürlichen Ursprungs und synthetisch hergestellten Farbpigmenten.

Zu den natürlichen Farben zählen beispielsweise die Pigmente von:

  • Mineralien
  • Erzen
  • Erden
  • Anderen organischen Stoffen

Viele Braun- und Ockertöne werden nach wie vor aus natürlichen Pigmenten von Erden hergestellt. Aus Preisgründen ersetzen heute viele synthetische Pigmente die natürlichen Farben. Zu den wohl teuersten Farbpigmenten gehörte Ultramarin. Dabei handelt es sich um ein sehr intensives Blau, gewonnen aus dem Halbedelstein Lapislazuli. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgten die ersten Experimente mit synthetischen Farbpigmenten. Vor allem in Bezug auf Brillanz und Leuchtkraft sollten sie ebenbürtig sein. Durch die verbesserten Herstellungsverfahren gibt es heute kaum noch Qualitätsunterschiede zwischen den natürlichen und synthetischen Farben. Teilweise sind die synthetischen Pigmente sogar überlegen hinsichtlich ihrer Beständigkeit gegenüber Licht und der Alterung. Bei den meisten Herstellern finden Sie die Farben sowohl auf natürlicher als auch auf synthetischer Basis. Es liegt also in Ihrem Ermessen, für welche Farbpigmente Sie sich letztlich entscheiden.

Was sagen die Farbpigmente noch aus?

Professionelle Künstler setzen in der Regel auf pigmentreine Farben. Dabei handelt es sich nicht um Farbmischungen, sondern die Ölfarbe besteht nur aus den Pigmenten einer einzigen Farbe. Je nach der Bezeichnung der Farbe erkennen Sie meist schnell, ob es sich um eine Mischung oder um eine reine Farbe handelt. Dieser Unterschied ist schnell bei der Verarbeitung zu spüren. Sind die Farben gemischt, verhalten sich die einen Pigmente anders, als die anderen. Es werden demnach nicht nur die Farben, sondern auch deren individuelle Eigenschaften gemischt. Zu diesen Eigenschaften zählt beispielsweise die Deckkraft. Titanoxid gehört zu den Pigmenten, die eine sehr starke Deckkraft besitzen. Zu den eher durchscheinenden Farben zählt Zinkweiß. Die Pigmente sorgen für eine leichte Transparenz der Ölfarbe und machen Sie somit für Lasuren tauglich. Der Preis der Ölfarben ergibt sich also nicht nur durch die Qualitäten, sondern gleichermaßen durch die verwendeten Pigmente. Frei verfügbare und häufig vorkommende Pigmente sind deutlich günstiger als die seltenen Farben. Manche Farbtöne erfordern beispielsweise einen großen Herstellungsaufwand und sind deshalb deutlich teurer. Die Preisunterschiede sind demnach nicht zwingend Qualitätsunterschiede.

Hintergrundwissen: Hobby-Ölfarben, Künstlerölfarben oder Studio-Qualität?

Zwischen den meisten Herstellern gibt es eine Einteilung der Ölfarben in folgende drei Gruppen:

  • Hobby-Ölfarben
  • Studio-Qualität
  • Feinste Künstlerqualität

Ölfarben im reinen Hobby-Bereich müssen nicht den höchsten Qualitätsansprüchen folgen. Hier sind die Pigmente meist gemischt und erzeugen eine geringere Brillanz. Wer in der künstlerischen Malerei tätig werden will und größere Werke plant, sollte bei der Studio-Qualität beginnen. Die meisten Hersteller bieten diese Farben etwas teurer an, als die Hobby-Ölfarben. Allerdings besteht ein enormer Qualitätsunterschied. Die verwendeten Pigmente zeigen eine starke Leuchtkraft und erzeugen auf dem Bild die gewünschte Brillanz. Außerdem spielt die Lichtechtheit der Farben eine wichtige Rolle. Die Farben dürfen auf dem Gemälde nicht verblassen und müssen selbst UV-Strahlung aushalten. Gemischte Farbpigmente wirken nach dem Trocknen eher etwas stumpf und leuchten weniger. Ist die Lichtechtheit nicht gegeben, verblassen die Farben sehr schnell.

Farben in Künstlerqualität bedienen die höchsten Ansprüche. Diese Farben besitzen möglichst lichtechte Pigmente. Außerdem ist die Reinheit der Pigmente gegeben. Hier entstehen bereits genannte Preisunterschiede zwischen den Farben. Manche Pigmente sind deutlich schwieriger zu extrahieren oder herzustellen. Die maximale Leuchtkraft in Ihrem Kunstwerk erhalten Sie nur mit Künstlerölfarben. Für die ersten Versuche in der Ölmalerei könnten diese Farben jedoch sehr kostspielig werden. Grundsätzlich sind die Künstler-Ölfarben der verschiedenen Hersteller untereinander mischbar. Damit erhalten Sie eine besonders große Farbpalette, denn nicht jeder Hersteller besitzt alle möglichen Farbpigmente. Mischen Sie niemals Farben unterschiedlicher Qualitäten auf der Staffelei miteinander. Hier kann es zu einem eher schlechten Zusammenspiel kommen. Professionelle Künstler beschränken sich bei der Farbwahl nur auf einen Hersteller. Hintergrund ist der leicht variierende Ölgehalt in den Farben. Dieser kann später zu einem unterschiedlichen und nicht stimmigen Ergebnis führen.

Bekannte Hersteller für Ölfarben unterschiedlicher Qualitäten sind:

  • Schmincke
  • Lukas
  • Windsor & Newton
  • Sennelier
  • Daler-Rowney
  • Talens

Weitere Tipps zum Kauf der richtigen Ölfarben

  • Für den Anfang sollten Sie bereits gebrauchsfertige Ölfarben aus der Tube kaufen. Diese gibt es in unterschiedlichen Größen und sie sind direkt bereit für das erste Kunstwerk.
  • Grundsätzlich gilt: Je höher die Qualität, desto leuchtender, dauerhafter und deckender erscheinen die Farben auf dem späteren Kunstwerk.
  • Steigern Sie die Auswahl der Farbqualität proportional zu Ihren Fähigkeiten. Beginnen Sie mit der Hobby-Qualität und testen Sie später einzelne Tuben der höheren Qualitäten. So gewöhnen Sie sich schneller an die neuen Farben.
  • Ölfarben besitzen eine sehr lange Trocknungszeit. Überlegen Sie deshalb, ob Sie auf Terpentin als Lösungsmittel verzichten wollen. Damit verkürzen Sie die Trocknungszeit, wobei die Farben deutlich schneller auf dem Gemälde zu verarbeiten sind.
  • Eine neue Entwicklung sind wasserverdünnbare Ölfarben. Sie weisen nicht den störenden Terpentingeruch auf und trocknen ebenso schneller ab. Damit bringen Sie in kurzer Zeit mehrere Farbschichten übereinander auf die Leinwand.
  • Kaufen Sie zu Beginn keine großen Ölfarben-Sets, wenn Sie sich in Bezug auf die Qualität unschlüssig sind. Gleichen Sie ihren Malstil zunächst mit einzelnen Tuben der Hersteller ab und entscheiden Sie sich dann für eine Farbe.
  • Eine andere Möglichkeit ist das Selbstmischen von Ölfarben. Hier bekommen Sie nicht nur die einzelnen Farbpigmente, sondern auch die Öle und die jeweiligen Zusatzstoffe zu kaufen. Hier benötigen Sie etwas Erfahrung und müssen sich mit der Zusammensetzung der Farben gut auskennen. Die Mischung nimmt Einfluss auf Farbbrillanz und vor allem auf die Haltbarkeit.
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