Der Spielplatz für Millionäre

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Das Buch ist im Juni 2003 im Delius Klasing Verlag, Bielefeld erschienen. Bezahlt habe ich für dieses Buch 24 Euro.

Das Deckblatt des Buches zeigt die Rennyacht „Alinghi“ in leichter Schräglage segelnd auf dem Wasser. Im oberen Drittel der Seite steht der Titel des Buches „ Alinghis Gipfelsturm – der America´s Cup“ .

Insgesamt besteht das Buch aus 223 Seiten. Das Buch ist chronologisch klar strukturiert.
Es beginnt der bei Entstehungs- Geschichte des America´s Cup, schreibt wie der Cup zu seinen Namen gekommen ist bis hin zum Triumph des schweizer Unternehmens „ Alinghi“ unter Führung des steinreichen Ernesto Bertarelli.

In das Buch sind sehr viele Hochglanzfotos eingebracht, die das beschrieben meist untermalen bzw. visualisieren. Die Aufnahmen sind aus allen möglichen Begebenheiten auf dem Wasser im Hafen oder auch private aufnahmen von Unternehmungen an Land oder auch der Planung und des Baus der Boote.

Auf den letzten Seiten des Buches sind verschiedene Statistiken, wie z.B. eine Ergebnissliste des americas Cup von Jahre 1851 bis zum Jahre 1987, sowie einer sehr ausführliche Statistik mit allen Ergebnissen des Americas Cup 2003, ausserdem sind alle Boote die beim Americas Cup Rennen 2003 beteiligt waren in einen Kurzporträt vorgestellt.

Das Vorwort in diesem Buch ist von Jochen Schümann, den vielleicht bekanntesten deutschen Segelsportler , geschrieben. Schümann war im siegreichen Alinghi Team als Sportdirektor tätig und somit in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden.

Im ersten Kapitel wird dann beschrieben mit welcher Akribie Ernesto Bertarelli sein Team zusammenstellte und formte. Zuerst besetzte er die wichtigsten Position wie den Skipper, hier gewann er mit Roussel Coutts den Skipper der zuletzt siegreichen Neuseeländischen Yacht, sowie die Position des Sportdirektors, die restlichen Positionen wurden nach und nach, teils nach heftigsten Ausscheidungen getroffen. Das Team war am Ende so groß dass bei Trainingsfahrten stets zwei Boote auf dem Wasser waren die sich gegenseitig bis ans Limit gepuscht haben.

Im zweiten Kapitel wird die Geschichte des Americas Cup durchleuchtet, Wie es zu den Rennen kann um wie der Cup zu seinen Namen gekommen ist. Ursprünglich war es eine Regatta von britischen Edelleuten, ehe im Jahre 1851 die Amerikaner mit einer Yacht über den großen Teich kamen um den Cup mit ins neue Land zu nehmen. Seit diesen Tagen war dieser Cup nie mehr in europäischen Händen. In Amerika wurden dann nach und nach die Regeln erstellt nach welchen die jeweiligen Regatten um den Americas Cup ausgetragen werden sollten.

Im dritten Kapitel werden dann die zehn verschiedenen Kampagnen vorgestellt die sich als Herausforderer für den Americas Cup 2003 bewarben. Der Beste unter diesen zehn Kampagnen bekommt das Recht den Titelverteidiger herauszufordern.
Spätestens in diesem Kapitel wird ganz offensichtlich das es sich hier um einen Spielplatz für Multimillionäre handelt, die nicht wissen wohin mit Ihren Geld.

Im vierten Kapitel werden die „deutschen „ Einsätze bei den bisherigen Americas Cup Einsätzen dargestellt. Da diese sich jedoch im überschaubaren rahmen befinden ist dieses Kapitel recht kurz und wenig aussagend.

Mittig des Buches befinden sich ein paar Gastkommentare unter anderem von Rolf Vrolijk, einen deutschen Bootsbauer mit internationaler Anerkennung, Jochen Schümann zeigt seine bisherigen Erfolge auf, immerhin ist er mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger in verschiednen Bootsklassen, und der deutsche Segelprofi Tim Kröger beschreibt den harten Alltag seines Jobs.
In zwei weiteren Kapitel beschreibt erst Jochen Schümann mit welchen Mühen es verbunden war das Team Alinghi zu formen. Nach welchen Kriterien ausgewählt wurde und am Ende ein Team aus 15 verschiedenen Nationen unter einen Hut gebracht werden musste.
Rolf Vrolijk schreibt mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hatte bei der Zeichnung der Alinghi Yachten , wie die Yachten nach und nach verfeinert wurden. Es ist erschreckend wenn man liest wenn ein Bauteil aus feinsten Materialen , mit entsprechenden Herstellungskosten, nach wenigen Praxistests für unbrauchbar erklärt wird und in einer Ecke im Schuppen landet.

In einem weiteren Kapitel schreibt Tim Kröger wie er sehr kurzfristig in fie französische Kampagne „ Le Defi“ kam. Dieses Projekt war von Anfang an finanziell eher wackelig und das Team musste sich mehr um die Arbeiten drum herum befassen als auf dem Wasser zu trainieren. Ein sehr krasser Gegensatz zum Team Alinghi. Aber durch dieses Kapitel wird auch die zwei- Klassen – Gesellschaft deutlich die in diesem Sport herrscht.

Im nächsten Kapitel geht es dann um den Louis- Vutton- Cup. So heißt offiziell die Regatta , deren Sieger dann gegen den Cup Verteidiger im Americas Cup antreten darf. In diesem Kapitel wird sehr detailliert auf die einzelnen Duelle im Rahmen der verschiedenen Rennen eingegangen. Von den einzelnen taktischen Entscheidungen während der Rennen, bis hin zu spektakulären Modifikationen an den Booten zwischen den Rennen. Auch wird darauf eingegangen wie die einzelnen Teilnehmer sich an Land präsentierten, wie sie sich gegen neugierige Blicke der Konkurrenten wehrten. Von meterhohen Stacheldrahtzäunen bis zur militärischen Unterwasser- Absicherung war den Verantwortlichen nichts zu Schade.

Zwischendurch wird auf eine Riesenproblem der damaligen Veranstaltung eingegangen. Da das Team Alinghi mit Roussel Coutts nichts nur den neuseeländischen Skipper der zuletzt siegreichen Yacht Neu Seelands ins Boot holte, sondern auch noch 3 weitere neuseeländische Skipper in Ihrem Team hatte, waren Sie natürlich das Hass- Objekt dieser Veranstaltung. Die Neuseeländische Presse schoss sich auf das Team , aber auch gegen die eignen Landsleute ein. Sie wurden als Vaterlandsverräter bezeichnet und ihnen alles mögliche unterstellt, das ganze ging so weit das die Kinder in der Schule angespuckt wurden. Ein ganzes Land war gegen dieses Team und zeigte dies auch öffentlich in Form von Banner oder auch entsprechend bedruckten Shirts.

Am Ende setzte sich Alinghi im Luis Vutton Cup durch und war der Herausforderer der Neu Seeländischen Yacht. Es begann eine Materialschlacht sondergleichen, die auch in ein Duell der Bootsbauer überging. Am Ende gewann Alinghi das Duell klar mit 5:0 Rennen, dies war natürlich eine Schmach für Neu Seeland zu Hause auf heimischen Gewässer so vorgeführt zu werden. Schnell schwankte die Presse und verspottete und verhöhnte die eigne Segel Crew.

Fazit:
Das Buch ist wirklich sehr detailliert geschrieben und auch tiefgehend recherchiert.
Der Americas Cup 2003 setzte ja auch in Deutschland ein kleine Hysterie in Gang, schließlich war es das erste Mal das das deutsche Fernsehen live von derartigen Veranstaltungen berichtete. Und selbst zu so unchristlichen Zeiten wie morgens um 4 Uhr lockte man damit immerhin zwischen 500.000 und 800.000 Zuschauer vor die Mattscheibe.
Für all diejenigen die damals das ganze mit Interesse verfolgt haben ist dieses Buch ein Muss.
Man blickt sehr gut hinter die Kulissen und stellt schnell fest das es hier nichts anderes ist wie in der Formel 1. Man bekommt auch gezeigt das es ein knallhartes Geschäft ist, in dem kein platz für Sentimentalitäten ist, sondern das reine Leistungsprinzip regiert. Der Americas Cup ist viel mehr als das schnelle rasante Segeln unter Sonnenschein auf blauen Meer.
Der Autorin Tatjana Pokorny ist hier ein tolles Buch aus der Feder entsprungen was sowohl Segelfans als auch Laien eine Freude machen wird.
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