Der Bindenschild - Wappen der Gründer Österreichs

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Der Bindenschild, das Wappen der Babenberger

Die Herkunft des Bindenschilds ist nicht eindeutig geklärt, die Legende von der Entstehung aufgrund der Ereignisse während der Belagerung von Akkon (dem antiken Ptolemais) unter Mitwirkung des österreichischen Herzogs Leopold V., wird erstmals in L. Stainreuters "Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften" Ende des 14. Jahrhunderts überliefert.

Vorgeschichte: Nach der Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin im Jahr 1187 rief Kaiser Friedrich Barbarossa die Christen zu einem gigantischen Kreuzzug zur Befreiung der Heiligen Stätten auf, der das gesamte Abendland mit Begeisterung erfüllte und als "der dritte Kreuzzug" in die Geschichte einging. In Deutschland lösten vor allem die mitreißenden Predigten Gottfrieds von Würzburg ein großes Echo aus. Auch Herzog Leopold V., der Tugendhafte, nahm das Kreuz gemeinsam mit Rittern aus Österreich und der damals noch unabhängigen Steiermark und machte sich auf den Weg an die syrische Küste.

Fast gleichzeitig mit ihm trafen König Richard Löwenherz von England und König Philipp von Frankreich dort ein, nicht aber Barbarossa, der den Landweg gewählt hatte und zwischenzeitlich im reißenden Fluß Saleph in Kilikien ertrunken war. Das Kreuzfahrerheer belagerte zunächst die hartnäckig verteidigte Hafenstadt Akkon. Im Juli 1191 - nach zahlreichen Schlachten mit unterschiedlichem Ausgang - konnten die Christen endlich in die gegen freien Abzug von den Verteidigern übergebene Stadt einziehen.

Zur Legendenbildung beigetragen hat dabei der Angriff, den der Babenbergerherzog Leopold geführt haben soll: Sein blütenweißer Waffenrock war bis auf einen breiten, vom Gürtel geschützten Streifen so mit Feindesblut bespritzt, daß er als rotweißrote Fahne verwendet werden konnte. Die vormals verwendete Fahne war von Richard Löwenherz entehrt worden, als er die bereits auf den Zinnen Akkons aufgepflanzte Flagge des Babenbergers in den Staub warf und stattdessen sein Löwenbanner anbrachte.

Leopold, der daraufhin Rache schwor, ließ seinen Widersacher Monate später, nach Ende des Kreuzzugs, in Wien festnehmen und erst nach Zahlung eines Lösegeldes in astronomischer Höhe - die Rede ist von 60 Tonnen Silber - frei. Aus eben diesem Grund wurde bald darauf die erste Münzstätte Wiens gegründet, wobei das in Barren angelieferte Lösegeld zu den  Wiener Pfennigen ausgemünzt wurde. Häufig wurde das Motiv "Bindenschild" auch auf diesen mittelalterlichen Silberprägungen dargestellt, worüber sich besonders die Sammler mittelalterlicher Münzen und historisch Interessierte freuen dürfen.

Schilder mit horizontalem Streifen sind erstmals um 1196, im Liber ad honorem Augusti, der Chronik Petrus de Ebulo, dargestellt. Dort sind die Ritter, die Richard Löwenherz gefangen nehmen, mit Bindenschilden ausgestattet.



Bindenschild des Erzherzogtums Österreich


Als Wappen des österreichischen Herzogs kommt der Bindenschild erstmals an einer Urkunde für Lilienfeld vom 30. November 1230 auf dem Siegel von Herzog Friedrich II. vor. Seither wurde er von den österreichischen Herzögen anstelle des einköpfigen Adlers als Wappen verwendet.

1804, kurz vor Ende des Römisch-Deutschen Reiches, welches, ebenfalls in Wien, durch einen Herold vom Balkon der Kirche "Am Hof" verkündet wurde, wurde der Bindenschild Herzschild des Wappens des Hauses Österreich. 1919 wurden die Farben Rot-Weiss-Rot auch für die Flagge der Republik Österreich übernommen und im Staatswappen mit dem einköpfigen Adler vereinigt.

Der Bindenschild wurde ab 1945 in das heutige Wappen der Republik Österreich, das sog. Bundeswappen, zentral integriert.


Österreichisches Bundeswappen


Der Bindenschild ist somit, numismatisch gesehen, erstmals auf den babenbergerzeitlichen Wiener Pfennigen dargestellt, zuletzt - der Tradition folgend - auf den ebenfalls silbernen und äußerst populären 10-Schilling-Münzen, welche wohl heute noch verborgen auf so manchem Dachboden schlummern, falls sie nicht bereits längst in eine kleine Österreich-Sammlung eingereiht sind.

Im Oktober 2005 wurde von der Münze Österreich eine silberne 10-Euro-Münze herausgegeben, die auf der Rückseite u.a. auch den Bindenschild abbildet.

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