Den Amiga 2000 richtig aufrüsten – ein Leitfaden

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Den Amiga 2000 richtig aufrüsten – ein Leitfaden

Lange vor den heutzutage allgegenwärtigen PCs dominierten Spielcomputer den Markt der Freizeitelektronik. Rechner zur Arbeitsunterstützung hatten ihren Platz im Büro, in den Kinder- und Jugendzimmern wiederum gaben die Modelle von Atari und Commodore den Ton an. Erst im Laufe der 80er Jahre entwickelte sich der eher einfach gehaltene Spielcomputer vom Gerät der Freizeitnutzung zum komplexen Alleskönner, wie er heutigen Anwendern in Grundzügen noch vertraut ist.

Die damaligen Marktführer

Schon damals beherrschten einige wenige Firmen die Branche, eine von ihnen war der nordamerikanische Hersteller „Commodore“. Im Verlauf der Spezialisierung der PCs wurden von Seiten der Entwickler immer neue Innovationen in die Hardware integriert. Das zeitigte immer aufwendiger gestaltete Versionen, die zwar einerseits in Sachen Investition eine hohe Hürde bedeuteten, andererseits mit ihren ständig erweiterten Fähigkeiten den Radius der Nutzer vergrößerten – bis schließlich kaum noch ein Haushalt ohne Computer ausgestattet war. Eine entscheidende Rolle innerhalb der Entwicklung vom überschaubar konstruierten hin zum breit aufgestellten Rechnersystem stellt der „Amiga 2000“ dar. Er wurde 1987 zeitgleich mit dem Amiga 500 der Öffentlichkeit präsentiert. Mit ihm läutete Commodore die Phase der technisch anspruchsvollen PCs ein, die den uns vertrauten aktuellen Rechnern grundsätzlich ähneln, da sie nach dem Prinzip der Erweiterungsoption gebaut wurden. Commodore half das wenig – die einst einflussreiche Firma verschwand in den 90er Jahren aus dem Segment der Computertechnik, Fehleinschätzungen des Managements hatten zu einer verheerenden Bilanz geführt und die Marke schließlich ruiniert.

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Commodore als Avantgarde des Computerzeitalters

Der Amiga 2000 ist Teil einer Geschichte, die 1982 mit dem Erscheinen des legendären C64 begann. Damals bedeutete dieser Commodore einen nahezu perfekten Querschnitt durch die Möglichkeiten der Computernutzung, er eignete sich dank ausgereifter Ton- und Bildtechnik hervorragend für das Spielen, leistete aber ebenso im Bereich der Schreibtischtätigkeit wertvolle Dienste. Die Auswahl der Software war dementsprechend groß, die rasant wachsende Popularität tat ihr Übriges dazu. Im Jahre 1985 entschied sich Commodore für den nächsten Entwicklungsschritt und stellte die Amiga-Linie vor. Mit dem Amiga 1000 nahm sie ihren Anfang, der allerdings ein komplizierter war. Wie so oft bei Neuerungen im technischen Segment funktionierte noch nicht alles, zudem hielten sich hartnäckig Gerüchte über finanzielle Turbulenzen, in denen sich Commodore angeblich befand. Die angepeilte Eroberung des gerade zu boomen beginnenden Bürobereichs (Desktop PCs) musste erst einmal verschoben werden – gerade großen Firmen war der Einkauf zahlreicher Computer bei einer angeschlagenen Firma ein zu riskantes Unterfangen. Schließlich erblickten zwei Jahre später gleich zwei PCs der Amiga-Klasse, der 500er und der 2000er, das Licht der Öffentlichkeit. Commodore galt wieder als stabil und der Absatz stimmte vom ersten Tag an, zusätzlich wurde der Preis dem mittlerweile eher niedrigen Niveau angepasst.

Der Amiga 2000 – ein Meilenstein im Umgang mit Computern

Mit dem 2000er-Modell bot Commodore erstmals die Möglichkeit des individuell anspruchsvollen Eingriffs in das Gefüge eines PCs. Zwar erfreute sich das Basteln und Erweitern auch oder gerade bei den eher simpel konstruierten Spielcomputern einer großen Beliebtheit, doch zeigte die eher limitierte Ausstattung dem Interessierten schnell die Grenzen seiner Möglichkeiten auf. Das änderte sich schlagartig mit dem Amiga 2000: Aufgrund seiner offenen Struktur – auch „OSA“, eben „offene Systemarchitektur“ genannt - öffnete sich dem Bastler eine ganz andere Dimension der Aufrüstung bzw. des Austauschs ganzer Komponenten. Was heutigen Nutzern mit ein wenig Sachverstand bestens vertraut ist, nahm mit dem Amiga 2000 seinen Anfang. Die offene Architektur bestand vor allem aus einer wesentlich modifizierten Hauptplatine. Diese verfügte erstmals über einige Erweiterungssteckplätze – was sinngemäß auch dem aktuellen PC-Standard unserer Zeit entspricht – und bestach zudem durch eine automatische Erkennung neu angeschlossener Geräte. Mittels „Autoconfiq“, einer Art „Plug and Play“, konnte jede Steckverbindung unmittelbar vom System erkannt und dementsprechend in den Ablauf integriert werden. Mit den neu gegebenen Möglichkeiten waren und sind umfangreiche Veränderungen im Ablauf der Amiga-Anwendungen vorhanden - das gilt selbstverständlich auch heute noch, eBay hält in seiner Sparte der Computeraccessoires diverse Bauteile längst nicht mehr vertriebener Modelle, wie natürlich auch des Amiga 2000, bereit.

Speichervermögen des Amigas

Eine gewichtige Facette der Aufrüstung überhaupt und vor allem hinsichtlich des Amigas stellt die Erweiterung des Speichervermögens dar. Besonders hervor tat sich schon damals die Karte auf dem MMU-Steckplatz. Wegen seiner eher bescheidenen Platinen-Ausstattung, die gerade einmal über 512 KB RAM verfügte, wurde der Großteil des Speichervolumens von Erweiterungskarten getragen. Hier konnte leicht angesetzt und die Kapazität mit wenig Aufwand auf einen Megabyte hinaufgeschraubt werden. Bei späteren Versionen des Amiga 2000 hatten die Entwickler entsprechend nachgebessert und das Mainboard von vornherein höherwertig ausgerüstet. Hinderlich war in erster Linie die Tatsache, dass ein wertvoller Steckplatz mit einer Karte von eher untergeordnetem Nutzen belegt war. Auch nach damaligem Stand der Technik wären deutlich umfangreichere RAM-Kapazitäten direkt auf der Platine möglich gewesen. Gleich mit maximal 2 MB bestückt und in drei Varianten erhältlich (mit 512 KB, 1 oder 2 MB zu Chips mit jeweils 256 KB), bedeutete die Speichererweiterung „A2052“ einen ersten Fortschritt. Dieser fand seine Fortsetzung anschließend in der Karte „A2058“, die immerhin schon über drei Versionen ab zwei Megabyte verfügte, nämlich über jeweils 2, 4 oder 8 MB große Steckoptionen. Eingebaute Jumper sorgten für die nötige Kommunikation mit dem Board. Als problematisch erwies sich die volle Ausreizung der Erweiterung: Waren erst einmal alle Chips bis zum Erreichen der Leistungsstärke von 8 MB eingesteckt, entfielen alle weiteren Optionen aufgrund von Platzmangel.

Ein Juwel des Amiga 2000: die Festplattencontroller-Erweiterung

Im Fokus der Erweiterungen standen von Beginn an die Festplattencontroller. Diese dienen dem Anschluss von Harddisk-Laufwerken, interessant waren diesbezüglich vor allem die Überschneidungen mit herkömmlichen Bauteilen aus der IBM-Reihe. So konnten etwa Festplatten nach Typ „ST506“ in beiden Computern Verwendung finden. Hinzu trat eine Besonderheit der Amiga-Controller-Karten, nämlich die Fähigkeit der SCSI-Option. Es erschienen drei verschiedene Controller-Erweiterungen, den Anfang machte das Modell „A 2090 A“. Das dort angewandte SCSI-Verfahren kam erstmals in Apple-Computern zur Anwendung und etablierte sich am Markt als besonders leistungsstark, da es in erster Linie die CPU entlastete. Die so frei gewordenen Ressourcen waren enorm und an anderer Stelle nutzbar, was die Gesamtleistung des Amiga 2000 erheblich verbesserte. In kurzer Folge erschienen zwei Abwandlungen der Controller-Karten, die Varianten „A2090SCSI Filecard“ und „A2232 Serialport“. Bei ersterer handelte es sich um einen reinen Autoboot-Controller, der sich aber wegen seiner Speichereigenschaften nicht für höhere Versionen des Amigas empfiehlt. Bemerkenswert für Bastler sind allerdings heute noch die großzügigen 16 Steckplätze zwecks Speichererweiterung um maximal 2 MB RAM. Beim zweiten Exemplar handelt es sich um eine Serialport-Karte mit stolzen sieben Onboard-Schnittstellen. Bis zu fünf Mal konnte die „A2232“ in einen Amiga 2000 verbaut werden, in der Summe ergibt das die erstaunliche Zahl von 36 seriellen Anschlüssen – ein wesentlicher technischer Vorzug vor anderen Computern der damaligen Zeit.

Tor ins PC-Zeitalter: Brückenkarten im Amiga 2000

Der Amiga 2000 bot als einschneidende Veränderung seinen Vorgängermodellen gegenüber die Option des Wechselns aus dem Amiga-Modus nach MS DOS. Möglich wurde das durch im PC verbaute kompatible Steckplätze, die allerdings ohne Anschlüsse versehen waren. Wer lediglich seinen Amiga nutzen wollte, konnte das ohne Probleme tun. Wer parallel in den Vorzug eines regulären PCs gelangen wollte, war durch die Installation eines sogenannten „Bridgeboards“ dazu in der Lage. Auf Seiten der Hardware wurde so eine direkte Verbindung hergestellt, die selbstverständlich ihr Gegenstück in der Software benötigte. Dazu wurde im Amiga-System ein spezielles Programm aufgespielt, es trug den passenden Namen „Janus“. Dank der Brückenkarten mit ihren 128 Kilobyte pro Sekunde gelang so ein recht flüssiger Datentransfer, die Software bewirkte nicht zuletzt die Umsetzung der grafischen Details auf dem Amiga-Bildschirm. Auch Diskettenlaufwerke in den beiden damals gängigen Formaten 5,25- und 3,5-Zoll sowie natürlich Maus und Tastatur waren dank Janus-Software und „Bridgeboard“ PC-fähig herzurichten. Alles in allem erwies sich die Hybrid-Lösung des Amiga 2000 als funktionierendes Element, das Bastlern wie routinierten Amiga-Nutzern durch zahlreiche punktuelle Erweiterungen die Welt der MS-DOS-Rechner erschloss.

Solide Technik mit viel Spielraum: Der Amiga 2000 war wegweisend konzipiert

Ein Erfolgsgarant der Popularität des Amiga 2000 lag in dessen stufenartigem Aufbau begründet: Neben den erwähnten Innovationen griffen die Entwickler stets auch auf die bewährten Komponenten älterer Baureihen zurück. Die CPU blieb dem 1000er-Modell gegenüber gleich, ein mit 7,14 Mhz getakteter Prozessor von Motorola, drei Custom-Chips sowie ein identisches Diskettenlaufwerk bewiesen das Festhalten Commodores an bewährter Technik. Wie bei fast jeder Version eines Rechners erschienen innerhalb kurzer Zeit einige Nachfolger bzw. Sondermodelle. Diese sorgten für Veränderung insbesondere bezüglich der Anschlussarten, einige zusätzlich zu erwerbende Erweiterungen gingen je nach Variante über in den standardisierten Gesamtumfang. Grundlegend für alle Erweiterungen waren und sind die drei Steckplätze des Amiga 2000: MMU, die sogenannten „Zorro-Schnittstellen“ und der interne Videoslot. Die Software genügte bereits damals zeitgemäßen Ansprüchen; die meisten Betriebssysteme arbeiteten auf der Basis des „Drag and drop“, so auch das Amiga OS. Schier unüberschaubar ist bis heute die Palette der Hardware-Geräte für den externen Anschluss. Sie reicht vom Tintenstrahldrucker „MPS1270“ über die verschiedenen Joystickmodelle bis hin zu mehreren Kugelmäusen.

Seinen bleibenden Wert hat der Amiga 2000 in den Bereichen Multitasking (Amiga/PC) und einer auffallend starken Grafik. Die Idee Commodores, neben dem 500er-Modell einen Computer für das Premium-Segment zu bauen und zusätzlich zur Computerspiele affinen Klientel auch die der anspruchsvollen PC-Nutzer zu erreichen, ist mit dem 2000er vollends aufgegangen.

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