Dauer von Kauf bis Warenerhalt, Verkäuferkosten u.v.m.

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Vorwort

Häufig dauert es recht lange, bis ein Verkäufer den zu zahlenden Betrag als "erhalten" deklariert und tatsächlich die Ware abschickt.

Ich möchte in diesem Ratgeber näher hierauf eingehen und einige Hintergrundinformationen liefern, damit sich auch Laien ein vernünftiges Bild machen können, wie lange es vom Zeitpunkt der abgesandten Zahlung bis hin zum Erhalt der Ware dauern sollte und welchen Einflüssen dies ausgestzt ist.

Wir nutzen ein praktisches - rein fiktives - Anwendungsbeispiel, damit dürfte sich eine Erklärung einfacher gestalten.

 

Kaufabwicklung

Sie freuen sich, eine Auktion gewonnen ggf. einen Artikel zum Sofortkauf günstig erhalten zu haben.
Im Grunde genommen sind diese Angaben von Relevanz:

Kaufpreis:    19,99 EUR (inkl. MwSt.)
Versand:        4,90 EUR

Lieferung:    Innerhalb von 2-3 Werktagen nach Zahlungseingang.

Zahlungen:   PayPal, Überweisung

Natürlich sollten Sie nach Abschluss der Auktion möglichst rasch die Kaufabwicklung im eigenen "Mein ebay" abschließen und den Betrag - anhand obigen Beispiels 19,99 EUR Kaufpreis zzgl. 4,90 EUR Versand, d.h.gesamt 24,89 EUR - auf den Weg zum Verkäufer senden.

Werktag 0

 

Die Zahlung des Artikels und die damit verbundene Dauer

Der Verkäufer gibt in diesem Beispiel zwei Zahlungsmethoden an, welche insoweit auch die am häufigsten genutzten sind.

a) Zahlung per "PayPal":

Diese Form der Zahlung ist insoweit die bequemste. Sie müssen in der Regel gar nicht erst Ihr PayPal-Konto aufladen, sondern der Kaufbetrag wird einfach von ihrem Bankkonto per Lastschrift eingezogen. Gleichzeitig wird der Kauf sofort ab dem Zeitpunkt der Bestätigung in PayPal auch als bezahlt markiert, weswegen diese Zahlungsmöglichkeit auch die schnellste ist.

Viele - insbesondere private - Verkäufer verzichten gerne auf PayPal, da die Gebühren utopisch hoch sind.

Erklärung:
- PayPal erhebt Gebühren für jeden Geldempfang, in der Regel beläuft es sich auf 0,35 EUR zzgl. anteilig 1,9% der Höhe des Eingangsbetrags, d.h. hier zusammengerechnet ca. 0,82 EUR.
- Abzüglich 9% Gebühren an ebay, d.h. es gehen nochmals 1,80 EUR vom Verkaufspreis verloren.
- Zuletzt noch eigene Bankführungskosten des Verkäufers, um den Betrag vom PayPal-Konto auf das Bankkonto zu transferieren, was abermals ca. 0,10 EUR kostet.
- Nicht zu vergessen den Versandkostenanteil, die der Verkäufer für Versandmaterialien (Paket) und Porto zahlt zzgl. eigenen Kosten, um das Paket zum Paketdienstleister zu bringen (wie oben angegeben: 4,90 EUR). Hieran "verdient" der Verkäufer im Regelfall nichts!

Fakt ist:
Dem Verkäufer bleiben - anhand obigen Beispiels - letzten Endes nur noch ca. 17,27 EUR, d.h. ein Verlust des Verkaufspreises i.H.v. 2,27 EUR (dies entspricht insoweit einem Verkaufspreis von nur noch ca. 86%, d.h. ein Verlust von ca. 14%).

Bei diesem niedrigen Verkaufspreis mag es sich gering anhören und der Verlustbetrag "akzeptabel" erscheinen. Bei höheren Verkaufspreisen, nehmen wir z.B. 600 EUR, entspricht dies (abzgl. hierbei PayPal-Gebühren von 11,75 EUR; Maximum ebay-Verkaufsprovision 45 EUR; eigene Bankführungskosten 0,10 EUR) einem Verlust von ca. 56,85 EUR, was insoweit um 10% den ursprünglichen Verkaufspreis minimiert.

Teile dieser Kosten kann sich der Verkäufer demzufolge - bei Verzicht auf PayPal - sparen, was  logisch und nachvollziehbar ist.

Werktag PayPal: 0

 

b) Zahlung per "Überweisung":

Diese Möglichkeit dauert etwas länger als PayPal. Für den Verkäufer ist dies aber wesentlich günstiger, da lediglich diese ca. 0,10 EUR für den einen Zahlungseingang auf das eigene Bankkonto entstehen (zzgl. Verkaufsprovision ebay).

Eine (Inlands-)Überweisung darf - seit 01.01.2012 - exakt 1 bis 2 Werktage dauern, dies ist aber gesetzlich ganz genau geregelt anhand § 675s Abs. 1 BGB. An das Gesetz hat sich jedes Bankinstitut zu halten! Dieser Gesetzestext besagt im Wortlaut:

(1) Der Zahlungsdienstleister des Zahlers ist verpflichtet sicherzustellen, dass der Zahlungsbetrag spätestens am Ende des auf den Zugangszeitpunkt des Zahlungsauftrags folgenden Geschäftstags beim Zahlungsdienstleister des Zahlungsempfängers eingeht [...]. Für in Papierform ausgelöste Zahlungsvorgänge können die Fristen [...] um einen weiteren Geschäftstag verlängert werden.

Mit eigenen Worten - vereinfacht - formuliert:
Eine Überweisung, die digital eingereicht wurde (d.h. SB-Terminal der Geschäftsstelle, Telefon-/SMS-/Internet-Banking), muss bereits am Abend des folgenden "Geschäftstags" (entspricht im Regelfall "Werktag") dem Bankkonto des Empfängers gutgeschrieben sein.
Im Falle einer schriftlichen Überweisung, d.h. durch Abgabe eines Überweisungsträgers beim Bankinstitut, darf die Überweisung bis zu -2- Werktage dauern.

Der Transfer darf also bis maximal morgen Abend dauern.

Weitergehend ist ein Bankinstitut nach § 675t Abs. 1 Satz 1 BGB verpflichtet, einen eingegangenen Betrag sofort verfügbar zu machen. Eine Bank darf also nicht mehr - wie früher - mit dem Geld noch einige Tage "arbeiten". Der Gesetztestext lautet hierzu im Wortlaut:

(1) Der Zahlungsdienstleister des Zahlungsempfängers ist verpflichtet, dem Zahlungsempfänger den Zahlungsbetrag unverzüglich verfügbar zu machen, nachdem er auf dem Konto des Zahlungsdienstleisters eingegangen ist.

Wie klar erkennbar ist, entsteht bei dieser Möglichkeit nur 1 bis max. 2 Werktage Zeitverlust für beide Seiten (Käufer und Verkäufer). Bei Überweisungen zum selben Bankinstitut (z.B. von Sparkasse nach Sparkasse) sind diese Beträge meist schon innerhalb weniger Stunden, d.h. noch am selben Tag, dem Bankkonto des Empfängers gutgeschrieben. Dies ist allerdings keine Pflicht der Bank, sie kann auch weiterhin die Zeitspanne von 24 bzw. 48 Stunden einhalten. 

Werktag Überw.: 1 bis 2

 

Warenversand des Verkäufers & Versandzeit

Der Verkäufer hat nun - je nach Zahlungsmethode - bereits am selben Tag, alternativ am Folge- bzw. übernächsten Werktag, den Betrag erhalten. Nun liegt es an ihm, den Artikel auch vernünftig zu verpacken und abzuschicken.

Wie durch den obigen - rein fiktiven - Verkäufer angegeben, behält er sich vor, den Betrag "innerhalb 2-3 Werktagen nach Zahlungseingang" zu verschicken. Meist entspricht diese Zeitspanne eher privaten Verkäufern.

Werktag PayPal: 2-3  |  Werktag Überw.: 3-5

Nach der Übergabe des Pakets an das Versandunternehmen kann es unter Umständen noch einen weiteren Werktag Verzögerung geben, da es letzten Endes davon abhängig ist, wann genau der Fahrer die Pakete im entsprechenden Versandshop bzw. einer Filiale abholt und zum nächsten Versanddepot bringt.

Werktag PayPal: 2-4  |  Werktag Überw.: 3-6

Zuletzt ist es noch abhängig, wie lange der Dienstleister für den Versand benötigt, bei Paketen sind es im Regelfall 1-2 Werktage. Die "E+1"-Regelung greift meines Wissens nur für Briefsendungen, aber nicht für Paketsendungen. - Auch eine andere gesetzliche Grundlage ist mir nicht bekannt.

Werktag PayPal: 3-6  |  Werktag Überw.: 4-8

 

Da es passend erscheit, verweise ich, für weitergehende Informationen im Falle von Problemen mit dem Verkäufer zum Thema Versand,
an dieser Stelle auf einen anderen Ratgeber von mir:

Privatkauf: Verpackung, Versand, Haftung & Abzocke | ebay-Ratgeber

Welche Rechte stehen mir zu, wenn die Ware mangelhaft ist? | ebay-Rechtsportal
Was gilt, wenn die Ware beim Versand verloren geht? | ebay-Rechtsportal
Der Verkäufer liefert den Artikel nicht. Was kann ich tun? | ebay-Rechtsportal
Was kann ich tun, wenn der Käufer nicht zahlt? | ebay-Rechtsportal

 

Abschluss: Warenerhalt

Nunmehr sind also bis zum Warenerhalt, je nach Zahlungsart, inzwischen 3-6 Werktage (PayPal) bzw. 4-8 Werktage (Überweisung) vorüber. Dazwischen sollte man natürlich noch die Tage rechnen, die keine Werktage sind (bspw. Wochenende, Feiertage, etc.). Insgesamt kann also mit - durchschnittlich - ca. einer Woche Gesamtzeit gerechnet werden, bis der Artikel auch tatsächlich eintrifft.

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