Daten auf einer verkratzen CD oder DVD retten

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Wie kann ich Daten auf einer verkratzen CD oder DVD retten?

CDs und DVDs sind als preisgünstige Medien für die Sicherung von Daten sehr beliebt. Auch für die Wiedergabe von Audio- und Video-Daten gehören sie nach wie vor zu den am häufigsten verwendeten Medien. Leider handelt es sich dabei gleichzeitig um einige der empfindlichsten Medien. Schon wenige Kratzer können dafür sorgen, dass die Datenträger nicht mehr optimal abgespielt werden können und beispielsweise mitten im Musikstück aussetzen, "hüpfen" oder gar nicht mehr erkannt werden.

Während man den Verlust einer Audio-CD gewöhnlich leicht verschmerzen kann, kann die Zerstörung eines Datensicherungsmediums größere Probleme verursachen. In jedem Fall stellt sich allerdings die Frage, wie man die Daten, die auf einer verkratzten CD, DVD oder Blu-ray abgespeichert sind, wieder herstellen oder retten kann. Für die Datenrettung und CD-Reparatur gibt es mehrere Möglichkeiten.

Verschiedene Ursachen: warum eine CD oder DVD nicht mehr lesbar ist

Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen, die einen optischen Datenträger unlesbar machen können. Am häufigsten sind Kratzer und Flecken die Ursache. Sie sorgen dafür, dass der Laserstrahl von der eigentlich vorgesehenen Bahn abgelenkt wird. Möglich sind aber auch unter anderem folgende Ursachen:

  • Hohe Fehlerrate beim Brennen der CD oder DVD durch eine schlecht auf den Rohling abgestimmte Schreibmethode
  • Verziehen der Scheibe durch Ausdehnung des Aufklebers aufgrund von Temperaturschwankungen
  • Ausdehnung von in der Rohling-Substanz eingeschlossenen Luftbläschen.

Wichtigste Maßnahme vor den ersten Rettungsversuchen: die Datensicherung

Auch wenn es Ihnen nutzlos erscheint, sollten Sie vor Ihren ersten Versuchen, die Disc zu reparieren, zunächst einmal ein Image des Datenträgers anlegen. Hierbei wird der komplette Inhalt der Disc in eine einzige Image-Datei abgebildet. Aus dieser heraus kann später jederzeit eine genaue Kopie der Ursprungsdisc hergestellt werden. Dies ist deshalb besonders wichtig, weil Sie durch verschiedene Möglichkeiten der Reparatur die Schäden unter Umständen sogar noch verschlimmern können. Ohne vorherige Datensicherung riskieren Sie dementsprechend den Verlust zusätzlicher Daten.

Für die Erstellung des Images sollten Sie allerdings keine normale Imagesoftware verwenden, da diese gewöhnlich nicht darauf ausgerichtet ist, Discs mit Lesefehlern einzulesen. Dabei ist es an der Tagesordnung, dass die Software schon bei den ersten fehlerhaften Sektoren hängen bleibt und die restlichen auf der Disc gespeicherten Daten nicht mehr gesichert werden.

Die folgenden Softwarelösungen können Ihnen dabei helfen, noch möglichst viele intakte Daten aus Ihrem Datenträger auszulesen:

H2cdimage: Die Software läuft unter Windows und liest defekte optische Datenträger. Dabei liest sie zunächst die Dateien und Sektoren ein, die intakt sind. Wenn sie an eine Stelle mit defekten Daten stößt, versucht sie nur kurze Zeit, diese wieder herzustellen und springt bei einem Misserfolg direkt an eine gänzlich andere Stelle des Datenträgers. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass möglichst viele Daten in kürzester Zeit gesichert werden können. Erst später springt H2cdimage zu den fehlerhaften Sektoren zurück und versucht, zusätzliche Sektoren zu erkennen und in der Imagedatei zu sichern.

IsoBuster: Auch mithilfe von IsoBuster können Sie ein Image anlegen. Allerdings überspringt dieses defekte Sektoren lediglich und versucht später nicht, diese noch einmal mit tiefer gehenden Methoden einzulesen. Wenn Sie mit IsoBuster nur ein unvollständiges Image anlegen konnten, können Sie es mit der Software im Gegensatz zu H2cdimage später nicht ergänzen.

Oft des Rätsels Lösung: das richtige Laufwerk für das Einlesen der Disc

Die meisten Hersteller von Laufwerken konzentrieren sich bei der Entwicklung auf bestimmte Vorzüge – dabei bleibt teilweise die Fähigkeit der Fehlerkorrektur auf der Strecke. Die optischen Laufwerke in Notebooks beispielsweise sind vorrangig auf die Kompaktheit ausgelegt und daher oft nicht in der Lage, verkratzte CDs und DVDs abzuspielen.

In Computern fest verbaute Laufwerke verfügen hier häufig über bessere Leistungen. Wenn Ihnen die Daten auf dem Datenträger sehr wichtig sind, könnten Sie auch über die Anschaffung eines Laufwerkes nachdenken, das mit einer sehr guten Fehlerkorrektur ausgestattet ist. Unter Umständen kann dies schon die Lösung für Ihr Problem darstellen und die Disc kann danach weitgehend fehlerfrei eingelesen und gesichert werden.

Die mechanische Wiederherstellung der Disc: Reinigung und Politur

Wenn eine CD oder DVD nur verschmutzt ist, kann eine Reinigung oft schon ausreichend sein. Verwenden Sie hierfür ein fusselfreies Tuch (z. B. Mulltücher, Brillenputztücher). Mit etwas warmem Wasser und Spülmittel bekommen Sie oberflächliche Verschmutzungen problemlos ab. Hartnäckige Verschmutzungen können Sie mit Industriealkohol (Isopropanol) aus der Apotheke entfernen – auch einer Beschriftung mit einem wasserfesten Stift können Sie damit zu Leibe rücken. Verwenden Sie keinesfalls Nagellackentferner oder Pinselreiniger, denn sie enthalten Lösungsmittel, die die Oberfläche der Disc zerstören können. Nach der Reinigung können Sie einen neuen Versuch starten, um die Daten auszulesen.

Wenn eine Disc mit Kratzern auf der Unterseite versehen ist, sollten Sie sie polieren. Hierfür benötigen Sie ebenfalls ein fusselfreies, sauberes Tuch und ein Poliermittel. Es gibt auch spezielle Reparaturpasten für CDs und DVDs. Auch Reparaturpaste für Handydisplays ist geeignet. Alternativ können Sie als Politur auch verschiedene Hausmittel verwenden. Am stärksten verbreitet sind hier Zahnpasta und Autopolitur. Um beim Polieren nicht noch zusätzliche Schäden zu verursachen, sollten Sie sehr sorgfältig vorgehen und unbedingt die folgenden Tipps beherzigen:

  • Legen Sie die Disc auf eine glatte, saubere Unterlage und tragen Sie das gewählte Poliermittel sparsam auf die Kratzer auf.
  • Verwenden Sie ein fusselfreies Tuch, beispielsweise aus Baumwolle oder aus Filz.
  • Beginnen Sie mit Ihren Polierbewegungen stets in der Mitte der Disc und polieren Sie in geraden Linien nach außen hin. Vermeiden Sie es, die Disc kreisförmig zu polieren – dadurch könnten Datenbestände zerstört werden.
  • Das Polieren kann drei bis fünf Minuten dauern, bei Blu-rays sogar noch länger, da sie eine harte Schutzschicht aufweisen.
  • Wenn Sie die Politur abgeschlossen haben, sollten Sie die Disc vorsichtig mit Wasser und Spülmittel säubern.
  • Testen Sie nun die Disc.
  • Sollte Sie immer noch nicht fehlerfrei laufen, können Sie den Vorgang wiederholen. Solange Sie die korrekte Polier-Richtung einhalten, kann der Datenschicht nichts passieren.

Kratzer auf der bedruckten Oberseite führen dazu, dass der Laserstrahl nicht mehr reflektiert werden kann. Solche Schäden können nur schwer repariert werden. Sollte es sich nur um kleinere Kratzer handeln, können Sie versuchen, sie ähnlich wie bei der Lackreparatur an einem Auto einfach mit schwarzem Edding zu übermalen. Verwenden Sie hierfür am besten spezielle CD-Marker mit einer weichen Spitze, da diese keine Lösungsmittel enthalten und keine Beschädigungen verursachen können.

Tiefe Kratzer reparieren: Einsatz einer Reparaturmaschine für Discs

Bei tiefen Kratzern sind die Ränder des Kratzers das große Problem. Der Laserstrahl, der die Daten abtastet, wird von diesen Rändern und Furchen abgelenkt. Daher müssen entstandene Kanten geglättet werden. Im Prinzip können auch solche tieferen Kratzer durch das Polieren beseitigt werden. Allerdings dauert dies unter Umständen ziemlich lange. Deshalb gibt es den sogenannten "SkipDr.". Es handelt sich dabei um eine Reparaturmaschine für Discs.

Hierfür wird die CD oder DVD mit einer mitgelieferten Flüssigkeit eingesprüht, die eine Schutzschicht darstellt. Anschließend wird die Disc in der Maschine etwa eine Minute lang an einem Schleifstein geschliffen. Dieser Vorgang entspricht dem manuellen Polieren, geht aber deutlich schneller vonstatten und muss nicht von Hand erledigt werden. Wenn die Disc wieder ausgeworfen wird, muss sie gereinigt und anschließend noch einmal von Hand poliert werden. In den meisten Fällen reicht die Politur durch die Maschine, um eine Disc wieder voll lauffähig zu machen.

Das Herzstück der Datenrettung: der Zugriff auf die eingelesenen Daten

Wenn Sie alle Datenrettungsmaßnahmen durchgeführt haben, erhalten Sie schließlich im Idealfall ein Image mit den geretteten Dateien. Wenn dieses Image vollständig und intakt ist, können Sie es mithilfe eines Brennprogramms einfach auf einen neuen Datenträger brennen und die Daten wieder nutzen. Schwieriger wird es, wenn das Image unvollständig ist, also einzelne Sektoren nach wie vor beschädigt sind und nicht wieder hergestellt werden konnten.

Sollte noch ein funktionierendes Dateisystem vorhanden sein, kann die Imagedatei in ein virtuelles DVD- oder CD-Laufwerk eingelegt werden. So können Sie über den Windows-Explorer auf die gespeicherten Dateien zugreifen. Um ein virtuelles DVD- oder CD-Laufwerk zu schaffen, können Sie auf eine große Bandbreite an Software zurückgreifen. Ein Klassiker ist beispielsweise das "Virtual CloneDrive" von Elby, aber auch die Dameon Tools, VMware, PowerISO oder Virtual CD sind beliebte Tools für diesen Bereich. Möglicherweise können Sie auf einen Großteil Ihrer Dateien so wieder uneingeschränkt zugreifen. Stellen Sie sich aber vorsichtshalber darauf ein, dass einzelne Dateien aufgrund der beschädigten Sektoren nach wie vor nicht lesbar sein werden.

Wenn das Dateisystem ebenfalls beschädigt ist, kann Ihnen die bereits erwähnte Software IsoBuster häufig weiterhelfen. Sie kann mit beschädigten Imagedateien oder Medien arbeiten und die Daten auslesen und extrahieren. So können Sie die Daten, die noch brauchbar sind, herausfiltern und sichern.

Garantien gibt es bei der Datenrettung von zerkratzten Discs nicht

Mithilfe der angesprochenen Maßnahmen und Softwareprodukte können Sie viele Datenträger retten und zumindest einen Teil der Daten wiederherstellen. Gerade bei schwerwiegenderen Beschädigungen der Disc sollten Sie sich allerdings darauf einstellen, dass unter Umständen überhaupt keine Daten mehr gerettet werden können oder wichtige Informationen verloren gehen werden.

Für Sicherheit sorgt daher nur die Vorbeugung: Behandeln Sie Ihre Medien stets pfleglich und lagern Sie sie geschützt in ihrer professionellen CD-Aufbewahrung. Reinigen Sie sie bei Verschmutzungen vorsichtig und verwenden Sie dafür keineswegs die Kleidung, die Sie gerade tragen. So können Sie die Entstehung von Kratzern eindämmen und geraten wahrscheinlich gar nicht erst in die missliche Situation, nicht mehr auf Ihre Daten zugreifen zu können.

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