Das waren noch Zeiten – Computerklassiker aus grauer Vorzeit

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Das waren noch Zeiten – Computerklassiker aus grauer Vorzeit

Kennen Sie das auch? Obwohl Ihr moderner Computer mit aller zeitgemäßen technologischen Raffinesse aufwartet, verspüren Sie das Bedürfnis, Klassiker auf einem C64 oder Amiga zu spielen? Dieser Ratgeber lässt Sie in vergangene Zeiten eintauchen, die sich aber heutzutage noch immer wiederbeleben lassen, beispielsweise durch den Kauf eines Gebrauchtgerätes. Im Folgenden erfahren Sie Wissenswertes über die ersten Heimcomputer und im Speziellen Informationen zu den wichtigsten Herstellern und deren Modellen.

It’s more fun to compute: Heimcomputer in den 1970er- bis 1990er-Jahren

Die ersten Heimcomputer für einen Massenmarkt zeichneten sich noch weitestgehend durch externe Komponenten aus und hatten darüber hinaus natürlich auch ihre Eigenarten aufgrund der technologischen Limitierung. Dies war der Spielfreude oder Faszination aber nicht abträglich. Im Folgenden werden Sie zu einem Streifzug in die Heimcomputervergangenheit eingeladen.

Das Equipment

Im Gegensatz zu modernen PCs oder Macs, die die meisten Bestandteile in einem Gehäuse integriert haben, mussten die frühen Computer mit externen Geräten verbunden werden, um zu funktionieren. So war ein Computer in den 1980er-Jahren immer ein Konglomerat aus Bestandteilen wie Tastatur mit dem eigentlichen Rechner, einem externen Datenleser in Form eines Datasetten- oder Diskettenlaufwerks und mindestens einem Joystick. Weitere Komponenten wie Nadelstrahldrucker konnten ebenfalls an die Computer angeschlossen werden. Eine eingebaute Maus war damals alles andere als die Regel, und nur die Computer von Apple und IBM waren damit ausgestattet. Gesteuert und gespielt wurde damals mit Joysticks, die aber mit modernen Gamepads kaum Gemeinsamkeiten haben. Oftmals ähnelten die Joysticks Steuerknüppeln aus Helikoptern. Allerdings war den Joysticks für gewöhnlich keine lange Lebenszeit gegönnt, da viele Spiele der damaligen Zeit auf rasantem Hin- und Herbewegen des Steuerknüppels basierten. Nach einigen Monaten musste meist ein neuer Joystick erworben werden.

Die Ladezeiten

Was heutzutage nahezu unvorstellbar ist, war in den 1980er-Jahren gelebte Realität: lange Ladezeiten. Dabei konnten die Ladezeiten auf unterschiedliche Arten zustande kommen. Zum einen war es eine Frage der genutzten Datenspeicher und -lesegeräte. Vor allem in der Anfangszeit dominierten bei C64-Nutzern Datasetten. Dabei handelt es sich um handelsübliche Compact-Kassetten, die als Datenspeicher genutzt wurden. Für das Auslesen dieser Medien wurde eine Art Kassettenrekorder eingesetzt, der anstelle musikalischer Informationen die Daten auslas. Wenn Sie sich an Ihre frühen Kassettenrekorder erinnern, wird Ihnen eventuell das Zählwerk in den Sinn kommen und wie langsam es sich gedreht hat. Dieselbe Zeit musste auch für das Laden von Spielen und Programmen eingeplant werden. Zwei- bis dreiminütige Ladezeiten waren keine Seltenheit. Dies sollte sich einige Jahre später durch die Einführung von Diskettenlaufwerken etwas verbessern. Im alltäglichen Sprachgebrauch auch als „Floppy“ bezeichnet, konnten die in den meisten Fällen 5¼ Zoll großen Disketten die Ladezeiten doch merklich verkürzen. Darüber hinaus bot sich durch diese Datenträger die Möglichkeit, längere und aufwendigere Spiele zu produzieren, die dann auf mehrere Disketten verteilt wurden. Das hatte natürlich wieder neue Ladezeiten zur Folge. Dementsprechend hatten Kinder und Jugendliche in den 80ern und 90ern viel Zeit, um anderen Ablenkungen nachzugehen. Zum Teil konnte während manch einer Ladezeit eine kleine Runde Fußball gespielt werden. Der Freude an den Spielen taten die langen Ladezeiten keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Obwohl die Ladezeiten in manchen Fällen mehr Zeit eingenommen haben als das eigentliche Spiel, war und ist das Spielvergnügen unnachahmlich.

Die Grafik

Nach heutigen Maßstäben kann die Farbtiefe von 1 bis 6-Bit der damaligen Computer nur als antiquiert bezeichnet werden, und selbst einfachste Handys verfügen heutzutage über eine deutlich bessere Grafik. Die Pixeligkeit war allerdings damals nichts Ungewöhnliches, sondern vielmehr hochmodern. Auf der anderen Seite geht gerade von der technischen Limitierung ein Charme aus, an den moderne Spiele oft nicht anknüpfen können. Da die Spiele nicht durch grafischen Bombast punkten konnten, mussten sie dies durch Spielspaß wettmachen, was vielen hervorragend gelang.

Bekannte Modelle der wichtigsten Hersteller

Die 1980er- und 1990er-Jahre waren durch eine Vielfalt an Herstellern und Modellen geprägt. Die Trennlinien verliefen nicht wie heutzutage zwischen Betriebssystemen, sondern tatsächlich zwischen Herstellern und ihren jeweiligen Serien.

Apple

Heutzutage ist die Firma Apple eine nicht wegzudenkende Größe in der Computerindustrie. Dies sah vor 30 Jahren noch anders aus. Zwar konnte Apple schon immer durch Funktionalität und technische Raffinesse überzeugen, allerdings waren die Computer dieser Firma relativ teuer und hauptsächlich in den USA verbreitet. Ihr Anwendungsgebiet lag deutlich stärker im professionellen Rahmen als im Heimbereich.

Apple II

Der Apple II ist heutzutage bei Sammlern sehr begehrt. Das 1977 veröffentlichte Modell setzte zu seiner Zeit Maßstäbe hinsichtlich seiner Konstruktion und der Nutzung von Computerprogrammen, was schnell zahlreiche Plagiatoren auf den Plan rief. Mit dem Apple II war es bequem möglich, Texte und Kalkulationen zu erstellen, was diesen Computer für die Büroarbeit prädestinierte.

Apple Macintosh

Heutzutage besser unter der Abkürzung „Mac“ bekannt, erblickte der erste Macintosh von Apple 1984 das Licht der Welt. Dieses Modell war mit einer grafischen Benutzeroberfläche versehen und verfügte über eine Maus. Wie bereits erwähnt, stellte die Maus in den 1980er-Jahren noch eine Seltenheit dar, da die meisten Eingaben über die Tastatur und die Steuerung per Joystick erfolgte. Gegen den Markttrend führte Apple hiermit eine Konstruktion ein, die sich schon ein Jahrzehnt später zum Standard entwickeln sollte.

Atari

Neben ihren zahlreichen Spielkonsolen war die Firma Atari vor allem für ihre ST-Serie bekannt, die zwischen 1985 und 1994 produziert wurde. Wie ein moderner Computer verfügten die ST-Computer über eine grafische Benutzeroberfläche, was die professionelle Arbeit ungemein erleichterte. Daneben waren die ST-Computer mit einer MIDI-Schnittstelle zur Musikproduktion ausgerüstet. Dementsprechend waren Ataris für einen langen Zeitraum die beherrschenden Modelle in der Musikproduktion überhaupt. Erst im Laufe der 1990er-Jahre wurde ihr Platz zunehmend durch Macs und PC eingenommen.

Commodore

Die meisten Computerklassiker kann die Firma Commodore für sich verzeichnen. Denn im Gegensatz zu den relativ teuren Modellen von Apple und IBM waren die Computer von Commodore deutlich erschwinglicher. Dies hatte zur Folge, dass in den 1980er- und 1990er-Jahren in den meisten Jugendzimmern entweder ein C64 oder Amiga 500 stand.

C64

Das absolute Kultmodell der Firma Commodore war der Commodore 64 oder einfach C64. Bis heute zählt dieser 8-Bit-Computer mit seinem 64-KiB-Arbeitsspeicher zu den meistverkauften Mikrocomputern in der Welt. Der Erfolg lässt sich auch in Jahreszahlen ausdrücken, in diesem Fall 12. Denn der C64 wurde von 1982 bis 1994 produziert und ist damit der langlebigste Computer der Firma Commodore. Der Erfolg des Brotkastens, wie der C64 aufgrund seiner klobigen Tastatur genannt wurde, lag in dem verarbeiteten VIC-Ship begründet, welcher dadurch für seine Zeit über fortschrittliche Grafik und Sound verfügte und bereits im Vorgängermodell Commodore VC20, dem so genannten „Volkscomputer“, Verwendung fand. Die Bezeichnung „VC“ wurde allerdings nur in Deutschland genutzt, da der eigentliche Name „VIC“ als problematisch erachtet wurde.

Als Datenspeicher konnten sowohl Datasetten als auch Disketten genutzt werden. Oftmals hatten die Besitzer eines C64 beide Lesegeräte zu Hause, sodass das jeweilige Gerät schnell über die externe Schnittstelle angeschlossen werden konnte. Da der C64 auch als Arbeitscomputer gedacht war, konnten an ihn auch Nadelstrahldrucker angedockt werden. Das charakteristische Geräusch dieser Drucker wird noch manch einer Person mehr als bekannt sein.

Bei Kindern und Jugendlichen war der C64 vor allem beliebt, da sich die Disketten leicht kopieren ließen. Dies hatte zur Folge, dass die Spiele auf dem Schulhof getauscht wurden. So besaßen viele Jugendliche ein zum Teil gewaltiges Arsenal an Datasetten oder Disketten mit nahezu unzähligen Spielen. Was bei den Jugendlichen für Begeisterung sorgte, wurde dem Hersteller Commodore wiederum zum Verhängnis. Denn den Ruf, vor allem Spielliebhaber anzusprechen und leicht kopierbar zu sein, wurde die Firma bis zum Schluss nicht los.

C128

Ein etwas weniger ruhmreiches Dasein wurde dem Nachfolger des Brotkastens zuteil, dem C128. Eigentlich sollte dieser Computer den C64 ablösen, konnte sich aber nur vier Jahre zwischen 1985 und 1989 behaupten. Der Grund dafür mag gewesen sein, dass der C128 trotz seines speziellen 128er-Modus und besseren Grafik mit keinen bedeutenden Neuerungen aufwarten konnte. Dieser Computer konnte wahlweise auch als C64er genutzt werden, war aber signifikant teurer als dieser. Nichtsdestotrotz kann sich heutzutage die Anschaffung eines C128er lohnen, da diese nun günstig gebraucht erstanden werden können und dabei alte C64er-Spiele zum Teil grafisch besser aussehen lassen.

Amiga

Das erste Amiga-Modell, der Amiga 1000, konnte sich am Markt noch nicht richtig behaupten, als es 1985 der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde. Ein deutlich größeres Interesse war den beiden Nachfolgern gegönnt, dem Amiga 300 und Amiga 2000, da diese im Gegensatz zum 1000er-Modell ihren jeweiligen Schwerpunkt besaßen. Der 2000er war für den Bürogebrauch gedacht und der 500er für den Freizeitbereich. Besonders als Spielcomputer konnte der Amiga 500 von 1987 an überzeugen. Er zeichnete sich aber noch durch andere Qualitäten aus, denn durch die Soundchips konnte der Amiga als Kompositionsinstrument genutzt werden. Dies macht den Amiga auch heutzutage in Nischenbereichen der Popmusik zu einem begehrten Instrument. Die Bereiche der 8-Bit-Musik oder Chiptunes nutzen für ihre Kompositionen bewusst den kantigen Klang alter Mikrocomputer wie des C64 oder eben Amiga.

Von den nachfolgenden Modellen ist noch der Amiga 3000 zu nennen. Dieser wurde für professionelle Arbeiten konzipiert und existierte als Desktop- und Tower-Variante. Der Amiga 3000 ist aufgrund seiner geringen Produktionszahl bei gleichzeitiger guter Leistung bei Sammlern noch heutzutage begehrt.

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