Das sollten Sie über Dämmstoffe unbedingt wissen

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Das sollten Sie über Dämmstoffe unbedingt wissen

Dämmstoffe – Schutz gegen Lärm, Wärmeverlust und Nässe

Wer das Wort „Dämmstoffe“ hört, denkt wahrscheinlich zuerst an die Wärmedämmung. Immerhin werden die meisten Dämmarbeiten vorgenommen, um ein Gebäude vor Wärmeverlust zu schützen. Daneben dienen Dämmstoffe jedoch auch zur Schalldämmung und zum Schutz vor Nässe. Insgesamt erhöhen die Dämmungen damit die Wohnbehaglichkeit. Mit Dämmungen sparen Sie Energiekosten, schützen die Bausubstanz und die Umwelt. Doch Dämmstoff ist nicht gleich Dämmstoff. Es gibt anorganische, organische und synthetische Formen, Dämmungen für Fassaden, für Fenster und für Türen. Weiterhin spielen bei den Dämmstoffen die Druckbelastung, die Zugfestigkeit, die Wasseraufnahme, schalltechnische Eigenschaften und Verformung eine Rolle.

Dämmstoffe der Vergangenheit

Die Dämmung von Gebäuden ist keine Erfindung der Neuzeit. Archäologische Funde zeigen, dass bereits die Menschen der Bronzezeit Dämmtechniken anwandten. Sie bauten Blockhäuser, die sie mit Stroh oder Schilf abdeckten. Es wurden sogar zweischalige Bauten gefunden. Sie bestanden aus zwei Schichten Flechtwerk, in dem sich eine dicke Schicht getrocknetes Gras befand. Das Flechtwerk war zusätzlich mit einer isolierenden Lehmschicht versehen. Nachbauten dieser Konstruktionen und entsprechende Messungen zeigten, dass die Gebäude sehr gute Dämmwerte aufwiesen – Dämmwerte, wie sie in einer Wärmeschutzverordnung im Jahr 1995 erst wieder erreicht wurden.
Den Anstoß für moderne Dämmtechnik gab die Entwicklung der Kältetechnik zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gedämmt wurden die damaligen Kühlhäuser unter anderem mit Glaswolle, Vulkanfiber und Kork. Die Dämmung in Wohnhäusern ließ jedoch noch einige Jahrzehnte auf sich warten. Mit steigenden Ansprüchen an den Wohnkomfort und durch die technischen Möglichkeiten, die Stärke der Dämmung zu reduzieren, hat sich der Bau-Wärmeschutz jedoch immer weiter ausgebreitet. Während anfangs vor allem Baumwolle, Schafwolle, Kork und mineralische Fasern zum Einsatz kamen, gelangten in den vierziger Jahren die ersten Kunstharz-Stoffe für die Dämmung auf den Markt.

Schädliche Dämmmaterialien

Mit den Entwicklungen der chemischen Industrie wurden nach und nach PVC-Dämmstoffe für die Dämmung verwendet. Sie galten als besonders effektiver Schutz vor Feuchtigkeit und Kälte. Die Gefahren zeigten sich erst später. Der wohl bekannteste, gefährliche Dämmstoff ist Asbest. Der Einsatz von Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten, europaweit seit 2005. Sollten Sie bei der Renovierung auf Asbest stoßen, ist es ratsam, die Entsorgung von Fachleuten durchführen zu lassen. Der Staat unterstützt Sie in diesen Fällen finanziell.

Was Sie vor der Entscheidung für einen Dämmstoff beachten müssen

Nicht jede Bausubstanz ist für den Einsatz einer Außendämmung geeignet. Besonders bei alten Gebäuden mit Fachwerk sollten Sie Vorsicht walten lassen. Wärmeverbundsysteme können die Atmungsaktivität verschließen, wodurch sich im Haus Feuchtigkeit sammelt, genauer gesagt im Mauerwerk. Dadurch zersetzt sich die Bausubstanz nach und nach. Um die richtige Dämmung zu finden, ermitteln Experten im Vorfeld die Energiebilanz des Gebäudes. Damit der richtige Dämmstoff zum Einsatz kommt, müssen Sie jedoch auch die Feuchtigkeit der Räume messen. Die Einordnung des Raumklimas sollte mit Messungen über Wochen hinweg erfolgen, um eindeutige Ergebnisse zu erhalten. Achten Sie hier darauf, den Keller in die Messungen mit einzubeziehen. Gehen Sie nicht nach der Devise: dicker Dämmstoff = gute Wärmedämmung. Die beste Dämmwirkung erhalten Sie bei einer Plattendicke von 50 mm. Dickere Platten verstärken die Isolierung nur minimal. Dämmungen, die dicker als 10 Zentimeter sind, bringen daher lediglich für den Hersteller finanzielle Vorteile.

Viele glauben, dass gut isolierte Fenster zum Wärmeschutz dazugehören. Diese Vorstellung bewahrheitet sich jedoch nur dann, wenn alle Fenster sachgerecht eingebaut wurden. Dazu gehört unter anderem ein Thermaband zwischen Mauerwerk und Fenster. Sachgerecht beinhaltet außerdem Abdichtungen an den Fensteranschlüssen innen und außen. Ein weiterer Fehler im Bereich Dämmung besteht darin, anzunehmen, dass sich die Räume nach der baulichen Maßnahme schneller erwärmen. Gedämmte Wände lassen zwar weniger Wärme nach außen, behindern jedoch gleichzeitig den Luftaustausch - die Folge: eine feuchtere Raumluft, die sich langsamer erwärmt. Achten Sie daher gerade bei Häusern mit Dämmstoffen auf eine regelmäßige Belüftung, um die Feuchtigkeit aus der Raumluft zu verdrängen.

Unterscheidung der Dämmstoffe nach Eigenschaft und Anwendung

2008 entstand ein einheitlicher Normenkatalog, der die Dämmstoffe nach Einsatzgebiet und Eigenschaft eindeutig kennzeichnet. Dank der Kennzeichnung mit Piktogrammen und Kurzzeichen können Sie feststellen, ob der Dämmstoff zu Ihren Anforderungen passt. Entsprechend des Anwendungsgebietes werden die Dämmstoffe in mehrere Kategorien unterteilt.
Zur Verdeutlichung einige Beispiele: Das Zeichen DAD steht für Außendämmungen der Decke und des Daches. WAB kennzeichnet Außendämmungen für Wände hinter einer Bekleidung. Sollen Bodenplatten zum Erdreich hin gedämmt werden, kommen Dämmstoffe mit der Kennzeichnung PB zum Einsatz. Neben dem Anwendungsgebiet spielt die Eigenschaft der Dämmung eine Rolle. Sie wird mithilfe von Kleinbuchstaben näher beschrieben. Die Kürzel sh bis sg weisen zum Beispiel auf die schalltechnischen Eigenschaften hin, sg steht für eine geringe Schalldämmung, Stoffe mit sh-Kennzeichnung verfügen über eine gute Trittschalldämmung. Die Verformung der Dämmstoffe wird mit tk und tl bezeichnet, Dämmstoffe mit dem Aufdruck tk können keinen hohen Belastungen durch Temperatur oder Last standhalten. Hier empfiehlt es sich, Produkte mit der Bezeichnung tl zu verwenden.

Welche Dämmungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich sind Außen- und Innendämmung zu unterscheiden. Welche Dämmung zum Einsatz kommt, hängt einerseits von der Bausubstanz und andererseits von der Bauform ab. Bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, ist eine Außendämmung verboten. Die Innendämmung sollte in der Regel nur erfolgen, wenn der Bau keine Möglichkeit im Außenbereich zulässt. Die Außendämmung realisieren Sie am besten, wenn Sie ohnehin Erneuerungen an der Fassade vornehmen möchten, zum Beispiel die Erneuerung des Putzes.

Dämmung der Fassade

Messungen zeigen, dass eine Fassadendämmung äußerst effektiv ist. Es werden große Flächen mit Dämmstoffen geschützt, was eine hohe Energieersparnis mit sich bringt. Aufgrund des großflächigen Einsatzes gehört die Fassadendämmung allerdings auch zu den teuersten Maßnahmen. Hohe Kosten verursachen hier vor allem die Maßnahmen im Vorfeld, das heißt das Aufstellen von Gerüsten und die Befestigung von Schalungen.

Dämmungen im Dachbereich

Die Materialplanung für eine Dachdämmung hängt davon ab, welche Dämmart, also Untersparren-, Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung, Sie verwenden, wie groß das Dach ist, wie der Dachboden genutzt werden soll, wie dick das Dämmmaterial ist und welche Materialien Sie verwenden. In der Regel findet auch die Dachdämmung im Zuge weiterer Renovierungsmaßnahmen, sprich im Zuge der neuen Dachdeckung statt.

Kellerdecken mit Dämmstoffen abdichten

Die Dämmung von Kellerdecken gehört zu den günstigsten Energiesparmaßnahmen. Zudem sind die Arbeiten mit wenig Aufwand verbunden.

Geeignete Materialien für die Dämmung

Beim Material stehen Ihnen organische, anorganische und synthetische Stoffe zur Verfügung. Die Grundlage synthetischer Dämmstoffe bildet Erdöl. Daraus entstehen Kunststoffe, die für die Dämmung entsprechend aufbereitet werden. Synthetische Stoffe sind die günstigsten Stoffe für die Dämmung. Bei den organischen Dämmmaterialien handelt es sich um nachwachsende Rohstoffe wie Flachs, Kork, Hanf und Kokosfasern. Sie benötigen eine spezielle Behandlung und sind daher sowohl in der Herstellung als auch in der Verarbeitung teurer. Anorganische Dämmstoffe entstehen aus natürlichen Rohstoffen, sie wachsen allerdings nicht nach. Sie beinhalten zum Beispiel Gestein, Mineralien und Sand.

Häufige organische und anorganische Dämmstoffe

Im Bereich der anorganischen Dämmstoffe kommt besonders häufig Steinwolle oder Glaswolle zum Einsatz. Beide Stoffe werden zusammengenommen auch als Mineralwolle bezeichnet. Glaswolle hat den Vorteil, dass sie sehr leicht ist. Daher lässt sie sich leicht verarbeiten. Einsatzbereiche gibt es vor allem bei Steildächern, wo sie besser einklemmbar ist. Bevorzugen Sie hingegen eine gute Schallisolierung, sollten Sie auf Steinwolle zurückgreifen. Sie kann zudem hohe Temperaturen aushalten. Die vorteilhaften Schalleigenschaften der Steinwolle machen sie zu einem beliebten Dämmstoff für die Bodenisolierung oder für Trennwände. Die meistgenutzten organischen Materialien für die Gebäudeisolierung sind Zellulosefaserdämmstoffe und Hanf. Bei den Zellulosefaserdämmstoffen wird Zeitungspapier zerkleinert und gepresst. Diese Dämmung eignet sich vor allem für Sanierungen. Von der Hanfpflanze werden bei der Verarbeitung zu Dämmstoffen lediglich die faserigen Hanfstängel verwendet. Der Einbau sollte nur in Räumen geschehen, die nicht ständig der Feuchtigkeit ausgesetzt sind.

Viel genutzte synthetische Dämmstoffe

Der Klassiker unter den synthetischen Dämmstoffen ist immer noch Polysterol, eher unter dem Namen Styropor bekannt. Er ist unter allen Dämmmaterialien das günstigste und findet daher auch die meiste Verbreitung. Styropor ist zwar sehr druckstabil, dichtet Räume jedoch komplett ab, sodass Luftzirkulation verhindert wird. Außerdem zeigt Styropor Nachteile beim Brand- und Schallschutz. Möchten Sie das Material für stark belastete Flächen nutzen, sollten Sie auf die Kennzeichnung EPS beziehungsweise XPS achten.

Die Dämmungsart – Platten, Klemmfilz und Co.

Die Materialeigenschaften der Dämmstoffe bestimmen, in welcher Form sie vorkommen, also entweder als Einblasdämmstoff, als Platte oder als Klemmfilz. Klemmfilz ist gerollt, als Matte oder als Vliesstoff erhältlich. Lose Dämmstoffe können aus verschiedenen Materialien bestehen, zum Beispiel Ceralit, Blähglas, Kork oder Zelluloseflocken. Das Auftragen erfolgt entweder durch Aufschütten oder durch Einblasen in spezielle dafür erzeugte Hohlräume. Daneben existieren Dämmstoffe, die erst aufgeschäumt werden. Ein typischer Vertreter dieser Methode ist PU-Schaum. Damit lassen sich zum Beispiel Spalten und Hohlräume an Fenstern verschließen. Neben den klassischen Dämmplatten gibt es Vakuumplatten, bei denen der Dämmstoff in Folie verpackt ist. Im Inneren befindet sich ein poröses Material, das als Stützkörper dient. Der Vorteil zur herkömmlichen Styroporplatte besteht darin, dass die Vakuumplatten eine geringere Wärmeleitfähigkeit aufweisen und wesentlich dünner sind.

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