Das neue, ultimative Referenzwerk für Filmplakatsammler

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Ein neues Referenzwerk für Filmplakatsammler und -interessierte ist endlich erschienen!

Lange haben Sammler und Interessierte zum Thema Filmplakate warten müssen, bis wieder mal ein Buch zum Thema erscheint, das sich sachlich und fundiert mit dem Thema auseinander setzt. Nach den zwar schön anzusehenden Büchern von Tony Nourmand und Graham Marsh "Filmposters of the 30s, 40s, 50s, 60, 70s, 80s und 90s" sowie den immerhin qualitativ besseren Büchern über den "Horror Film", den "Science Fiction Film" und "Explotation"-Film ist jetzt ein Buch erschienen, das nicht nur vom Bildmaterial alles in den letzten 15 Jahren in den Schatten stellt sondern auch mit wahrlich fundierten Informationen aufwartet. Vielleicht ist Englisch nicht jedermanns oder jederfraus Sache, aber hier lohnt es sich auch mal das Englisch-Wörterbuch neben dem Buch liegen zu haben. Nicht nur das Format von 28 x 34 cm und eine Dicke von 3,5 cm beeindrucken, sondern alleine schon das Gewicht. Da merkt man schnell, dass hier nicht am Papier und am Druck gespart wurde. Um es vorweg zu nehmen, das Buch ist jeden Cent wert. Und man sollte nicht darauf warten oder hoffen, dass es in absehbarer Zeit um einiges günstiger (hier bei eBay) zu bekommen ist. Nach meinen Informationen aus gut unterrichteten Kreisen soll die Auflage bei nur 4000 Exemplaren liegen. Also zugreifen, bevor man in Zukunft horrende Sammlerpreise für dieses Buch zahlen muss, wie es schon einem der früheren Werke wie dem Buch "Reel Art - Great Posters of the golden Age of the Silver Screen" der Fall war.
Zum Inhalt: der Autor, immerhin seit über 20 Jahren den Sammlern als Inhaber der Firma Posteritati in New York bekannt, stellt nicht einfach nur Plakat neben Plakat, sondern stellt diese in einen Kontext, wie sie nur ein intimer Kenner der Materie stellen kann. Schon der Anfang wird nicht von amerikanischen Filmplakaten dominiert sondern wagt sich auf das schwierige Gebiet der Grafik, die nicht immer einen unmittelbaren Bezug zum Film erkennen lassen. Die zuerst dargestellte polnische Schule hat weltweit erheblichen Einfluss auf die graphische Gestaltung von Filmplakaten gehabt. Die Schlichtheit einiger Plakate schreckt manchmal ab, fasziniert im gleichen Augenblick aber auch. Nach 69 Plakaten, die bis zu Titeln wie dem "Terminator" und Indiana Jones als "Jäger des verlorenen Schatzes" reichen, wird mit Roman Cieslewicz einer der bekanntesten Vertreter der polnischen Filmplakatkunst nochmal gesondert vorgestellt. Über 100 weitere polnische Filmplakate runden diese Nationalität hervorragend ab. Darunter auch viele Plakate, die man selbst als Kenner der Materie hier zum ersten Male sieht. Es folgt eine Nation, die die meisten nicht unbedingt mit dem Thema Filmplakate in Verbindung bringen, nämlich Tschechien (Englisch: Czech Republic). Bis 1990 waren die Tschechen wie auch die ehemalige DDR unter einem Protektorat, die eine Zensur der veröffentlichten Grafiken vorsah. So entstand hier eine ganz eigene Kunstform, die hier mit 127 Plakaten ausgiebig vorgestellt wird. Zwischen den Länderartikeln werden immer wieder auf einer Doppelseite viele Plakate zu nur einem Film vorgestellt, damit der Leser sich selbst einen Eindruck über die vielfältigen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten in verschiedenen Ländern machen kann. Dies erfolgt unter anderem an den Titeln "Blow Up", "Star Wars", "Apocalypse Now", "Das verflixte 7. Jahr", "Der Pate", "Frühstück bei Tiffany", "Zwölf Uhr mittags", "Haie der Großstadt", "Für eine handvoll Dollar", "Psycho", "James Bond jagd Dr. No", "2001 - Odyssee im Weltraum" und "La Dolce Vita - Das süße Leben".
Mit jeweils über 100 Plakatabbildungen, zumeist 4 oder 6 auf einer Seite und fast jede 4. Seite ganzseitig, werden Filmplakate aus Osteuropa und Russland, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien (kleines Land, aber große Künstler und Plakate!), der Rest von Europa, Japan, Latein Amerika (vertreten durch Argentinien, Kuba und Mexiko), England (= United Kingdom), den Vereinigten Staaten von Amerika und natürlich dem Rest der Welt (Australien, Kanada, Hong Kong (!!), Indien und der Türkei (!!)) erschöpfend vorgestellt. Dazu noch Künstlerportraits wie die von Zdenek Ziegler (Tschechien), Hans Hillmann (Deutschland), Jean Mascii (Frankreich), Ercole Brini (Italien), Kiyoshi Awazu (Japan), Osvaldo Venturi (Argentinien), Peter Strausfeld (United Kingdom), Saul Bass und Bob Peak (beide USA) runden das Thema hervorragend ab.
Die Druckqualität und Verarbeitung ist, wie man es von diesem Verlag gewohnt ist, einfach hervorragend (in den USA: Cronicle Books. In Europa: Olms Press).
Aber ... kein Licht ohne Schatten. Natürlich hätte ein historischer Abriss der Entwicklung des Filmplakates dem Buch mehr als gut getan und was den regelmäßigen Nutzer dieses Buches wahrlich schmerzt ist der fehlende Titelindex der abgebildeten Plakate.
Aber, man sollte auch fair sein. In einer Welt in der das Internet immer mehr für die Recherche, die Unterhaltung und der Bildung genutzt wird und fast alles irgendwie und irgendwo umsonst zu bekommen ist, also auch Abbildungen von Filmplakaten, stellt dieses Buch eine herausragende Leistung dar, für dessen Mut man die Herausgeber und Autoren mehr als nur danken muss. Ich denke, jeder, der diesen Band erwirbt, zeigt den Herausgebern das sich solcher Mut zu solch einem hochwertigen Buch, welches nun nicht gerade billig ist (aber für das Gebotene, gerade zu einen Spottpreis darstellt) letztendlich auszahlt und vielleicht zur Herausgabe weiterer Bücher zum Thema animiert. Noch fehlen nach den Büchern von Manfred Christ (1941 - 2005) und Dr. Volker Pantel, die den Zeitraum von 1946 bis 1966 ausgiebig mit mehr als 5 Büchern dargestellt haben, ein oder mehrere Bücher, die auch mal den Zeitraum von 1967 bis 1989 oder darüber hinaus abdecken. Hier sind Pioniere, wie dieser Verlag gefordert.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass dieses Buch über Jahrzehnte das führende Referenzwerk zum Thema Filmplakate sein wird. Ich habe schon viele Bücher zum Thema hier rezensiert, aber selten so überwältigt von einem Buch zu diesem Thema wie von diesem. Ich danke den Autoren, den Herausgebern und allen, die mithelfen das Verständnis für diese Kunstform zu verbreiten.

The Art of the Modern Movie Poster - International Postwar Style and Design

Herausgeber: Sam Sarowitz, Judith Salavetz, Spencer Drate und David Kehr.

516 Seiten, broschiert, Verlag: Edition OLMS, VÖ: 01.01.2008, Sprache: Englisch.

ISBN-10: 3283011095. ISBN-13: 978-3283011093. Größe: 33,6 x 28,6 x 3,6 cm.

(Hinweis: diese Rezension ist von mir in ähnlichem Wortlaut auch bei Amazon zu dem Buch veröffentlicht worden. Also nicht wundern, wenn Ihnen als Leser dieser Text vielleicht bekannt vorkommen sollte!)

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