Das müssen Sie beim Anbau von Gewürzgurken, Senfgurken & Co. beachten

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Das müssen Sie beim Anbau von Gewürzgurken, Senfgurken & Co. beachten

Will man sich der Anzucht von Gurken widmen, sollte man zunächst beachten, dass es zwar durchaus unterschiedliche Gurkenarten gibt, die Geschmacksrichtungen Senf- und Gewürzgurken jedoch erst durch das Einlegen entstehen. An Gurkenarten bietet die Natur 40 verschiedene Sorten, die relevante Einteilung erfolgt aber in Salatgurken, Schälgurken und eben Einlegegurken. Die Verwendungszwecke für Gurken sind verschieden. Man kann Salatgurken roh in den Salat schnippeln, als warmes Gemüse essen oder auch einlegen.

Geschichte der Gurke

Jahrtausende alte Samenfunde lassen darauf schließen, dass die Gurke zunächst im Himalaja wuchs. Die Früchte der ursprünglichsten Gurken schmeckten bitter, um die noch unreifen Samen vor Fressfeinden zu schützen. Die Gurke war den klimatischen Bedingungen der Südabdachung des Himalajas perfekt angepasst. Das warme Monsunklima sorgte für ausreichend Wasser, das aber nicht zu kalt sein darf. Die lauen Temperaturen hatten im Evolutionsprozess eine hohe Kälteempfindlichkeit zur Folge. Im Laufe der Jahrhunderte eroberte die Gurke die Welt und mit jedem fortschreitenden Kilometer verlor die Gurke ihre Bitterstoffe und gewann an Formen- und Farbvielfalt.
Die ersten nachweislichen Milchsäuregärungen fanden um 1600 durch die slawischen Völker statt. Sie diente der Haltbarmachung der Ernte und sorgte gleichzeitig für neue Geschmacksrichtungen in den kargen Wintermonaten. Die ersten Gurkengewächshäuser wurden in England gebaut, obwohl man bereits bei den alten Römern Hinweise auf eine Anzucht der Keimlinge unter Glasbehältern gefunden hat.

Anbau von Gurken – die Diva unter dem Gemüse

Einlegegurken können direkt ins Freiland gesät werden. Der einzuhaltende Reihenabstand beträgt zwischen 1 und 1,40m, wohingegen die Pflanzen einen Abstand von 30 bis 40 cm zueinander haben sollten. Da Gurken kälteempfindlich sind, benötigen sie einen sonnigen und windgeschützten Standort. Den Windschutz können höher wachsende Gemüsesorten wie Erbsen oder Zuckermais bieten. Zudem empfiehlt sich die Nutzung einer Mulch-Folie. Mulch-Folien speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts an die Pflanze ab. Trotzdem sollte berücksichtigt werden, dass es nachts noch über einen langen Zeitraum kalt sein kann. Deshalb sollten Gurken erst nach den Eisheiligen Ende Mai ins Freie gepflanzt werden. Zur Erleichterung bei Pflege und Ernte sind Rankgerüste hilfreich. Um Mutter Natur ein wenig zu unterstützen, kann man auch auf das Beizen zurückgreifen. Hier werden die Samen entweder einen halben Tag in Magermilch eingelegt oder für 25 Minuten mit 50 °C heißem Wasser getaucht. Bei letzterer Methode muss die Temperatur jedoch genau kontrolliert werden. Beizen dient dem Schutz der Samen vor Krankheiten, verbessert die Keimfähigkeit und ermöglicht die Trennung von gesunden und tauben Samen.

Diese Anforderungen an Boden und Wasser stellen Gurken

Gurken mögen nur handwarmes Wasser. Am besten aus der Regentonne, da sie auch noch salz- und chlorempfindlich sind. Zudem sollte auf eine gleichmäßige Bewässerung geachtet werden. Hier sind Gurken keine Sonderlinge, sondern reihen sich in die lange Reihe der stark feuchtigkeitsabhängigen Gemüse wie Radieschen und Kohlrabi ein. Unregelmäßiges Wässern kann hier zu holzigen und pelzigen Exemplaren führen. Ein absolutes Leckerchen ist Stallmist von Rind oder Pferd oder Kompost, der mit Torf und gehäckseltem Stroh vermengt wird. Der Boden sollte locker und warm sein, zudem ist der Boden einmal monatlich mit einer dicken Mulch-Schicht zu bedecken. Der Boden sollte bereits im Herbst des Vorjahres mit frischem Stallmist vermengt und tiefgründig gelockert werden. Jedoch brauchen Gurken als einjährige Pflanzen mindestens vier Jahre Pause, ehe das Stück Erde erneut genutzt werden kann. Andere Pflanzen hingegen können ohne Probleme danach gepflanzt werden, da Gurken dem Boden nur wenige Nährstoffe entziehen.

Tipps für eine ertragreiche Gurkenernte

Um die Blüten- und Fruchtbildung der Gurke zu unterstützen, kann Stein- oder Knochenmehl hinzugegeben werden. Die Gurke sollte bei Erreichen der gewünschten Höhe gestutzt werden. Hierfür werden der Haupttrieb oberhalb des sechsten und die Seitentriebe unterhalb des siebten Blattes abgekniffen. Das hat zur Folge, dass die Pflanze gekräftigt und der Ernteertrag erhöht wird. Zudem sollte die Gurke bei der Ernte mit einem Messer abgeschnitten und nicht abgerissen werden. Wohl fühlt sich das kalorienarme Gemüse in der Nachbarschaft von Erbsen, Zwiebeln, Buschbohnen, Knoblauch, Dill und Basilikum als natürliche Barriere vor Mehltau. Zu meiden sind allerdings Nachbarschaften mit Tomaten aufgrund des ausströmenden Ethylens sowie Kartoffeln, Radieschen, Rettich und Rosmarin.

Gewürzgurken – saure Früchtchen

Gewürzgurken werden aus Einlegegurken gewonnen. Ihre Erntezeit ist von August bis September bei einer Größe von circa 9 cm. Einhundert Gramm der Einlegegurke haben durchschnittlich 8 kcal und sind auch noch reich an Vitaminen, Mineralien, Kohlenhydraten und Proteinen. In den letzten Jahren galten die Bemühungen vor allem dem Herauszüchten von Bitterstoffen. Diese findet man vor allem in höherer Konzentration im Stielansatz der Gurke. Zu Gewürzgurken werden nur die sogenannten Delikatessgurken mit einer Größe von 9 bis 12 cm verarbeitet. Wer jedoch ein bisschen experimentieren möchte, kann auch mexikanische Minigurken zum Einlegen benutzen. Diese zeichnen sich durch einen säuerlicheren Geschmack als die allseits bekannte Einlegegurke aus. Die Gurken werden ungeschält mit Essig, Kräutern, Gewürzen, Salz und Zucker eingelegt und über Milchsäuregärung sterilisiert. In Österreich werden sie als Essiggurken bezeichnet, während sie in West- und Süddeutschland als Saure Gurken bezeichnet werden. Das schmackhafte Gemüse ist nicht nur bei Schwangeren sehr beliebt. Die Säure peppt Salate (Fleischwurst-, Kartoffel- oder Nudelsalat) und Fleischgerichte auf und hilft sogar gegen Sodbrennen.

Senfgurken

Hier werden Salatgurken geschält und von ihrem Kerngehäuse befreit, je nach Rezeptur eingelegt und dann gekocht. Die bekannteste industriell hergestellte ist die Spreewaldgurke. Nicht nur Fans der DDR-Komödien wie „Good Bye, Lenin!" haben von ihnen gehört. Sie gehören zu den wenigen DDR-Produkten, die die Wende überlebten. Bereits Theodor Fontane schwärmte 1870 über die Spreewaldgurken als Spitzenprodukt des Brandenburger Spreewalds. Als Beilage zu Fischgerichten oder sonstigen Salatkompositionen sind sie ein Dauerbrenner in der deutschen Küche.

Exotische Gurkenarten

Da die Gurke laut Systematik zu den Kürbisgewächsen zählt, erklären sich auch die exotischen Kreuzungen wie roter Gurkenkürbis oder der Kiwano Horngurkenkürbis. Beim Anblick dieser Exemplare ist es dann auch egal, ob es sich um Gurken oder Kürbisse handelt. Besondere Hingucker sind auch die Zitronengurke und der winterharte Blaugurkenbaum. Der Blaugurkenbaum zählt nicht zu den Kürbisgewächsen, sondern zu den Fingerfruchtgewächsen. Er ist ursprünglich in Westchina beheimatet und wird in der Landessprache „Katzenkotgurke“ genannt. Die Früchte sind genießbar und können frisch verzerrt werden. Bei uns ist diese Pflanze jedoch meistens nur Hobbygärtnern geläufig, obwohl eine Anzucht in Deutschland möglich ist.
Ebenso selten sind derzeit noch die Zitronengurken. Im Anbau bieten sie dieselben Anforderungen wie normale Gurken. Sie haben einen frisch fruchtigen Geschmack und enthalten weniger Bitterstoffe als die Zitrone. Da die Schale problemlos mitgegessen werden kann, bieten sie in jedem Salat einen Hingucker. Der hohe Wasseranteil und der leicht süßliche Geschmack machen die Zitronengurke auch zu einem idealen Begleiter für unterwegs, wo sie als wohlschmeckender und kalorienarmer Durstlöscher dienen kann. Trotz all dieser Vorzüge ist die Zitronengurke nur in den wenigsten Gärten oder Balkonkübeln zu Hause.
Weniger zimperlich ist hingegen die Horngurke. Aus dem südlichen und zentralen Afrika stammend, wird sie inzwischen in vielen Ländern gezüchtet. Während die gezüchtete Variante der gelben stacheligen Frucht an Banane, Zitrone und Passionsfrucht erinnert, schmeckt die in Neuseeland bereits verwilderte Variante bitter. Das Fruchtfleisch der auch Kiwano genannten Horngurke ist kräftig grün und ähnelt in nichts der uns vertrauten Schlangen- oder Einlegegurke. Die Tatsache, dass die Horngurke es geschafft hat, sich in Queensland zu verselbstständigen und auch noch Resistenzen gegen einige typische Virenerkrankungen der Gurke aufweist, zeigt, dass es auch in der Welt der Gurken Ausnahmen von der Regel gibt.

Gurken sind nicht nur zum Essen da

Bei den meisten besteht bereits eine enge Verknüpfung zwischen Wellness-Wochenende, Quarkmaske und Gurkenscheiben auf den Augen. Während die Bitterstoffe in der Gurkenschale Schaben zum Verhängnis werden, freut sich unsere Haut, damit eingerieben zu werden. Die darin enthaltenen Schwefel, Vitamine und Schleimstoffe glätten und straffen die Haut. Das Gurkenwasser kann als Gesichtswasser verwendet werden, und kleingemixtes Gurkenmus kann mit der Zugabe von Eiweiß und Zitronensaft oder auch einfach mit Quark als Gesichtsmaske genutzt werden. Trockene Haut kann durch ein Gurkenwasser-Haferflocken-Gemisch wieder belebt werden. Im Fall eines Sonnenbrandes wirken alle Gurkenmasken und -wässerchen kühlend und erfrischend.

Im Mittelalter eroberte die Gurke jedoch aufgrund ihrer heilenden Wirkung Europa. Ihr wird zum einen nachgesagt, Giftstoffe aus dem Körper schwemmen zu können. In Kombination mit Honig soll sie gegen Halsschmerzen wirken, wohingegen Zitronensaft das Bauchweh vertreiben soll.

Was Sie sich vor dem Anbau überlegen sollten

Vor dem Experiment Gurkenanbau sollte man sich im Klaren sein, dass das erfolgreiche Anzüchten der grünen Diven sehr viel Arbeit macht. Zudem sollte man sich überlegen, welche Voraussetzungen der Garten bereits bietet, wie viel Aufwand ein Umbau oder Umpflanzen verbunden wäre und welche Art von Gurken man überhaupt anbauen möchte. Soll die Gurke als Zierpflanze herhalten, ist die Genießbarkeit ein netter Nebeneffekt, aber keine notwendige Bedingung. Hier wären die mehrjährigen Sorten zu bevorzugen. Liebt man jedoch den frischen Salat, sollten Salatgurken gewählt werden. Um sich das leidige Anzüchten im eigenen Gewächshaus zu ersparen, können hier bereits vorgezüchtete Jungpflanzen erworben werden. Einlegegurken sind nicht ganz so empfindlich und können direkt ins Freiland gesät werden. Da empfiehlt sich jedoch das oben beschriebene Beizen der Samen, um bösen Überraschungen vorzubeugen. Mulch-Folie und Rankenhelfer sind bewährte Pflege- und Erntehelfer, die jedoch kein Muss bei der erfolgreichen Anzucht von Gurken sind.

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