Das gehört zum guten Ton: Tonbearbeitung leicht erklärt

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Das gehört zum guten Ton: Tonbearbeitung leicht erklärt

Wie Sie selbst schöne Gegenstände aus Ton herstellen können

Menschen fertigen schon seit der Jungsteinsteinzeit Objekte aus Keramik und Ton an. Somit ist die Tonbearbeitung eine der ältesten Handwerkstechniken überhaupt. Auch heutzutage ist Töpfern ein beliebtes Kunsthandwerk und Hobby, weil Ton ein Material ist, das sich hervorragend eignet, seiner Fantasie und Kreativität bei der Anfertigung von individuellen praktischen und dekorativen Gegenständen freien Lauf zu lassen. Der Rohstoff Ton lässt sich leicht formen, kneten und modellieren. Wenn auch Sie sich diesem wunderschönen Hobby widmen wollen, dann brauchen Sie dazu im Grunde genommen nur etwas Schöpferkraft, Hände, handwerkliches Fingergeschick, ein paar Werkzeuge und Ton sowie einige andere Hilfswerkstoffe. Im Folgenden erhalten Sie Informationen darüber, was Sie zum Töpfern brauchen und mit welchen Techniken Sie ganz leicht selbst ein individuelles Tonstück herstellen können.

Ton als Hauptwerkstoff für die Tonbearbeitung

Es sind verschiedene Tonmassen erhältlich, aus denen Sie Ihr Kunstwerk anfertigen können. So wird zum Beispiel auch Modelliermasse angeboten, der verschiedene Materialien beigemischt sind, damit sie sich besser formen lässt. Modelliermasse kann teilweise auch an der Luft getrocknet werden. Des Weiteren gibt es Drehton, der fetter als normaler Ton ist und für den Einsatz an einer Töpferscheibe gedacht ist. Ferner können Sie auch ganz normalen Töpferton verwenden, der überwiegend in 10 Kilogramm-Blöcken erhältlich ist. Dieser kann meist sehr preiswert erworben werden und ist hervorragend für Anfänger geeignet. Bei allen Tonarten ist es jedoch wichtig, dass diese richtig gelagert werden, da sie ansonsten schnell austrocknen können. Bei Ton-Blöcken bietet es sich an, diese für die Aufbewahrung in feuchte Tücher, Plastikfolie oder Frischhaltefolie einzuwickeln. Tonmassen sollten am besten in einem Eimer mit Deckel gelagert werden.

Tonbearbeitung mit bloßen Händen und wenig Werkzeugen

Wenn Sie das Töpfern autodidaktisch erlernen möchten, bietet sich das freie Modellieren mit bloßen Händen an. Hierfür sind nur sehr wenige zusätzliche Modellierwerkzeuge erforderlich. So wird zunächst ein Messer oder eine sogenannte Tonschlinge benötigt, um einen Ton-Block in Portionen zu teilen. Zusätzlich brauchen Sie Wasser, am besten in einer Sprühflasche, um den Ton zwischendurch anzufeuchten, damit er lange geschmeidig bleibt und sich gut formen lässt. Weitere Hilfsmittel, die je nach Technik und Art des anzufertigenden Werkstücks notwendig sind, sind zum Beispiel eine Bürste, Besteck, ein Kamm, ein Nudelholz, Plätzchenausstecher und andere Modellierformen.

Freies Modellieren mit verschiedenen Töpfertechniken

Für die Tonbearbeitung mit bloßen Händen gibt es verschiedene Verarbeitungstechniken, von denen hier einige kurz vorgestellt werden. Zuerst muss bei allen Tonbearbeitungstechniken der Ton geknetet werden, damit er für die Bearbeitung elastisch und luftbläschenfrei wird. Nach der Modellierung können alle Tongegenstände mit den Fingern oder einem Hilfsmittel wie mit einer Gabel, einem Lineal, einem Kamm etc. verziert werden, bevor sie dann gebrannt werden. Alle Hohlraumformen müssen zusätzlich vor dem Brennen mit einem kleinen Loch versehen werden, damit Luft, die sich während des Brennens ausdehnt, entweichen kann und somit verhindert wird, dass das neue Kunstwerk eventuell explodiert.

Aushöhltechnik für Tonstücke mit Hohlraum

Bei der Aushöhltechnik höhlt man mit den Fingern oder mit einem Gegenstand wie einem Löffel beziehungsweise mit einer Modellierschlinge einen vorgeformten Tonklumpen so weit aus, bis dessen Wände nur noch ein bis zwei Zentimeter dick sind. Das vorgeformte Objekt teilt man dann in zwei Hälften. Danach streicht man die Ränder und die Böden der beiden Hälften glatt und setzt diese mit Wasser oder Schlicker wieder zusammen und verstreicht von innen und außen die Naht, bis sie nicht mehr sichtbar ist. Die Aushöhltechnik eignet sich wunderbar für kleine Gegenstände, wie beispielsweise Teelichthalter, Kerzenhalter, kleine Gefäße usw.

Plattentechnik für flache Objekte aus Ton

Die Plattentechnik ist für flache Tongegenstände wie flache Teller, Schilder, Tannenbaumschmuck und Ähnliches gedacht. Bei ihr werden Tonmassen auf einer geeigneten Unterlage, wie zum Beispiel Zeitungpapier, mit einem Nudelholz zu dünnen, mindestens 0,5 Zentimeter starken Platten ausgewalzt. Aus diesen Platten wird das gewünschte Endprodukt modelliert.

Wulsttechnik – mit Wülsten formen

Eine weitere einfach anwendbare Tonverformungstechnik ist die Wulsttechnik. Bei ihr wird zunächst Ton in etwa fingerdicke Wülste gerollt. Um ein gewünschtes Hohlraumobjekt zu erhalten, werden dann aufgeraute Wülste aufeinandergesetzt und mit Schlicker oder Wasser verklebt. Diese Technik bietet sich unter anderem für das Formen von Blumenübertöpfen, Stifthalter, Tassen und vieles mehr an.

Mit der Überformungstechnik erhalten Mustergegenstände eine neue Form

Bei der Überformungstechnik dienen Gegenstände oder Gefäße als Schablonen, aus denen ein neues Objekt gestaltet wird. Wichtig ist bei dieser Technik, dass ein gewähltes Schablonenobjekt später wieder leicht aus dem neu kreierten Tonstück herausgenommen werden kann. Für leichtes Entfernen der Schablone muss diese außerdem mit Plastikfolie, einen Nylonstrumpf oder Ähnlichem überzogen werden. Aus röhrenförmigen Mustergegenständen, wie beispielsweise Gläsern oder Toilettenrollen kann mit dieser Methode jegliche Art von Gefäßen modelliert werden.

Auch hier wird zuerst aus Ton eine dünne Platte gerollt. Dann wird diese derart zugeschnitten, dass ihr Umfang etwas größer ist als der Mustergegenstand. Danach wird das Musterobjekt mit der Tonplatte umwickelt, und zwar so, dass die Platte und die Schablone unten zusammen abschließen. Daraufhin wird die Naht gut verstrichen und das Ganze für die Anfertigung des Bodens auf ausgerollten Ton gestellt. Der Boden wird jetzt mit einer Nahtzugabe von 1 bis 2 Millimetern zurechtgeschnitten und anschließend mit den Wänden des neuen Tongefäßes verbunden und verstrichen, bis alles glatt ist. Danach wird die Schablone herausgenommen und die Naht auch von innen geglättet. Nun hat das neue Gefäß seine Form. An Gegenständen wie Tassen, Kannen etc. kann ein Henkel aus Tonrollen angebracht werden.

Trocknen und Brennen von Tonarbeiten

Unabhängig von der Modelliertechnik müssen alle geformten Tongegenstände zuerst getrocknet und dann gebrannt werden. Das Trocknen ist erforderlich, um beim Brennen das Reißen oder Explodieren von den getöpferten Kunstwerken zu vermeiden. Am besten trocknen Sie die neu getöpferten Objekte ungefähr 1-2 Wochen langsam an einem kühlen Ort. Beim anschließenden Brennen geht der Ton in einen festen Scherben über. So kann das getöpferte Objekt nicht mehr von Wasser aufgeweicht werden, mitunter wird es sogar gänzlich wasserundurchlässig.

Im professionellen Töpferhandwerk gibt es für das Brennen speziell ausgestattete Brennöfen. Hobbytöpfer können aber auch ganz normale Elektrobrennöfen verwenden, die mindestens auf 600 Grad Celsius eingestellt werden können, denn erst ab dieser Temperatur findet die Scherbenbildung statt. Übrigens bezeichnet man Töpferwaren als Steingut, wenn sie unter 1200 Grad, als Steinzeug, wenn sie zwischen 1200 und 1300 Grad und als Porzellan wenn sie über 1300 Grad gebrannt wurden. Ein Ton ist umso wasserundurchlässiger und härter, je höher er gebrannt wurde. Die im Hobbybereich angefertigten Tonobjekte sind meist Steingut. In der Regel werden fertige Tonarbeiten zweimal gebrannt.

Der erste Brennvorgang ist der Schrüh- oder Rohbrand

Beim ersten Brennvorgang, der als Schrüh- oder Rohband bezeichnet wird, findet die Scherbenbildung statt, das bedeutet, ein getöpferter Gegenstand erhält seine steinartige Konsistenz. Bei handelsüblichen Hobbybrennöfen ist in der Regel eine Schrühbrandtemperatur von 960 Grad einprogrammiert, wobei die Temperatur während des Brennvorgangs langsam erhöht wird, sodass sich keine Risse im Tonstück bilden können und es nicht zerplatzen kann. Wenn ein Tonstück nur mit Engoben behandelt wurde und es nicht glasiert werden soll, können Sie den Ofen gleich auf die gewünschte Endtemperatur einstellen.

Der zweite Brennvorgang ist der Glasur- oder Glattbrand

Nach dem ersten Brand können die Tonartikel glasiert werden. Glasierte Tonhandwerke müssen erneut gebrannt werden. Der zweite Brandvorgang wird als Glasur- beziehungsweise Glattbrand bezeichnet. Er dient dazu, die Glasuren zu schmelzen, damit diese sich fest mit dem Ton verbinden. Dies kann bei einer Temperatur von 1020 bis 1080 Grad Celsius geschehen. Normalerweise steht auf den Glasuren-Packungen, wie hoch diese gebrannt werden dürfen. Damit die Heizspirale und die Ofenwände des Brennofens nicht kaputtgehen, dürfen die zu brennenden Tonartikel diese nicht berühren. Nützlich ist es auch, von Zeit zu Zeit die Ofenplatten und den Ofenboden mit Quarzsand zu bestreuen, damit heruntergetropfte Glasurreste sich lösen. Den Ofen sollten Sie erst öffnen, wenn die neuen Tonprodukte vollständig ausgekühlt sind. Dies ist je nach Ofen und Größe eines Tonstücks nach 1 bis 2 Tagen der Fall.

Farbgestaltung und Glasieren von Tonartikel

Zur Farbgestaltung von Tonstücken stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Wenn Sie verschiedene Tonfarben verwenden, können Sie die Oberflächen eines Tonstücks farblich gestalten, ohne dass die getöpferten Endprodukte ihren rustikalen, irdenen Charakter verlieren. Zum Setzen von farblichen Akzenten eignet sich auch Schlicker in einer anderen Farbe, den Sie mit dem Pinsel auftragen können. Ferner können Sie auch mit Engoben arbeiten. Hierbei handelt es sich um Tonpulver, die eingefärbt wurden. Diese können mit Wasser angerührt werden und mit einem Pinsel einfach auf ein ungebranntes Tonstück aufgetragen werden. Engoben sind preisgünstig, ergiebig und sorgen bei Tonstücken mit matter Oberfläche für eine hohe Farbintensität. Jedoch dichten sie den Ton und somit das Endprodukt nicht ab.

Engoben finden Sie in allen Grundfarben. Darüber hinaus sind Glasuren für die Farbgestaltung sehr beliebt, da diese in der Handhabung recht einfach sind. Von ihnen gibt es bei eBay eine große Auswahl. Glasuren werden entweder in Pulverform oder als Flüssigglasur angeboten. Normalerweise sind Glasur-Pulver preiswerter, aber diese müssen selbst angerührt werden und werden oft hart, wenn man sie einige Zeit stehen lässt. Glasuren werden nach dem Schrühbrand dick in zwei bis drei Schichten aufgemalt. Nach einer Glasur muss ein Tonstück erneut gebrannt werden. Darüber hinaus können Tonstücke nach dem Rohbrand auch mit anderen Farben, wie Bastellacken aller Art, Wasserfarben, Filzstiften oder Eddings bemalt werden. Diese Farbgestaltungen bieten sich vor allem an, wenn Kinder das Töpfern ausprobieren möchten.

Tonbearbeitung mit Töpferscheibe

Im Gegensatz zum Töpfern mit bloßen Händen, ist das Töpfern mit einer Töpferscheibe bedeutend schwieriger zu erlernen. Für diese Töpfertechnik ist es sinnvoll, einen Töpferkurs zu besuchen oder sich ein Fachbuch zuzulegen, in dem die Technik des Drehens der Töpferscheibe Schritt für Schritt in Bildern detailliert illustriert wird. Was die Töpferscheibe selbst anbelangt, gibt es zwei Hauptarten. Zum einen relativ große Standmodelle für Vielverwender und zum anderen kleine Tischgeräte für den Hobbygebrauch. Beide Modelltypen werden heutzutage überwiegend elektrisch betrieben, wobei die Geschwindigkeit mit einem Fußpedal gesteuert wird. So genannte Ränderscheiben, die oft als Töpferscheibe angeboten werden, sind keine echten Töpferscheiben, sondern dienen lediglich als Hilfestellung beim Formen runder Tongefäße mithilfe anderer Töpfertechniken, wie zum Beispiel der Wulsttechnik.

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