Das Differenzialproblem beim Ford Consul/Granada Mk1, Mk2

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Die Verbundhülse als Störenfried

Bei fast jeden dritten Ford Granada und Consul aus der gesamten Bauzeit von  1972 bis 1985 ist das Bekannte Problem das Hinterachsdifferenzial. Im Bezug dieses Schadens, dass zudem störende Geräusche von sich gibt, in Form von lauten Hohlgeräuschen und "klacken" beim Lastwechsel wird mit der Zeit erheblich verschlimmert. Da die Kegel- und Antriebswellenradverzahnung (vom Tellerrad) nicht mehr exakt ineinander eingreifen kann. Dazu wird das Tragbild der beiden Zahnräder an den Zahnflanken erhöhten Verschleiß ausgesetzt. Ärgerlich im späteren Verlauf sind dann die teuren Instandsetzungskosten mit den zusätzlich notwendigen Reparatur-/Ersatzteilen. Dabei ist der Grund für dieses Symtom das die im Differenzialgetriebehals befindliche Verbundhülse. Sie trägt die Aufgabe die konstruktionsbedingte Wellenverlängerung zusammen zu halten. Wird das Torsionsmoment (Verdrehung) im laufe der Zeit überansprucht z.b beim höheren Beschleunigen aus dem Stand, oder beim zurückschalten bei einem Überholmanöver, kann diese Hülse ausarbeiteten (bis hin zum kompletten abscheren der Wellen führen). Um dieses Problem fachgerecht und vorzeitig zu behandeln dient dieser Ratgeber als Reparaturleitfaden dazu, diese Geräusche und das damit verbundene Problem zu beseitigen.

Im folgenden Abschnitt wird genauer in diesen Zusammenhang darauf eingegangen. 

Der Reparaturverlauf

Im Vorfeld ist zudem folgendes zu erwähnen.

Die Instandsetzung des Hinterachsgetriebes/Differenzial ist sehr umfangreich, aber lohnend. Es bedarf zudem ein erhöhtes technisches Verständnis, und ein gewisses "Know How"  für diese Angelegenheit. Hobbyschrauber können im Bezug der späteren Arbeitspositionen schnell überfragt sein (Einstellung, Reibmomentenmessung).  Für die Garantie der richtigen Interpretation und Handhabung sollte ein fachkundiger Techniker mit hinzugezogen werden.

Die Vorbereitung

Spezialwerkzeug ist in diesen Fall nötig. Diese wären bspw :

- Ein Einbaudorn (für Radialwellendichtring)
- Ein Schlaghammer 
- Ein Kupferhammer
- Ein Reibmomentenuhr (zum vorabmessen des Reibmoments/Durchdrehmoments)
- Ein Drehmoment von 20-200Nm
- Ein Abzieher
- Eine Hebebühne 

Zur Zerlegung

Die Reparatur beginnt mit dem aufbocken und hochfahren des Fahrzeuges auf einer Hebebühne.

1. Radmuttern lösen. Räder und Bremstrommeln demontieren/abbauen.

2. Gelenk-/Kardanwelle von Hinterachswellenverlängerung demontieren/abbauen (4 Schrauben) und hinteren Gelenkwellen an einem Handbremsseil (in Halternähe) festbinden.

3. Auspuffrohrhalter vom Hinterachs-Querträger abbauen (V6-Motor besitzt 2 Halter).

4. Verteilerstück (T-Stück) für Bremsleitung und Schläuche vom Bodenblech abschrauben (siehe Bild 1).
Bild 1
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5. Hinterachs-Querträger abstützen und Querträger von der Bodengruppe abbauen: 

Sicherungsbleche aufbiegen und Bolzen (Haupthalteschrauben) der Gummilager herausdrehen. Führungsplatten vom Bodenblech abschrauben (4 Schrauben) (siehe Bild 2).
Bild 2
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6. Hinterachsverlängerung vom Querträger abbauen (4 Muttern). Querträger absenken und hängen lassen. Schrauben der Hinterachsverlängerung nach oben herausziehen (siehe Bild 3).
Bild 3
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7. Hinterachsverlängerung vom Achsgehäuse abschrauben (4 Schrauben). Zwischenplatte (Metrisches Gewinde) bzw. Zollgewinde mit einem Schlaghammer an den Flansch montieren. Hinterachsverlängerung und Welle komplett mit diesen Spezialwerkzeug abziehen (siehe Bild 4).
Bild 4
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8. Keilverzahnte Verbundhülse mit einem handelsüblichen Abzieher von der Welle abziehen.

9. Drehmomentlehre/Reibmomentenuhr mit einer Vielzahnstecknuß auf das Gelenkstück und Verlängerung setzen und das Gesamtdurchdrehmoment der Achse messen. Hierzu wird das Kegelrad gleichmäßig durchgedreht. Durchdrehmoment ablesen und notieren, z.b 1,8Nm (18kpcm). 

WICHTIG :  Bremstrommeln abgebaut/demontieren ! 

Anwendung siehe Bild 5
Bild 5
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10. Selbstsichernde Mutter-Antriebskegelrad mit Halteschlüssel und Vielzahnstecknuß abschrauben. Antriebskegelrad im Uhrzeigersinn drehen (siehe Bild 6).
Bild 6
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11. Radialwellendichtring herausnehmen und Dichtring mit einem geeigneten Werkzeug (z.B Schraubendreher) ausbauen (siehe Bild 7).
Bild 7
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12. Neuen Radialwellendichtring nach reinigen der Auflageflächen mit einem einem Wellendichtring-Druckstück einpressen (siehe Bild 8). Dabei ist die Sitzfläche des neuen Dichtrings zwischen der Staub und Dichtlippe mit säurefreien Fett zu bestreichen. 
Bild 8
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13. Durchdrehmoment nochmals kontrollieren. Alle Daten hirzu sind auf dem Bild 9 nochmal extra erläutert.
Bild 9
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Der Einbau

1. Keilverzahnungen von Antriebskegelrad, neue Verbindungshülse und Welle sorgfältig reinigen (mit Bremsenreiniger oder Benzin).

2. Keilverzahnung und neue Verbindungshülse an einer Seite auf ca. 20mm Tiefe mit Fett bestreichen. Hülse mit der fett-bestrichenen Seite auf das Antriebskegelrad treiben (Kupferhammer hierbei verwenden). 

3. Keilverzahnung der anderen Hülsenhälfte mit "Loctite AVX 86" oder vergleichbare Klebeverbindungsmittel bestreichen.

WICHTIG: Die Aushärtezeit beträgt ca. 24Std. des Klebeverbindungsmittels !

Auf den Bildern 10 & 11 wird erläutert in wie weit die neue Verbundhülse montiert/eingebaut werden muss. 

Maße: A= 35,5 - 37,5mm (siehe Bild 10)


Bild 10
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Bild 11
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4. Hinterachswellenverlängerung in die Verbindungshülse schieben. Hinterachsverlängerung an das Achsgehäuse montieren, Schrauben mit vorschriebenem Drehmoment festziehen. 

5. Weiterer Wiedereinbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Zusätzlich ist noch zu beachten das das Bremssystem dabei noch entlüftet werden muss ! (Durch die Trennung der Leitungen nötig). 

Im Anhang ist eine Explosionszeichnung vorhanden wo das Differenzial im zerlegten Zustand zu betrachten ist. Als zusätzliche extra Darbietung zur Reparatur/Instandsetzung (siehe Bild 12).
Bild 12: Explosionszeichnung vom Aufbau des Hinterachsgetriebes/Differenzial
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Bild 12: Explosionszeichnung vom Aufbau des Hinterachsgetriebes/Differenzial
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Aus der Vergangenheit

Auf Youtube ist ein interessanter Beitrag zudem veröffentlicht worden. "Automobile Ärgernisse" von  1981 hat in den letzten Aufnahmeminuten (ab 9:06 min.) über eine Person namens Gerhard Rasch berichtet der über dieses Problem ebenfalls mit eigenen Mitteln eine Abhilfe erfunden hatte. Interressant !  

Link:       https://www.youtube.com/watch?v=Dj7aQBpFOrM

Viel Spaß beim "Schrauben" :).

Mit freundlichen Grüßen

Verfasser:
Fabian Gürtler
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