Das Börsenspiel – ein Spiel für Spekulanten: Warten auf fallende Kurse oder sofort Aktien kaufen?

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Das Börsenspiel – ein Spiel für Spekulanten: Warten auf fallende Kurse oder sofort Aktien kaufen?

Gewinner oder Verlierer am Spielplatz Börse – hier nehmen Schicksale ihren Lauf

Die Geschichte der Börse beinhaltet vor allem eines: Gewinner auf der einen und Verlierer auf der anderen Seite. So sind dort viele große Vermögen gemacht, aber vor allem bei Börsencrashs auch viele vernichtet worden. Die allererste Börse wurde im Jahre 1409 in Brügge geöffnet und der erste wichtige Börsenstandort wurde Amsterdam, wo man ab 1602 damit begann, Aktien der niederländischen Ostindien-Kompanie zu handeln. Mit den Aktien kauften sich die Investoren Anteile am Unternehmen und dessen Gewinnen. So wuchs die niederländische Ostindien-Kompanie zu einem der größten Handelsunternehmen des 17. und 18. Jahrhunderts. Zum ersten Börsencrash kam es ebenfalls in Amsterdam, wobei der Auslöser noch keine Aktien, sondern Spekulationen auf die Preise von Tulpenzwiebeln waren. Gier macht bekanntlich blind, und so begann man zwischen 1634 und 1637 immer heftiger auf Preisanstiege zu spekulieren. Jeder wollte sich plötzlich an diesem Spiel beteiligen und der Tulpenpreis stieg auf das 24-Fache.

Schlussendlich passierte das Unvermeidbare: Die Spekulationsblase platzte und es kam zu einem rasanten Preisverfall der Tulpenzwiebeln. Einige Anleger machten dabei ein Vermögen, während der Großteil der Anleger jenes verlor. Dieser ersten Krise sollten in regelmäßigen Abständen noch viele weitere folgen. Vielen Spekulanten ist noch die vor ein paar Jahren stattgefundene Finanzkrise oder das Platzen der sogenannten „Dotcom"-Blase, als sich Milliarden Vermögen von einem Tag auf den anderen in Luft aufgelöst haben, in schmerzhafter Erinnerung. Die meisten der großen Unternehmen würde es jedoch ohne das Geld durch die Börse nicht geben und sie wären ganz sicher nicht dort, wo sie heute stehen. „Das Börsenspiel" ist eine optimale Möglichkeit, die Welt der Börse spielerisch durch ein Gesellschaftsspiel kennenzulernen. 

Die entscheidende Frage: Ist der Kurs gerade Bulle oder Bär?

Eine Börse kann mit einem Satz auf den Punkt gebracht werden: Es handelt sich um ein großes Casino, in dem auf steigende oder fallende Kurse gewettet wird. Anhaltend steigende Kurse werden an der Börse als Bullenmarkt oder Hausse bezeichnet, während man bei fallenden Kursen vom Bärenmarkt oder Baisse spricht. Sollten die Preise so richtig stark steigen, spricht man auch von einem Boom, bzw. einem Crash, wenn die Kurse plötzlich stark fallen. Das Problem, wie so oft im Leben, ist, dass man leider erst danach schlauer ist und mit Sicherheit sagen kann, dass man sich zuvor in einem Bullen- oder Bärenmarkt befunden hat. Die Kunst besteht darin, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, wann ein Bullen- in einen Bärenmarkt umschlägt und umgekehrt. Der Wechsel zwischen Hausse und Baisse wird auch als „Börsenzyklus" bezeichnet. Der Bär ist ein Pessimist, er erwartet einen Kursabfall und spekuliert auf fallende Kurse. Der Bulle hingegen ist optimistisch gestimmt und investiert in Erwartung von steigenden Kursen und Unternehmensgewinnen. Am Finanzmarkt hängt sehr viel von der Erwartung der Anleger ab.

Der Klassiker: "Das Börsenspiel"

Bereits 1967 kam unter dem Titel „Das Börsenspiel" ein echter Broker-Klassiker auf den Markt. Im Spiel werden das Börsengeschehen und Aktienspekulationen nachempfunden. So gibt es vier Firmen, auf deren Aktien spekuliert werden kann. In Kurstabellen wird Runde für Runde deren Kurs angezeigt und mittels Aktionskarten kann der Kurs jeweils nach oben oder unten beeinflusst werden. Anhand der eigenen Aktionskarten lässt sich entscheiden, ob man Aktien kauft oder verkauft, wobei man nie weiß, welche Aktionen die anderen Spieler durchführen.

Das Spiel ist dann auch noch später in zahlreichen verschiedenen Ausgaben als Teil der Casino-Serie der Firma Ravensburger erschienen. Das Spielprinzip ist geblieben, jedoch wurden zum Teil die Regeln leicht geändert und zusätzlich zu den Aktionskarten auch die Ausgabe von Ereigniskarten eingeführt. In der Schweizer Ausgabe mit dem Titel „Der Aktionär" können Sie Aktien von 5 Firmen kaufen. Zusätzlich gab es auch eine Sonderausgabe der Deutschen Bank, welche als Werbegeschenk mit unterschiedlichen Firmennamen genutzt wurde. Das Ziel des Spiels blieb aber immer das Gleiche: am Ende das größte Kapital in Form von Aktien und Bargeld zu besitzen. Dies erreichen Sie durch geschickte Anlage und durch überlegte Beeinflussung der Kurse mittels Aktionskarten.

„Das Börsenspiel – Erfolgreich auf dem Kursparkett": Zusammenhänge der Börse verstehen

Von Huch & Friends kam unter Kooperation mit n-tv im Jahr 2010 eine moderne Version eines Börsenspiels als Gesellschaftsspiel heraus. „Das Börsenspiel – Erfolgreich auf dem Kursparkett" wurde hierzu in Kooperation mit den Börsenexperten des Nachrichtensenders entwickelt. Es ist also keine Wiederauflage des Klassikers von Ravensburger, obwohl der Titel und das Thema identisch sind. Auch hier sind wieder ein guter „Riecher", das richtige Timing und eine Portion Glück gefragt, um sein Kapital zu vermehren und am Ende als Sieger hervorzugehen. Auf eine spielerische Art und Weise sollen die wichtigsten Zusammenhänge der Börse und das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nachfrage verdeutlicht werden. Die Zielgruppe sind zwar Erwachsene, es kann aber prinzipiell ab 10 Jahren gespielt werden.

So wird gespielt

Ähnlich wie beim Klassiker von Ravensburger können auch hier bis zu vier Spieler mit den Aktien von vier großen Unternehmen ihr Glück versuchen. Nach 10 Runden und einer Spieldauer von ca. 45 Minuten steht dann fest, ob Sie der Investmentguru des Abends sind. Die jeweiligen Runden bestehen aus einer Order- und einer Dividendenphase. Unter Dividende versteht man den Teil des Gewinnes, welches ein Unternehmen seinen Aktionären ausschüttet. Es steht ein Orderblock mit Orderscheinen zur Verfügung und während der Orderphase tragen die einzelnen Spieler in ihren Orderscheinen ein, welche Aktien und in welcher Stückzahl sie kaufen oder verkaufen wollen. Jeder Spieler konzentriert sich auf seine eigenen Ordern, die Orderscheine der anderen Mitspieler bleiben vorerst verdeckt. Danach wird durch Ziehen eines Geschwindigkeitschips bestimmt, in welcher Reihenfolge die Orders durchgeführt werden.

Nun wird es spannend, der Spieler mit dem niedrigsten Wert beginnt mit der Ausführung seiner Order. Durch eine Kauforder wird der Kurs einer Aktie auf der Kurstabelle je nach Anzahl nach oben gesetzt und dann mit dem aktualisierten Preis die Aktien in der gewünschten Menge gekauft. Wie an der echten Börse führen Kauforder zu einem Steigen der Kurse. Bei einer Verkaufsorder wird der Kurs zuerst in Abhängigkeit der verkauften Aktien an der Kurstabelle nach unten gesetzt und dann die Verkaufsorder auf Basis des neuen niedrigeren Verkaufspreises durchgeführt. Auch hier ist es wie im echten Leben, der Verkauf von Aktien führt zu fallenden Kursen. Fällt der Kurs durch die Verkaufsorder auf 0, so ist das Unternehmen bankrott und es müssen alle Aktien dieser AG ins Depot zurückgelegt werden. Man spricht in diesem Fall dann von einem Totalverlust. Wurden sämtliche Aufträge ausgeführt, so ist die Orderphase beendet und es beginnt die Dividendenphase. Dies ist dann meist die erfreulichere Phase, wo, sofern Sie im Besitz von Aktien sind, mit Einnahmen zu rechnen ist. Die vier Dividendenwürfel bestimmen die Höhe der Dividendenausschüttung für die Aktien. Hat jeder Spieler den ihn zustehenden Gewinnanteil bekommen, so startet die nächste Runde mit der Orderphase. Der Spieler, der am Ende das meiste Kapital in Form von Aktien und Geld besitzt, hat gewonnen.

Mehr Abwechslung ins Spiel bringen mit neuen oder vorgeschlagenen Regelvarianten

Um etwas zusätzliche Abwechslung ins Spiel zu bringen, wurden zu den offiziellen Spielregeln vom Autor des Börsenspiels in sozialen Netzwerken noch zusätzliche Regelvarianten veröffentlicht. So lautet eine Variante, das Spiel nicht von Null zu beginnen, sondern den Spielern zu Beginn die Möglichkeit zu geben, zwei Gratis-Aktien eines Unternehmens auszusuchen. Die Aktienkurse werden dann zu Beginn ebenfalls um die entsprechende Anzahl an Felder nach oben aktualisiert. Eine weitere vorgeschlagene Zusatzregel ist, die Kurse beim Kauf und Verkauf der Aktien einzeln zu berechnen. Wenn zum Beispiel der aktuelle Kurs bei 40 Euro liegt und zwei neue Aktien geordert werden, dann würde die erste Aktie zu einem Preis von 50 Euro und die nächste zu einem Preis von 60 Euro gekauft werden. In genau umgekehrter Richtung würden sich die Kurse beim Verkauf verhalten. Auch wird als Variante vorgeschlagen, dass jeder Spieler zwei Order je Runde durchführen kann. Falls Sie das Spiel in einer abgewandelten Form spielen möchten, können Sie sich die Variante aussuchen, die Sie am besten finden. Vielleicht erfinden Sie auch eine ganz eigene Spielvariante.

Von der Börse empfohlen: „Die 10 Goldenen Regeln der Aktienanlage"

Das Spiel wird von der Börse Stuttgart empfohlen und mit einem Begleitheft „Einführung in die Welt der Börse" ausgeliefert. Darin werden neben einer kurzen Börseneinführung unter anderem auch 10 goldene Regeln der Aktienanlage, ausgearbeitet von Börsenprofis, präsentiert. 

Sonstige Spiele in diesem Genre, die Sie auch interessieren könnten

Wenn Sie ein Brettspiel zum Thema Börse suchen, werden Sie aktuell aus Mangel an Alternativen um „Das Börsenspiel" nicht herumkommen. Auch zum Thema Wirtschaft allgemein finden Sie neben den beiden Klassikern „Monopoly" bzw. „DKT – Das kaufmännische Talent", bei denen es weniger um Spekulation, sondern mehr um Investition geht, kaum etwas. Viele dieser Spiele sind schon in die Jahre gekommen und teilweise nur noch gebraucht erhältlich. Ähnlich wie „Monopoly" funktioniert „Geld und Börse", bei dem Sie auch wieder in verschiedenste Investitionsobjekte investieren können, um so Ihr Geld auf Kosten der anderen Spieler zu vermehren.

Ein weiteres Wirtschaftsspiel, in dem es auch darum geht, etwas zu produzieren, ist „Playboss". Hier ist das Ziel, Rohwaren billig einzukaufen und mit eigenen Maschinen Fertigwaren herzustellen und teuer zu verkaufen. Während es bei „Das Börsenspiel" darum geht, die Börse und Zusammenhänge zwischen Angebot und Nachfrage zu verstehen, lernt man mit „Playboss" die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Marktwirtschaft kennen. Ein weiteres Spiel dieses Genres ist „¥E$ - Das Spiel ums große Geld", mit dem Ziel, weltweit in unterschiedlichen Bereichen zu investieren und wirtschaftliche Aufträge zu erfüllen. Das Brettspiel „Dollarfieber" ist ein Würfel-gesteuertes Laufspiel mit Spielfiguren rund um den Börsenbarometer. 

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