Das Baltikum unter deutscher Besatzung - was Münzen über Oberbefehlshaber erzählen können

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Das Baltikum unter deutscher Besatzung - was Münzen über Oberbefehlshaber erzählen können

Bis heute ist unklar, ab welchem Zeitpunkt das Geld als Währung eingesetzt wurde. Die ersten Münzen werden seit Jahrtausenden als Zahlungsmittel eingesetzt und erzählen alles über ihre Geschichte. Besondere Münzen mit einer historischen Geschichte sind die Münzen aus der Zeit der Besatzung des Baltikums durch die deutschen Oberbefehlshaber. In der Zeit von 1914 bis 1918 tobte der Erste Weltkrieg, in den etwa 40 Staaten, zum Teil beteiligt, teilweise unbeteiligt, involviert waren. Deutschland kämpfte an verschiedenen Fronten und dies hauptsächlich mit dem Gedanken, Russland besiegen zu können. Dieses gelang nicht, aber man konnte die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland besetzen. Die Besetzung durch Deutschland erfolgte in den Jahren 1917 bis 1939. Im August 1939 wurden aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes die baltischen Länder wieder dem sowjetischen Einflussbereich überlassen.

Die Länder des Baltikums

Zum Baltikum gehören die heute unabhängigen Länder Estland, Lettland und Litauen. Die in Nordosteuropa gelegenen Länder befinden sich direkt am Baltischen Meer, woher die Namensableitung Baltikum stammt. Um diese drei Länder befinden sich die Grenzen von Russland und Polen. Nach dem Ende des Nordischen Krieges wurde das Baltikum an das russische Zarenreich übergeben. Da die drei Länder für ihre Unabhängigkeit weiterkämpften, gelang es ihnen im Jahr 1918 endlich, den Erfolg zu erzielen. Doch schon mit Beginn des Zweiten Weltkrieges durch die Besetzungen Deutschlands und der Sowjetunion wurde die Unabhängigkeit zunichte gemacht.

Die Besetzung durch Oberbefehlshaber Ost

Im Sommer 1915 gelang es den Truppen, unter dem Regiment des Feldherrengespanns Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff, ihren größten Sieg an der Ostfront zu feiern. Innerhalb nur weniger Monate wurden die russischen Armeen über 400 Kilometer zurückgetrieben. Am Ende des Septembers 1915, als die Offensive abgebrochen wurde, hatten die Mittelmächte Kongresspolen und große Teile des Baltikums in der Hand. Das Gebiet „Land des Oberbefehlshabers Ost" - kurz Ober Ost - erstreckte sich über 100 000 km² über Kurland, Livland, Litauen und Estland. Aus den Ländern Kurland und Livland wurde später das heutige Litauen. Erich Ludendorff erhielt als starker Mann der Militärführung im Osten, die er seit August 1916 als Chef der obersten Heeresleitung neben Paul von Hindenburg führte, die einmalige Gelegenheit, ein besetztes Territorium ganz nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen und zu strukturieren. Im Verlauf des Krieges dienten zwei bis drei Millionen deutsche Soldaten an der damaligen Ostfront.

Am Anfang der Besetzung ging es darum, ein sehr engmaschiges System der Kontrolle zu errichten. Das besetzte Gebiet wurde in sechs Verwaltungsbezirke gegliedert. Der Grenzverlauf war sehr willkürlich gestaltet, ohne auf das Land Rücksicht zu nehmen oder dessen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Gleichzeitig wurden die Infrastruktur für die Eisenbahnlinien, das Straßennetz, die Post- und Telegrafenverbindungen wiederhergestellt oder nach deutschen Standards aufgebaut. Hiermit wollten die Oberbefehlshaber die deutsche Wirtschaft in das besetzte Land einbringen. Nichts durfte ohne das Einverständnis des Militärs ungeregelt bleiben, daher gab es für alles eine Verordnung. Deutsch wurde zum Pflichtfach im Schulsystem von der ersten Klasse an unterrichtet.

Militär und Beamte führten sich im Lande Ober Ost wie Kolonialherren auf. Je länger die Besatzung dauerte, desto mehr Erbitterung und Hass kam zum Vorschein. Die deutsche Militärverwaltung erreichte das Gegenteil vom dem, was sie eigentlich vorhatte. Sie schaffte es nicht, eine Grundlage für eine dauerhafte Beherrschung der eroberten Gebiete zu errichten. Im Jahre 1917 nach der russischen Frühjahrsrevolution kamen immer mehr Rufe aus dem Volk nach Selbstbestimmung auf. Damit war das Projekt von Ludendorff gescheitert.

Zahlungsmittel in der deutschen Besatzung des Baltikums

Die Oberbefehlshaber setzten auf eine eigene Währung in den besetzten Gebieten. Da es anfänglich, nach der Besetzung, bei der Währung des Rubels zu einem Engpass kam, beschlossen die Oberbefehlshaber die Einführung des Ost-Rubels. Am 17. April 1916 wurde von der Darlehenskasse in Posen, einer Stadt in Polen, der Ost-Rubel ausschließlich in Banknoten herausgegeben. Die Währung hatte die Nennwerte 20 Kopeke, 50 Kopeke, 1 Rubel, 3 Rubel, 10 Rubel, 25 Rubel und 100 Rubel. Die Währung hatte Gültigkeit bis zum 01. Oktober 1922. Damit die Bevölkerung aber nicht nur Banknoten erhielt, ließen die Oberbefehlshaber Ost noch Münzen in den Prägestätten Hamburg und Berlin fertigen. Die Münzen basierten auf dem russischen Währungssystem mit den Nennwerten 1 Kopeke, 2 Kopeken und 3 Kopeken. 100 Kopeken entsprachen 1 Rubel.

Am 04. April 1918 veröffentliche die Darlehenskasse in Kaunas, in Litauen, die Oberost-Mark, welche auch als Ost-Mark bezeichnet wurde. Diese hatte rein gar nichts mit der Ost-Mark der früheren Deutschen Demokratischen Republik gemeinsam. Die Währung wurde komplett in Banknoten herausgegeben. Sie hatte die Nennwerte 1/2 Mark, 1 Mark, 2 Mark, 5 Mark, 20 Mark, 50 Mark, 100 Mark und 1000 Mark. Die Oberost-Mark war ebenfalls gültig bis zum 01. Oktober 1922 und hatte bis dahin einen Wert von einem 1/2 Ost-Rubel für 1 Oberost-Mark.

Die Währung Litas löst die Oberost-Mark ab

Im Jahre 1922 wurde die deutsche Oberost-Mark von der Währung Litas abgelöst. Die junge litauische Republik führte damit ihre eigene Währung ein. Sammlerstücke der Oberost-Mark werden heute noch angeboten. Die Nennwerte der Oberost-Mark betrugen 1 Centas, 2 Centai, 5 Centai, 10 Centu, 20 Centu, 50 Centu, 1 Litas, 2 Litai und 5 Litai. Banknoten hatten die Nennwerte 10 Litu, 20 Litu, 50 Litu, 100 Litu und 200 Litu.

Die Estnische Mark kommt nach Estland

In der Zeit vom 30. November 1918 bis 31. Dezember 1927 wurde in Estland die Estnische Mark eingeführt, die an die Deutsche Mark gebunden war. Da in dieser Zeit noch weitere Währungen im Land in Umlauf waren, wurde am 20. Mai 1919 die Estnische Mark zur einzigen gesetzlichen Währung im Land erklärt. Die Währung wurde fast ausschließlich in Banknoten veröffentlicht. Nur die 1-Estnische-Mark wurde als Münze gefertigt. Die Banknoten hatten die Nennwerte 5 Penni, 10 Penni, 20 Penni, 50 Penni, 50 Estnische Mark, 100 Estnische Mark, 500 Estnische Mark, 1000 Estnische Mark und 5000 Estnische Mark. 100 Penni entsprachen 1 Estnischen Mark.  Am 01. Januar 1928 wurde die Estnische Krone mit einem Kurswert von 100 Estnische Mark zu 1 Estnischen Krone herausgegeben. Von diesem Datum an wurden in Estland wieder verschiedene Münzen gefertigt. Die Münzen hatten die Nennwerte 1 Senti, 2 Senti, 5 Senti, 10 Senti, 20 Senti, 25 Senti, 50 Senti, 1 Krone und 2 Krone. Bei den Banknoten betrugen die Nennwerte 1 Kroon, 2 Krooni, 5 Krooni, 10 Krooni, 25 Krooni, 50 Krooni, 100 Krooni und 500 Krooni.

Der Lats wird in Lettland eingeführt

Im Jahre 1922 wurde die Währung Lats in Lettland eingeführt. Die Währung hatte die Nennwerte 1 Santims, 2 Santimi, 5 Santimi, 10 Santimu, 20 Santimu, 50 Santimu, 1 Lats, 2 Lati und 5 Lati. Die Münzen wurden in Silber, Kupfer und Nickel herausgegeben. Ein Lats hatte im Jahre 1928 einen Kurswert von 0,81 Goldmark, der Reichsmark in Goldwährung. Zusätzlich zu den Münzen wurden Banknoten in den Nennwerten 5 Latu, 10 Latu und 20 Latu veröffentlicht. 

Die Folgen der Besetzung des Baltikums im eigenen Land

Die Führung des Ersten Weltkrieges verschlang Unmengen an Geld. Überall immer mehr Kriegsmaterial benötigt, das finanziert werden musste. Das hatte zur Folge, dass in Deutschland weitaus mehr Geld gedruckt werden musste, um die Lieferanten für das erforderliche Kriegsmaterial bezahlen zu können. Was die Oberbefehlshaber vergaßen, war, dass dadurch der Wert der Währung massiv sank. Es wurde nur noch Kriegsmaterial hergestellt und die Produktion anderer Warengüter fast komplett eingestellt. Die Kaufkraft der Bevölkerung nahm rapide ab, wodurch eine Inflation eingeleitet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch keiner, dass Deutschland in der Zeit von 1914 bis 1923 eine Hyperinflation erleben würde. Die Weimarer Republik sah nur noch ihre Staatsschulden und versuchte mit massiver Ausweitung der Geldmenge, die Situation in den Griff zu bekommen. Münzen aus der Zeit der Weimarer Republik erhalten Sie, wie die des Baltikums, als Sammlerstücke.

Was Sie beim Kauf von Münzen aus der Zeit der Besatzung des Baltikums beachten sollten

Eine gewisse Vorkenntnis kommt Ihnen beim Kauf von Münzen aus dem Baltikum zugute. Diese schützt Sie vor dem Erwerb von existierenden Münzfälschungen. Eine Informationsquelle kann hier das gültige Geld- und Währungsgesetz sein, in welchem alle Erfordernisse, wie beispielsweise Auflagenhöhe und Beschaffenheit der Münzen, festgelegt sind. Des Weiteren können Sie Münzkataloge für Münzsammler zurate ziehen, in denen Sie alles Wichtige zu den Münzen aus der Zeit der Besatzung des Baltikums seit deren Einführung im Jahre 1916 finden. Die regelmäßige Aktualisierung dieser fachspezifischen Kataloge durch diverse Herausgeber sorgt dafür, dass Sie sich zeitnah über den Wert jeder Münze belesen können. Mit diesen Kenntnissen können Sie bei eBay problemlos verschiedene Gold- und Silbermünzen kaufen.

So bewahren Sie Ihre Münzsammlung aus der Zeit der Besatzung des Baltikums richtig auf

Es gibt ein breit gefächertes Sortiment an Sammelalben, in denen Sie Ihre wertvollen Münzen zur Aufbewahrung unterbringen können. In diesen Alben sortieren Sie Ihre Sammlung nach Serien. Dies ermöglicht Ihnen einen präzisen Überblick über vorhandene, fehlende oder doppelte Exemplare. Außerdem sind die Münzen durch eine professionelle Aufbewahrung vor Kratzern, Beschädigungen, Fingerabdrücken und Staub geschützt. Denn nur unversehrte Münzen in vollständigen Serien oder Gedenk- und Sammlermünzen sind ihren Wert auch wert.

Bis zum heutigen Tag sind immer noch viele Münzen aus dem Baltikum in Umlauf. Diese befinden sich in den Schubladen privater Haushalte, in Taschen oder auf Dachböden. Auch hier ist die Möglichkeit gegeben, dass eine Münze dabei ist, die einen besonderen Sammlerwert hat. Um die ersten Münzen für Ihre Sammlung zu erhalten, können Sie Familie und Freunde fragen, ob diese noch die eine oder andere Baltikums Münze aufgehoben haben.

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