Darauf sollten sie unbedingt achten, wenn Sie gebrauchte Wohnmobile Probe fahren

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Darauf sollten sie unbedingt achten, wenn Sie gebrauchte Wohnmobile Probe fahren

Ein eigenes Wohnmobil ist zwar der Traum vieler passionierter Camper, jedoch ist es mit den hohen Anschaffungspreisen für die meisten nicht realisierbar. Glücklicherweise gibt es für Wohnmobile einen regen Gebrauchtmarkt, auf dem Sie durchaus eine Chance haben, ein Schnäppchen zu ergattern. Damit Sie dabei nicht über den Tisch gezogen werden, sollten Sie allerdings genau wissen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie ein gebrauchtes Wohnmobil Probe fahren. Schließlich handelt es sich bei einem Wohnmobil um ein „mobiles Zuhause“, das ebenso wie ein Haus viele offensichtliche, aber auch versteckte Mängel aufweisen kann.

Die Probefahrt: Auch beim Wohnmobil ein absolutes Muss

Eine Probefahrt gehört auch beim Kauf eines Wohnmobils zum Standard. Verweigert der Verkäufer diese oder weicht aus, lassen Sie von einem Kauf besser die Finger. Wenn es nichts zu verbergen gibt, ist eine Probefahrt nur eine kleine Hürde auf dem Weg zum Kaufvertrag. Achten Sie bei Ihrer Probefahrt insbesondere auf die Details wie:

  • ungewöhnliche Geräusche oder Klappern
  • Leistungsmängel
  • Spiel des Lenkrads
  • schnelles Greifen der Bremsen
  • Motorgeräusche
  • Zustand der Fahrwerksfederung
  • Kaltstartverhalten
  • Leistungsentfaltung
  • nicht funktionierende Bordinstrumente

Im Optimalfall sollten Sie eine holprige Straße befahren, da dies etwaige Mängel durch die hohe Belastung schnell zum Vorschein bringen kann. Schalten Sie am besten das Radio aus, damit Sie auf unnatürliche Geräusche schnell aufmerksam werden.

Tipp: Um dem Verkäufer gar nicht erst die Möglichkeit zu geben, wegen fehlender Kennzeichen die Probefahrt abzulehnen, bringen Sie zum Termin Kurzkennzeichen mit. So sind Sie immer auf der sicheren Seite.

Problem Nr. 1: Feuchtigkeit in der Substanz des gebrauchten Wohnmobils

Eines der größten Probleme beim Kauf von gebrauchten Wohnmobilen ist Feuchtigkeit. Sehr viele Wohnmobile werden durch eindringendes Wasser geschädigt. Der Laie hat häufig Schwierigkeiten, derartige Mängel zu erkennen. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten.

Eine einfache Lösung stellt ein Feuchtigkeitsmessgerät dar. Für den Privatgebrauch erhalten Sie diese kleinen Geräte schon sehr günstig und als Wohnmobilbesitzer sollten Sie ein solches ohnehin für regelmäßige Kontrollen besitzen. Mit dem Feuchtigkeitsmessgerät können Sie am gesamten Wohnmobil überprüfen, ob die Feuchtigkeitswerte an bestimmten Stellen erhöht sind. Typische Stellen hierfür sind beispielsweise die Schränke, die Nasszelle, alle Ecken sowie alle Öffnungen wie Fenster, Türen oder Dachluken. Eine weitere mögliche Schwachstelle sind die Stellen am Wohnmobil, in denen das Chassis von Stahl zu Kunststoff übergeht.

Feuchtigkeit können Sie aber nicht nur messen, sondern auch optisch erkennen. Eine Sichtprüfung ist umso wichtiger, da ein Messgerät ein früheres Feuchtigkeitsproblem nicht feststellen kann. Sehen Sie an den genannten Stellen nach, ob Wasserränder vorhanden sind. Beim Übergang von Kunststoff zu Stahl zeigt sich eingedrungene Feuchtigkeit in Form von Beulen oder Dellen. Hier können Sie mit dem Finger Druck auf das Material ausüben. Knistert oder kracht es, sollten Sie von einem Mangel ausgehen.

Tipp: Verlassen Sie sich auch bei Neufahrzeugen besser nicht darauf, dass sie trocken sind. Oftmals stehen neue Wohnmobile auch beim Händler oder beim Hersteller schon monatelang herum, bevor Sie tatsächlich verkauft werden. Auch hier sind Beschädigungen und damit einhergehend eindringende Feuchtigkeit erstaunlich oft ein Problem.
Die Ausstattung: Erfüllt das Wohnmobil all Ihre dringlichen Bedürfnisse und Wünsche?

Gehen Sie mit dem Verkäufer die gesamte Ausstattung durch und stellen Sie fest, ob die für Sie wichtigsten Ausstattungsmerkmale erfüllt sind. Typische Ausstattungsmöglichkeiten bei Wohnmobilen sind beispielsweise:

  • Klimaanlage/Klimaautomatik
  • Zentralverriegelung
  • elektrisch verstellbare Spiegel
  • ESP
  • Servolenkung
  • Fahrradträger
  • Bordcomputer
  • elektrische Fensterheber
  • Navigationssystem (im Optimalfall mit vorinstalliertem Kartenmaterial für das Ausland)
  • ABS
  • Fahrer- und Beifahrer-Airbags
  • Nebelscheinwerfer
  • Radio mit/ohne CD- oder MP3-Funktion bzw. Kassettendeck
  • Anhängerkupplung (z. B. für Fahrradanhänger)

Bedenken Sie allerdings stets, dass Sie die „eierlegende Wollmilchsau“ nicht finden werden. Um wirklich alle Ausstattungswünsche erfüllen zu können, müssten Sie schon auf ein gebrauchtes Wohnmobil mit Vollausstattung zurückgreifen, was sich natürlich deutlich im Anschaffungspreis niederschlägt.

Tipp: Wenn Sie auf bestimmte Extras großen Wert legen, aber kaum ein Modell finden, das die entsprechende Funktionalität bietet, sollten Sie die Möglichkeit der Nachrüstung prüfen. Bei eBay erhalten Sie oft sehr günstig gebrauchte Teile wie einen CD-Player, eine Anhängerkupplung oder ein Navigationssystem.

Jetzt geht es ans Eingemachte: Die umfangreiche Funktionsprüfung beim Fahrzeug

Ein Wohnmobil ist mit einer Fülle an Geräten und Funktionalitäten ausgestattet, die das Reisen und Wohnen im Inneren angenehm machen sollen. Diese Gerätschaften bereiten aber natürlich nur Freude, wenn sie auch wirklich funktionieren. Um dies herauszufinden, sollten Sie jedes relevante Gerät testen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, dass Sie bei der Funktionsprüfung keine wichtigen Aspekte vergessen:

  • Prüfen Sie alle Öffnungen des Wohnmobils - dies betrifft Schranktüren, Fenster, Türen und Dachluken. Achten Sie besonders auf die Funktionalität der Scharniere.
  • Verschließen Sie alle Schlösser und entriegeln Sie sie wieder.
  • Ziehen Sie die Rollos herunter und öffnen Sie sie wieder. So finden Sie zum einen heraus, ob der Stoff noch in Ordnung ist, und zum anderen, ob sie in ihren Schienen komfortabel bewegt werden können, ohne dass sich ständig etwas verhakt oder verklemmt.
  • Schalten Sie die Gasgeräte, z. B. den Herd, ein und entzünden Sie ihn. Hierfür muss das Wohnmobil natürlich für die Besichtigung mit einer Gasflasche ausgestattet worden sein.
  • Drehen Sie alle Wasserhähne auf und prüfen Sie, ob das Abflusssystem einwandfrei funktioniert.
  • Fordern Sie den Besitzer auf, sowohl den Kühlschrank als auch die Heizung schon am Vortag anzustellen, damit Sie sehen, ob die Geräte heizen bzw. kühlen und ob sie dies auch über einen längeren Zeitraum tun, ohne eine Störung zu produzieren.
  • Prüfen Sie, ob alle Lampen im Wohnmobil funktionieren.
  • Fahren Sie die Markise komplett aus und bauen Sie die Kurbelstützen auf, sofern welche vorhanden sind. Prüfen Sie die Markise auf Risse und die Stützen auf ihre Unversehrtheit hin.
  • Testen Sie, ob alle Teile für die Umbaubetten verfügbar sind und ob sie problemlos umgebaut werden können.

Tipp: Wenn Sie die Umbaubetten überprüfen, sollten Sie vom umgebauten Zustand ein Foto machen. Sollte Ihnen im Urlaub spontan nicht mehr einfallen, wie die Polster angeordnet werden müssen, wird es Ihnen helfen können.

Die Sichtkontrolle: Jeden Teil des Wohnmobils ganz genau unter die Lupe nehmen

Das Herzstück der Überprüfung eines gebrauchten Wohnmobils ist die Sichtkontrolle. Dabei prüfen Sie nicht nur das Innere und Äußere des Fahrzeugs, sondern werfen im Optimalfall auch einen Blick unter das Wohnmobil und in den Motorraum. Im Inneren prüfen Sie, ob die Innenraumverkleidung, die Sitzbezüge und der Himmel unversehrt sind. Sehen Sie sich die Sicherheitsgurte, das Lenkrad, die Armaturen, die Innenraumbeleuchtung, das Schiebedach, die Fensterheber, die Ablagen, die Radioanlage und die Bodenbeläge genauer an.

Insbesondere bei der äußeren Sichtprüfung fallen Mängel oft schnell ins Auge. Halten Sie den Fahrzeugzustand in den folgenden Bereichen fest:

  • Zustand der Felgen
  • Verfügbarkeit eines Ersatzrades
  • Beleuchtungsanlage (Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer, Blinker)
  • Scheiben/Verglasung (z. B. Steinschläge, Risse)
  • Zustand der Scheibenwischer
  • Funktion der Schlösser
  • Dichtungen
  • Zustand des Lacks (z. B. ausgeblichener Lack, Nachlackierung)
  • Außenspiegel

Ergreifen Sie die Gelegenheit, den Motorraum genauer anzuschauen. Überprüfen Sie die Stände des Motoröls, der Bremsflüssigkeit und des Kühlers. Auch der Auspuffkrümmer und die Batterie sind einen Blick wert.

Tipp: Wenn der Motorraum einer akribischen Reinigung unterzogen wurde, sollten Sie vorsichtig sein. Viele Verkäufer versuchen es so zu verbergen, dass Undichtigkeiten bestehen, beispielsweise am Motor.

Auch an der Unterseite Ihres Wohnmobils gibt es einiges zu überprüfen. Zunächst sollten Sie sich den allgemeinen Zustand des Unterbodens ansehen. Werfen Sie hier einen Blick auf folgende Fahrzeugkomponenten:

  • Radaufhängung
  • Stabilisatoren
  • Kraftstoffanlage
  • Lenkgestänge
  • Stoßdämpfer
  • Auspuffanlage
  • Bremsseile und Bremsschläuche
  • Bremsscheiben
  • Zustand der Bremsen
  • Lenkgetriebe
  • Federn
  • Radlager
  • Öldichtheit von Getriebe und Motor

Kurz vor der Übergabe: Sind alle Fahrzeugpapiere komplett vorhanden?

Wenn es um die Fahrzeugpapiere geht, denkt der Laie gewöhnlich an den Fahrzeugbrief und -schein bzw. an die Zulassungsbescheinigung Teil I und II. Allerdings kommt bei einem Wohnmobil eine Vielzahl weiterer Dokumente hinzu, die Sie sich im Falle eines Kaufs unbedingt aushändigen lassen sollten. Zum einen ist das Handbuch bzw. die Bedienungsanleitung für das Wohnmobil sehr wichtig. Zum anderen müssen Sie aber auch auf der Aushändigung der Anleitungen für die verschiedenen im Wohnmobil betriebenen Geräte bestehen, beispielsweise für den Kühlschrank, die Heizung oder die Klimaanlage. Sofern Garantieurkunden vorhanden sind, gehören auch diese zum Umfang der Fahrzeugpapiere.

Wird im Wohnmobil Gas eingesetzt, muss es alle zwei Jahre zur Gasprüfung vorgeführt werden. Sie benötigen daher den sogenannten „gelben Schein“, den Gasprüfbescheid. Sofern für das Wohnmobil bereits eine Schadstoffplakette ausgestellt wurde, gehört diese ebenfalls zum Lieferumfang.

Alles zu kompliziert? Ein Gutachter hilft mit seinem Know-how weiter

Die Prüfung eines gebrauchten Wohnmobils ist sehr umfangreich, wenn Sie wirklich auf Nummer sicher gehen möchten. Wenn Ihnen dies zu aufwendig ist, Sie sich die Prüfung aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht zutrauen oder der Verkäufer mehrere Hundert Kilometer weit weg wohnt, können Sie alternativ auf einen spezialisierten Gutachter zurückgreifen. Dieser begleitet Sie zur Probefahrt und zur Besichtigung oder nimmt den Termin bei einer großen Entfernung auch alleine wahr. Er ist in der Lage, das gebrauchte Wohnmobil auf Herz und Nieren zu testen und Mängel aufzudecken, die versteckt und vom Laien meist nicht erkennbar sind.

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