Damensattel kaufen - was muß man wissen?

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Hallo,
langsam, aber sicher erwacht das Reiten im Damensattel hierzulande wieder aus dem Dornröschenschlaf. Während diese ebenso elegante wie auch traditionsreiche Reitweise insbesondere im englisch-sprachigen Raum niemals zum Erliegen gekommen ist, besinnt man sich in Deutschland erst allmählich wieder auf diese Disziplin. Und leider ist das Wissen in puncto Sattelkunde auch weitestgehend verlorengegangen.
Um Euch, wenn Ihr diese wunderbare Reitweise erlernen und praktizieren wollt, vor fatalen Fehlkäufen zu schützen, möchte ich hier gerne das Allerwichtigste zusammenfassen.

Die schlechte Nachricht zuerst: Es ist nahezu unmöglich, bei ebay einen wirklich guten Damensattel zu finden - Ausnahmen bestätigen die Regel...

Viel mehr noch als beim englischen oder Westernsattel ist beim Damensattel darauf zu achten, dass er PERFEKT zu Pferd UND Reiterin passen muss. Man sagt, es ist leichter, ein passendes Pferd zum Sattel zu finden, als umgekehrt. Warum? Die Länge des rechten Oberschenkels gibt die Sattelgröße vor - logisch. Hier kann ich nichts durch Verstellen der Bügel verändern - das rechte Bein liegt eben über der Wirbelsäule - ist der Sattel zu kurz, hängt der (pardon!) Popo hinten über dem Sattelende. Ist er zu lang (seltener der Fall), hat man keinen Halt. Auch die Sitzflächenbreite muss dem Abstand zwischen den Gesäßknochen/Hüftbreite entsprechend bemessen sein.
Und damit komme ich zum nächsten Problem: Ist die Reiterin groß bzw. hat sie lange Beine, kommt nur ein großes Pferd mit entsprechend langem Rücken in Frage - auf einem kleinen Pferd würde der Sattel sonst irgendwo auf der Nierenpartie enden.
Dazu kommt die Platzierung der Hörner: Schlankes Bein = oberes Horn weiter nach rechts zeigend. Starke Oberschenkel = oberes Horn mehr senkrecht bzw. links über dem Sattel.

Woran erkenne ich grundsätzlich einen guten Damensattel? Die Sitzfläche ist nahezu waagerecht, der hintere Sattelkranz darf nicht höher sein als die Sitzfläche und nicht über die Polsterung hinausreichen. Außerdem muß der Sattel, wenn man von oben draufschaut, asymmetrisch sein, rechts relativ gerade von vorne nach hinten, links ausgeschwungen. Ob man Glatt- oder Wildleder bevorzugt, ist eher eine Sache des persönlichen Geschmacks. Das obere Horn steht fest, das untere (Jagd)-Horn sollte drehbar sein.

Außerdem gehört zum korrekten Damensattel ein Balanceriemen, der von vorne links ("nearside") unter dem Bauch herum nach hinten rechts ("offside") verläuft und natürlich verschnallbar sein muß. Ein normaler Bauchgurt, traditionellerweise aus Leder, hält den Sattel, oftmals gibt es noch einen Übergurt. Das rechte Sattelblatt wird zu guter Letzt mit dem sogenannten " Flatterriemen" fixiert, um zu verhindern, dass das Blatt (auf dem ja kein Bein liegt), in der Bewegung hoch- und runterklappt. Dass das Leder von guter Qualität und geschmeidig sein muß, versteht sich von selbst.
Damensättel müssen häufiger aufgepolstert und dem Pferderücken angepaßt werden als andere Sättel. Darum sind die Unterseiten meist aus Stoff (Serge oder Leinen), seltener aus Leder. Stabile Gurtstrupfen, die ordentlich am Baum befestigt sind, sind wie bei allen anderen Sätteln ein "must".

Es gibt verschiedene Systeme der Steigbügel-Aufhängung. Da man nahezu immer, wenn man denn stürzt, nach rechts fällt, öffnen diese Sicherheits-Systeme, sobald die Deck-Klappe nach oben hochgeht und das linke Bein über den Sattel gerät. Sättel ohne Sicherheits-Schloss, bei denen der Bügelriemen durch eine feststehende Öse gezogen wird ( Rollerbar), sollten unbedingt mit einem Sicherheits-Bügel ausgerüstet sein und dürfen nicht zum Springen bzw. Geländereiten benutzt werden. Da das Springen hohe Anforderungen an den Baum bzw. das Kopfeisen stellt, muss dieses besonders stark sein. Bei älteren Modellen, die entsprechend ausgerüstet wurden, heißt das dann "reinforced".

Da heute nur noch wenige Sattler die Kunst des Damensattel-Bauens beherrschen, stammen die neu angebotenen Sättel meist aus irgendwelchen dubiosen Fabriken und sind in aller Regel nicht empfehlenswert. Ausnahme: "Elan" produziert zwar auch in Billiglohn-Ländern, tut dies aber nach Vorlagen guter englischer Modelle, mit denen man wirklich korrekt reiten kann. Hier sind Schnäppchen möglich. Elan-Sättel erkennt man an einem gepolsterten Auflageblatt mit waagerechter Steppkante ungefähr da, wo die rechte Außenwade liegt, an "zipfelmützenartig" geformtem oberen Horn und tropfenförmig geschnittener Bügelschloß-Abdeckung - nicht mit dem Owen verwechseln, der hat andere Hörner (siehe unten).

Modelle aus der Zeit von etwa 1910 bis 1950 sind gesucht und empfehlenswert - Preise von 1800€ bis 3000€ müssen dabei einkalkuliert werden. Einen wirklich alten Sattel solltet Ihr aber unbedingt vor dem Gebrauch auf Sicherheit überprüfen lassen - ist z.B. das Kopfeisen verrostet oder der Baum wurmstichig, wird das Unterfangen sehr gefährlich! Mottenlöcher im Kissenbezug oder Lederflicken sind hingegen tolerabel und tun der Sicherheit keinen Abbruch.

Die traditionsreichen Marken heißen:

Mayhew:  ,

Champion&Wilton  (der Firmennachfolger ist Sewell-Carlisle):  ,
Swain:   ,
                                    Whippy:

 und Owen (der Rolls Royce unter den Damensätteln, selten und richtig kostspielig...): 

Man unterscheidet sie auf den ersten Blick an den jeweils typisch geschnittenen Klappen über der firmenspezifischen Bügel-Aufhängung - schaut dazu bitte auf unten stehende Homepage - es wäre müssig, hier alles zu beschreiben, weil diese Sättel in Deutschland ohnehin so gut wie nie bei ebay auftauchen... Manchmal hat man aber auf der englischen ebay-Seite (www.ebay.co.uk) Glück.

Neue Sättel im deutschsprachigen Raum bauen: Saskia von Ehrenkrook, Viola Klose (Ebbecke) und Karl Niedersüss (googeln!). Wichtige Informationen, Bilder und Ansprechpartner findet Ihr unter anderem auf den Homepages des Vereins "Reiten im Damensattel e.V." (www.damensattel-deutschland.de) und bei Bettina Keil (www.damensattel-duesseldorf.de).

Ich hoffe, Euch damit ärgerliche bis gefährliche Fehlkäufe und Euren Pferden schlecht sitzende Sättel ersparen zu können!!!


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