Dänisches Porzellan: Der Zustand.

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Moin-moin ! Ich will mich kurz auslassen über Porzellan von Royal-Copenhagen und Bing und Grøndahl im speziellen und Porzellan im allgemeinen. Hier der 3. Teil:

Der Zustand

Um zumindest den groben Zustand zu beschreiben braucht man keine tiefergreifenden Erfahrungen  meines Erachtens. Jeder ist im Stande einen größeren Riss, eine derbere Reparatur, eine größere Bestoßung zu erkennen und sollte diese auch beschreiben in seinen Auktionen. Wird dieses vernachlässigt kommt nur böses dabei raus. Der Käufer wird schlimm enttäuscht sein, der VK muss sich sagen lassen schlampig beschrieben zu haben, evt. wird der Gegenstand zurückgesendet und der Käufer fordert (Korrekterweise) sein Geld zurück usw. usw. usf......kurz gesagt: Viel Ärger für beide Beteiligten.

Meine bescheidene Meinung zu diesem Thema ist folgendes: Warum den tiefen Teller noch mal erfinden ? Warum nicht einfach schon gebräuchliche Kategorisierungen benutzen ? Die Münz- und Briefmarkensammler und im besonderen auch die Comic-Heftesammler haben eine sehr einfache und leicht verständliche Einteilung die auch immer mehr Einzug findet beim Porzellan hier auf Ebay. Ich habe mal bescheiden wie ich bin meine Interpretation der Bezeichnungen dazugeschrieben (Ich höre gerne Alternativen !):

  • Mint (Mt): Das außergewöhnliche Exponat. Zustand wie es aus der Manufaktur kam. Eigentlich nur von unbenutzten Artefakten erreichbar. Keine Schlieren oder Schrammen. Natürlich keine Abplatzer oder Bestoßungen, keine Reparaturen.
  • Near Mint (NrMt): Das einwandfreie Exponat. Eventuell leichte Schlieren/Schrammen an nicht-sichtbaren Flächen (Standfuss, Standring, Unterseite des Exponates). Bei Oberglasur-Gegenständen (Juliane-Marie, Flora-Danica) einwandfreie Bemalung ohne Abrieb, kein Abrieb der Vergoldungen. Selbstredend keine Beschädigungen.
  • Excellent Mint (ExMt): Hier fängt der Zahn der Zeit zu nagen an.....zumindest gaaaanz leicht. Leichte Schlieren an sichtbaren Flächen (Leichte Gebrauchsspuren an der Oberseite eines Tellers die im Gegenlicht sichtbar sind). Evt. mikroskopischer Chip am unterseitigen Standring eines Tellers vom zu harten hinstellen des Tellers (Im unmittelbar nicht-sichtbaren Bereich). Bei Oberglasur-Exponaten leichter Abrieb an einer oder höchstens zwei umschriebenen Stellen.
  • Excellent (Ex): Etwas kräftigere Gebrauchsspuren. Vielleicht hat der vorherige Besitzer zu sehr "geschrammelt" mit dem Gegenstand, vielleicht ist die Glasur hier und dort etwas dünn geworden, vielleicht sind die bemalten Flächen an mehreren Stellen durch Abrieb gekennzeichnet. Vielleicht ist über die Jahre ein immer vorhanden gewesener Brandriss dunkel verfärbt und dadurch sichtbarer geworden. Bei Tellern: Spur eines Messers sichtbar in der normalen Aufsicht. Auch hier: Keine Beschädigungen in Form von Abplatzern/Chips/Cracks.
  • Very Good (Vg): Ab hier sollte man vorsichtig werden. Es können kleinere sichtbare Bestoßungen vorhanden sein, evt. ist ein Teil einer Zacke eines Flora-Danica Exponates abgebrochen. Vielleicht ist das äußerste Stück der Spitze vom Ohr vom Faun abgebrochen.
  • Good (G): Naja.....wie bei "Vg." nur schlimmer.
  • Fair (F): Gegenstand ist bestens geeignet um ihn der an "Grauen Star" erkrankten Grossmutter zu schenken.....sie wird die gravierenden Mängel & Beschädigungen nicht bemerken :-) 
  • Poor (P): Dieses Exponat besteht aus 10-15 Einzelteilen.....

Diese Einteilung wird von einigen noch weiter unterteilt (ZB. Zwischen "Mint" und "Near-Mint" noch in "Mint/Near Mint" usw.).

Mag sein, dass meine Interpretation etwas sehr streng ist, ich lasse mich gerne (sehr gerne) belehren. Und wie gesagt: Bitte nicht den Zustand mit der Sortierung verwechseln; Ein Exponat kann natürlich miserable 4. Wahl sein wegen schiefem Armes aber trotzdem kann der Zustand "Mint" sein, genauso kann eine identische Figur 1. Wahl sein aber höchstens "Poor" was den Zustand angeht weil der Arm abgebrochen ist  !

Gebräuchliche Abkürzungen

Oft sieht man auf den englisch-sprachigen Ebayseiten einige mit groß geschriebene Abkürzungen in der Überschrift oder dem eigentlichen Text der Auktionen:

  • HTF (Hard to find): "Schwer zu finden". Naja, wird gerne in Gebrauch genommen bei RC Weihnachtstellern der Jahre 1969-1980, den Olympiade-Tellern von RC und diversen Tingel-Tangel-Sachen....Die Schönheit (Seltenheit) liegt im Auge des Betrachters :-)
  • NRFB (Never removed from box): Genau wie MIP, jedoch wurde der Gegenstand angeblich nie aus der Verpackung/Umverpackung oder ähnliches genommen. Alles ist komplett wie es damals verkauft wurde. Kaum gebräuchlich bei Porzellangegenständen.
  • MIP (Mint in package): Genau wie MIB, jedoch gehören etwaige kleine Broschüren oder Mini-Kataloge, das Umschlagpapier in welches der Teller eingeschlagen war und andere Devotionalien die damals dabei waren ebenfalls dazu.
  • MIB (Mint in box): "Wird mit Box geliefert"....Komischerweise findet man viele Auktionen mit RC & BG Weihnachtstellern aus den 20´ern und 30´ern die angeblich mit "Orig. Box" geliefert werden. Diese "Boxen" sind aus Styropor in sind im Prinzip Negativ-Abdrücke der Teller so dass diese absolut fest in diesen Boxen liegen....Gab´s schon Styropor in den 20´ern & 30´ern ? Damals wurden die Teller in Papier eingewickelt ausgeliefert.
  • MNB (Mint no box): Naja, eben ohne Box.

Andere Floskeln die gerne bemüht werden: "Dachbodenfund" und "Kellerfund", alternativ sogar "Dachbodenfund eines Gutshofes/Schlosses" oder "Kellerfund eines Gutshofes/Schlosses"......Mag jeder seine Meinung dazu haben :-)

Fazit

Dieses kleine "Pamphlet" soll nur als Anreiz dienen sich auch um die "anderen" Fakten der Exponate zu kümmern: Nicht nur wer die Entwürfe hergestellt hat, wer sie modelliert hat,  wer sie bemalt hat, wie viele einzelne Stücke hergestellt worden sind ist wichtig !

Noch kurz zu den oft kursierenden und in den Auktionen erwähnten "Preislisten": Was diverse völlig aus der Luft gegriffenen Preislisten,  die desto öfter bemüht werden je wertloser z.B. ein Weihnachtsteller ist (Sehr gerne und äusserst oft zu finden bei den absolut "un-seltenen" RC Weihnachtstellern 1970 bis 1990) zum Preis der einzelnen Exponate sagen ist kaum verwertbar da es sich

  • Erstens: Um VERKAUFSLISTEN von Geschäften handelt, und
  • Zweitens: Sie zum grossen Teil veraltet sind (Gerne werden Listen aus den Anfängen der 90ger genommen, diese sind dann noch in DM......Es sollen auch ältere Listen im Umlauf sein; diese dann in Reichstaler :-)
  • Drittens: Die Preise in den versch. Listen bis weit über 50-75% ausseinander weichen.

Tipp: Am besten über eine gewisse Zeitlang die Gebote und Endbeträge eines gewünschten Tellers oder Figur beobachten (zB. hier auf Ebay). Die meisten Exponate gibt es in den versch. Ebay-Ländern und Shops meistens mehrfach. Das gibt einen sehr guten Eindruck von dem Preis den die einzelnen Teller/Figuren im Schnitt erziehlen. Man wird sich wundern wie wenig dieser Endpreis mit den erwähnten "Listenpreisen" zu tun hat. Im besten Fall, und das gillt im übrigen wie die meisten auch sicherlich wissen für Antiquitäten im allgemeinen: Es wird ca. 1/3 des Listenpreises erziehlt. Bei seltenen und gefragten Exponaten kommt man hier & da mal an den Listenpreis dran bzw. drüber, aber dass ist sicherlich nicht die Regel. Ansonsten sollte man ein par Stunden dafür absetzen mal im Internet nach möglichst vielen verschiedenden Listen zu suchen (Die bekannte Suchmaschine die mit "G" anfängt ist gerne behilflich). Selbstredend sollte man sich nicht auf Deutschland beschränken !

Und nun wünsche ich weiterhin viel Spaß und Freude bei diesem wunderbaren Hobby ;-)

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