DIE Gefährlichsten Futtersorten für Landschildkröten

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DIE "Gefährlichsten Futtersorten"

Text von G. Weil

Dieser Fehlinformation in manchen Schriften stelle ich hiermit mit diesem Artikel eine Reihe von Aussagen (u.a. von Dr. U. Eggenschwiler-Leu, A.C. Highfield, B. Pursall, H. Wilke und Mitarbeitern der Tierärztlichen Fakultät der Universität München) über gesunde und über krankmachende Ernährung entgegen, die ich aus (meiner Meinung nach) guten Büchern und Artikeln zusammengetragen habe. Falls nun ausgerechnet das Lieblingsfutter Ihrer Landschildkröte auf der nachfolgenden "Roten Liste" steht, muss ja nicht gleich ein völliger Verzicht erfolgen. Wenn z.B. die heiß geliebte Banane nicht mehr täglich, sondern nur noch gelegentlich, in geringen Mengen und eventuell garniert mit Blättern von Brennessel- oder Löwenzahntee, gereicht wird, ist wohl nichts dagegen einzuwenden. Das eine oder andere ist also als Beifutter (z.B. Tomaten, Salat, zerkleinerte Karotten, Paprika, Kohlrabiblätter, Spinat) durchaus akzeptabel. Es sollte nur nicht den Hauptbestandteil der Nahrung ausmachen. Leidet Ihre Schildkröte so sehr unter einer Futterprägung auf etwas Ungesundes, dass sie nichts anderes mehr annimmt? Dann muss sie überlistet werden, z.B. indem man dem ungesunden Lieblingsfutter immer mehr gesunde Sachen untermischt. In der Liste werden einige Giftpflanzen genannt. Vorsicht - es gibt noch mehr davon!

Bananen: ein Zuviel kann zu Verstopfung führen. Bananen haben ein sehr ungünstiges Calcium: Phosphor-Verhältnis von 1:3,4. Knochendeformationen können nicht nur durch Calciummangel verursacht werden, sondern ebenso durch Phosphatüberschuss im Futter!
Chicoree: siehe Ampferpflanzen;

Eier (gekocht): durch hohen Proteingehalt Langzeitschäden wie Gicht und Organverfettung, die auf Dauer zum Tode führen. Außerdem sehr ungünstiges Ca: P-Verhältnis (1:4);

Eierschalen: bei Jungtieren bitte gut zerkleinern! Sonst kam es dadurch zu tödlichen Darmperforationen kommen.

Eiklar (roh): enthält Avidin. Dieses bindet das wichtige Biotin, welches den Einbau von CO 2 in organische Verbindungen beeinflußt;

Fertigfutter für Schildkröten: das im Handel angebotene Fertigfutter weist meist einen zu hohen Eiweißanteil auf, der z.T. auch tierischer Herkunft ist. Dieses Futter führt zu einem qualitativ schlechten, übermäßigem Wachstum mit Höckerbildung und schweren Nierenschädigungen. Nebenbei bemerkt, bewirkt ein Zuviel an tierischem Eiweiß im Futter ein übermäßiges Krallenwachstum und zu lange Hornscheiden am Mundrand. Einige handelsübliche "Alleinfutter für Schildkröten" enthalten bis zu 43 Prozent Protein (zum Vergleich: Freiland-Untersuchungen an amerikanischen und mitteleuropäischen Landschildkröten ergaben einen Proteingehalt der Nahrung von lediglich ein bis fünf Prozent!). Proteine werden zu Aminosäuren und dann zu Harnstoff und Harnsäure abgebaut. Bei Harnsäureüberschuss und/oder Wassermangel lagert sich Harnsäure in den inneren Organen ab, bevorzugt in Nieren, Herzbeutel und in den Gelenken. Diese Visceral- oder Gelenkgicht endet für Schildkröten über kurz oder lang tödlich. Auch bei der Aufzucht von Jungtieren sollte man auf die vielerorts üblichen aufgeweichten proteinreichen Pellets verzichten. Wie gesagt: Nierenschädigung, Gicht und durch zu viel tierischem Fett Organverfettung - Tod durch Leber- oder Herzverfettung;

Fisch: das Enzym Thiaminase zerstört das Vitamin B1, das wichtige Stoffwechselfunktionen ausübt. Außerdem kann es bei der Verfütterung von viel Fisch zu Vitamin A-Mangel kommen. Der hohe Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren kann eine Steatitis auslösen, bei der vor allem Nekrosen im Fettgewebe gefunden werden;

Fleisch: europäische Landschildkröten zeigen den typischen Darmtraktaufbau eines Vegetariers. Für ein normales Wachstum, insbesondere von Carapax und Knochenbau, ist das Protein/Calcium-Verhältnis besonders wichtig. Wird Fleisch in die Ernährung einbezogen, gerät dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht. Dadurch kommt es zu Knochenerweichung und/oder anormaler Carapaxentwicklung. Eine regelmäßige Zufuhr von viel Protein verursacht darüber hinaus tödlich endende Leberschäden. Der erhöhte Proteinanteil bei Fleisch resultiert auch in einer starken Vermehrung von Darmorganismen, die wiederum zu Magen-Darm-Störungen oder Problemen mit Innenparasiten führen können. Nebenbei erwähnt, enthält Säugetierfleisch viel Phosphor, wenig Calcium, wenig Mineralien und wenig Vitamine;

Haferflocken: sind ballaststoffarm, enthalten zu einem Großteil Kohlenhydrate, vorwiegend Stärke. Bei regelmäßiger Verfütterung, ob als Haupt- oder Beifutter, werden die Mehrfachzucker nicht vollständig in Einfachzucker zerlegt, sondern ein Teil wird zu Fetten "umgebaut", die in der Schildkröte angereichert werden. Meist verfetten die Tiere oder erleiden einen zunächst nicht sichtbaren Leberschaden; Außerdem können Haferflocken zu Verstopfung und Stoffwechselproblemen führen. Ferner kommt es bei so einer enorm kohlenhydrathaltigen Nahrung im Magen-Darm-Trakt zu einer explosionsartigen Vermehrung von Würmern und einzelligen Parasiten (z.B. Hexamita spp). Dies ist besonders deshalb zu bedenken, da Hexamiten physiologisch immer anwesend sein können. Die Folge sind klinische Erkrankungen, vielleicht sogar der Tod der Schildkröten;

Herbstzeitlose: giftig;

Honigmelone: sehr ungünstiges Ca: P-Verhältnis (1:3,5);

Hundefutter: zu hoher Proteingehalt - Gichtgefahr! Die häufig enthaltenen Fette und Öle können von Schildkröten so gut wie gar nicht verdaut und verwertet werden. Ein zu hohes Angebot an diesen Stoffen führt zu Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Fettgewebs-Entzündungen mit dem Unvermögen, Vitamin A zu speichern, Gelbsucht und einer häufig tödlich endenden Leberverfettung! Ferner liegt der Großteil der Fette in diesem Futter als sogenannte gesättigte Fettsäure vor. In der natürlichen (pflanzlichen) Nahrung von Landschildkröten kommen dagegen fast ausschließlich sogenannte ungesättigte Fettsäuren vor. Außerdem hat Hundefutter (auf tierischer Basis) ein schlechtes Ca: P-Verhältnis;

Kartoffeln: siehe Haferflocken;

Katzenfutter: siehe Hundefutter;

Kohl: viel Oxalsäure. Diese kann Oxalsäuresteine bilden, die ähnlich wie Nierensteine sind. Ein hoher Anteil an Kohl im Futter führt zur Erkrankung der Schilddrüse und evtl. zum Kropf. Nebenbei bemerkt, manche Tiere regieren auf Kohl mit Blähungen;

Knochenmehl (sterilisiertes): die Tiere entwickeln einen enormen Durst und wachsen unnatürlich; vermutlich eine Folge des hohen Phosphorgehaltes (B. Pursall);

Kulturpflanzen: enthalten mehr Protein und weniger Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe, sowie ein ungünstigeres Ca: P-Verhältnis (mit Ausnahme von Salatarten wie z.B. Lattich, Endivien, Eisbergsalat), als die meisten Wildkräuter. Der natürliche Säuregehalt von Gemüsen löst Calcium. Eine zu hohe Proteinzufuhr kann zu einer Ablagerung von Harnsäure in den inneren Organen und Gelenken führen, also zur Gicht. Außerdem haben sie oft Insektizidrückstände, die für Reptilien toxisch sind;

Lebertran: es kann durch Lebertran zu Vitamin E-Mangel kommen;

Mangold: siehe Ampferpflanzen;

Milch und Milchprodukte: der Organismus einer Landschildkröte ist nicht auf eine Verwertung von Milch und Milchprodukten wie Butter, Käse, Joghurt usw. ausgerichtet (Durchfall). Das Verfüttern von Milchprodukten über einen längeren Zeitraum führt zu tödlichen Leberschäden;

Nudeln: siehe Haferflocken;

Obst (vor allem süßes): enthält hohe Zuckerkonzentrationen und kann bei häufiger Aufnahme zu Leberschäden führen und die Darmflora nachhaltig schädigen. Übermäßige Gärungsprozesse führen zu Durchfall, der sich nur schwer beheben läßt. Vor allem der in reifem Obst vergärende Fruchtzucker wirkt abführend und stört die gegebene Darmflora. Außerdem kommt es zu vermehrtem Wachstum unerwünschter Organismen, wie Hexamita spp. und Pilzen, die nicht selten krankmachen sind und die lebenswichtige, zur Verdauung notwendige Darmflora verdrängen. Im Ursprungsbiotop wird Obst höchstens zufällig gefunden;

Oleander: giftig;

Paprika: sehr ungünstiges Ca: P-Verhältnis (1:2,6);

Pfirsiche: sehr ungünstiges Ca: P-Verhältnis (1:2,7). Knochendeformationen können nicht nur durch Calciummangel verursacht werden, sondern ebenso durch Phosphatüberschuss im Futter. Außerdem sollten Pfirsiche wegen ihres hohen Phosphorgehaltes nicht zusammen mit Kalk gegeben werden;

Schnecken: sind Zwischenwirte für Leberegel. Ferner beherbergen sie Hexamiten (ohne selbst daran zu erkranken);

Tierisches Eiweiß: Anteil bei adulten Tieren begrenzen, da sich Gicht oder andere Stoffwechselstörungen, übermäßiges Krallenwachstum und zu lange Hornscheiden am Mundrand einstellen können. Außerdem erfolgt eine übermäßige Keratin-Bildung (Hornschicht sehr dick, gut am Kehlschild zu sehen). Eiweißüberfütterung hat einen höheren Calcium-Bedarf zur Folge. Die Calcium-Absorption im Körper wird aber zusätzlich erschwert.
Die meisten Landschildkröten haben in ihrem natürlichen Futterangebot höchstens 7 Prozent Eiweiß, und dies auch nur in saisonal üppigen Zeiten;

Tomaten: sehr ungünstiges Ca: P-Verhältnis (1:2,1). Knochendeformationen können nicht nur durch Calciummangel verursacht werden, sondern ebenso durch Phosphatüberschuss im Futter. Außerdem sollten auf Tomaten wegen ihres hohen Ph-Gehaltes keine kalkhaltigen Mittel gegeben werden;

Reis (gekocht oder eingeweicht): siehe Haferflocken! Außerdem Langzeitschäden wie Gicht und Organverfettung, die auf Dauer zum Tode führen. Die Tiere wachsen bei so einem konzentriertem Nahrungsmittel schneller, als sie den Kalk aufnehmen können, den sie für einen entsprechenden Aufbau ihres Knochenpanzers benötigen. Dadurch verfestigt sich das Skelett nicht ausreichend und die Folge davon sind höckerige Aufwölbungen der Rückenschilde;

Weißbrot (eingeweicht): bei Verfütterung von Brot verfestigt sich das Skelett nicht ausreichend, was zu höckerigen Aufwölbungen der Rückenschilde führt. Auch aufgrund des fehlenden Rohfasergehaltes völlig ungeeignetes Futter.
 
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