DHL Packstation - die Fallstricke

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Eigentlich eine gute Idee...

... die Packstation von DHL. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Art Postfach für Pakete, an das man seine Sendungen schicken lassen kann. Als Kunde erhält man eine eindeutige Postnummer und eine goldene Karte und kann sich praktisch an jede in Deutschland befindliche DHL Packstation DHL Pakete, Päckchen und Warensendungen schicken lassen. So müssen nicht Nachbarn die Pakete annehmen, wenn man beispielsweise bei der Arbeit ist und der DHL Zusteller an der Tür klingelt. Vor Weihnachten und Geburtstagen lässt sich ein Paket diskret empfangen und der Beschenkte im eigenen Haus kann überrascht werden, ohne das Paket vorher womöglich als erster zu sehen. Bei Bedarf kann man auch die Sendung an eine Postfiliale seiner Wahl schicken lassen, sinnvoll beispielsweise bei großen Sendungen, die nicht in die Fächer der Packstation passen. Umgekehrt kann man auch selbst Pakete in die Packstation einlegen, die man zuvor per selbst ausgedrucktem Paketschein frankiert und über PayPal bezahlt hat. Man ist also unabhängig von Zustellzeiten und Öffnungszeiten der DHL-Filialen. Theoretisch.

Eigentlich funktioniert es prima...

.. so lange man das Produkt "DHL Paket" in der Packstation empfängt. Diese Versandart ist von den drei möglichen die teuerste (daneben kann man auch DHL Päckchen und Deutsche Post Warensendungen an die Packstation schicken lassen),  sie bietet aber die Möglichkeit des Trackings, und bisher hat das bei mir immer reibungslos geklappt. Man geht zur Packstation, nachdem man per SMS eine PIN bekommen hat, gibt dort in die Packstation seine DHL-Karte plus PIN ein und eine Tür öffnet sich, die das Paket enthält.

Aber...

... das ist nur die halbe Wahrheit. Der erste Fallstrick, auf den man nicht deutlich genug hinweisen kann, da es anderswo, wenn überhaupt, nicht deutlich genug gesagt wird:
Auslandssendungen, die vom deutschen Zoll abgefertigt werden, können nicht an eine Packstation geliefert werden. Obwohl DHL das Problem kennt, wird die Sendung nicht einfach mit der Hausadresse versehen an den Zoll weitergeleitet (denn die Anschrift des Kunden ist DHL selbstverständlich bekannt), nein, das Paket wird kommentarlos an den Absender im Ausland zurück geschickt, falls dieser nicht einer Vernichtung der Sendung (postdeutsch: "Preisgabe") im Vorwege zugestimmt hat, um teure Rücksendungen zu vermeiden. Zurück bleiben zwei verärgerte Handelspartner und nicht selten ein vernichteter Handelsartikel.
Das zweite Problem sind Warensendungen. Diese günstige Versandart, die sich für viele geringwertige Artikel auf eBay eignet, wird von DHL zwar einerseits in der Liste annahmefähiger Sendungen für die Packstation geführt, in der Praxis werden diese aber, wie mir eine Postmitarbeiterin auf Nachfrage bestätigte, einfach in die nächste Postfiliale umgeleitet, wo sie während der Öffnungszeiten und nach entsprechendem Schlangestehen unter Vorlage der DHL-Karte abgeholt werden kann. Bei dem Abholpostamt (oder Postbankfiliale) handelt es sich nicht automatisch um die, die der Hausadresse am nächsten liegt, sondern meist um Filialen in Innenstadtlage, wo man ohne Auto kaum hinkommt und man auch kaum einen Parkplatz findet, schon gar nicht einen kostenlosen.
Nicht viel anders verhält es sich mit DHL Päckchen. Sie sind die billigere Variante eines Postpakets, aber unter anderem ohne Nachverfolgung ("Tracking"). Hier ist es mir schon zweimal passiert, dass diese kommentarlos als "unzustellbar" an den Absender zurückgeschickt wurden, trotz korrekter Adressierung. Dass Verkäufer in solchen Fällen verärgert sind, weil sie anschließend viel Aufwand haben, obwohl sie ja alles richtig gemacht haben, kann man bei Kenntnis der Umstände sicher verstehen.
Nun könnte man sagen, okay, empfange ich eben nur noch Pakete in der Packstation. Schön, wenn es so einfach wäre...

Die Verkäufer spielen nicht mit

Wenn man um die oben genannten Probleme der DHL Packstation weiß und erkannt hat, dass die DHL mit ihrem Verhalten ihre Kunden dazu erziehen will, nur noch die (teuren) DHL-Pakete an die Packstation schicken zu lassen - man könnte damit vielleicht leben.
Aber: Man hat als Käufer bei eBay überhaupt gar keinen Einfluss darauf, wie der Verkäufer die Sendung tatsächlich verschickt. Bei privaten Verkäufern ist es gar nicht so selten, dass zwar der Preis für ein DHL-Paket verlangt und auch kassiert wird, der Gewinn an der Transaktion aber durch die billigere Versandart "Päckchen" oder gar "Warensendung" optimiert wird. Da liegt der Gewinn beim billigeren Versand zum Teil über dem eigentlichen Erlös des Artikels.
Außerdem geben viele gewerbliche Verkäufer gar nicht klar an, mit wem sie versenden. Sei es, dass sie, je nach Kauf, den jeweils günstigsten Versender beauftragen, sei es, dass sie bei Nennung der Versandfirma fürchten, durch das schlechte Image einiger Versanddienstleister Kunden zu verlieren.
Da ist es schon ehrlicher, dass manche Verkäufer, teilweise sogar die, die nur mit DHL versenden, gar nicht erst an Packstationen liefern. Eine Maßnahme, die bei mir zuerst Unverständnis hervorrief, die mir aber nun, nach einigen Monaten mit der Packstation, mittlerweile nachvollziehbarer erscheint.
Dass die DHL nur die Pakete in die Packstation stellt, die sie selbst befördert hat, müsste vor dem Hintergrund der Marktmacht von DHL in Deutschland vielleicht mal von Kartellbehörden durchleuchtet werden, aber das sind Rechtsfragen, von denen wir Normalbürger vielleicht lieber die Finger lassen. Vielleicht findet sich ja mal ein couragierter Beamter, der DHL in dieser Hinsicht auf die Finger klopft.

Zusammenfassung

Nach etlichen Monaten mit vielen, vielen Sendungen in der Packstation in beide Richtungen ist meine Bilanz gespalten. Inländische DHL-Pakete funktionieren gut, wenn denn der Versender bereit ist, dorthin zu schicken. Meine Erfahrungen mit allen anderen Versandformen und der Unart, Warensendungen absichtlich nicht in die Packstation zu stellen, auch wenn genug freie Fächer vorhanden sind, lassen mich mein Einkaufsverhalten grundsätzlich überdenken. Zumal man, wie gesagt, als Kunde auf das Versandverhalten der Verkäufer nicht immer Einfluss hat.
Einfluss hat man dagegen, wie man selbst versendet. Und da gibt es durchaus Alternativen zu DHL. Ich denke u.a. an die Hermes Paketshops, die auch einen "Shop zu Shop" Versand anbieten, der zudem recht günstig ist.
Dass man es sich aber im 21. Jahrhundert als Unternehmen leisten kann, seine Kunden zu erziehen, spricht Bände über ein Unternehmen wie DHL.
Vielen Dank fürs Lesen!
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