DECKADANCE im Test

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Deckadance Test Imageline, bekannt durch die Software Fruity Loops, bleibt am Puls der Zeit und releast mit Deckadance eine eigene Digital DJ Software, um Konkurrenten wie Serato, Native Instruments oder M-Audio zu zeigen, wie man’s richtig macht. Ob das gelungen ist, wollen wir mit diesem Test herausfinden.

Verpackung:
Deckadance kommt in einer schlichten Papp-Box daher, die von außen vielversprechend aussieht. Inhalt ist die obligatorische Installations-CD, und ein sehr ausführlicher „getting started“ Guide, der uns leider nur in Englisch vorlag, dafür aber - im PDF-Zeitalter eher selten - über nahezu alle Funktionen aufklärt.

Unser Setup:
Wir testeten die uns zur Verfügung gestellte „Deckadance House Edition“* auf einem MacBook mit 2.0 Ghz Core Duo Intel Prozessor und die „Deckadance Club Edition“* (mit Timecodevinyl Steuerung) auf einem 2Ghz Notebook mit Windows XP. Zur MIDI-Ansteuerung von „Deckadance“ verwendeten wir verschiedene Midi-Steuergeräte: Behringer BCD 3000 mit Audi-Interface, Denon DN HS 5500 und dessen Audi-Interface sowie M-Audio X-Session Pro + Conectiv als Audio Interface in Verbindung mit den Torq Timecodevinyls.

Installation:
Die Installation gestaltete sich auf beiden Betriebssystemen völlig problemlos. Um in den vollen Hörgenuss zu kommen, sind für den PC die obligatorischen „DirectSound“ bzw „Asio“-Treiber und am Mac eine „Core-Audio“ fähige Soundkarte Voraussetzung. Deckadance ist insgesamt nur 200 MB klein, beinhaltet die Software als Stand Alone bzw. VST-Plugin, ASIO4All und raubt, trotz mitgelieferter, umfangreicher Samplebank, nicht zu viel Platz auf der Festplatte.

Hands on:
Deckadance startet nach dem ersten Icon-Klick sehr schnell. Das sollte auch so sein, da die Mindestanforderungen beim PC mit Intel Pentium 3 bzw. Athlon XP Prozessor nicht sonderlich anspruchsvoll sind. Der Mac benötigt einen Intelchip mit mindestens 1,24 Ghz, wobei für beide Plattformen gilt: „mehr ist besser“.

Das Programm ist übersichtlich gestaltet. Ähnlich wie bei den Konkurrenten befinden sich oben die beiden Decks. Direkt darunter liegen alle nötigen Steuerelemente wie z.B. Play-, Cue-, Pitchband-, Sync- und Loop-Buttons sowie Pitch-, Line- und Crossfader.

Darunter wurde die Effektabteilung platziert, die einen 3 Band EQ mit Killswitches, die Effekteinheiten für jedes Deck und ein zentral angeordnetes Fenster beinhaltet. An Effekten wird pro Deck ein Lowpass-, Highpass-, Bandpass-, und Notchfilter und zusätzlich noch Echo, Phaser und ein Lofi-Filter geboten. Zusätzlich oben drauf gibts auch noch einen Step-Sequenzer, mit welchem sich weitere Effekte beatsynchron zuschalten lassen. Und wem das immer noch nicht ausreicht, der kann auch seine schon vorhandenen VST Effekte im speziell dafür gestaltetem VST-Rack nutzen. Andererseits lässt sich auch Deckadance selbst, und das ist wichtig für alle, die selbst Musik produzieren, als VST-Plugin in Programme wie „Ableton Live“ bzw „Cubase“ laden.
Das Fenster in der Mitte bietet, jeweils umschaltbar, folgende Ansichten:
- „Peakscope“ in der man, ähnlich wie bei „Torq“, die Waveforms der geladenen Tracks jeweils untereinander laufen sieht
- „Specscope“, welches die Aussteuerung des Tracks anhand eines Poly-Band-Eq´s anzeigt
- „Help“ in welchem sich kurze Erklärungen zu den Teilen der Software, über die man gerade seine Maus bewegt, finden lassen
- „About“ Fenster, in welchen die Version der Software eingetragen ist.

Im unteren Teil des Programmfensters befindet sich der „Browser“. Dort können Titel und Playlists geladen bzw gespeichert werden. Eine Automix-Funktion beinhaltet dieses Fenster ebenso, wie weitere zuschaltbare Funktionen. Die Arbeit mit dem Browser funktioniert selbsterklärend. Titel laden, Playlist bauen und los geht’s. Die so erstellten Playlists können natürlich auch abgespeichert werden. Dazu nutzt Deckadance das m3u Format. Ab Version 1.45 werden auch iTunes Playlsiten unterstützt.

Die Tracks werden via Drag&Drop in das jeweilige Deck befördert und sind nach einem scheinbar endlosen Scan-Vorgang abspielbereit. Leider werden im Audioformat nur „mp3“, “wav” und “ogg” unterstützt, kein „mp4“ bzw. „aac“. Der Scan-Vorgang beinhaltet das erstellen einer Waveform (die in unserer Version nicht gespeichert wird, sondern immer wieder neu erstellt werden muss*) und das Festlegen der BPM Zahl. Ein skippen im Track in Regionen, die noch keine Wellenform zeigen, funktioniert nicht, und bei der BPM Erkennung ist Deckadance 1.3 sehr ungenau*. Bei einem einfachen House bzw. Technotrack haut das ganz gut hin. Befindet sich im Titel allerdings ein langer Part ohne Beat oder handelt es sich etwa um einen Breakbeat, Drum&Bass oder Dubstep-Track, versagt Deckadance. BPM Zahlen werden nicht korrekt erkannt bzw. das Beatgrid sitzt nicht genau oder wird sogar komplett weggelassen. Hat Deckadance jedoch alles erkannt und generiert, glänzt es sogar mit einer beatgenauen AutoMix-Funktion auf jeder Homeparty.

Beeindruckend ist die 8-Spur-Samplereinheit, die Deckadance mitliefert. Jede Spur beinhaltet eine Record-Funktion, die es ermöglicht, Teile aus dem aktuell laufendem Track mitzuschneiden und synchron zum Tempo wiederzugeben. Weiterhin lassen sich natürlich auch extern erstellte Loops und Sounds aus der mitgelieferten Samplebibliothek laden und wiedergeben. Jede Samplerspur lässt sich dabei einem Deck zuweisen und enthält jeweils einen Linefader, Play-, Sync, Vorhör- und Record-Buttons, Pichband und Low- bzw. Highpass-Filter.

Die von uns gewählten Audio-Interfaces wurden problemlos erkannt. Im Menü „Settings“ kann man sie auswählen und die Audio-Ausgänge der Software verteilen. Auch das jeweils angeschlossene MIDI-Gerät wurde, sofern es im MAC-eigenem „Audio-Midi-Setup“-Programm installiert war, erkannt. Deckadance liefert dabei Presets für die meisten Controller mit. So fanden sich auch welche für die Behringer- und die M-Audio-Console, wobei bei der Behringer-Console sogar die LEDs angesteuert werden. Insgesamt funktionierten die mitgelieferten Presets aber eher schlecht als recht. So waren z.B. grundlegende Steuerfunktionen wie Play, Cue und Pitchbend falsch bzw. gar nicht belegt. Entsprechend blieb nichts anderes übrig, als eigene Presets zu erstellen. Aufgrund der „MIDI-Learn“-Funktion und des übersichtlichen MIDI-Menüs von Deckadance, ist das Erstellen eines Presets zum Glück eine Sache von nur wenigen Minuten. Erstellte Presets lassen sich abspeichern und jeder Zeit wieder verwenden. Dabei ist zu anzumerken, dass Deckadance den Plattern unseres Denon-Players nicht unterstützte.

Klanglich kann sich Deckadance im Vergleich zu den Mitbewerbern auf jeden Fall sehen lassen - lediglich bei sehr langsamen Scratchen setzt sich ein etwas digitaler Sound (Artefakte) durch. Die Timecode-Erkennung funktionierte zuverlässig. Verwendet wurden Torq-Timecode Vinyls, mit welchen sich die Tracks gut steuern ließen. Als Manko stelle sich eine Stickerdrift heraus*. Hat man einmal einen Scratchpunkt ausgewählt und bewegt die Vinyl, so verrutscht der im Titel gewählte Punkt nach und nach, was sinnvolles Scratchen nahezu unmöglich macht. Verwirrend ist auch die Tatsache, dass der Anfang eines Beats bei der Vorwärtsbewegung nicht an der gleichen Position endete, wenn man die Platte wieder zurückbewegte. Wird wieder vorwärts bewegt, ist der Anfang dort wo er eben erwartet wurde, Bewegung wieder zurück, gibt es wieder Verwirrung usw.

Fazit:
Imageline ist es mit Deckadance gelungen einen ernstzunehmenden Konkurrenten für Platzhirsche wie Traktor und Serato Scratch zu programmieren. Einige wenige Nachbesserungen in den Bereichen Workflow, Audioformatunterstützung, Timecode-Verhalten und Systemintegration sind allerdings noch nötig. Dennoch ist Deckadance im Großen und Ganzen ein Tool, das nicht nur Bedroom-DJs begeistern kann, sondern auch für den Betrieb im Club bzw. im Studio geeignet ist und unserer Meinung nach gerade im Bereich „zusätzliche Features“ den Mitbewerbern locker die Show stehlen kann.

* Anmerkung: Inzwischen ist Version 1.5.3 erschienen und im Vergleich zur getesteten Version wurde zahlreiche Bugs gefixt und neue Features zugefügt. Die meisten, der hier bemängelten Punkte dürften somit Geschichte sein und man darf die Updatefülle als Beleg für gute Entwicklerarbeit sehen.

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