Clubsounds auf Vinyl: Tipps für den Kauf von Breakbeat-Platten

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Clubsounds auf Vinyl: Tipps für den Kauf von Breakbeat-Platten

Die Breakbeats genannten Rhythmen, die sich aus dem Loopen und Zerhacken von Schlagzeugsamples mittels eines Samplers ergeben, bilden die Grundlage für so wegweisende Musikrichtungen wie Hip-Hop und Rap. Vor allem aber geben sie dem Breakbeat seinen Namen, der sich später in Jungle, Big Beat, Triphop, Drum'n'Bass, Two Step und Dubstep aufspaltete.

Allein aufgrund seiner Entstehung ist der Breakbeat eng mit dem Medium Vinyl verknüpft. Wie Sie wichtige Werke des Genres auf Schallplatte finden, zeigt Ihnen dieser Ratgeber. Ob Sie sich mit der Stilrichtung vertraut machen wollen, nach Ergänzungen für Ihre Plattensammlung suchen oder selbst auflegen, es steht dafür ein breitgefächertes Angebot an Breakbeat-LPs bereit; von den Ursprüngen des Genres über Abzweigungen zu populäreren Ausprägungen hin zu Alben aktueller Breakbeat-Künstler auf Vinyl.

Der Ursprung des Breakbeats in New York: Kool DJ Herc

Schon in den 1970er-Jahren experimentierte der New Yorker DJ Kool Herc als erstes mit dem Sampeln von Beats und schuf damit den Hip-Hop. Was ursprünglich der Absicht entsprang, die beim Club-Publikum beliebten Break-Stellen wiederholt abzuspielen, stellte sich als Innovation heraus, die den zu der Zeit in der Clubmusik vorherrschenden 4/4-Takt wortwörtlich durchbrach. Auch die Originalmusik, die als Quelle für die Samples verwendet wurde, war nicht konventionell. Benutzt werden bis heute besonders gerne die Stücke von James Brown, der in den 1970er-Jahren den Funk mitprägte. Wollen Sie selbst nach Breakbeat-Tradition Musik samplen, können Sie viele Vinylplatten von James Brown finden.

„Bug In The Bassbin": der Beginn der Breakbeat-Era mit Carl Craig

Bewusst eingesetzt wurden Breakbeats erst Anfang der 90er-Jahre von amerikanischen Techno-Musikern wie Carl Craig, der für die zweite Welle des Detroit Techno mit seinen experimentellen Produktionen prägend war. Der noch heute unter vielen Pseudonymen aktive Craig veröffentlichte 1992 mit der Gruppe Innerzone Orchestra auf dem britischen Label Mo' Wax den Breakbeat-Hit „Bug In The Bassbin". Wenn Sie sich bei dem Label umsehen, können Sie auch weitere interessante Breakbeat-Platten zum Beispiel von DJ Krush entdecken.

„US-Import" - der Breakbeat wandert nach Großbritannien aus

Während die Breakbeat-Produktionen in den USA nicht die Popularität von Hip-Hop erreichten und im Untergrund blieben, wuchs in Großbritannien die Nachfrage nach den innovativen US-Importen und konnte bald nicht mehr gestillt werden. So begannen britische Künstler ihre eigene Breakbeat-Musik zu produzieren, um sie in den Londoner Clubs auflegen zu können. Der Produzent Goldie schuf 1993 und 1995 mit den Platten „Terminator" und besonders mit „Timeless" Schlüsselwerke des Genres, ebenso wie die britische Sängerin Nicolette mit ihrem 1992 erschienenen Longplayer „Now Is Early". Mit ihrem von vielen Musikrichtungen beeinflussten und gerade dadurch einzigartigen Stil sowie ihrer kindlichen Stimme legte sie einen Grundstein für die Auffassung des britischen Breakbeats. Währenddessen gründete der britische DJ LTJ Bukem, an dem Sie nicht vorbeikommen, wenn Sie sich für Breakbeat interessieren, 1991 das einflussreiche Label „Good Looking Records", das neben Goldies Label Metalheadz viele wichtige Breakbeat-Produktionen versammelt. Breakbeat wurde ein britisches Phänomen und entwickelte sich zu Hardcore, nicht zu verwechseln mit Hardcore-Techno.

Härter und schneller: Im europäischen Raum entwickelt sich der Breakcore

Rund um das Frankfurter Label Force Inc., das eine linkspolitische Philosophie hatte, arbeiteten auch deutsche Produzenten mit den neuen Möglichkeiten. Am radikalsten und einflussreichsten sticht sicherlich der Atari-Teenage-Riot-Gründer Alec Empire hervor. Auf seinem Album „The Destroyer" von 1994 können Sie nicht nur im Titel die Entschlossenheit zur Zerstörung aller musikalischen Grenzen hören. Die wegweisende Platte ist bei eBay zu finden. Spätere Entwicklungen des Breakcore haben vor allem der niederländische DJ Tommy de Roos unter dem Namen FFF und seit dem Jahr 2000 der kanadische Produzent Aaron Funk mit seinem Projekt Venetian Snares geleistet, auch wenn dessen Kompositionen nicht nur schnelle, sondern auch getragene Rhythmen haben. Von Fans sehr geschätzt ist vor allem sein Album „Rossz Csillag Allat Szuletet", auf dem Funk ungarische Kompositionen sampelt. Der Track „Öngyilkos Vasárnap" ist ein Cover eines ungarischen Stückes namens „Gloomy Sunday", das einer Legende nach mehrere Menschen zum Selbstmord gebracht hat.

Für manche „Kiddie Rave", für andere „Big Beat": Breakbeat wird vom Mainstream entdeckt

Was bisher eine Szene war, die sich eher im musikalischen Untergrund abspielte, wurde beinahe mit einem Schlag vor allem durch The Prodigy und ihren Chart-Hit „Charly" sowie The Chemical Brothers bekannt, die Breakbeats mit Soul- und Rap-Elementen vermischten. Sie legten in der von Fatboy Slim veranstalteten Clubreihe „Big Beat Boutique" im Brightoner Club Concorde auf, was den neuen Breakbeat-Adaptionen ihren Namen gab: Big Beat. Mehr als „Kiddie Rave" ist die abwechslungsreiche Musik von beispielsweise The Prodigy in jedem Fall. Auch Fatboy Slims bekanntes Album „You've Come A Long Way, Baby" von 1998 prägte den Sound des Big Beat maßgeblich. In den USA bildete sich mit The Crystal Method eine Big-Beat-Formation heraus, die schon mit ihrem Debütalbum „Vegas" ihren britischen Vorläufern große Konkurrenz machte.

Umbenennung in „Jungle" als Abgrenzung zum populären Big Beat

Den Breakbeat-Anhängern und -Künstlern der ersten Stunde missfiel es, dass ihre Musik populär und kommerziell wurde. Um sie von dem abzugrenzen, was in ihren Augen bloßer „Kiddie Rave" war, machten sie für Breakbeat die Bezeichnung „Jungle" bekannt. Zunächst nur namentlich von Breakbeat unterschieden, bildeten sich im Jungle schnellere, asynchrone Schlagzeugrhythmen gepaart mit langsameren Basslines heraus. Ein wichtiger Vertreter dieser Ära ist Shy FX, der mit MC UK Apache 1994 seinen bekanntesten Track „Original Nuttah" herausbrachte. 2001 landete er gemeinsam mit T Power mit „Shake Ur Body" auf Platz 7 der UK-Charts. Auch DJ Hype, Dillinja und Roni Size waren bekannte Jungle-DJs, die den Stil mit in Richtung Drum and Bass beeinflussten.

Bristol Sound Holy Trinity: Mit Portishead und Massive Attack wird der Triphop geboren

Neben London war auch Bristol eines der Zentren, in denen sich die break-bestimmte Musik weiterentwickelte. Im Gegensatz sowohl zu dem immer schneller und abstrakter werdenden Jungle, als auch zu den Big-Beat-Produktionen, die viele Einflüsse aus anderen Musikrichtungen durch Samples einbrachten, besannen sich Bristoler Künstler wie das Kollektiv The Wild Bunch auf die Ursprünge des Breakbeat. Das Tempo wurde wieder langsamer, die repetitiven Rhythmen wurden von tranceartigem Gesang begleitet, was Musikjournalisten zu der Bezeichnung Triphop verführte. Zu The Wild Bunch gehörten auch Tricky und Massive Attack, die mit ihrem Debütalbum „Blue Lines" den ersten Schritt des neuen Genres setzten. Auf dieser Platte können Sie den Übergang von Breakbeat zu Triphop hören. Portishead verfeinerten den Sound auf ihrem berühmten Debüt „Dummy" zu dem, was unter Triphop verstanden wird. Nach ihrem zweiten Album „Portishead" erregten sie zehn Jahre später mit ihrem nicht weniger gelungenen dritten Album „Third" Aufsehen.

Musik im Wandel der Zeit: Aus Jungle wird Drum and Bass

Von den Entwicklungen in Bristol beeinflusst, konzentrierten sich auch die Jungle-Produzenten wieder auf das Wesentliche: Drums und Bässe. Was Goldie schon 1993 mit „Terminator" vorgelegt hatte, wurde zur Vorlage für den Drum'n'Bass. Nachdem im Jungle zunehmend Raggae-Elemente verwendet worden waren, bezogen sich die Künstler, die im Wesentlichen dieselben blieben, nun wieder auf Funk-Stücke, wie es Kool Herc und Goldie vorgemacht hatten. Repräsentativ ist etwa das bei eBay auf Vinyl erhältliche Album „New Forms" von Roni Size. Der Sound wurde auch hier dunkler, langsamer und bekam einen „flüssigen" Klang, was sich in späteren Namensgebungen wie „Liquid Funk" niederschlägt, für dessen Erfindung der britische Drum'n'Bass-Produzent High Contrast verantwortlich gemacht wird. Sein Track „Kiss Kiss Bang Bang" wurde zu einem beliebten Club-Hit. Zu den ab 2000 erfolgreichen D'n'B Künstlern zählen auch die australisch-britischen Pendulum, die mit ihren harten Bässen und dem klaren, minimalistischen Sound für Tanzbarkeit auf hohem Niveau standen. Nach Alben wie „Hold Your Colour", „In Silico" und „Immersion" konzentrieren sich Teile des Kollektivs seit 2013 mehr auf das Projekt „Knife Party". Für die Musik des Electronica-Genies Aphex Twin und seine experimentellen, auf der Neuen Musik aufbauenden Kompositionen wurde eigens das Subgenre Drill'n'Bass erfunden.

Einen Schritt weiter mit neuen Subgenres: Garage, Two Step und Dubstep

Eine vollständig in Großbritannien entwickelte Stilrichtung ist der Two Step, auch UK Garage genannt, der House-Beats nach dem Vorbild von Breakbeat zu einem verschobenen Rhythmus abwandelt, der sehr tanzbar ist. In England erfuhr dieses Subgenre des Drum and Bass einen großen Hype. Die Formation Artful Dodger, zu der als Sänger oft Craig Davids hinzugezogen wurde, wurde sogar so bekannt, dass sie für Madonna und Britney Spears produzierte. Hörbar ist der original britische Sound auch auf der Platte „Showtime" von Dizzee Rascal. Two Step wird noch immer von aktuellen Szenebands wie der kanadisch-belgischen Benito Band weiterentwickelt und mit anderen Genres gemischt.

Eine Mischung aus Dub und Two Step ist der seit 2000 entstandene Dubstep, der vor einigen Jahren auf die Minimal-Szene ausstrahlte und dort einen Hype auslöste. Trockene Bässe und hallende, gebrochene Flächen zeichnen den Klang von Dubstep aus. Exemplarisch kann Shackletons Remix von Ricardo Villalobos' Single „Minimoonstar" mit seinem hypnotischen Klackern angeführt werden. Als Zentrum des Genres gilt der umtriebige schottische DJ Kode9 und sein Label Hyperdub. Auch Skream, Burial, Benga und Digital Mystikz haben wichtige Dubstep-Platten produziert, die bei eBay zur Auswahl stehen. Der britische DJ Fresh vereint in seinen Tracks Dubstep wieder mit Drum'n'Bass.

Progressive Break: neuere Entwicklungen des Genres Breakbeat

Neben Hybrid, die schon 1999 mit den orchestralen Sounds auf ihrem Album „Wide Angle" und 2003 auf „Morning Sci-Fi" mit Gitarren und Einflüssen Alternative-Bands überraschten und damit als Progressive-Break-Band bezeichnet wurden, arbeiten auch so unterschiedliche Interpreten wie die englische Sängerin M.I.A. und der amerikanische Produzent DJ /rupture an der Weiterentwicklung des Breakbeats. 2004 produzierte M.I.A zusammen mit DJ Diplo das Mixtape „Piracy Funds Terrorism Volume 1", das trotz seiner nur inoffiziellen Veröffentlichung ein wegweisendes und von Musikkritikern gelobtes Album wurde. In den Tracks werden Jay-Z und Missy Elliot gesampelt und zu einem Stilmix von Hip-Hop, Pop und Weltmusik vereint. Auch der aktive Jace Clayton alias DJ /rupture stellte 2001 mit „Gold Teeth Thief" eine aufregende Neukombination aus Hip-Hop, Breakcore und moderner Klassik vor, die von dem vielseitigen „Special Gunpowder" sogar noch in den Schatten gestellt wird.

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