Chopper & Cruiser - die vielleicht individuellste Art ein Motorrad umzubauen

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Chopper & Cruiser - die vielleicht individuellste Art ein Motorrad umzubauen

Die Geburt einer Legende

Chopper und Cruiser sind spezielle Motorradformen und zeichnen sich durch einen hohen Lenker und eine hohe Rückenlehne aus. Der Trend stammt aus Amerika und orientiert sich ursprünglich am Design der Harley-Davidson-Modelle. Ende der 40er Jahre entfernte man hier alle überflüssigen Teile der Verkleidung und Schutzbleche vom Motorrad. Daher stammt der Name vom englischen Verb "to Chop" ab, was mit kürzen, abschneiden oder abhacken übersetzt werden kann. Teilweise montierten die Besitzer die vorderen Schutzbleche verkehrt herum auf die Hintergabel, wodurch die Chopper eine besondere Optik erhielt. Der Kult um das Motorrad selbst entstand im Jahr 1969 mit dem Roadmovie "Easy Rider". Die Bezeichnung der Cruiser geht auf die 1990er Jahre zurück, wobei auch hier Design-Merkmale der US-amerikanischen Maschinen übernommen wurden. Die Abschnitte dieses Ratgebers zeigen Ihnen die wichtigsten Merkmale der Chopper und Cruiser auf. Außerdem erhalten Sie Tipps, wie Sie ein Motorrad selbst zur Kult-Maschine machen.

Design und andere Merkmale - das zeichnet einen echten Chopper aus

Zentrales Merkmal eines Chopper ist die verlängerte Vordergabel. Die Fußrasten sind weiter nach vorn gerückt und der Lenker besonders hoch angelegt. Der Fahrer nimmt bei diesem Motorrad eine zurückgelehnte Haltung ein, im Gegensatz zu einer Rennmaschine. Während sich hier die Fahrer nach vorn legen, lehnt man sich auf dem Chopper bequem an das hohe Rückenteil. Bei einer großen Fangemeinde fand diese Art zu fahren sehr schnell Anklang. Ihren Ursprung haben die Modelle in Kalifornien, wo Werkstätten die ersten Modifizierungen der Motorräder vornahmen. Es dauerte nicht lange, bis die ersten straßentauglichen Varianten unterwegs waren. Der große Radstand soll dem Chopper einen leichten Geradeauslauf ermöglichen. Damit erweist sich das Motorrad jedoch als weniger wendig und ist manchmal schwer zu beherrschen. Den hohen Lenker bezeichnet man auch als Buchhorn. Erst Ende der 80er Jahre nahm der Hersteller Harley Davidson diese markanten Elemente in die Serienfertigung mit auf. Vorher distanzierte sich das Unternehmen lieber von der Modifizierung, da die Modelle in kriminellen Gangs weit verbreitet waren. Damit wollte Harley Davidson selbst nichts zu tun haben.

Die unterschiedlichen Modelle: Bobber und Chopper

Die ersten Modifizierungen in diesem Bereich bezeichnet man als Bobber. Dieser Begriff stammt vom markanten Vorderradschutzblech der Harley Davidson. Es besitzt einen kleinen Außenschwung und ist somit unverkennbar. Grund für den ersten Umbau der Harley-Modelle war es, das Fahrzeug in den 40er und 50er Jahren deutlich leichter und damit auch schneller zu machen. Das Vorderradschutzblech montierte man über das Hinterrad und drehte es. Damit konnte das Schutzblech des Hinterrades weggelassen werden. Das Vorderrad blieb ohne Schutzblech. Durch den sogenannten "bob" am Hinterrad waren die Modelle schnell zu erkennen und erhielten den Begriff Bobber. Die Harley Davidson Modelle galten in dieser Zeit als eher schwerfällig und schwülstig. Mit den Umbauten wollte man einen neuen Schwung in das Design bringen und gleichzeitig das Gewicht der Maschine reduzieren. Eine andere Bezeichnung für diese Modelle lautet Bobchops.

Die Bezeichnung Chopper oder Easy Rider hat sich mit dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1969 durchgesetzt. Optisches Merkmal ist die lange und flach angestellte Gabel am Vorderrad. Diese entstammt dem Design bestimmter Rennmaschinen, die auch als Drag Bikes bezeichnet werden. Sie verfügen über einen langen Radstand und erhalten somit einen großen Nachlauf. Damit sollen sie sich bei hohen Geschwindigkeiten stabiler geradeaus fahren lassen. Bei derartigen Rennmaschinen kam es nicht auf die Kurvenlage, sondern nur auf die Geschwindigkeit an. Mit dem langen Radstand geht jedoch eine gewisse Unhandlichkeit der Maschine einher, die anfangs nicht auffiel. Bei einem Chopper ist das etwas schlechtere Fahrverhalten deutlich zu merken, wird jedoch dem Design zuliebe in Kauf genommen. Der hohe Lenker eines Chopper trägt den Namen Buckhorn oder Apehanger. Hintergrund dieser Verlängerung war die Erreichbarkeit der Lenkstange für den Fahrer. In zurückgelehnter Halterung behält er somit Kontakt zum Lenker und steuert die Maschine bequemer. Einziger Nachteil: Das Motorrad ist durch den langen Lenker weniger beherrschbar. Derartige Umbauten führten bereits zu vielen Unfällen. Sogenannte Low Rider sind eine besondere Form der Chopper. Sie besitzen einen möglichst langen und flachen Look, wobei auch sie sich an Drag Bikes orientieren. Einziger Unterschied zum klassischen Chopper ist der etwas flacher angelegte Lenker. Er wird meist nur verlängert und nicht zusätzlich in die Höhe gezogen.

Schwedenchopper, Softchopper und andere bekannte Varianten

Sogenannte Schwedenchopper sind im Straßenverkehr nur sehr selten zugelassen. Der Begriff beschreibt Modelle, bei denen vielen Anbauteile radikal reduziert werden. Dazu gehören Scheinwerfer, Tachometer oder sogar die Vorderradbremse. Das Problem dabei: Auf manche Teile kann ein Motorradfahrer nicht verzichten. Bei den Umbauten verlegen die Mechaniker demnach alle Leitungen und Kabel möglichst in den Lenker oder den Rahmen des Motorrads. Damit erhält es einen puristischen und sauberen Anblick ohne viele Schnörkel.

Die Softchopper entstammen dem japanischen Markt. In den 80er Jahren wurden normale Straßenmotorräder mit höheren Lenkern, glänzenden Chromteilen und vorverlegten Fußrasten umgebaut. Aus dieser Zeit stammt die sogenannte Sissybar. Dieser Begriff bezeichnet die serienmäßig eingebaute Lehne für den Sozius. Die Fahrwerke dieser Maschinen sind zum großen Teil ungedämpft und es gibt eine nur sehr harte Federung mit einem geringen Federweg. Das Design orientierte sich zwar an den amerikanischen Maschinen, war jedoch deutlich weniger umgebaut.

Harley Davidson erkannte in den 80er Jahren das große Potenzial hinter den umgebauten Maschinen. Die Chopper-Merkmale sind in einigen Serienanfertigungen des Herstellers zu finden. Allerdings widerlegt dieses Vorgehen das eigentliche Konzept der Chopper. Hintergrund war es, ein ausgefallenes Motorrad mit eigenem Design zu haben. Somit distanzierten sich die Fans vom einheitlichen Aussehen der Serienanfertigungen.

Was sind Cruiser und was zeichnet diese Motorräder aus?

Der Begriff Cruiser erschien erst in den 1990er Jahren. Es handelt sich um eine eigene Kategorie von Motorrädern, die sich an einem ganz bestimmten Design orientieren. Die Optik lehnt sich an die Serienproduktionen von Indian, Henderson oder Harley Davidson aus den 1930er Jahren an. Die Modelle überzeugen mit einem langen Radstand und einer besonders breiten Bereifung. Der Motor dieser Maschinen verfügt meist über ein großes Volumen. Am häufigsten kommen V2-Motoren zum Einsatz, die ein besonders hohes Drehmoment besitzen. Damit erzeugen sie auch im niedrigen Drehzahlbereich eine sehr hohe Leistung. Markante Merkmale sind außerdem der sehr breite Lenker und die großen montierten Kotflügel. Durch die sehr weit vorn angebrachten Trittbretter sitzt der Fahrer etwas aufrechter und befindet sich nicht in Rücklage. Charakteristische Zubehörteile für ein Cruiser-Motorrad sind Windschutzscheibe, Sturzbügel und Packtaschen an der Seite der Maschinen. Manche Modelle haben sogar Zusatzscheinwerfer zur besseren Optik montiert. Cruiser und Chopper ähneln sich stark in ihrem Aussehen. Folgende Hersteller haben die Cruiser sogar als Serienanfertigung im Portfolio:

  • Honda (VT)
  • BMW-Cruiser
  • Suzuki (Intruder)
  • Harley Davidson
  • Moto Guzzi
  • Yamaha (XV-Reihe)
  • Triumph Rocket III

Die bekanntesten Cruiser- und Chopper-Modelle

Die Serienanfertigung dieser Modelle ließ lange auf sich warten und war nicht Teil des Konzepts. Dennoch brachte Harley Davidson Ende der 80er Jahre erste Modelle mit Chopper-Elementen auf den Markt. Die japanischen Hersteller zogen nach und präsentierten die Yamaha XV 535 Viagro, die vom Stil her stark an den amerikanischen Markt angelegt ist. Vorteil dieser Maschine war der unschlagbar günstige Preis. Er lag deutlich unter den Harley Maschine und brachte das Modell weit nach vorn. Auch in Deutschland zählt genau diese Maschine zu den meist verkauftesten Choppern in Deutschland. Ein ebenso erfolgreiches Motorrad ist die Suzuki VS 1400 Intruder. Weitere beliebte Chopper-Motorräder sind beispielsweise die Honda Shadow oder die Kawasaki VN.

Fans beschäftigen sich nur ungern mit den neuen Modellen. Sie hängen an der Marke Harley Davidson. Das beliebteste Modell dieses Herstellers ist die V-Rod. Sie besitzt 125 PS und erreicht damit eine Geschwindigkeit von 230 km/h. Eine ebenso bekannte Maschine ist die Harley Davidson Dyna Fat Bob. Ihr Motor erbringt eine Leistung von 78 PS. Die Höchstgeschwindigkeit ist hier bei 190 km/h erreicht. Äußerlich überzeugt das Modell mit den markanten Doppelscheinwerfern und einer besonders breiten Bereifung. Der Lenker ist weniger nach oben gezogen, wodurch die Maschine schnittiger und sportlicher wirkt. Chopper-Merkmale sind auch in der Harley Davidson Rocker/C zu erkennen. Sie besitzt einen leistungsstarken Motor mit 71 PS und erreicht dabei Geschwindigkeiten von maximal 185 km/h. Der Vorteil bei diesem Modell: Mit einem einfachen Handgriff lässt sich ein Sozius-Sitz ausklappen. Bequem fahren Sie zu zweit auf diesem Motorrad.

Motorradversicherung und Straßenzulassung für Chopper und Cruiser

Eine Versicherung für diese Modelle erhalten Sie nur mit einer gültigen Straßenzulassung. Nicht alle Modelle dürfen in Deutschland oder Europa gefahren werden. Sämtliche Umbaumaßnahmen an den Fahrzeugen unterliegen einer Abnahme bei TÜV oder Dekra. In diesem Zusammenhang ist auch die Versicherung zu sehen. Während eine Haftpflichtversicherung zwingend erforderlich ist, entscheiden sich viele Motorradfans auch für die Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung. Dabei erfolgt die Berechnung der Beiträge nach bestimmten Typklassen. Je nach Hubraum wird die Chopper als Kleinkraftrad, als Kraftroller oder Leichtkraftrad eingeteilt. Davon ist die Beitragshöhe abhängig. Die älteren Modelle verfügen alle über einen großen Hubraum. Neuere Chopper sind mit 125 ccm Hubraum ausgestattet und besitzen dennoch die typischen Kennzeichen dieses Motorrads. Sie werden als Leichtkrafträder eingestuft und überzeugen mit einer günstigen Versicherung. Außerdem dürfen sie bereits von jugendlichen ab 16 Jahren gefahren werden. Die grundsätzliche Regel lautet: Je kleiner der Hubraum ausfällt, desto geringer wird ihr Versicherungsbeitrag. Eine andere günstige Möglichkeit ist die Anmeldung des Choppers als Zweitfahrzeug.

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