Chiptuning – Tipps für Möglichkeiten zur Leistungssteigerung

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Chiptuning – Tipps für einfache Möglichkeiten zur Leistungssteigerung

Chiptuning wird definiert als die Steigerung der Leistung von Kfz-Motoren durch nachträgliche Veränderung der vom Hersteller festgelegten Parameter der elektronischen Steuerung des Motors. Bei dieser Form der Leistungssteigerung werden keinerlei mechanischen Veränderungen am Motor vorgenommen. Die Verbesserung der Werte basiert ausschließlich auf dem Ausreizen der thermischen und mechanischen Reserven des Motors. Chiptuner folgen der Argumentation, dass jeder Serienmotor über diese Reserven verfügt. Zur Demonstration dieses Umstands wird angeführt, dass verschiedene Produzenten von Motoren heutzutage mehrere Motoren auf der gleichen Grundlage herstellen, die allerdings unterschiedliche Leistungsparameter aufweisen. In der Realität ist es tatsächlich so, dass vor allem die leistungsstärkeren Kfz-Modelle mit Komponenten von erheblich höherer Festigkeit, aber technischer Identität gebaut werden. Dies wird durch die Verwendung höherwertiger Werkstoffe erreicht. Derartige Maschinen erscheinen für das Tuning besonders geeignet.

Reserven des Motors effektiv nutzen

Trotz der Gleichheit der wesentlichen Abmessungen sind die Automotoren jedoch recht unterschiedlich. Die von Tuning-Betrieben vielfach verwendete Argumentation, dass das jeweils selbe Antriebsaggregat mit höherer Serienleistung verfügbar wäre, ist prinzipiell unrichtig. Es ergeben sich zum Beispiel bei dem 150-PS-Modell des VW-1,9-l-TDI-Motors und dem 115-PS-Modell signifikante Unterschiede durch geänderte Pleuel, Kolben mit höheren Feuerstegen, eine geänderte Kurbelwelle, einer gekühlten Abgasrückführung und einem leistungsfähigeren Turbolader – und dies trotz gleicher Hauptabmessungen. Aus diesem Grund ist es gar nicht so selten, dass vor allem weniger seriöse Chiptuner vermeintliche Reserven eines Motors nicht nur ausreizen, sondern diese schlicht überfordern. Um den Kunden die Sicherheit zu vermitteln, dass dies bei ihrem Chiptuning-Angebot nicht der Fall ist, gewähren seriöse Anbieter bis zu einem bestimmten Alter des Fahrzeugs oder bis zu einem Kilometerstand eine Garantie auf Schäden am Motor und Getriebe, die zweifellos dem Chiptuning zuzuschreiben sind. Allerdings ist dieser eindeutige Nachweis meist sehr schwierig zu führen.

Funktionsweise des Chiptunings

Normalerweise sind die Werte der elektronischen Motorsteuerung, durch deren Steigerung Reserven genutzt werden sollen, als Datensatz auf einem Speicherchip programmiert. Bei wenigen Kfz-Produzenten ist dieser erneut beschreibbar. Dabei handelt sich in aller Regel um ein mehrdimensionales Kennfeld. Beim Chiptuning werden alle relevanten Parameter, die die Regelung und die Steuerung des Motors beeinflussen können, auf eine abgewandelte Weise miteinander verknüpft. Diese relevanten Parameter sind der Temperaturzustand von Umgebung und Motor, die angesaugte Luftmasse pro Zeiteinheit, der Ladedruck des Turboladers sowie alle übrigen Regelungs- und Steuerungsmechanismen eines modernen Motors. Aus diesen Daten und möglicherweise weiteren fest gespeicherten Informationen werden in der Folge die Ausgabeparameter festgelegt. In der Hauptsache sind dies die Einspritzmenge, der Einspritzzeitpunkt und möglicherweise auch der Zündzeitpunkt für jeden Zylinder. Mithilfe des Chiptunings können alle Arten von Verbrennungsmotoren, die eine elektronische Motorsteuerung aufweisen, modifiziert werden. Allerdings ist das Chiptuning am effektivsten bei Viertakt-Dieselmotoren mit Turbolader. Einige Spezialisten der Tuning-Branche können kurzfristige Leistungssteigerungen bis zu 44 Prozent der Seriendaten bewirken.

Eine Form des Chiptunings ist das so genannte Eco-Tuning. Bei dieser Form der Steigerung der Leistungsparameter steht im Gegensatz zum „normalen" Tuning die Minimierung des Verbrauchs im Mittelpunkt. Hierbei wird der reale Umstand ausgenutzt, dass die meisten Autofahrer das vorhandene Sparpotenzial ihres Wagens nicht ausnutzen. Hierbei wird während konstanter Fahrt die Einspritzmenge solange verringert, bis eine schwache und für den Fahrzeugführer nicht fühlbare Geschwindigkeitsreduktion stattfindet. Auf diese Weise wird der minimale Verbrauch für die jeweilige Fahrsituation erreicht. Der Fahrzeugführer erkauft sich den niedrigeren spezifischen Kraftstoffverbrauch allerdings ganz bewusst auf Kosten höherer Stickoxid-Emissionen (NOx), die in diesem Fall auch deutlich außerhalb der erlaubten Grenzwerte liegen können.

Chiptuning mit Tuningboxen

Zur Verbesserung der relevanten Leistungsparameter bietet der Handel oftmals auch die so genannten „Tuningboxen" an, deren Ein- und Ausbau mit wenigen Handgriffen durchgeführt werden kann. Im Gegensatz zur Beeinflussung der Motor-Software wird auf diese Weise lediglich die Leistungskraft der Hochdruck-Pumpe derart verändert, dass diese eher einen höheren Druck aufbaut. In aller Regel wird hierbei der maximale Druck um wenige Prozente erhöht. Dieses Verfahren bietet den großen Vorteil, dass mit dieser Methode die Software auf dem Steuergerät nicht verändert wird. Dadurch geht der Fahrzeughalten kein Risiko ein, dass das Steuergerät beschädigt wird. Das Software-Tuning wird bei fast jedem Servicebesuch in der Werkstatt gelöscht, da die Software des Steuergeräts bei jeder Inspektion nach Herstellervorgaben aktualisiert wird. Zweifellos können mit dem Software-Tuning verbesserte Leistungswerte erzielt werden, allerdings werden dem Steuergerät je nach Tuning von den Sensoren veränderte Messwerte vorgegeben. Dies kann im Einzelnen dazu führen, dass der Motor im Fall der Fälle nicht das Notprogramm aktiviert und ausgeht. Von seriösen Chiptunern werden hierbei wie mit dem Zusatzchip auch nur die Werte der Hochdruck-Pumpe verändert.

Beeinträchtigt das Chiptuning die Lebensdauer des Motors?

Die Haltbarkeit und Lebensdauer von Motor und Antrieb entsprechen bei einer professionellen Anpassung der Motorsteuerung in etwa den Serienwerten. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Mehrleistung nur in geringem Umfang genutzt wird. Klar ist: Je höher die Belastung, desto größer ist zwangsläufig der Verschleiß. Und dies führt unweigerlich zu einer deutlich kürzeren Lebenserwartung. Besonders moderne Turbodieselmotoren gestatten eine signifikante Leistungssteigerung. Dies ist unter anderem dadurch bedingt, dass die Leistungsgrenzen nicht wie beim Ottomotor gasdynamischer, sondern vor allem mechanischer Art sind. Somit kann fast bei jedem Turbodieselmotor die Leistung auf Kosten der Lebensdauer deutlich gesteigert werden. Allerdings wurden in Langzeitstudien im Hinblick auf das Chiptuning unabhängig von der Art des Kraftstoffs vermehrt Schäden am Turbolader beobachtet. Wie schon angesprochen, verändert ein seriöser Tuner mit seiner Software die Kennfelder der Motorsteuerung nur recht geringfügig, sodass hierbei keine Grenzwerte erreicht oder auch überschritten werden. Normalerweise verfügen solche Tuningbetriebe über einen Leistungsprüfstand, mit dessen Hilfe die Software auf das entsprechende Fahrzeug-Modell abgestimmt werden kann.

Rechtliche Vorgaben und Bestimmungen

Beim Chiptuning ist es wie bei zahlreichen baulichen Veränderungen an einem Kfz notwendig, eine Abnahme der Veränderung durch einen amtlich anerkannten Prüfer oder Sachverständigen bspw. des TÜVs oder der DEKRA durchführen zu lassen. Darüber hinaus muss eine entsprechende Änderung der Zulassungsbescheinigung Teil I und II angestrebt werden, da ansonsten die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs ungültig wird und dieses nicht länger im öffentlichen Verkehrsraum bewegt werden darf. Aus diesem Grunde händigen seriöse Tuning-Firmen ein entsprechendes Teilegutachten zu ihren Modifikationen bei jedem ausgeführten Auftrag mit aus. Diese Gutachten werden von weniger seriösen Chiptunern, die gemäß § 19 StVZO nach der Maßnahme zwangsläufig erforderlich sind, gar nicht oder allenfalls verbunden mit hohen Zusatzkosten herausgegeben. Eine ganze Reihe von unseriösen Tuning-Betrieben macht sogar damit Werbung, dass ihre Veränderungen bei den fälligen Inspektionen nicht nachweisbar seien und dass daher eine entsprechende Begutachtung nicht notwendig sei.

Allerdings werden in aller Regel schon bei einer Abgasmessung, die ein Teil der Hauptuntersuchung ist, modifizierte Fahrzeuge mit Motorsteuerungssoftware als solche identifiziert. Und wenn in einem solchen Falle kein Eintrag nach § 22 StVZO vorliegt, ist die Betriebserlaubnis ungültig. Das Fahren ohne Betriebserlaubnis wird demgemäß als Ordnungswidrigkeit mit Punkten in Flensburg und mit Geldbuße bestraft. Auch kann die Weiterfahrt nicht mehr gestattet werden. Darüber hinaus kann der Versicherungsschutz durch nicht von Sachverständigen abgenommene Veränderungen am Wagen erlöschen. Vor jeder Veränderung technischer Parameter sollte geprüft werden, ob eine Abnahme erforderlich ist.

Auch die Herstellergarantie kann verfallen

Die Garantie des Herstellers, die sich auf ein entsprechendes Fahrzeug bezieht, kann auch bei seriösem Chiptuning, das ordnungsgemäß gemäß StVZO eingetragen und abgenommen ist, erlöschen, wenn dies nicht gesondert autorisiert ist. Allerdings kann der Produzent des Wagens den Anspruch des Kunden auf Gewährleistung nicht zurückweisen, wenn Teile schadhaft sind, die von dem Tuning unabhängig sind. Ein Hersteller kann zwar beispielsweise verweigern, einen defekten Motor bei einem getunten Fahrzeug auf Garantie zu regulieren, allerdings muss er einen mangelhaften Scheibenwischer in Gang setzen. Manche Chiptuner der seriöseren Art übernehmen bei Neufahrzeugen für betroffene Bauteile die Garantie, um auf diese Weise diesen Nachteil für den Kunden aus dem Wege zu räumen. Wenn dies nicht der Fall ist, kann der Fahrzeughalter bei Schäden am Motor oder am Antriebsstrang oft weder gegen den Chiptuner noch gegen den Produzenten Ansprüche erheben. Rechtlich betrachtet kann die Gewährleistung über die Arbeit, die beim Chiptuning verrichtet wurde, nur das Tuning an sich umfassen, allerdings nicht für der vom Hersteller stammende Garantieanspruch für Motor oder Getriebe. Die freiwillig angebotenen Garantien variieren von Tuner zu Tuner und führen normalerweise zu einem höheren Kaufpreis.

Mögliche Nachteile des Chiptunings

Die Produzenten von Motoren ermitteln durch langwierige und aufwendige Testreihen die optimalen Standardkennzahlen der Antriebsaggregate. Es ist sicherlich nicht im Interesse der Hersteller, die Motoren mit ungünstigen Einstellungen zu versehen und sie auf diese Weise unter ihrem tatsächlichen Potenzial laufen zu lassen. Damit bewirkt eine Steigerung der Leistung durch Tuning-Betriebe Ergebnisse, die vom ursprünglichen Produzenten bewusst vermieden wurden. Diese können ein hoher Verschleiß, eine niedrigere Lebensdauer und schlechtere Abgaswerte sein. Häufig bleibt auch der durch das Chiptuning zugesagte Minderverbrauch aus. In Einzelfällen kommt es sogar zu einem höheren Verbrauch durch die angesprochenen Maßnahmen. Der Fahrzeughalter geht beim Chiptuning durch unseriöse Anbieter das Risiko des Missbrauchs ein. Beispielsweise können die Funktionen des Bordcomputers wie die Anzeige der Verbrauchswerte elektronisch manipuliert werden. Hierdurch werden günstigere Ergebnisse zwar suggeriert, aber nicht wirklich erreicht. Durch Tuning-Eingriffe kann bei Turbodieselmotoren der Ausstoß von Rußpartikeln deutlich ansteigen. Dies macht sich besonders beim Beschleunigen des Fahrzeugs bemerkbar. Auch kommt es durch die höheren Abgastemperaturen zu einer schnelleren Alterung des Partikel-Filters und des Katalysators. Diese können funktionsuntüchtig werden und bleiben es, auch nach dem das Chiptuning entfernt wurde.

Chiptuning ist eine durchaus geeignete Maßnahme, die Leistungswerte des eigenen Fahrzeugs zu steigern, sollte allerdings nur von seriösen Anbietern durchgeführt werden.

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