Chiptuning IAT-Sensor

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IAT Sensor Chiptuning Resistor Tuning

Bis zu 20 PS Mehrleistung, bis zu 5% höhere Endgeschwindigkeit, Eintragungsfrei, leicht zu montieren."

Hier sollten die ersten Alarmglocken schrillen. Ein Tuning, das 20 PS Mehrleistung bringt, ist in JEDEM FALL eintragungspflichtig.

Doch gehen wir die Sache systematisch an.

1.) Was wird gemacht?

Es wird ein Tuning am IAT Sensor durchgeführt.

2.) Was macht der IAT Sensor?

Der IAT Sensor misst die Temperatur der angesaugten Luft. Dies ist nötig, da die Dichte der Luft, und damit der Sauerstoffgehalt von der Temperatur abhängig sind. Der IAT Sensor ist also wichtig für die Gemischbildung und die Berechnung der eingespritzten Kraftstoffmenge.

3.) Was wird getunt?

In der Regel wird ein Widerstand, mehr oder weniger hübsch verpackt, zwischen den Sensor und das Steuergerät geklemmt. Dieser Widerstand verändert gemäß den ohmschen Gesetzen die Messspannung, welche der Sensor an das Steuergerät sendet.

4.) Was kostet dieses Tuning real?

Auf den großen bekannten Auktionsplattformen werden solche "Tuningkits" zwischen 10 und 30 Euro vertrieben. Der reale Gegenwert beträgt dagegen, je nach Quelle, zwischen wenigen Cent und 1 Euro.

5.) Was passiert im Steuergerät und im Motor?

Dem Steuergerät wird auf diese Weise vorgegaukelt, dass die angesaugte Luft kälter ist, als sie es tatsächlich ist. Das Steuergerät ist der Meinung, dass die Dichte der Luft höher ist, und spritzt mehr Kraftstoff ein. Das Gemisch, welches der Motor erhält, wird also angefettet. Dies führt zur so genannten FETTEN Verbrennung, diese liefert in der Tat minimal mehr Motorleistung als die so genannte stöchiometrische Verbrennung. Durch die sonstige Regeltechnik, die in modernen PKW verbaut ist, wird dieser Effekt jedoch stark minimiert (Lambda).

5.) Was sind die Folgen für die Abgaswerte?

Da die Verbrennung nun fett ist, wird der Ausstoß an Schadstoffen z.T. massiv erhöht. Bei der stöchiometischen Verbrennung entstehen gerade so viele oxidierende und reduzierende Schadstoffe, dass diese miteinander am Katalysator abreagieren und der Schadstoffausstoss des Fahrzeugs minimiert wird. Bei der fetten Verbrennung entsteht jedoch vermehrt Kohlenmonoxid (giftig!) und es bleiben unverbrannte Kohlenwasserstoffe übrig. Der Gehalt an Stickoxiden sinkt jedoch stark ab.

6.) Was bedeutet das für das Auto?

Folgendes kann in der Folge passieren. Insbesondere im Kurzstreckenbetrieb ist der Eintrag von Kraftstoff ins Öl nochmals verstärkt (Nur Benziner!). Das Öl verliert seine Funktionalität schneller, es besteht eine deutlich höhere Gefahr, dass der Schmierfilm reißt und ein Motorschaden die Folge ist. Weiterhin wird der Kat permanent mit unverbrannten Kohlenwasserstoffen gesättigt. Dies bedeutet, das der Katalysator deutlich heißer wird, als vom Hersteller beabsichtigt, und dadurch einen Schaden nehmen kann. Spätestens bei der nächsten oder übernächsten AU, bei der ein neuer Katalysator fällig ist, war dieses Tuning NICHT mehr billig. (Katalysatoren liegen zwischen 300 und 1000 Euro).

7.) Wie viel Tuningeffekt ist nun da?!

Als Fahrer eines solchermaßen modifizierten Autos wird man wahrscheinlich im unteren und mittleren Drehzahlbereich ein besseres anziehen des Fahrzeuges bemerken. Die Spitzenleistung wird sich dagegen nicht in einem größeren Maße verändern. Auch eine deutliche Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit ist meiner Meinung nach nicht zu erwarten.

8.) Welche Folgen hat dieses Tuning für den Halter?

Als erstes ist es so, das ein Tuning, das real eine Mehrleistung von z.B. 20 PS liefert anzeigepflichtig und damit auch eintragungspflichtig (alternativ mit einer ABE versehen) ist. Kommt man dieser Pflicht nicht nach, erlöschen die Betriebserlaubnis und der Versicherungsschutz des Fahrzeuges. Wird man mit einer solchen Modifikation erwischt, kommen neben einem Fahrverbot und mind. 4 Punkten auch geschätzt 800 Euro (aufwärts) an Kosten auf einen zu. Im Falle eines Unfalls, wird die eigene Versicherung den Fahrzeughalter in Regress nehmen. Das heißt die Kosten für den Schaden werden von der Versicherung komplett oder anteilig vom Fahrzeughalter zurückgefordert. Eine Sache die insbesondere bei Personenschäden immens teuer werden kann.
Weiterhin wurde mit Vorsatz der Schadstoffausstoss des Fahrzeuges verändert. Dies ist ebenfalls nicht zulässig. Auch hier erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeuges, sowie etwaige steuerliche Vorteile hinfällig sind. Bis heute ist es jedoch nicht eindeutig geklärt, ob es sich bei dieser Sache um Steuerhinterziehung handelt. Jedoch würde Ich persönlich jedem dazu raten, es als mögliche Steuerhinterziehung zu betrachten, da es keinen unangenehmeren Feind gibt als das Finanzamt. Ich möchte jedenfalls NICHT die Person sein, bei welcher das Finanzamt ausprobiert, um WELCHES Vergehen es sich hier handelt.

9.)  Was ist ein Resistor?

Nichts anderes als ein normaler Widerstand.


Fazit :

Finger weg von solchen Tuningmaßnahmen. Die rechtlichen und technischen Folgen sind zu gravierend, um ignoriert zu werden. Dieses Tuning ist nicht billig, da man neben Strafen auch jegliche existierende Garantie/Gewährleistungsansprüche verliert. Der Gang zu einem seriösen Chip/ODB-Tuner ist unterm Strich garantiert günstiger und man ist dank ABE/Begutachtung und Eintragung stets auf der rechtlich sicheren Seite.

Kester

Auch nachzulesen auf der Seite von motortalk

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