Chinesische Gitarren -> Finger weg von Fantasiemarken

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Was an einer Billiggitarre alles schlecht sein kann und was von chinesischen Billiggitarren zu halten ist.

China ist auch im Gitarrenbau eine aufstrebende Nation. Namhafte Hersteller und Vertriebe aus aller Welt lassen ihre Billigreihen dort produzieren. Dabei versuchen sie, möglichst knapp über der Grenze zwischen einem unbrauchbaren Stück Holz und einer brauchbaren Anfängergitarre zu produzieren.

Bekannte Hersteller wie Fender können es sich nicht erlauben, das Image ihrer Billigmarken (hier Squier) zu verderben. Zuviel Aufwand haben sie in den Markennamen gesteckt. Also achtet ihre Qualitätskontrolle auf genügende Brauchbarkeit.

Die Billigmarken der großen Hersteller werden im Wesentlichen über den Fachhandel vertrieben. Ein Fachhändler wird immer daran interessiert sein, dass seine Kunden wiederkommen. Von dem Instrumentenverkauf alleine kann er nicht leben, zumal nur etwa 10% der Bevölkerung überhaupt musizieren. Er will auch Saiten, Plekten, Reinigungsmittel, Noten, Koffer, Zweit- und Drittgitarren und anderes Zeug verkaufen. Er wird also nur Ware in seinen Ausstellungsraum stellen, von der er annehmen kann, dass sie den Kunden im Verhältnis zum Preis zufrieden stellt.

Auf ebay tummeln sich dutzende von Instrumentenmarken, die allesamt phantasievoll an bekannte Namen angelehnt sind. (So dass ein wenig erfahrener Gitarrist schnell mal versehentlich ein scheinbares Schnäppchen statt eines Markenproduktes kaufen könnte.)

Diese Instrumente werden offenbar nur für den Internetmarkt hergestellt bzw. nur dafür von deutschen Vertrieben erworben. Man sollte sich fragen, warum KEIN EINZIGER Fachhändler diese Marken führt, obwohl sich bei dem Preis sicher was absetzen ließe!

Diese Fantasiemarken können, sobald sie verdorben sind, schnell durch neue ersetzt werden. Es soll kein zuverlässiger Markenname aufgebaut werden. Stattdessen wird eine Politik der verbrannten Erde betrieben.

Einem Anfänger fällt es schwer, sich vorzustellen, was an einem billigen Instrument schlechter sein soll als an einem preiswerten. Auf den Fotos sehen die Dinger alle gut aus. Selbst wenn man sie in Händen hält, wird man auf den ersten Blick nichts Anstößiges finden.

Deshalb für den Anfänger hier mal aufgezählt, was an einer Billiggitarre alles nicht stimmen kann. Denn für  40,- oder 70,- Euro bauen auch die Chinesen keine ordentlichen Gitarren. (Die Liste ist natürlich nicht komplett)

- Bundreinheit/Abrichtung der Bünde: Dank moderner CNC-Maschinen meistens ganz ordentlich. (Hier könnte man ins Detail gehen, aber da schneiden doppelt und dreifach so teure Gitarren auch nicht besser ab)

- Holz (1): Natürlich geht niemand davon aus, dass gute Klanghölzer verbaut werden. Gutes (nicht etwa sehr gutes) Klangholz für eine Gitarre kostet auch den Großabnehmer noch etwa 40,-€, also so viel, wie eine ganze China-Billiggitarre.

Es werden Sperrhölzer verbaut. Was nicht schlimm ist, das hat man früher bei Anfängergitarren auch schon gemacht. Tatsächlich kommt es aber auch bei Sperrhölzer auf die Verarbeitung, also das Wissen und Können des Gitarrenbauers an. Ein guter Gitarrenbauer kann auch aus Sperrholz was rausholen. Die chinesischen Billigteile sind aber, was Schwingungsfähigkeit der Decke etc. betrifft, wirklich unter aller sau.

Es gibt viele Anfänger (und besonders Eltern), die sagen, auf den Klang kommt es nicht an, lerne erstmal spielen! Diese Ansicht ist erschreckend verbreitet, vor allem, wenn man bedenkt, dass es ja gerade TON ist, den man als Musiker erzeugt. Doch selbst wenn man diese Ansicht teilt, sollte man bedenken, dass die schlecht schwingenden Decken von miesen Gitarren keine Spieldynamik widerspiegeln. Der Schüler, der von solch einer Billiggitarre zu einer besseren Aufsteigt, wird zunächst schlechter klingen, weil nun ein Teil des Anschlages rüberkommt, den er vorher mangels Hörbarkeit nicht trainiert hatte.

Holz (2): Holz arbeitet. Deshalb wird das Holz, das in Gitarren verarbeitet wird getrocknet. Bei guten Gitarren geschieht dies durch lange Lagerung (bis zu 50 Jahren!). Bei preiswerteren wird das Holz in Klimakammern getrocknet. Dabei bleibt das Holz über Monate in der Klimakammer. Dass das im Preis einer 40,-€-Gitarre nicht drin ist, dürfte wohl klar sein. Also wird nicht ausreichend getrocknetes Holz verwendet. Die Folge: Der Hals oder die Decke verzieht sich. Wenn man in den verschiedenen Gitarrenforen nachliest, geschieht dies bereits nach 2 Monaten. Damit ist die Gitarre endgültig kaputt. 2 Monate scheinen hier die Standardselbstzerstörungszeit für diese Gitarren zu sein. (siehe auch den Punkt Service)

- Service: Nach allem, was man in den einschlägigen Foren liest, verweigern die Anbieter der China-Billiggitarren jeglichen Service. Ersatz wird zwar noch auf Anfrage versprochen, trifft jedoch nie ein. Bisher hat wohl auch noch kein Kunde das Klagerisiko auf sich genommen, jedenfalls nicht soweit ich rauskriegen konnte. Das Prozessrisiko ist bei einem Streitwert von 40,-€ wohl zu groß.

- Mechaniken: Vielleicht der wichtigste Punkt. Gute Mechaniken kosten ca. 50€, Preiswerte immer noch 30,- €, also mehr oder fast so viel wie eine Chinabilliggitarre. Schlechte Mechaniken halten die Stimmung nicht, lassen sich nur schwer drehen und springen beim Aufwickeln.

Eine Gitarre zu stimmen, ist für den Anfänger eine der größten Hürden. Mit miesen Mechaniken wird der Anfänger nie wissen, ob er untalentiert ist oder ob die Mechanik schlecht ist. Und eine Gitarre, die sich schon beim ersten Lied wieder verstimmt, macht nicht nur keinen Spaß, sie verdirbt auch das Gehör. Die beste Methode, einem Anfänger ein frustrierendes Erlebnis zu verschaffen und ihn sein Leben lang glauben zu lassen, dass er unfähig sei.

- Bei Elektrogitarren kommen noch Tonabnehmer dazu, die, wenn sie gut sein sollen, auch schon einzeln mehr kosten als die ganze Billiggitarre. Außerdem eventuell ein Vibrato-System, dass in schlechter Version die Gitarre erheblich verstimmen kann.

- vieles wäre noch zu erwähnen: Schlecht abgerichtete, klemmende Sättel, Grat, der die Saiten reißen lässt, Stege, die sich ablösen (ca. 70kg Zug bei einer Westergitarre!) etc. etc. Dazu reicht der Platz hier nicht.

Fazit: Also lautet die Empfehlung: Finger weg von Billiggitarren (alles unter 120,-€ ist auf jeden Fall verdächtig). Finger weg, von Marken, die man nicht kennt, auch wenn die so ähnlich klingen wie…
Der Kauf einer Gitarre bei ebay empfiehlt sich ohnehin nur für erfahrene Käufer, die den Wert eines Instrumentes einschätzten können und in der Lage sind, mögliche Mängel sofort zu finden und zu benennen. (Mit „irgendwie klingt das nicht“ läst sich kein Instrument reklamieren).
Wer es trotzdem nicht lassen kann, sollte sich wenigstes in den einschlägigen Foren informieren oder eine Musikerzeitschrift oder noch besser einen Freund zu Rate ziehen.







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