China Quad ATV Buggy

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In vielen Foren und auch hier bei Ebay wird das Schlagwort "China-Schrott" gerne und oft verwendet, ohne dass vermutlich irgendjemand genau weiss, was damit gemeint ist. Ich schreibe hier als Privatmann, habe aber beruflich seid über 20 Jahren mit Herstellern unterschiedlicher Branchen in Asien direkt zu tun.

Nach meiner Meinung glauben zu viele Personen (Privatleute sowie Firmen), dass nur weil es in dieser globalisierten Welt einfacher geworden ist, Produkte auf Knopfdruck rund um den Globus zu handeln, man damit auch Geld verdeinen könnte. Ebenso fehlt es an Verständnis bei vielen Abnehmern in Europa, wie die Hersteller in China "ticken". Mehr als 75% der Chinesischen Firmen die eine englische Homepage haben, stellen dass beworbene Produkte nicht selbst her, sondern montieren es höchstens. Die Arbeitsteilung in der chin. Wirtschaft geht oft sehr viel weiter als in Deutschland. Ausserdem ist Serienfertigung bei Fahrzeugen der hier besprochenen Art eher selten, da der Arbeitslohn in Relation zum Weltmarktpreis immer noch sehr niedrig ist. Daher werden viele Teile in Einzelhandarbeit hergestellt, die dann oft nur zu einem individuellen Fahrzeug passen - weil dafür angefertigt - nicht aber an ein baugleiches Fahrzeug. Echte Großserienhersteller mit westlicher Qualität gibt es China eher wenige und die die es gibt produzieren für die japanischen Hersteller und konzentrieren sich eher weniger auf eine eigene Marke. Das Gros der Angebote im Noname Bereich kommt von Firmen die mit einer scheinbar großen Modellpalette Unternehmensgröße suggerieren, de facto aber höchstens 20 oder 30 Fahrzeuge pro Tag herstellen und fast immer auftragsbezogen fertigen. Es wird also nicht ein Fahrzeug permanent hergestellt, sondern nur dann wenn ein Kunde das Modell bestellt. Eine kontinuierliche Qualitätskontrolle und Weiterentwicklung ist demnach gar nicht möglich.

Der Grund warum aber nun viele Kunden in Europa mit der Qualität der Fahrzeuge unzufrieden sind, ist das mangelnde Verständnis über die Kultur chin. Fabriken in Europa. Die Homepage - auch eines größeren chin. Herstellers - muss man eher als Vorschlag interpretieren, als eine Art Bewerbungsmappe der Fabrik an den Kunden in Europa. Mit dieser Visitenkarte bewirbt sich die Fabrik um die Zusammenarbeit mit einem Kunden. In einem erst danach beginnenden Prozess wird ergründet, was der Kunde überhaupt möchte und welches Qualitätsniveau gewünscht wird.

Nach meiner Erfahrung wissen die Hersteller sehr genau welches Qualitätsniveau das Fahrzeug hat, das sie verkaufen. Eine chin. Fabrik wird niemals jahrelang - wie z.B. eine deutsche Fabrik es auch ohne einen konkreten Kunden tun würde - irgendetwas entwickeln, verbessern und optimieren ohne eine Kunden zu haben, der den Prozess gegleitet bzw. anstösst. Ein Fahrzeug bei dem der Motor anspringt und mit dem man eine Runde "um den Block" fahren kann, reicht erstmal als Visitenkarte. Da sich eine chin. Fabrik nicht anmasst zu wissen was der jeweilige Kunde aus dem jeweiligen Land haben möchte, wird auch erstmal und das absolut Nötigste entwickelt.

Warum werden dann trotzdem solche Fahrzeuge verkauft ?  Chin. Fabriken sind auch pragmatisch. Wenn sich ein Kunde auf Grund eines online Angebots für ein Produkt entscheidet, wird man es dem Kunden sicherlich nicht ausreden. Kleinere Importeure die sich zu Beginn der Quad-ATV Welle 10 oder 20 Fahrzeuge importiert haben, um sich schnell was dazu zu verdienen waren sehr oft Firmen die sonst keinerlei Berufserfahrung auf dem Gebiet hatten. Dies kann man auch heute noch bei Ebay gut sehen, wenn man sich mal die Bewertungen von Verkäufern solcher China-Fahrzeuge ansieht.. Die Produktpalette der Verkäufer der letzten Monate reicht dort von Handtaschen, Jeans, Surfbretter bis zu anderen Lifestyle Produkten wie motorisierte Skateboards. Besucht man die Shops solcher Anbieter 3 Monate darauf nochmal, schubs wieder alles andere Produkte...

Solche Anbieter könnten sicherlich Qualitätsprodukte anbieten, haben aber nicht das Know-How. die Zeit und die Erfahrung, um mit einem Hersteller in China dies über Monate oder Jahre zu erarbeiten.

Als Fazit zum Thema "China-Schrott" kann ich zusammenfassen:  Chin. Fabriken können Topqualität anbieten, wie in jedem anderen Land der Erde auch. Egal ob Mercedes S-Klasse, Audi A6, Apple Ipod, Suzuki, Kawasaki und Co. alle Top-Marken der Welt werden mittlerweile ganz oder zum Teil in China hergestellt. Der große Unterschied zu z.B. Deutschland ist aber, dass der Kunde die Qualität festlegt und nicht die Fabrik. Branchenfremde und Privat/Kleinimporteure haben aber auch in China wegen zu kleiner Stückzahlen kaum die Möglichkeit sich ein Produkt optimieren zu lassen. Wer dann trotzdem - des niedrigen Preises wegen - das Schnäppchenangebot kauft hat es dann leider auch nicht besser verdient, denn er bekam wofür er bezahlt hat. Passgenauigkeit, Ersatzteilversorgung, Qualitätskontrolle etc.. kosten auch in China Geld. Ich kenne Hersteller die bis zu 50% der Zulieferteile von Vorlieferanten aussondern und zurückgehen lassen wegen z.B. nicht eingehaltener Fertigungstoleranzen oder Abweichungen in der Materialhärte. Es gibt aber auch Hersteller die diese Teile dann trotzdem verbauen. Deren Kunden dürfen sich dann aber nicht wundern, wenn Vorder und Hinterräder in unterschiedliche Richtungen zeigen, Bremsen nicht funktionieren etc....

China bietet auch kleinen bis mittleren Herstellern die Möglichkeit Topqualität in kurzer Entwicklungszeit anzubieten, aber Wunder werden auch hier nicht vollbracht. In Deutschland wird bei Qualitätsproblemen die Schuld gerne auf den Hersteller geschoben. Bei Fahrzeugen aus China gilt aber meiner Ansicht nach, der Importeur ist Schuld, denn er kauft in den allermeisten Fällen Fahrzeuge ein, deren Qulität er mit der Fabrik nicht verhandelt hat.

Die "Geiz-ist-Geil / Ich bin doch nicht Blöd " Mentalität nutzen die Firmen in China natürlich auch gerne aus. In aller Regel macht die kleinste und unprofessionellste Fabrik immer das beste Angebot. Wer das dann nicht genau "lesen" kann, wird zwangsweise Geld verlieren wenn er die Fahrzeuge in Europa mit Gewährleistung verkauft.

Mein Rat wäre demnach sich den Verkäufer eines Produktes sehr genau anzusehen. Wenn das virtuelle wie auch reale Bild den Verkäufer als Fachmann ausweist, der sich einem Produkt mit seiner Existenz verschrieben hat (und nicht auch nebenbei noch Wärmedecken, Konzerttickets und TerraCotta Übertöpfe anbieten) wird man idR in guten Händen. Gibt es eine Homepage mit Ansprechpartnern für den Service, werden Produkte konsequent weiterentwickelt, gibt es eine Produktepalette oder nur ein Fahrzeug im Angebot können weitere Kriterien sein.

Wer dann trotzdem durch Eigenimport nochmal 20% sparen will, pardon, hat es wirklich nicht anders verdient !

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