Chilipflanzen züchten und weiterverarbeiten: 10 Tipps & Tricks

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Chilipflanzen züchten und weiterverarbeiten: 10 Tipps & Tricks

Ursprünglich nicht in unseren Gefilden heimisch, hat die Chilipflanze doch einen Siegeszug durch europäische Gärten und Küchen angetreten. Die meisten Chilis zählen zur Gattung Capsicum annuum. Die Sorte Anaheim erfreut sich großer Beliebtheit im US-Staat New Mexico. Sie ist länglich und geht im grünen Zustand in die Weiterverarbeitung. Die Cayenne-Chilischote ist eine der bekanntesten. Sie kommt aus Mexiko. Jalapeños kennen Freunde der mexikanischen Küche gut. Ihre Ernte erfolgt, wenn sie noch grün sind. Liebhaber essen sie paniert, frittiert oder gefüllt. Zu der Gattung der Capsicum chinense gehören die berüchtigten Habaneros, die es als mexikanische und karibische Züchtung gibt. Diese Chilis sind extrem scharf. Ihre Schärfe toppt nur der indische Cousin Bhut Jolokia, auch bekannt unter dem Namen Naga Jolokia. Seit 2006 hält dieser Chili den Schärferekord. Für Freunde der scharfen Küche gibt es die Möglichkeit, die heißen Früchte selbst zu kultivieren und beim Kochen nach Gutdünken einzusetzen. Mit ein paar Tipps und Tricks wachsen Chilipflanzen auch auf dem heimischen Balkon.

Sie beginnen Ihre Chilizucht im besten Fall in den Monaten Januar und Februar. Denn die Chilifrüchte wachsen und reifen nur langsam. Sorten, die der Gattung Capsicum chinense angehören, brauchen 120 Tage. Chilis der Gattung Capsicum annuum benötigen dagegen nur 60 Tage.

Chilisamen zum Keimen bringen

Bevor die Chilipflanzen wachsen und gedeihen, liegt das härteste Stück Arbeit noch vor Ihnen: Die Chilisamen zum Keimen bringen. Bei ihnen verhält es sich ähnlich wie bei den Samen des Baobabs, die erst keimen, nachdem ein Elefant sie gegessen und ausgeschieden hat. Wild wachsende Chilisamen gehen erst durch den Magen von Vögeln. Die harte Samenschale wird im Darmtrakt des Vogels weich. Mit dem zum Keimen bereiten Samen scheidet der Vogel außerdem ausreichend Stickstoffdünger, der das Wachstum der Saat begünstigt, mit aus. In der Sonora-Wüste in Mexiko ist das bei der Sorte Chiltepin, einer wild wachsenden Urform des Chili, zu beobachten. Die Vögel fressen die roten Beeren und setzen sich auf die Mesquite-Bäume, in deren Schatten die Samen die optimalen Verhältnisse antreffen, um zu wachsen.

Chilisamen in Kamillentee einweichen

Eine Möglichkeit ist, dass Sie die Chilisamen in die leicht angefeuchtete Anzuchterde stecken und sie ein bis zwei Wochen keimen lassen. Die Töpfchen mit Klarsichtfolie abzudecken, sorgt zusätzlich für ein feuchtes Klima, das den Chilis sehr behagt. Die Keimzeit verringert sich, wenn Sie die Saat zuvor in einem Glas 20 Grad warmem Kamillentee 24 Stunden einweichen. Der Kamillentee erwirkt dasselbe wie die Darmsäfte der mexikanischen Vögel und schafft optimale Voraussetzungen für das Wachstum der Chilipflanzen.

Im Mini-Gewächshaus ziehen

Ob mit oder ohne Vorbehandlung in Kamillentee ist es erforderlich, dass Sie die Anzuchterde konstant bei 27 bis 32 Grad Celsius halten. Hierbei greifen Sie entweder zu einer beheizten Anzuchtbox oder zu einem Mini-Gewächshaus, das eine darunterliegende Heizmatte beheizt. Die Feuchtigkeit der Anzuchterde ist ein weiterer wichtiger Faktor bei der Zucht der Chilipflänzchen. Zu große und konstante Nässe hemmt die Keimbildung und fördert die Schimmelbildung. Gelingt Ihnen die erste Phase, sind schon nach einer Woche Blätter zu sehen. Die Sorte Bhut Jolokia fordert jedoch Ihre Geduld. Bis zu 36 Tage dauert die Keimung dieser extrem scharfen Chili. Versuchen Sie sich zum ersten Mal an der Chilizucht, probieren Sie Ihre Hobbygärtnerkünste besser erst an anderen Sorten aus.

Mit einer Leuchtstoffröhre nachhelfen

Oft reicht der Sonnenschein der trüben Wintermonate nicht aus, um die kleinen Pflänzchen mit Licht zu versorgen. Es ist daher empfehlenswert, dass Sie mit künstlichem Licht nachhelfen. Mithilfe einer Leuchtstoffröhre, die zwölf bis 14 Stunden in einem Abstand von 20 Zentimetern in Betrieb ist, gedeihen die Chilipflanzen wunderbar. Kommen die ersten beiden echten Blätter nach den Keimblättern zum Vorschein, ist es Zeit, dass Sie die Pflänzchen pikieren beziehungsweise in einzelne, größere Töpfe umpflanzen. Für Chilipflanzen ist eine Mischung aus Torf, Kokosfaser, Kompost und drei bis fünf Millimeter großem Kies gut geeignet. Für gärtnerisch weniger versierte Züchter empfiehlt sich qualitativ hochwertige Blumenerde.

Das erste Umtopfen

Beim Umtopfen ziehen Sie die Chilipflänzchen erst vorsichtig aus ihren Aufzuchttöpfen und befreien sie behutsam von überschüssiger Erde. Die Wurzeln der Chilis sind besonders empfindlich. Beim Einpflanzen in den neuen Topf setzen Sie die Pflanze mit dem ganzen blattlosen Stiel ein. Für eine gute Wurzelentwicklung ist es wichtig, dass die Töpfe groß genug sind. Zwölf Zentimeter sind ausreichend. Zusätzlich ist es ratsam, Algensubstrat zuzuführen und die Erde sparsam mit einem Flüssigdünger zu behandeln.

Die richtige Pflege für Chilipflanzen

Topfen Sie die Chilipflanzen in große Kübel um, die zwölf bis 25 Liter fassen, sobald die frostfreie Zeit im Mai beginnt. Ein Standort auf Ihrem Balkon ist für sie kein Problem, wenn die Pflanzen dort genügend Sonneneinstrahlung haben und nicht direkt im Regen stehen. Zu starke Sonne ist jedoch gerade für Jungpflanzen ungeeignet, da sie die Blätter leicht verbrennt. Der Vorteil des Balkons ist, dass Sie den Kübel einfach in die Wohnung bringen, wenn die Temperaturen unerwartet sinken. Die Chilipflanzen brauchen nicht extrem viel Wasser. Es genügt, wenn Sie einmal am Tag gießen. Steht das Wasser zu lange im Kübel, drohen die Wurzeln zu faulen. Daher ist die Chilipflanze vor extremem Regen zu schützen. Dünger ist ebenfalls nur wenig anzuwenden. Nach zwei Monaten lohnt es sich jedoch, wenn Sie die Erde mit Phosphor- und Kalidünger anreichern, da sie die Blütenbildung unterstützen.

Zur richtigen Zeit ernten

Nach etwa 60 Tagen ist die Erntezeit gekommen. Im August und September bis in den November hinein ernten Sie Ihr kostbares Gut. Da es in diesen Monaten jedoch draußen schon kalt wird, empfiehlt es sich, dass Sie auch schon unreife Chilischoten pflücken. Sie vollenden drinnen ihre Reife neben Obst und Gemüse. Auch schon vor der kalten Jahreszeit ist es ratsam, die Früchte zu ernten, die sich langsam rot verfärben. Je früher eine annähernd reife Schote nicht mehr am Stock hängt, desto eher entwickeln sich neue Blüten und daraus erneut Chilis. So ist Ihre Chiliernte noch reicher. Ist der letzte Chili reif und die Jahreszeiten schon fortgeschritten, entfernen Sie die Blätter zum großen Teil. Das Winterquartier der Chilipflanze ist hell und mit 15 bis 18 Grad Celsius nicht zu kalt und nicht zu warm. Im März des darauffolgenden Jahres schneiden Sie die Chilipflanze zurück, um den Blattwuchs anzuregen. Im Mai trägt sie dann schon wieder einige Blätter.

Den besten Chili kochen

Für einen guten Chili gibt es viele Rezepte. Mit Ihren eigenen geernteten Chilischoten lässt sich ein leckerer Chili herstellen. Basis bieten dafür die Zutaten Hackfleisch, Chilibohnen, Tomatenpüree, Zwiebeln, Knoblauch und Crème fraîche. Sie braten dafür das Hackfleisch mit den Zwiebelwürfeln an. Sie geben die Chilibohnen, das Tomatenpüree und den Knoblauch hinzu. Das Gemisch schmecken Sie mit den Gewürzen Salz, Pfeffer, Thymian, Currypulver, Paprikapulver und Kümmel ab. Nach einmaligem Aufkochen geben Sie gehackte frische oder getrocknete Chilischoten hinzu. Der Chili kocht dann noch einmal 15 Minuten. Mit Crème fraîche stellen Sie die gewünschte Schärfe ein.

Freunde der Chilischote

Ein traditioneller Begleiter der Chilischote in mexikanischen und amerikanischen Gerichten ist die Tomatillo. Die Frucht ist meist grün. Daher ist die Verwechslungsgefahr mit grünen Tomaten recht hoch. Doch die Tomatillos erinnern in ihrem Geschmack eher an Stachelbeeren und sehen von innen gar nicht wie Tomaten aus. Die für Europa ungewöhnliche Gemüsesorte ist sehr beliebt in Mexiko und den USA, wo sie in Eintöpfen, Suppen und Salsa zum Einsatz kommt. Eine schmackhafte Soße bekommen Sie schon, indem Sie die Tomatillos rösten, die gegarten Früchte pürieren und mit Chili, Knoblauch und einer Prise Salz abschmecken. Tomatillos lassen sich auch hierzulande auf dem Balkon anpflanzen. Ein weiterer unverzichtbarer Freund des Chili ist der Koriander. Das Gewürzkraut ist wichtiger Bestandteil der mexikanischen und amerikanischen Kochkunst. Das Korianderkraut bildet zusammen mit Limettensaft oder Ingwer das Sahnehäubchen für mexikanische und asiatische Würzmischungen, die bei Fischgerichten besonders zur Geltung kommen.

Hot Sauce herstellen

Die sogenannte Hot Sauce besteht aus verarbeiteten Chilischoten. Sie ist der ideale Begleiter für ein deftiges Barbecue, Fleisch und Fisch. Sie dient zur Veredelung von Salsas, Salatdressings und Dips. Ihr Einsatzbereich ist vielseitig. Die Eigenherstellung ist für Sie nicht kompliziert. Mit 500 Gramm frischen gehackten Chilischoten und 500 Milliliter destilliertem weißem Essig sowie zwei Teelöffeln Salz lässt sich eine fantastische Hot Sauce kreieren. Lassen Sie jedoch bei allen Herstellungsschritten höchste Vorsicht walten, da je nach Schärfegrad der Chilis das Schneiden und Einatmen der entstehenden Dämpfe schmerzvoll ist. Zuerst erhitzen Sie Essig und Chilis und geben das Salz hinzu. Die Mischung köchelt fünf Minuten, bevor Sie sie vom Herd nehmen. Mit einem Mixer pürieren Sie die abgekühlte Masse glatt, die anschließend im Kühlschrank zieht. Nach zwei Wochen lassen Sie sie durch ein Sieb laufen und geben eventuell noch einmal Essig hinzu.

Für einen karibischen Touch modifizieren Sie das Rezept mit Papaya und Tomate, die Sie mit Chili, Zwiebel und Knoblauch pürieren. In einem Topf erhitzen Sie Essig, Limettensaft und Wasser, wozu Sie Thymian, Basilikum, Muskat, Senf und Turmeric hinzugeben. Die gewürzte, heiße Flüssigkeit fügen Sie zu dem Püree und stellen die Mischung zum Abkühlen beiseite. Die entstandene Hot Sauce hält sich im Kühlschrank bis zu acht Wochen. Es gibt viele leckere Möglichkeiten, wie Sie Chilis weiterverarbeiten. Dabei tauchen Sie tief in die Kochkunst amerikanischer, asiatischer und afrikanischer Kulturen ein. Der Chili ist eine internationale Pflanze und ihre unterschiedlichen Verwendungsarten sind faszinierend. Beim Ausprobieren von Chiligerichten empfiehlt es sich, Joghurt, Sour Cream oder Crème fraîche in der Nähe zu haben, um unangenehmem Brennen Abhilfe zu schaffen.

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