CD-Player aus den 80ern und 90ern

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Sie haben genug vom Klang (...) Datenreduzierter Audioformate und möchten ein Gerät, welches nicht nur gut sondern echt, zumindest aber glaubhaft klingt und das Ambiente Ihres Wohnzimmers nicht durch ein minderwertiges Plast-Styling verschandelt?

Sie möchten es mit einem gebrauchten vorangeschrittenen Alters von EBAY versuchen - gut.  Meiner Erfahrung nach liegt der eingebaute Vorteil dieser Altgeräte darin, daß die Hersteller einem aus einer ausgereiften Magnetbandtechnik und der seinerzeit noch verbreiteten Schallplatte resultierenden Verbraucheranspruch gegenüberstanden. Bassgeblubber, penetrante Mitten und Höhengeklirre waren damals ebensowenig salonfähig, wie ein gilbfreudiges Plastgehäuse mit schnell abgewetzten Tasten (klar, Ramsch gab es damals auch schon).
Richten Sie sich aber besser darauf ein, das Gerät überholen zu lassen, selbst wenn es nach dem Auspacken schön spielt. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf der Linse der Lasereinheit herumreiten, die Sie übrigens wenn, dann NICHT mit Alkohol oder ähnlichen Zauberwässerchen reinigen! Sie besteht außer bei einigen gaaaanz alten Geräten aus Kunststoff, und sollen wir denn Kunststoff mit Alk reinigen? -Nein! Warum? -Alkohol entzieht dem Kunststoff Feuchtigkeit bzw. greift uU. die Oberfläche an, er wird spröde und die Linse trübt ein. Außerdem ist die Oberfläche der Linse beschichtet. Wie Linse und Beschichtung auf Chemikalien und Lösungsmittel reagieren, weiß eventuell noch der Hersteller, Sie können diese Frage und damit die der verbleibenden Lebenserwartung der Lasereinheit natürlich auch experiementell gleich an Ort und Stelle klären...

Hauchen Sie die Linse einfach an und polieren das Kondensat (also den Feuchtigkeitsniederschlag) mit einem Wattestäbchen vorsichtig ab. Evt. mehrfach wiederholen. Es funktioniert, Sie werden sehen. Die Linse ist allseitig beweglich, sozusagen schwimmend aufgehängt, seien Sie beim Polieren also vorsichtig.
Ein Vorgang übrigens, den Sie ruhig in regelmäßigen Abständen durchführen dürfen, je nach Aufstellungsort des Gerätes: Ist die besagte Linse verschmutzt, werden Sie es zunächst im Gegensatz zB. zu einem verschmutzten Tonkopf zunächst nicht bemerken. Zum einen erhöht das System die Laserleistung um den Schmutzfilm zu durchdringen (Thema Lebenserwartung...).
Zum anderen leidet das Gerät in diesem Falle unter seinem eigentlichen Vorteil gegenüber der Analogtechnik; der Fehlerkorrektur und Verdeckung. Es mag also durchaus schon zu Lesefehlern infolge einer Verschmutzung kommen. Solange sich diese Fehler aber im Toleranzbereich der Korrekturschaltungen bewegen - also 'weggerechnet' werden können - wird Ihnen der Zustand nicht auffallen.

Eines doch noch zur Lasereinheit: Die Lebenserwartung richtet sich nach der Qualität, auch der vorangegangen Pflege. Beides Dinge, welche man ihr nicht unbedingt ansieht. Die Teile können steinalt werden und müssen nicht nach 5 Jahren automatisch fällig sein. Ich habe ein Gerät Baujahr 1984, der ließt alles, außer CD-RW's. Egal, ob blaue, grüne oder schwarze Beschichtung, egal, ob 80 oder 90 Minuten CD. Man kann auch die WinXP-Installations CD damit abspielen, ist aber Geschmackssache.

Der meißt aufwendige, teils schon liebevoll gestaltete elektronische Teil dieser alten Schätzchen ist, soweit intakt, grundsätzlich wartungsfrei. Vielmehr Aufmerksamkeit erfordert die Mechanik, Stichwort Schmierstellen und teils Justage. Einige Geräte sind mechanisch so komplex, daß es des ServiceManuals bedarf, um mit der Zeit verlorengegangene Einstellungen zu korregieren und den richtigen Schmierstoff einzusetzen. Nachschmieren sollten man nicht blind, Schmierstoffe sind nicht beliebig untereinander mischbar, bestimmte Konstellationen vertragen sich nicht.

Ich möchte nicht denen im Net verfügbaren Anleitungen zur Selbstwartung dieser Geräte vorgreifen, nur ein Hinweis noch: Das Innenleben eines CD-Players ist wenig  benutzerfreundlich. Ohne das ServiceManual des Herstellers und Meßtechnik geht kaum etwas. Ein Multimeter aus dem Baumarkt wird nicht reichen. Es ist selten so, das bei der Veränderung einer elektronischen Einstellung der sofortige GAU eintritt, markieren sollte man die ursprüngliche Position schon.
Aber eines ganz klar: Finger weg von dem Einsteller für die Laserleistung (laser gain oder laser power). Bei einigen Geräten befindet sich der auf einer der verführerisch leicht zugänglichen Hauptplatinen (zB. HITACHI) oder ist auf dem Filmkabel zur Lasereinheit (zB. PIONEER) und darf nur genau nach Manual eingestellt werden. Meistens ist er aber an der Lasereinheit. Die nutzbare Kennlinie eines Lasers ist sehr schmal, ab einem bestimmten Punkt exponentiell, dh. steigt beinahe vertikal an. Wird der Laser dort betrieben, hat er's bald hinter sich.

Wenn etwas nicht mehr richtig funktioniert, neigt man gerne dazu den Laser zu verdächtigen; wohl eine intuitive Herleitung aus der Phono- und Magnetbandära. Allgemein betrachtet sind Lasereinheiten, Tonabnehmer und Tonköpfe schon vergleichbar; es sind Verschleißteile mit kontinuierlichem Wartungbedarf.

Bevor nun aber das Internet nach einer neuen Lasereinheit durchforstet wird, könnte man sich zunächst noch mit einigen anderen Ausfallklassikern befassen.
Gerne neigen thermisch aktive Bauteile zum Selbstauslöten, wohl ein von gewissen Herstellern nicht unbeabsichtigter Effekt: Entweder reißt irgendwann die Lötverbindung ab oder das Bauteil stirbt den Hitzetod. Schauen wir uns also die Leiterplatte(n) von unten an, vielleicht mit einer Lupe, und halten nach matschigen Lötstellen Ausschau. Meißt wird man bei den Leistungstransistoren der Fokus- und Trackingausgangsstufe schon fündig. Interessant sind auch nach außen gehende Steckbuchsen wenn diese direkt auf die Hauptplatine gelötet sind: Die hauchdünne Lötstelle einer Badlötung bricht schnell auf.

Ein weiterer Trick zur Verkürzung der Lebenserwartung eines Gerätes besteht darin, thermisch sensible Bauteile in unmittelbarer Nachbarschaft zu besagten Leistungstransistoren und auch Spannungsreglern zu plazieren. Vorallem Kondensatoren leiden mehr oder minder unter Wärme; sie trocknen aus, dh. der Elektrolyt verflüchtigt sich. Sollte kein Prüfgerät für derart gefährdete Sensibelchen verfügbar sein, können diese wegen meißt geringer Teilekosten im Vergleich zur Beschaffung eines Kapazitätsprüfers prophilaktisch getauscht werden.
Lassen Sie sich jetzt aber nicht nach Schlachtermanier "darf's ein bischen mehr sein?" zur Aufrüstung verleiten. Der Kapazitätswert sollte der gleiche bleiben, auch wenn einige 'Geisterbeschwörer' sündhaftteure Superkondensatoren mit exorbitanter Kapazität, Golddrähten und Platinelektroden anpreisen - glauben Sie mir: Das brauchen Sie nicht wirklich, dafür der High-End-Special-Shop Ihr Geld. Was neben der Spannungsfestigkeit wichtig ist, betrifft den Wert der zulässigen Umgebungstemperatur, in diesen beiden Parametern darf's sehr wohl ruhig ein bischen mehr sein. Kondensatoren mit einer Dauertemperaturbeständigkeit von 105 Grad C sind ohne weiteres zu beziehen.

Das waren nun einige Tips zur Selbsthilfe, welche mit beinahe  haushaltsüblichem Equipment realisiert werden können. Eines noch hierzu: wie bereits erwähnt, bevor Sie Einsteller verändern, markieren Sie die ursprüngliche Position. Notieren Sie sich, wo Sie welche Schraube entfernt haben; auch die Digitalkamera kann nun endlich nutzbringend eingesetzt werden, anstatt mir ihr nur allmälich auf der Festplatte des Rechners verwesende Belanglosigkeiten aufzunehmen.

Und der gute, vorschriftsgemäße Hinweis zum Schluß: In allem, was in die Netzsteckdose gesteckt wird, ist auch Netzspannung. Und die kann tödlich sein. Fehlerhafte Instandsetzungen oder unsachgemäße Eingriffe  können mit ernsthaften uU. lebensbedrohlichen Folgen behaftet sein; zB. Stromschlag oder Brand.
Vorschriften zu technischen Einrichtungen (Geräten) ändern sich gelegentlich, meißt aus sehr gutem Grund. Es kann also sein, daß Ihr älteres Gerät ein technisches Update braucht, Sie das aber in Unkenntnis der Vorschriften nicht wissen, oder aber jemand hat sich vor Ihnen schonmal an dem Apperat versucht und einen unzulässigen Zustand herbeigeführt. Wie auch immer, stellen Sie das Gerät einem Fachbetrieb zur Durchführung einer Sicherheitsüberprüfung vor.
Besser ist das...
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