Byzantinische Münzen des Mittelalters kennenlernen

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Einkaufsratgeber für byzantinische Münzen des Mittelalters

Das Byzantinische Reich, das auch das Oströmische Reich genannt wird, existierte von 395 bis 1453 nach Christus in verschiedenen Formen. Es entstand, als sich das Römische Reich durch den Tod von Theodosius dem Großen in das Ost- und Weströmische Reich teilte. Erst mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 endete die Herrschaft der Byzantiner im östlichen Teil des Mittelmeerraumes.
Münzen aus dem Byzantinischen Reich sind bei Sammlern sehr beliebt und die Auswahl ist trotz ihres Alters doch recht groß. Besonders die Münzen aus der Frühzeit des Byzantinischen Reiches sind teilweise sehr wertvoll und werden dementsprechend teuer gehandelt und sind selten zu finden. Bei eBay finden Sie neben einzelnen Münzen auch ganze Lots, die besonders für Einsteiger ein guter Start in eine Sammlung von byzantinischen Münzen sein können.  

Die ersten Münzen aus Byzanz

Die Ära des Byzantinischen Reiches wird in drei Phasen unterteilt. Die Anfänge von Byzanz, in der das Reich noch eine deutlich römische Prägung besaß, reicht vom späten 3. Jahrhundert bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts. In diese Zeit, die man die spätantik-frühbyzantinische Zeit nennt, fällt die Währungsreform des byzantinischen Kaisers Anastasius, der 498 mit der Reformierung der aus dem Römischen Reich übernommenen Währung begann.
Zu dieser Zeit war die byzantinische Währung von Kupfer- und Goldmünzen geprägt. Die Kupfermünzen, die Nummi hießen, waren dem Kaiser ein Dorn im Auge, denn sie waren aufgrund ihres geringen Durchmessers sehr unhandlich. Die Kleinsten von ihnen maßen nur 8 Millimeter im Durchmesser. Es gab zu dieser Zeit noch keine aufgeprägten oder unterschiedlichen Werte, sodass jede Münze einen Nummi Wert war und man für jede Transaktion sehr viele der Kupfermünzen benötigte.

Feste Nennwerte

Kaiser Anastasius führte, nach dem Vorbild der Vandalen, feste Nennwerte ein. Angefangen bei fünf Nummi, über zehn und zwanzig Nummi, war die wertvollste der Nummi-Münzen auf 40 Nummi geprägt. Es gab beizeiten auch Prägungen mit anderen Werten, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten.
Auf den Münzen finden Sie die Werteangaben übrigens nicht in der uns vertrauten Zahlenform, im Byzantinischen Reich nutzte man nach wie vor die römischen Zahlen. So steht auf der 40-Nummi-Münze das Zeichen M, was gleichbedeutend mit der Zahl 40 ist.
Als Leitmünze im byzantinischen Währungssystem diente zu dieser Zeit der Solidus. Ihn gab es ebenfalls bereits vor der Währungsreform von Kaiser Anastasius. Er sollte seine Position als eine der wichtigsten Münzen im Reich aber nicht bis zum Ende von Byzanz innehaben, denn spätere Kaiser setzten Änderungen durch, die verschiedene Motive und Hintergründe hatten. In der frühbyzantinischen Zeit, bis hin zur Mitte des 11. Jahrhunderts, blieb der Solidus jedoch stabil und war die Standardmünze für den internationalen Handel. Sie wurde aus fast reinem Gold geprägt und besaß typischerweise einen Goldgehalt zwischen 955 und 980 Tausendsteln. Das Gewicht eines Solidus betrug zu dieser Zeit von Byzanz zwischen 4,48 und 4,6 Gramm.
Eine weitere Goldmünze, die aus dem Römischen Reich übernommen wurde, war der Tremissis. Er war nicht annähernd so wertvoll wie der Solidus und so wurde ein Solidus mit drei Tremissis aufgewogen. Im Verlaufe der Entwicklung von Byzanz und der weiteren Entfernung von der römischen Kultur spielte diese Münze eine immer kleinere Rolle. Sie haben die Möglichkeit bei eBay viele verschiedene Variationen von Goldmünzen zu kaufen, um damit Ihre Sammlung zu vervollständigen.

Byzantinische Münzen ab dem 7. Jahrhundert

Die Epoche ab dem 7. Jahrhundert bezeichnet man heutzutage als die mittelbyzantinische Zeit. Das Reich hatte an Einfluss verloren, und bestand, nimmt man die heutige Landkarte als Maßstab, nur noch aus Teilen der Türkei. Byzanz befand sich wieder im Aufschwung und konnte seinen Machtbereich bis zum 10./11. Jahrhundert wieder ausbauen.
Auch die Währung entwickelte sich zu dieser Zeit weiter und neue Münzen erschienen auf dem Markt. Silbermünzen waren im Byzantinischen Reich eher selten in Gebrauch. Den Großteil der Geschäfte wickelte man mit den verschiedenen Kupfermünzen ab und die Leitwährung waren die Goldmünzen.
Zwischen dem 7. und dem 9. Jahrhundert war jedoch der silberne Miliaresion ein beliebtes Zahlungsmittel. Er wurde nachweislich das erste Mal im 6. Jahrhundert geprägt und besaß ein sehr konstantes Gewicht, das zwischen 7,5 und 8,6 Gramm lag. Während es gebräuchlich war, Münzen im Laufe der Zeit kleiner werden zu lassen oder ihnen andere Metallsorten beizumengen, um ihre Produktionskosten zu senken, war der Miliaresion über fast drei Jahrhunderte lang sehr stabil.
Auch bei den Bronzemünzen kam Bewegung auf, der Follis wurde zur neuen Standard-Bronzemünze und hatte den Wert von 40 Nummi. Er war dabei deutlich kleiner als der Nummi und zeigte als Abbild lange Zeit ein Porträt des Kaisers. Ab dem 10. Jahrhundert wurden auch Follis geprägt, auf denen eine Abbildung von Jesus zu sehen war und welche als Inschrift Xristus - Basileu - Basile hatten. Daran können Sie beim Kauf von byzantinischen Follis grob das Alter der betreffenden Münze einordnen, denn zeigt der Follis das Abbild Jesu, kann es sich nicht um einen Follis aus dem 9. Jahrhundert oder davor handeln.
Sollte Ihnen eine goldene Solidus-Münze unterkommen, die unerwartet leicht ist, dann stammt diese mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Zeit des Kaisers Nikephoros II. Phokas. Er kam 963 an die Macht und regierte Byzanz für nur sechs Jahre. In Erinnerung blieb er vor allem, weil er dem Solidus ein Zwölftel seines Gewichtes nahm, um so die Prägekosten zu senken. Sein Versuch scheiterte, denn der Markt akzeptierte diese leichte Version des Solidus nicht.
Fortan trug diese Münze, deren Gewicht übrigens bei 4,05 Gramm liegt, den Namen Tetarteron. Der Solidus trug ab diesem Zeitpunkt den Namen Histamenon und wurde in seinem alten Gewicht und Goldgehalt wieder eingesetzt. Histamemnon-Münzen sind heute beliebte Sammlerstücke und sind sehr wertvoll. Dies liegt zum einen an ihrer hohen Prägequalität und dem hohen Goldgehalt, aber natürlich auch daran, dass sie nur rund 100 Jahre lang geprägt wurden.
Anfangs hatten übrigens beide Münzen das exakt gleiche Aussehen, sodass beim Kauf dieser Münzen unbedingt auf das Gewicht geachtet werden muss. Unter Sammlern sind die Tetarteron weniger beliebt, verschwanden sie doch im Laufe des 11. Jahrhunderts komplett aus dem Währungssystem von Byzanz.
Nachdem diese leichte Version vom Solidus eingestellt wurde, kehrte man auch beim Histamenon wieder zur ursprünglichen Bezeichnung – Solidus – zurück. Jedoch ordnete Romanus III. während seiner Herrschaft zwischen 1028 bis 1034 an, den Goldgehalt im Solidus zu senken. Dies wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten zu einem Usus der Kaiser, bis der Solidus faktisch schon keine Goldmünze mehr war.  

Die Entwicklung der byzantinischen Münzen ab dem 11. Jahrhundert

Im Jahre 1068, als Byzanz weite Teile des Balkans unter seiner Herrschaft hatte, regierte Kaisers Romanos IV. das Reich. In dieser Zeit erreichte der Solidus, der seit Langem an Prägequalität eingebüßt hatte, seinen Tiefpunkt und bestand nur noch zu 150/1000 aus Gold. Nach heutigen Maßstäben zählt so ein Feingehalt nicht einmal mehr zu den nennenswerten Anteilen in Goldschmuck.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, die dem Außenhandel Byzanz schadete, führte Alexios I. die Goldmünze Hyperpyron ein. Alexios I. regierte das Byzantinische Reich zwischen 1081 und 1118 und der Hyperpyron hatte einen festgelegten Goldgehalt von 900 bis 950 Tausendsteln. Sein Gewicht wurde dem Solidus nachempfunden, es lag bei 4,5 Gramm. Vom Durchmesser war er etwas kleiner als sein Vorgänger und er sollte bis zum Untergang des Byzantinischen Reiches im Jahre 1453 die wichtigste Goldmünze im Lande bleiben.
Im Laufe der dreihundert Jahre seines Daseins blieb die Qualität auf fast gleichem Niveau, sein Goldgehalt betrug in der spätbyzantinischen Zeit jedoch nur noch 875 Tausendstel. Ab dem Jahr 1300 und der Abnahme der politischen Macht des Byzantinischen Reiches wurden auch die Münzen des Reiches immer unwichtiger. Handel wurde mehr und mehr in italienischer Währung abgewickelt und die Prägung vieler Münzen wurde eingestellt. So wurden die letzten Hyperpyron wohl um 1350 geprägt.
Nach 1367 wurden gar keine Goldmünzen mehr produziert, die sowieso hauptsächlich für den Außenhandel wichtig waren. Die wertvollste Münze, die zu dieser Zeit noch geprägt wurde, war der silberne Stavraton. Mit der Einnahme von Konstantinopel im Jahre 1453 endet sowohl die Geschichte des Byzantinischen Reiches als auch seiner Münzen.  

Der Wert byzantinischer Münzen

Im Gegensatz zu unserem heutigen, relativ simplen System, wo 100 Cent einen Euro ergeben, war das byzantinische Währungssystem deutlich komplexer. Grundlage im System bildet die eingangs vorgestellte Nummi-Münze, auf der sich die Werte der anderen Münzen aufbauen. So besitzt ein Follis, der später zur wichtigsten Bronzemünze im Byzantinischen Reich wurde, den Wert von 40 Nummi. Die nächsthöhere Münze, der silberne Siliqua, besitzt einen Wert von 300 Nummi.
Bereits hier zeigt sich, dass das System zwischen Siliqua und Follis inkompatibel ist, denn man konnte niemals einen Siliqua direkt in Follis umtauschen, hätte man doch 7,5 Follis erhalten müssen. Der silberne Miliaresion besaß den doppelten Wert des Siliqua, er war folglich 600 Nummi wert. Die wertvollste Münze im byzantinischen System, der goldene Solidus, hat bereits einen Wert von 7200 Nummi.  

Die Herkunft byzantinischer Münzen erkennen

Auf jeder Münze aus dem Byzantinischen Reich ist die Stadt vermerkt, in der sie geprägt wurde. Anhand dieser Münzzeichen, die Aufschluss geben über den Prägeort, lässt sich teilweise auch die Epoche bestimmen, aus der die betreffende Münze stammt. Während Konstantinopel die Hauptstadt von Byzanz und ewiger Bestandteil des Reiches war, stand zum Beispiel Neapel nur bis zum Jahr 1020 unter der Herrschaft des Oströmischen Reiches.
Neapel war bis dahin Prägestelle von byzantinischen Münzen, die mit der Abkürzung NE markiert wurden. Münzen mit diesem Prägezeichen, das sich unterhalb der Wertprägung befindet, sind also mit Sicherheit vor dem Jahr 1020 geprägt worden.
Bei der Bestimmung von Alter und Herkunft der Münzen hilft Ihnen ein byzantinischer Auktionskatalog, den Sie bei eBay kaufen können. Aufgrund der zahlreichen Prägeorte und sehr unterschiedlichen Prägequalitäten ist es ratsam, das Sie vor dem Kauf die exakte Epoche und Herkunft einer jeden Münze überprüfen. Die Byzantiner prägten in insgesamt 20 verschiedenen Städten die Münzen ihrer Währung.

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