Bücher billiger bestellen: sogenannte Mängel-Exemplare

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Heilige Kuh "Preisbindung"

Für die Preisbindung bei Büchern gibt es gute Argumente, gegen sie ebenso.

Wer das im Detail nachlesen möchte, findet das bei "wikipedia" unter dem Stichwort "Buchpreisbindung" unter den Verweisen. Und wer es gern wissenschaftlich mag, der findet eine volkswirtschaftliche Analyse des Problems online als Dissertation: ~opus-bayern.de/uni-wuerzburg/volltexte/2005/1365/pdf/diss-vgottberg.pdf

Für mich als Kunde, der nur gelegentlich privat Bücher VERKAUFT, aber viele kauft, geht es hier aber lediglich um die bewußt eingesetzte Strategie, Geld zu sparen.

Also, Sparpotential bei Büchern nutzen:
als KÄUFER gezielt nach "Mängelexemplaren" suchen.

Was aber ist ein "Mängelexemplar"?


Fragen wir die Fachleute:


Definition
"Ein Mängelexemplar ist nach der Definition des Gesetzes ein Buch, das „verschmutzt oder beschädigt“ ist oder „einen sonstigen Fehler aufweist“ (§ 7 Abs. 1 Ziff. 4 BuchPrG).

Wenn ein Buch eine „Remittende“ ist, sagt dies zunächst noch nichts darüber aus, ob ein Mängelexemplar vorliegt. Denn auch ein vom Buchhandel remittiertes Buch kann noch makellos sein und weiterhin der Preisbindung unterliegen.

Viele Diskussionen gab es zuletzt um die Frage, ob allein eine typische „Mängelkennzeichnung“ (Branchenjargon: „Mängelung“) ein ansonsten makelloses Buch der Preisbindung enthebt. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat hierzu in einem Grundsatzurteil entschieden: Mangelfreie Bücher dürfen nicht als „Mängelexemplare“ unterhalb des gebundenen Preises verkauft werden. Insbesondere bewirkt das Anbringen einer Kennzeichnung als Mängelexemplar nicht die Aufhebung der Buchpreisbindung für ein Buch, sofern dieses nicht auch tatsächliche Mängel aufweist (OLG Frankfurt am Main vom 26. Juli 2005, Az.: 11 U 8/05).

(...) Die Richter haben damit bestätigt, daß auch beim Verkauf von Mängelexemplaren stets der Letztverkäufer für die Einhaltung der Buchpreisbindung verantwortlich ist. Es kommt also nicht darauf an, ob der Buchhändler das Buch bereits als angebliches Mängelexemplar erworben hat. Der Händler kann sich also nicht auf den Standpunkt stellen, gutgläubig gehandelt zu haben, da ihn selbst die Prüfungspflicht im Einzelfall trifft.

Das Urteil ist für den Erhalt und die Glaubwürdigkeit der Buchpreisbindung von besonderer Bedeutung. Gäbe es „Mängelexemplare ohne Mängel“, so wäre dem Mißbrauch und der Umgehung der Preisbindung Tür und Tor geöffnet. Das Urteil hat hingegen keine Auswirkungen auf den Verkauf „echter“ Mängelexemplare unterhalb der gebundenen Preise. Insoweit ist aus Sicht des Preisbindungstreuhänders bei der Verfolgung von Verstößen auch ein geändertes Kundenverhalten zu berücksichtigen: Bereits kleinere Mängel machen heute ein Buch zum gebundenen Preis häufig unverkäuflich."

Zitat der homepage ( ~preisbindungsgesetz.de/content/faq/1020-was-ist-ein-maengelexemplar.htm) der Treuhänder des Deutschen Buchhandels, betrieben von Dieter Wallenfels und Christian Russ, die auch den Standardkommentar zum Thema verfaßt haben:
Preisbindungsgesetz. Die Preisbindung des Buchhandels.
5. Auflage. Beck, München 2006, ISBN 3-406-55020-7


Erfahrungen

Ich habe in letzter Zeit ganz GEZIELT nach Mängelexemplaren gesucht, insbesondere bei neuen oder relativ neu erschienen Taschenbüchern oder großformatigen Bildbänden.

Die Fehler, die zur Abwertung (Mängelung) des Buches geführt hatten, waren für mich tragbar und unerheblich, meist sogar nicht einmal auf den ersten Blick sichtbar. Es waren z.B.

    * Abstoßungen an den Ecken des Einbands
    * kleine Knicke (Eselsohren)
    * Schleif-, Druck- oder Kratzspuren auf dem Einband
    * Verschmutzungen des Buchschnitts (Wasserflecken oder Griffspuren)
    * Farbveränderungen durch Hitze- oder Lichteinwirkung (falsche Lagerung)
    * (seltener geworden sind) falsch eingebundene Seiten (falsche Reihenfolge oder "auf dem Kopf")

In allen Fällen habe ich die Bücher zwischen 15% und 50% (bezogen auf die Preisbindung) erworben.
Als Kunde entscheide ich, was mich stört und was nicht.
Ich möchte es nur vorher wissen.

Außerdem: schon rein juristisch und erst recht aus Sicht eines Bibliophilen sind "Altersspuren", "Gebrauchsspuren" und "Beschädigungen" klar voneinander abzugrenzen.


Verweise:
Es gibt schon einige teils gute, teils irreführende, Ratgeber zum Thema "Mängelexemplare", auf die ich gern hinweise.

Einer der besten Ratgeber überhaupt - soweit ich sie kenne - ist dieser hier :

1. Antiquarische Bücher beurteilen und beschreiben
von: don-giulioTop-1000-Tester

Das ist klar geschrieben, man merkt, der Verfasser versteht etwas von dem, worüber er schreibt.Ebenso beim nächsten:

2. Virtuelle Nase auf beim Bücher(ver)kauf
von: sarolf_der_templer  Top-1000-Tester


Der folgende...

dagegen verwendet unklare, um nicht zu sagen falsche Definitionen und führt somit in die Irre:


3. MÄNGELEXEMPLAR - Gute Bücher zum Guten Preis !
von: k.....y


Die Reihenfolge meiner Aufzählung ist keine Wertung.


Dies alles war nun aus Sicht des KÄUFERS gesehen.


Daher noch eine Anmerkung für VERKÄUFER:

ein einmal gelesenes Buch oder "Ansichtsexemplar" ist selbstverständlich ein "gebrauchtes" Buch.
Möglicherweise "neuwertig", aber eben nicht "neu". - Und damit unterliegt es nicht mehr der Preisbindung.

Viel Erfolg beim Handeln, und viel Freude beim Lesen!



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