Briefmarken sammeln: Diese Marken sind richtig was wert

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Ihr glaubt Briefmarken sammeln ist out? 800.000 Sammler in Deutschland beweisen das Gegenteil. Die Faszination der Marke ist ungebrochen - und die Preise für seltene Stücke steigen. Briefmarkenexperte Norbert Geisler gibt Tipps für Sammeleinsteiger Käufer bei eBay und erklärt, welche Marken echte Schätze sind und wie man wertvolle Originale erkennt.
Briefmarken-Sammeln ist ein Hobby für Groß und Klein - und für große und kleine Geldbeutel. (Foto: Pixabay)
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Briefmarken-Sammeln ist ein Hobby für Groß und Klein - und für große und kleine Geldbeutel. (Foto: Pixabay)
One Penny Black: Die erste Briefmarke der Welt.
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One Penny Black: Die erste Briefmarke der Welt.

Die erste Briefmarke der Welt entstand im Jahr 1840 in Großbritannien: Die „One Penny Black“. Sie zeigte das Profilbild der damals  21-jährigen Königin Victoria. Das Sammlerstück ist heute sehr begehrt und je nach Zustand einige tausend Euro wert. Bei eBay ist sie mitunter für 2400 Euro im Angebot. Käufer finden sich zuhauf, denn die Briefmarkenkunde, auch Philatelie genannt, beschäftigt nach wie vor Hunderttausende ernsthafte Sammler in Deutschland.
Foto: Norbert Geisler
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Foto: Norbert Geisler

Einer davon ist Norbert Geisler. Als Kind hatte er mit dem Briefmarkensammlen begonnen. Doch eine echte Leidenschaft wurde erst vor gut 15 Jahren daraus, als er im Internet und bei eBay stöberte und sein Interesse für wertvolle Marken erneut entfachte. 
Mittlerweile umfasst seine Sammlung mehr als eine Million Marken, darunter einige sehr seltene und wertvolle  Exemplare aus seinem Sammel-Gebiet Deutschland. Als Experte auf dem Gebiet der Philatelie stellt er gemeinsam mit einigen Partnern sein umfangreiches Wissen auch anderen zur Verfügung. Er ist Geschäftsführer des Bund-Forums, ein Onlineforum, in dem sich Briefmarken-Sammler aus ganz Deutschland austauschen können. Dort wird unter anderem vor dem Erwerb verfälschter Briefmarken gewarnt. Der Experte weiß genau, worauf Sammler achten sollten und welche Marken echtes Wertsteigerungspotenzial haben.
Ein kompletter Breifmarken-Bogen aus Norbert Geislers Sammlung. (Foto: Norbert Geisler)
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Ein kompletter Breifmarken-Bogen aus Norbert Geislers Sammlung. (Foto: Norbert Geisler)

Wie viele Briefmarken besitzen Sie selber?

Norbert Geisler: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich habe nie gezählt. Da ich persönlich aber auch komplette Bögen sammle, kommt da einiges zusammen. Mit Sicherheit bewegt sich die Gesamtzahl im Millionenbereich.
Unverkäuflich: gestempelter Posthornsatz. (Foto: Norbert Geisler)
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Unverkäuflich: gestempelter Posthornsatz. (Foto: Norbert Geisler)

Welche würden Sie nie verkaufen?

Grundsätzlich verkaufe ich keine Marke, die sich in meiner Sammlung befindet. Ganz sicher würde ich mich aber nie von einem am Ersttag gestempelten Viererblock des 70 Pfg.-Wertes des bekannten Posthornsatzes trennen, der Anfang der 50er Jahre verausgabt wurde. Das Stück ist das einzig bekannte seiner Art und zählt zu meinen wertvollsten Stücken.

Das ist aber nicht die teuerste Briefmarke der Welt, oder?

Nein, die befindet sich leider nicht in meinem Besitz.
Die teuerste Marke der Welt: British Guiana. (Foto: Wikimedia / Georg Alexander Mathéy)
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Die teuerste Marke der Welt: British Guiana. (Foto: Wikimedia / Georg Alexander Mathéy)

Wie wertvoll ist denn die teuerste Marke der Welt?

Soweit ich aktuell weiß, ist dies die sogenannte „British Guiana 1c magenta“ aus dem Jahr 1856, die 2014 bei Sothebys für 9,5 Mio. US-Dollar versteigert wurde.
Die teuerste deutsche Briefmarke ist eine 9 Kreuzer Marke aus Baden von 1851, die als Fehldruck-Variante im Jahr 1985 immerhin einen Preis von 2,3 Mio. DM erzielte. Inflationsbereinigt wären das heute über 2 Mio. EUR.

Angenommen, jemand erbt eine Sammlung. Woran erkennt man die wertvollsten Briefmarken?

Als Laie hat man da keine Chance. Diese Weisheit gilt aber auch bei Münzen, Aktien, Oldtimern oder Gemälden. Ohne Wissen und Expertise ist man als „Neuling“ sprichwörtlich aufgeschmissen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, einen aktiven Sammler seines Vertrauens zu Rate zu ziehen, um überhaupt eine erste Orientierung zu erhalten. Auch ein Check bei eBay kann sich dabei lohnen. Anhand der Ergebnisse von abgelaufenen Auktionen bekommt man ein erstes Gefühl, was am Markt möglich ist.
Natürlich kann man die Sammlung jederzeit einem Händler vorlegen. Als Laie muss man hier aber damit rechnen, „übervorteilt“ zu werden. Es empfiehlt sich derartige Besuche nur in Begleitung eines Profis zu tätigen.
Den Blick in einen Briefmarkenkatalog kann man sich unter merkantilen Aspekten insbesondere in Deutschland guten Gewissens schenken, da die dort publizierten Katalogwerte in der Regel nichts bis nur wenig mit der Realität am Markt zu tun haben. Dies betrifft insbesondere die modernen Sammelgebiete.
Für bessere Sammlungen empfiehlt sich der Gang zu einem renommierten Auktionshaus. Gerne unterstützt das Redaktionsteam von Bund-Forum dabei, in Deutschland den passenden Partner zu finden.

Wenn man mit dem Sammeln beginnt, wie kann man seine Sammlung am besten und auch günstigsten aufstocken?

Der kürzeste Weg zu „billigen Briefmarken“ ist natürlich der eigene Briefkasten. Ich denke so, haben die meisten Sammler einmal angefangen. Natürlich kann man seinen Aktionskreis dann weiter ausweiten und im Kreis der Verwandtschaft oder am Arbeitsplatz Briefmarken „einsammeln“.  Ich bin als kleiner Junge im Gewerbegebiet meines Wohnortes von Unternehmen zu Unternehmen gelaufen und habe nach Briefmarken gefragt. Start-Sammlungen für Einsteiger kann man bequemer aber für wenig Geld auch auf Flohmärkten, Tauschtagen oder bei eBay ergattern.
Ganze Bögen des Posthorns füllen Geislers Album. (Foto: Norbert Geisler)
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Ganze Bögen des Posthorns füllen Geislers Album. (Foto: Norbert Geisler)

Am liebsten will jeder Marken, die an Wert gewinnen. Gibt es da einen Tipp, nach welchen man wo Ausschau halten sollte?

Bei Briefmarken ist es wie bei Aktien. Man weiß erst im Nachhinein, welches der beste Kauf gewesen wäre. Die Sammlegebiete sind vielseitig, einige konzentrieren sich auf Marken aus Deutschland, aus Europa, auf Themen, Motive usw. Viele Sammelgebiete, die früher „gehypt“ wurden, dümpeln heute müde vor sich hin. Sammelgebiete die vor 10 oder 20 Jahren keinen interessiert haben, erzielen auf Auktionen auf einmal gute Preise.
Mein persönlicher Tipp für die Fans deutscher Ausgaben sind derzeitig „sauber gestempelte und linearcodierte Einzel- und Mehrfachfrankaturen der letzten 10 Jahre“. Bei weiter sinkenden Auflagen, sind portorichtige und echt gelaufene Belege schon heute kaum verfügbar.
Welche Marken einmal wertvoll sind, weiß man oft erst hinterher, so der Experte. (Foto: Norbert Geisler)
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Welche Marken einmal wertvoll sind, weiß man oft erst hinterher, so der Experte. (Foto: Norbert Geisler)

Worauf sollte man beim Briefmarkenkauf grundsätzlich achten?

  • Kaufen Sie nur bei einem seriösen Händler. Gute Händler sind Mitglied im Händlerverband APHV und geben eine unbegrenzte Garantie auf Qualität und Echtheit.
  • Es lohnt sich sowohl bei Händlern, als auch bei eBay, auf BPP-geprüfte Marken zu achten. Der Bund Philatelistischer Prüfer (BPP) ist der einzige Prüferverband, dem man tatsächlich vertrauen kann und der für die Qualität seiner Prüfung einsteht.
  • Beim immer beliebter werdenden Onlinekauf bei eBay, lohnt es sich auf Händler zu achten, die die Zahlung mit PayPal anbieten. Sollte man dann einmal eine schlechte Erfahrung haben, bekommt man zumindest sein Geld zurück.
  • Von privaten und gewerblichen Anbietern, die keine Rücknahme anbieten, sollte man besser Abstand halten. Wieso sollte ein potentieller Käufer etwas erwerben, von dem der Verkäufer selbst nicht überzeugt ist?

Welche Ziele verfolgen sie mit den Briefmarken?

Ich bin ja nicht mehr nur Sammler. Ein wichtiger Meilensteil war für mich die Gründung des Bund-Forums Ende 2012. Hier wollen wir zum einen die Vielfalt der Briefmarkenausgaben des deutschsprachigen Raum dokumentieren, zum anderen Philatelisten über ihre Verbraucherrechte informieren. Hier herrscht noch großer Nachholbedarf. Zudem möchten wir vor dem Erwerb verfälschter Briefmarken und betrügerischen Geschäftsmodelle warnen. Mittlerweile haben wir 5000 Mitglieder. Mit 8,5 Millionen Klicks waren wir 2015 das meistbesuchte Forum Deutschlands. Unser Ziel, die Philatelie aus dem rauchigen Hinterzimmer einer Vorortkneipe in die Öffentlichkeit und vor allem in das Internet zu tragen, ist damit bereits nach vier Jahren zu einem guten Teil erreicht. 
Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Förderung der Nachwuchsgewinnung und Nachwuchsarbeit. Darüber hinaus unterstützen wir soziale Projekte.
Integration mit Hilfe von Briefmarken. (Foto: Norbert Geisler)
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Integration mit Hilfe von Briefmarken. (Foto: Norbert Geisler)
Ganz besonders stolz sind wir auch auf unser soziales Projekt in Berlin, das wir gemeinsam mit dem RENI e.V. durchführen. Das Ziel ist die Integration von Migrantenkindern und Kindern aus benachteiligten Familien, und zwar mit Hilfe der Briefmarke als Intergrationsmedium. Am Beispiel der über 3000 herausgegebenen Briefmarken der BRD seit 1949 werden Kindern zahlreiche Informationen über Deutschland vermittelt.  Wer hätte gedacht, dass es jungen Menschen so viel Spaß macht, sich mit Briefmarken zu befassen und mit ihrer Hilfe viel Nützliches über unser Land zu erfahren? 
Briefmarken-Collage im Rahmen des Integrations-Projektes mit dem RENI e.V. (Foto: Norbert Geisler)
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Briefmarken-Collage im Rahmen des Integrations-Projektes mit dem RENI e.V. (Foto: Norbert Geisler)
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