Boxkameras – alte Fotoapparate mit ganz besonderem Charme

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Fotografieren mit Boxkameras – alte Fotoapparate mit ganz besonderem Charme

Die ersten Boxkameras in den USA

„You press the button, we do the rest" – mit diesem Slogan warb der erste Hersteller für seine Brownie, der ersten Boxkamera der Geschichte. Diese wurde bereits im Jahre 1888 in den Vereinigen Staaten auf dem Markt veröffentlicht und sollte – wie die Werbung bereits erahnen lässt – vor allem Hobbyfotografen und Ungeübte ansprechen. Kameras an sich gab es schon wesentlich länger. Allerdings waren die meisten Modelle zu schwer, zu groß oder zu kompliziert, um wirklich für den Alltag gebrauchsfähig zu sein. Die Boxkamera sollte dies ändern und dies schaffte sie auch. Durch den einfachen Aufbau, die simple Bedienung und den dennoch vorzeigbaren Fotoergebnissen verkauften sich bereits die ersten Modelle millionenfach und verbreiteten sich ausgehend von Amerika auch schnell im Rest der Welt.
Über 70 Jahre sollte der Siegeszug der Boxkamera anhalten, bis sie von der neuen Technologie überrannt und abgelöst wurde. Heute erleben die schwarzen Kisten ihr Revival. Künstler, Nostalgiker und Fans schwören auf die einzigartige Farbgebung und haben viel Spaß mit dem Kameraerlebnis von vor über einhundert Jahren.

Die bewegte Geschichte eines Kamera-Klassikers

Eigentlich sollte die Box gar nicht als solche bezeichnet werden. Die Hersteller gaben der neuen Kameratechnik fantasievolle Namen, um nicht den Anschein eines minderwertigen Produkts erwecken zu können. Doch gegen die Macht des Volkes kommt auch die Kameraindustrie nicht an. Im Volksmund verbreitete sich schnell die Bezeichnung Boxkamera und traf damit den Nagel auf den Kopf. Die kastenförmigen Gehäuse hätten kaum treffender betitelt werden können. Trotz aller Bestrebungen der Hersteller setzte sich der einfache Begriff schnell durch und schwappte auch nach Europa über. Dort wurde er kommentarlos adaptiert, was dem Erfolg des Modells keinen Nachteil verschaffte.

20er und 30er Jahre: Kodak und Agfa als erste Boxkamera-Hersteller

Bis zu den Anfängen der 1920er Jahre erarbeitete sich der erste Hersteller der Boxkamera ein regelrechtes Kamera-Monopol. Die Rede ist natürlich von Kodak. Selbst in den Wirren des Ersten Weltkrieges konnte der Konzern die Konkurrenz weit hinter sich zurücklassen. Natürlich konnten dieser Tage nur die USA von den Kamera-Errungenschaften profitieren. Inflation und Krieg verhinderten schließlich zunächst einen weiträumigeren Erfolg in Deutschland und Europa. Mitte der 20er Jahre wendete sich das Blatt und auch in deutschen Geschäften waren die amerikanischen Produkte wieder erhältlich, darunter auch die Boxkameras. Allerdings standen sie nun nicht mehr konkurrenzlos da. Die technikbegeisterten Deutschen wollten diesen Erfolg nicht so einfach auf sich sitzen lassen und brachten ihr ganz eigenes Modell einer Boxkamera auf den Weg – die Agfa-Boxkamera war geboren. In puncto Technik, Design und Ausführung konnte sie zwar noch nicht mit dem Vorbild mithalten, doch ein erster Schritt in die richtige Richtung war bereits getan.

Der Durchbruch in den 1930er Jahren spaltete die Gemüter und es entbrannten hitzige Diskussionen zwischen den Anwendern und den Fotogeschäften. Die Händler konnten sich mit dem Erfolg der sehr preiswerten und in ihren Augen minderwertigen Kamera nicht ernsthaft anfreunden. Zwar begrüßten sie es sehr, neben professionellen Fotografen nun auch Familienväter, Schüler und Kleinunternehmen zu ihren Kunden zählen zu dürfen, doch bescherte ihnen diese Neuerung statt des erhofften Reichtums vor allem viel Arbeit. Die Kameras mit einem Neukaufwert von 4 RM und die Entwicklung unzähliger Bildabzüge reizten die Händler dermaßen, dass sie selbst nicht davor zurückschreckten, diese „Amateurkameras" rigoros verbieten zu wollen. Natürlich konnte sich diese Idee nicht durchsetzen. Unter den Nutzern hatte die Boxkamera längst hohe Wertschätzung und den liebevollen Beinamen „Volkskamera" erhalten.

40er bis 70er Jahre: Krieg und neue Kameraformate

Der Zweite Weltkrieg sorgte, wie zu erwarten, für einen deutlichen Knick im Absatzmarkt der Boxkameras. In Deutschland waren sie generell nicht mehr erhältlich und auch Amerika tat sich schwer mit der Produktion. Erst in den Nachkriegsjahren ließen sich erste Modelle wieder in den Schaufenstern der Fotoläden blicken. Verbessert hatte sich bis dahin allerdings nichts. Die Designs sind weitestgehend auf dem Stand der 30er Jahre verblieben und auch technisch gab es keine nennenswerten Neuerungen. Die nun schon etwas antiquierten Geräte verkauften sich zwar noch einigermaßen, doch die Stimmung aus den Durchbruchszeiten konnten sie nicht mehr erreichen. Spätestens in den 50er Jahren verloren die Boxen ihren Reiz und wurden von anderen Kameraformaten und -techniken überholt. Schließlich wurde die Produktion in den 70ern komplett eingestellt.

Aufbau der Boxkamera

Ein großer Vorteil der Boxkamera besteht in ihrer Einfachheit. Sie setzt sich aus nur wenigen Einzelteilen zusammen und ist daher sehr leicht zu bedienen. Am auffälligsten ist natürlich das Gehäuse. Dieser kantige Kasten wurde in der Regel aus Stahlblech, seltener auch aus Aluminium gefertigt. Sehr preisgünstige Modelle wurden tatsächlich aus gepresster Pappe hergestellt, zahlten dafür jedoch mit ihrer Lebensdauer. Wie jede Kamera besitzt auch die Box ein Objektiv. Um die Produktion möglichst günstig gestalten zu können, bestand dieses nicht mehr aus zwei Linsen, sondern beschränkte sich auf eine einzige – dem Monokel. Nur sehr wenige Modelle bedienten sich einer Doppellinse. Das Periskop kam dabei noch verhältnismäßig häufig zum Einsatz, im Gegensatz zum sehr teuren Achromat. Einen Sucher oder ein Fixfokus-Objektiv zur Einstellung der Entfernung sucht man bei den meisten Modellen jedoch vergeblich. Dagegen waren beinahe alle Kameratypen mit einem Bildzähler, einer Blende und einem Verschluss ausgestattet. Jedoch beschränkten sich auch diese Bauteile nur auf das Nötigste und lassen sich keinesfalls mit modernen Kameradesigns vergleichen.

Auf dem Prüfstand – die Leistung der Boxkamera

Für damalige Verhältnisse wirkte die Bildqualität durchaus ansprechend. Allerdings entstanden nur dann gelungene Aufnahmen, wenn die Lichtverhältnisse stimmten. Sehr viel Sonne war dabei optimal. Fotografien am Abend oder gar im Dunkeln konnten schon damals keine Begeisterungsstürme hervorrufen. Dieser Missstand ist vor allem auf die Einzellinse zurückzuführen und machte sich auch bei bewegten Bildern deutlich. Rennende Kinder oder gar ein fahrendes Auto waren durch die lange Verschlusszeit kaum bis gar nicht abzubilden. Landschaften oder sittsame Familienporträts gelangen da schon eher und konnten sich durchaus sehen lassen.

Anerkennung und Vorzüge heute

Natürlich nagte wie bei allem auch an der Boxkamera irgendwann der Zahn der Zeit und sie verschwand spätestens in den 1970er Jahren vollends aus den Schaufenstern der Geschäfte. Trotz aller Kritik der Händler muss man der Box zugutehalten, dass sie über 70 Jahre lang der Liebling einer treuen Fangemeinde war und ein sehr breites Publikum gefunden hat. Der Boxkamera hat man es zu verdanken, dass das Fotografieren alltagstauglich und für jedermann umsetzbar wurde. Urlaubsbilder vom Ostseestrand zierten nun beinahe jedes Wohnzimmer und sogar Schüler konnten sich die einfachen Modelle aus Pappe leisten. Was viele Kritiker gerne als „Spielzeug für die Massen" abtaten, verhalf der Fotokunst an sich zu einem ganz neuen Niveau und bereitete letztlich den Weg ins Zeitalter der Moderne, in dem das Fotografieren zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.

Inzwischen erlebt die Boxkamera, ebenso wie einer ihrer berühmtesten Nachfahren, die Sofortbildkamera, ein Comeback. Vintage, Retro und Nostalgie sind heute so angesagt wie nie zuvor und viele Fotoliebhaber haben sich ganz den alten Techniken und Formaten verschrieben. Gestochen scharfe Bilder mit hervorragender Auflösung und brillanten Farben ermöglicht inzwischen schon jedes zweite Handy oder Smartphone. Aber der Charme der 50er, dieser ganz besondere Farbstil, dieser wird nur mit einer originalen Kamerabox erreicht.

Boxkameras kaufen und benutzen

Wenn auch Sie sich dieses besondere Fotogefühl gönnen möchten und auf der Suche nach einer geeigneten Boxkamera sind, sollten Sie beachten, dass die Modelle schon etwas älter und nicht mit der Handhabung einer Kamera von heute zu vergleichen sind. Da die Produktion bereits in den 70er Jahren eingestellt wurde, bleibt Ihnen im Grunde nichts weiter übrig, als sich auf gebrauchte Exemplare zu beschränken. Auf eBay lässt sich vielleicht noch eines der begehrten Stücke auftreiben. Wenn Sie Glück haben, ist dieses sogar noch originalverpackt. So oder so, eine Bedienungsanleitung werden Sie dabei höchstwahrscheinlich vergeblich suchen. In diesem Fall heißt es: Learning by doing. Mit der Kamera allein ist es natürlich nicht getan. Sie benötigen ebenfalls einen passenden Film. Tatsächlich erweist sich dieser Schritt als sehr unkompliziert. Sie können ohne weiteres einen handelsüblichen Rollfilm verwenden. In den meisten Geschäften werden Sie diesen vielleicht nicht mehr finden. Sie können sich zu diesem Zweck auf eBay umsehen oder schlichtweg an einen der dort zahlreich vertretenen eBay-Shops und deren Betreiber wenden. Die Suche lohnt sich mit Sicherheit.

Haben Sie alle Einzelteile zusammen, kann auch schon losgeknipst werden. Zeigen Sie dabei allerdings lieber ein ruhiges Händchen, sonst verwackeln die Bilder schnell. Zudem sollten die Lichtverhältnisse stimmen, eine taghelle Umgebung eignet sich dabei grundsätzlich am besten. Wählen Sie Ihre Motive mit Bedacht oder kaufen Sie bestenfalls gleich mehrere Rollfilme, wenn Sie viele Bilder machen möchten. Im Gegensatz zur Digitalkamera mit einer Speicherkapazität von mehreren Hundert Bildern, können Sie mit der schwarzen Box gerade mal sechs, vielleicht auch zehn Fotos schießen.

Den vollgeknipsten Film können Sie – wie früher üblich – in der Filmrolle verpackt an der Theke im Fotogeschäft oder auch in der Drogerie abgeben. Lassen Sie sich nicht von verwirrt schauenden Verkäuferinnen irritieren. Im Zeitalter der Digitalfotos weiß so manche Person nichts mehr mit der Filmrolle anzufangen. Die Entwicklung der Bilder verläuft jedoch unkompliziert, dauert allerdings ein paar Tage länger als bei der Kleinbildkamera von heute der Fall ist, da andere Verfahrenstechniken zum Einsatz kommen müssen. Doch die Wartezeit lohnt sich allemal, wenn Sie am Ende des Prozesses Ihre einzigartigen Fotografien im charmanten Stil der 50er Jahre in den Händen halten.

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