Boule und Petanque: Ratgeber für die Auswahl von Boulekugeln, Boccia-Sets und Wettkampfkugeln

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Boule und Petanque: Ratgeber für die Auswahl von Boulekugeln, Boccia-Sets und Wettkampfkugeln

Um sich zu entspannen und einen Ausgleich zum Berufsleben zu finden, gehen viele Menschen in ihrer Freizeit einer Sportart nach. Beliebt sind Fahrradfahren, Fußball, Joggen und andere Tätigkeiten, die mit viel Bewegung einhergehen. Doch auch, wer es gern ruhiger angehen lässt, findet Möglichkeiten, sich bei einer gemächlichen Tätigkeit zu entspannen. Ein Beispiel hierfür ist die beliebte Kugelsportart Pétanque. Sie kann bequem im Park gespielt werden. Die Regeln sind einfach und bieten viel Spielraum für taktische Finessen. Ob auch Sie sich dafür begeistern können, können Sie im Rahmen der folgenden kurzen Erklärungen leicht feststellen.
Der Zusammenhang der Begriffe – Boule und Pétanque

Es gibt eine engere und eine weitere Bedeutung des Spiels Boule. Im eigentlichen Sinne versteht man darunter die Sportart Boule Lyonnaise. Die Begrifflichkeit hat im deutschen Raum eine Bedeutungserweiterung erfahren. Man nutzt sie als Überbegriff für eine größere Gruppe verschiedener Kugelsportarten. Neben Boule Lyonnaise und Jeu Provençale gehören ihr Pétanque, das italienische Boccia und das Bowls aus Großbritannien an. Die im allgemeinen Sprachgebrauch mit der Bezeichnung Boule verbundene Sportart ist Pétanque. Sie gilt als die am weitesten verbreitete Kugelsportart der Welt. In 76 Verbänden sind ca. 600.000 Spieler organisiert.

Wie funktioniert Pétanque?

Pétanque ist eine Sportart, die nahezu überall gespielt werden kann. Die meisten Untergründe sind dafür geeignet. Besonders vorteilhaft ist ein ebenerdiger aus Sand-Feinkiesel-Mischungen oder festgetretenem Lehm. In Parks von Großstädten sind häufig derartige Plätze zu finden.

Beim Pétanque spielt man mit Metallkugeln, die ein Gewicht von 650 bis 800 Gramm aufweisen. Der Durchmesser beträgt zwischen 70,5 und 80 mm. Unterschieden werden die Kugeln anhand spezifischer Riffelungen, die innerhalb eines Satzes gleich sind. Neben den Stahlkugeln wird eine Holzkugel benutzt. Man bezeichnet sie als Cochonnet oder Schweinchen.

Beim Pétanque spielen zwei Parteien gegeneinander. Sie bestehen aus einem, zwei oder drei Spielern. Die entsprechenden Spielmodi heißen tête-à-tête, doublette und triplette. Bei der ersten Variante hat jeder Spieler drei Kugeln, bei der Zweiten zwei. Beim Pétanque beginnt immer die Mannschaft, die im letzten Spiel verloren hat. Vor dem ersten Spiel wird gelost, wer anfangen darf.

Der erste Spieler betritt die Spielfläche und zieht einen Kreis um sich auf den Boden. Dieser hat einen Durchmesser von 35 bis 50 cm. Während seines Zugs muss er mit beiden Füßen im Kreis stehen. Aus diesem Umstand leitet sich der Name des Spiels her (frz.: pieds tanqués = mit beiden Füßen). Nachdem sich der Spieler in den Kreis gestellt hat, wirft er die Holzkugel (Cochonnet) etwa 6 bis 10 Meter von sich fort. Der nächste Mitspieler muss seine Kugel so nahe wie möglich an die Holzkugel heranwerfen.

Als Nächstes ist die andere Mannschaft dran. Gelangt sie mit einer Kugel näher an das Cochonnet als ihr Vorgänger, sind diese wiederum am Zug und dürfen es erneut versuchen. Jede Partei muss so lang werfen, bis sie näher an das Cochonnet kommt als ihr Vorgänger oder bis die Kugeln alle sind. Ist dies der Fall, kann die bessere Mannschaft noch einmal werfen. Zum Schluss wird abgerechnet. Eine Mannschaft erhält einen Punkt für jede Kugel, die besser positioniert ist als die beste gegnerische Kugel. Mit dem Ende des Zählvorgangs endet eine Aufnahme. Das Gesamtspiel endet, sobald eine Mannschaft 13 Punkte erreicht hat.

Die Besonderheit beim Pétanque besteht darin, dass prinzipiell jede Wurfbewegung erlaubt ist. Man kann die Kugel schießen, legen, werfen oder rollen. Das Schweinchen (Cochonnet) und die anderen Kugeln können ebenfalls weggeschossen werden.

Zeit und Längenmessung beim Pétanque

Ein Spiel ohne jede Zeitbegrenzung kann sehr lange dauern. In einigen Fällen sind mehrere Stunden möglich. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn mehrere Aufnahmen ohne klares Ergebnis (Null-Aufnahme) geworfen werden. Die einzige Zeitregel besagt, dass jeder Spieler eine Minute Zeit für seinen Wurf hat. Grundlegend besteht die Möglichkeit, dass der Turnierveranstalter eine Zeitbegrenzung pro Wurf ansetzt. Wenn die Zeit eines Spielers abläuft, darf dieser noch einen Wurf machen, ehe im Abschluss der Zug beendet wird.

Der Messvorgang im Pétanque unterliegt genauen Regelungen. Er ist dann notwendig, wenn nicht nach Augenmaß klar ist, welche Kugel näher am Schweinchen liegt. Das Messen selbst übernimmt der Spieler, der die letzte Kugel geworfen hat. Alternativ macht dies einer seiner Mitspieler. Danach kann ein Spieler aus der gegnerischen Mannschaft nachmessen. Kommt es zu keiner Einigung, wird ein Schiedsrichter zugezogen. Dieser nutzt streng festgelegte Messgeräte.

In der Regel kommt ein Maßband zum Einsatz. Wenn der Abstand damit nicht exakt genug bestimmt werden kann, nutzt der Schiedsrichter eine Tirette. In den meisten Fällen ist diese Methode dazu da, um zu ermitteln, welche Kugel am Genauesten liegt. So noch immer keine Gewissheit erlangt werden konnte, nutzt man einen Zirkel.

Sonderregelung bei gleichem Abstand

Eine Sonderregelung tritt in Kraft, wenn beide Kugeln den gleichen Abstand zum Cochonnet haben. Es gibt drei Lösungen, die hierbei in Kraft treten können:

  • Haben beide Parteien keine Kugeln mehr, wird die Aufnahme als Null-Aufnahme gewertet.
  • Wenn noch eine Mannschaft Kugeln hat, werden nur diese gespielt.
  • In dem Fall, dass beide Mannschaften noch Kugeln haben, spielt zuerst die Mannschaft, die die letzte Kugel geworfen hat, danach die andere. Das Spiel geht so lang weiter, bis ein eindeutiger Vorteil erzielt werden kann.

Wissenswertes über die Kugeln beim Petanque

Wie bereits angesprochen, kommen beim Pétanque Metallkugeln und eine Holzkugel zum Einsatz. In der Regel handelt es sich bei dem verwendeten Metall um Stahl. Wer den Sport erst einmal unverbindlich kennenlernen möchte, kann zu Beginn auf ein preiswertes Kugel-Set zurückgreifen. Oft gibt es sie in Sechserpackungen.

Beachten Sie, dass beim Wettkampf die Auflage besteht, Wettkampfkugeln zu nutzen. Diese werden meistens in Dreier-Sets angeboten. Eine Besonderheit dieser Kugeln sind feine Gravuren, die genaue Auskunft über Hersteller, Modell und Gewicht geben. Teilweise lassen sich Spieler auch ihren Namen oder Initialen in die Kugel gravieren. Meistens handelt es sich dabei um ein hohles Modell, das aus zwei miteinander verschweißten Halbkugeln hergestellt wird. Alternativ hierzu gibt es gegossene Kugeln.

Damit man an einem Wettkampf teilnehmen kann, müssen die eigenen Kugeln eine Reihe von Bedingungen erfüllen. Hierzu zählen eine Gleichgewichtsgenauigkeit von weniger als 1,3 Prozent des Kugelgewichts und eine Härte von mindestens 35 HRC. Darüber hinaus darf sie nicht weniger als 650 und nicht mehr als 800 Gramm wiegen.

Zudem haben Sie einige Auswahlmöglichkeiten. Welche Kugel Sie wählen, hängt dabei in erster Linie von Ihrer Spielweise ab. Man unterscheidet Pointeure, Tireure und Milieuspieler. Die erste Gruppe wird auch als Leger bezeichnet. Sie nutzen Kugeln, die etwas schwerer, härter, kleiner und geriffelter als der Durchschnitt sind. Die zweite Gruppe sind die Schießer. Sie spielen eher mit leichteren, größeren, weicheren und glatteren Kugeln. Die Milieuspieler sind die letzte Gruppe. Ihre Kugeln vereinen die Eigenschaften der anderen beiden Kugelarten.

Darauf sollten Sie beim Kauf von Pétanque- und Boccia-Kugeln achten

Sind Sie ein Anfänger und wollen Sie das Spiel erst einmal kennenlernen, haben Sie eine größere Auswahl als ein Wettkampfspieler. Wie bereits angesprochen, müssen Sie im zweiten Fall spezielle Wettkampfkugeln erwerben. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass Härte, Gleichgewichtsgenauigkeit, Durchmesser und Gewicht normiert sind. Die entsprechenden Werte sind gemeinsam mit dem Namen des Herstellers auf der Oberfläche der Kugel gekennzeichnet.

Die meisten Sets enthalten 6 Kugeln. Damit stehen jedem Spieler 3 Kugeln zur Verfügung. Wollen Sie nur gelegentlich mit jemandem im Garten spielen, empfiehlt sich diese Variante. Wettkampfkugeln werden lediglich in Dreierpackungen vertrieben. In der Regel befinden sich die Kugeln in einer Stofftasche. Sie können unproblematisch in den dafür vorgesehenen Freiraum gesteckt werden. Nach dem Spiel packen Sie sie einfach ein, verschließen den Reißverschluss und nehmen sie wieder mit. Einige Taschen haben einen eingebauten Haltegriff. Die Kugeln lassen sich damit besonders leicht transportieren.

Achten Sie darauf, dass alle wichtigen Teile in dem Angebot enthalten sind. Neben den 6 Spielkugeln zählt hierzu die Zielkugel aus Holz (Cochonnet). Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn ein Maßband enthalten ist. Sie müssen es dann nicht extra kaufen. Für Anfänger empfiehlt es sich, eine Ausführung zu wählen, in der eine Spielanleitung enthalten ist. Im Bedarfsfall kann man sich genau über die Regeln vergewissern. Für ältere Menschen ist ein Set zu empfehlen, das ein Magnetband enthält. Es handelt sich dabei um eine Schnur, die zur Kugel herabgelassen wird. Der Magnet heftet sich an das Metall und man kann es heraufziehen, ohne sich bücken zu müssen.
Einige Hinweise zum Spiel

Pétanque ist anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick anmuten mag. Zum Abschluss des Ratgebers erhalten Sie noch einige Hinweise, die Ihnen den Einstieg in dieses Spiel erleichtern können.

Der Erste davon betrifft die unterschiedlichen Spielerarten. Bei einem Duell 2 gegen 2 ist ein Spieler ein Leger und der andere ein Schießer. Der Leger muss die Kugel möglichst genau am Cochonnet platzieren. Der Schießer hat die Aufgabe, die gegnerischen Kugeln mit seinen eigenen vom Cochonnet zu entfernen.

Das Pétanque auf jedem beliebigen Untergrund gespielt werden kann, ist die genaue Analyse des Bodens während des Spiels wichtig. Zu berücksichtigen sind Löcher und andere Unebenheiten im Boden. Diese werden von den Spielern in der Hocke inspiziert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Werfen des Cochonnets. Dieser erste Zug erfolgt keinesfalls willkürlich. Liegt man in Führung, sollte man ihn beispielsweise in einen schwer zugänglichen Spielfeldbereich werfen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, ihn nahe am Aus zu positionieren, um ihn bei Bedarf leicht herausspielen zu können. Letzten Endes gibt es viele Möglichkeiten, die Sie am besten beim Spiel selbst kennenlernen.

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