Bonsai Ulmen: Wer die s-förmigen Bäume mag, sollte sie richtig pflegen

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Bonsai Ulmen: Wer die s-förmigen Bäume mag, sollte sie richtig pflegen

Die Bonsai-Kunst gehört zur alten fernöstlichen Gartenkultur, bei der Sträucher und Bäume in kleinen Töpfen oder Schalen zur Begrenzung ihrer Ausmaße kultiviert und unter ästhetischen Aspekten bearbeitet werden. In der westlichen Welt wird die Bezeichnung Bonsai oft nur auf den Bonsai-Baum angewendet. Bonsai als philosophische Weltanschauung wird dabei völlig vernachlässigt und der Begriff auf rein formale und ästhetische Gesichtspunkte reduziert. Als Bonsai-Baum wird ein in einem Pflanzbehälter gezogener Baum definiert, der durch besondere vom Menschen vollzogene Tätigkeiten wie dem Wurzel-, Blatt- oder Formschnitt sowie durch Formung der Zweige in einer geringen Größe gehalten und durch künstlerische Eingriffe in eine gewünschte Gestalt gebracht wird. Grundlage hierfür sind Abbildungen von Bäumen in der Zen-Kultur und in der klassischen chinesischen Malerei. In Japan werden Bonsai-Bäume in aufwendigen Gärten oder an einem besonderen Platz in der Wohnung aufgestellt. Bonsais können, wenn sie viel Aufmerksamkeit geschenkt bekommen, viele Hundert Jahre alt und sehr wertvoll werden.

Charakteristik der Ulme

Die Ulmen mit der botanischen Bezeichnung Ulmus trägt auch Namen wie Rusten, Rüster oder Effe und bildet eine Pflanzengattung in der Familie der Ulmengewächse. Ein charakteristisches Merkmal der Ulmen, die immergrüne oder ihr Laub abwerfende Sträucher oder Bäume sind, ist die Wuchshöhe, die bis zu 35 Meter erreichen kann. Botanisch eher selten ist die an den Zweigen auftretende sogenannte Korkflügel-Rinde, die auch beim Pfaffenhütchen zu finden ist. Diese sind ausnahmslos nicht mit Dornen oder Stacheln versehen. An den Knospen können sich Haare befinden. Im Jugendstadium besitzen Ulmen ein Pfahlwurzelsystem. Dagegen bildet sich im Alter eine Art eines Senkerwurzelsystems mit einer Tendenz zur Herzwurzel aus. Ulmen bilden selbst auf zwischenzeitlich sehr nassen Böden ein tiefes Wurzelgeflecht aus, das aus diesem Grunde sehr stabil ist.

Die gestielten Laubblätter, sind zweizeilig und wechselständig am Ast oder Zweig angeordnet. Die Blattspreiten in asymmetrischer Form sind rundlich oder breit eiförmig und weisen einen einfach oder doppelt gesägten Rand auf. Die Blattspreiten sind fiedernervig und an jedem Seitennerv hängt ein sogenannter Blattzahn. Diese weisen oft drei Spitzen auf. Alle drei mitteleuropäischen Ulmenarten sind relativ leicht hinsichtlich der Form der Blätter zu unterscheiden. Junge Ulmenblätter sind durchaus genießbar, sie können beispielsweise in Salaten verwendet werden. Es treten auch zweihäutige Nebenblätter auf, die relativ früh abfallen und auf beiden Seiten der Basis des Blattes eine kurze Narbe verursachen.

Ulmen lassen sich als fossile Artefakte bereits im Tertiär nachweisen. Ihr verstärktes Auftreten vor zehn Millionen Jahren, zum Beispiel in den Sedimenten der Niederrheinischen Bucht, deutet auf eine langsame Abkühlung des bis zur diesem Zeitpunkt im Rheinland subtropischen Klimas hin. Schon im Atlantikum ist ein Zurückweichen der Ulmen pollenanalytisch festzustellen. Die Meinungen in der Wissenschaft, ob dies krankheitsbedingt oder anthropogen ist, sind durchaus widersprüchlich. Die Baumart wird seit 1920 durch das sogenannte Ulmensterben reduziert. Besonders die Berg- und die Feldulme sind wegen ihrer rauen Borke in erster Linie davon betroffen. Eine aus Ostasien stammende Pilzerkrankung wird vom Ulmensplintkäfer übertragen: Die Pilze wachsen im Splintholz und blockieren die Wasserleitbahnen der Pflanze. Dadurch kann es zum Absterben des Baumes kommen. Dies führt im Flachland unter den Ulmenbeständen zu Totalausfällen, oberhalb von 700 Metern tritt dies nur punktuell auf.

Im Fachhandel wird das Holz der Ulme als Rüster bezeichnet. Ulme wird demnach von Forstwirten und Botanikern nur der stehende Baum genannt, nicht das aufbereitete Holz. Die Ulme ist ein sogenannter Kernreifholzbaum. Das ringporige Holz der Bergulme kann in drei Zonen zugeordnet werden, die sich mithilfe der Jahresringe bestimmen lassen: ein hellbraunes bis rötliches Kernholz, ein helles Reifholz sowie ein gelblich-weißes Splintholz. Das Holz der Ulme ist relativ hart, besonders stoß- und druckfest, zäh und relativ gut zu bearbeiten. Das hochwertige Material wird zu Möbeln, Parkett, Furnieren und Täfelungen verarbeitet. In vergangenen Zeiten wurden auch Räder, Felgen, Speichen, Langbögen und Wagenkästen aus der Ulme bzw. Rüster gefertigt. Das Schwindmaß dieses Holzes zählt zu den geringsten aller Holzarten.

Die Ulme als Bonsai

Die häufigste Ulmen-Art, die als Bonsai verwendet wird, ist die Chinesische Ulme unter der botanischen Bezeichnung Ulmus parvifolia. Die Chinesische Ulme ist nicht nur außerordentlich robust und wenig anspruchslos, sie kann auch ohne Schwierigkeiten in der Wohnung kultiviert werden. Darüber hinaus ist sie für Anfänger der Bonsai-Kunst wegen ihrer guten Schnittverträglichkeit und ihres konstanten Wachstums besonders attraktiv. Bonsai-Ulmen gibt es in vielen Größen und Stil-Arten.

Da die chinesische Ulme eine subtropische Pflanze ist, sollte ihr Standort im Sommer im Freien liegen und der Bonsai-Halter sollte das Bäumchen im Winter in einen kühlen Raum bei bis zu 15 Grad Celsius ruhen lassen. Wenn die Pflanze bei höheren Temperaturen in der Wohnung überwintert, sollte die Ulme öfter mit Wasser besprüht werden, um den Befall von Spinnmilben zu verhindern. Der chinesischen Ulme schaden leichte Fröste im Herbst weniger. Sie sollte allerdings daraufhin ins Haus geholt werden. Wenn das Bäumchen nicht genügend Licht erhält, bildet sie an hellen Tagen über die Blätter verstärkt Zucker und Sauerstoff. Und zwar so viel, wie sie gleichzeitig für die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Prozesse benötigt. Dieser Überschuss an Energie ermöglicht der Ulme zu wachsen, auch der Stamm kann hierdurch kräftiger werden. Wenn der Standort im Sommer im Freien gewählt ist, lassen der Regen und der Wind die Blätter härter werden, sodass diese auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge werden. Die Pflanze kommt auch mit voller Sonneneinstrahlung zurecht, allerdings muss der Pflanzenhalter dann sehr intensiv auf das Wässern achten.

Die richtige Bewässerung der Bonsai-Ulme

Experten gehen bei der Ulme von einem eher durchschnittlichen Wasserbedarf aus. Die Erde sollte niemals völlig austrocknen, weil die zarten Wurzeln ansonsten absterben würden. Bonsai-Halter sollten also zu jeder Jahreszeit auf einen ständig leicht feuchten Untergrund achten. Wenn das Erdreich allerdings doch einmal völlig abgetrocknet ist, sollte der Bonsai bis zum Schalenrand ins Wasser gestellt werden, damit dieser sich wieder richtig vollsaugen kann. Beim Bewässern sollte die ganze Pflanze mit abgestandenen Leitungswasser oder Regenwasser überbraust werden. Dabei benutzt der Bonsai-Halter eine sehr feine Brause, damit die Erde nicht ausgeschwemmt werden kann. So werden die Blätter vom Staub befreit und die Luftfeuchtigkeit erhöht sich. Das Bewässern wird durch kurze, aufeinander folgende Güsse so lange betrieben, bis sich das Erdreich vollgesogen hat. Weiterhin ist zu empfehlen, den Baum bei starker Sonneneinstrahlung genauer zu beobachten und gegebenenfalls häufiger zu gießen.

Schneiden und Drahten der Bonsai-Ulme

Wer die charakteristische Wuchsform der Ulme erhalten oder erreichen möchte, müssen Triebe, Wurzeln, Zweige und Äste immer wieder zurückgeschnitten werden. Dies sollte von Mai bis September etwa alle sechs bis acht Wochen wiederholt werden. Bonsai-Haltern ist anzuraten, die Wurzeln beim Umpflanzen so weit zurückzuschneiden, dass zwischen Wurzeln und Krone ein ausgewogenes Verhältnis aufrecht erhalten werden kann. Ein weiteres Verfahren, um die Form eines Baumes zu beeinflussen, ist das Drahten. Die Zweige, die Äste und der Stamm, deren Gestalt verändert werden soll, werden spiralförmig mit Aluminiumdraht umwickelt. Der Draht sollte straff, allerdings nicht zu fest, in gleichmäßigen Windungen von unten nach oben gespannt sein. Damit bringt der Bonsai-Freund die Zweige und Äste in die gewünschte Richtung. Nach sechs bis neun Monaten sollte der Draht entfernt werden, da ab diesem Zeitpunkt das sogenannte Dickenwachstum der Ulme beginnt und Spuren der Verdrahtung entstehen würden.

Düngen und Umtopfen der Bonsai-Ulme

Zwar sollen die Bonsai-Bäumchen langsam wachsen, dennoch ist es unabdingbar, dass sie während der Wachstumszeit vom Frühjahr bis zum Herbst in regelmäßigen Abständen gedüngt werden. Das Düngen wird nur dann unterbrochen, wenn die Bonsai-Ulmen in der Blühte stehen oder die Pflanzen frisch umgetopft worden waren. Wenn die Bonsai-Ulme an einem Standort in der Wohnung platziert wird, eignet sich in erster Linie organischer Flüssigdünger. Für die Kultivierung im Freien eignet sich am besten ein organischer Dünger in Kugelform oder ein organischer Streudünger. Das Umpflanzen der chinesischen Ulme empfiehlt sich alle zwei Jahre, was im Frühjahr geschehen sollte. Zu diesem Zweck werden die Wurzeln beschnitten. Hierdurch wird die Pflanze angeregt, ein besser verzweigtes Wurzelsystem zu entwickeln. Das Umpflanzen in eine größere Schale wird dann notwendig, wenn die Schale zu klein geworden ist. Die ideale Schalenlänge beträgt nach Meinung zahlreicher Experten ca. 2/3 der Pflanzenhöhe. Beim Umpflanzen wird die verbrauchte Erde ebenfalls zu etwa 2/3 durch neue ersetzt. Der richtige Zeitpunkt für das Umtopfen ist ebenfalls das Frühjahr. Die Standardmischung des Bonsai-Untergrunds besteht aus je einem Drittel Humus, Akadama und Lavasplitt.

Überwinterung und Schutz vor Krankheiten und Schädlingen der Bonsai-Ulme

Wie bereits angesprochen, sollte die Überwinterung des Bäumchens in der Wohnung erfolgen, da die chinesische Ulme ein subtropisches Gewächs ist. Die Temperatur sollte wenigstens bei fünf Grad Celsius liegen, Temperaturen bis 15 Grad Celsius sind für die Überwinterung günstiger, mit höheren Temperaturen kommt die Ulme nur dann zurecht, wenn sie täglich zusätzlich zur eigentlichen Bewässerung mit Wasser besprüht wird. Der Bonsai-Freund sollte den Winter über vor allem auf einen hellen Standort achten, da durch die kurze Tageslänge ohnehin wenig Licht zur Verfügung steht. Der beste Schutz vor Krankheiten ist eine regelmäßige Kontrolle sowie eine sorgfältige Pflege der Pflanzen. Wenn die Bonsai-Ulme doch einmal von Schädlingen befallen wird, helfen die handelsüblichen Pflanzenschutzmittel.

Die Ulme fasziniert den Bonsai-Liebhaber durch ihre feinen Verzweigungen und die optimale Relation zwischen Blattgröße und Gesamtgröße - den Baum selbst wie auch die für die Pflege und Gestaltung notwendigen Materialien finden Sie auf eBay.

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