Bonsai Azaleen: mit dem richtigen Schnitt zu dauerhafter Blüte

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Ratgeber Bonsai Azaleen: mit dem richtigen Schnitt zu dauerhafter Blüte

Sie weisen die abwechslungsreichsten Formen auf und vereinen in sich das Natürliche mit dem Handwerk der Menschen – die Bonsais. Von Menschenhand gestaltete winzige Bäume, die bereits seit über 2000 Jahren unzählige Bewunderer in ihren Bann ziehen. Die fernöstliche Kunst der Pflanzenzucht hat sich weltweit einen Namen gemacht und findet sowohl bei Profizüchtern als auch bei Hobbygärtnern großen Anklang. Neben den eindrucksvollen Ahornbäumen oder Tannen erweist sich die Azalee als willkommener blütenreicher Farbklecks in der wundervollen Welt des Bonsais.

Die Azalee als Bonsai-Variante

Rot, gelb, lila, pink – diese und noch viele weitere Farben ergeben die Palette der Azaleenblüten. Das hübsch anzusehende Heidekrautgewächs gehört zur Familie der Rhododendren und bedeutet so viel wie „Rosenbaum". Beinahe 1000 Arten umfasst die Gattung und wächst dabei auf vielen Teilen der Erde, sowohl im Süden als auch im hohen Norden. Wir kennen die Azalee als große Sträucher im Park, als heckenartige Begrenzungen im Vorgarten oder als Schatten spendende, immergrüne Bäume im Hof. Mit ihren imposanten Blüten im Frühjahr und Sommer erfreuen sie den Betrachter jedes Jahr aufs Neue. Eine besonders auffällige Variante, die Azalee besonders zur Geltung zu bringen, ist in Form eines Bonsais.

Diese Idee ist gar nicht neu. Schon seit Jahrhunderten wissen Botaniker, dass sich das Gehölz der Azalee hervorragend für die Bonsaiform eignet. In Japan werden alle Azaleenarten, die in die typische Form eines Bonsais gezogen werden können, unter dem Sammelbegriff Satsuki zusammengefasst. Neben dem Ahorn und den Kiefernarten zählt die Azalee tatsächlich zu den beliebtesten Bonsai-Varianten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Neben der äußerst ansprechenden Optik besitzt die Azalee gleich mehrere positive Eigenschaften, die sie dafür prädestinieren. Sie besitzt einen schönen, glatten Stamm, der leicht in die gewünschte Form zu bringen ist, und hat kleine ledrige Blätter. Azaleen wachsen schnell und bilden umfangreiche Verästelungen. So wird auch die erwünschte Etagen-Optik zügig erreicht. Durch ihre Anpassungsfähigkeit kann die Azalee in beinahe jede klassische und auch moderne Form gebracht werden.

Azaleen-Bonsais einkaufen

Gartencenter, Baumschulen, ja sogar der Supermarkt um die Ecke – sie alle bieten unzählige und zudem sehr günstige Bonsais an - leider. Diese Preisknüller weisen oft entscheidende Mängel in der Qualität auf und gehen sehr schnell ein. Ein echter Bonsai, der über einen langen Zeitraum aufwendig gepflegt und gestaltet wurde, hat seinen Preis. Doch dieser lohnt sich. Ein Bonsai ist eine Anschaffung fürs ganze Leben und manchmal sogar darüber hinaus. Nehmen Sie Abstand vom Möbelhaus- oder Discount-Bonsai. Diese wurden in einem Schnellverfahren herangezüchtet, sind meist von einem schiefen Wuchs und oft stark vernarbt. Die Blätter sind nicht selten dünn wie Papier, kraftlos und durchscheinend. Im schlimmsten Fall haben Baumschulen einfach den oberen Ast junger Bäume abgeschnitten und verkaufen diesen nun als Bonsai. Diese Exemplare erkennen sogar die Neulinge unter den Bonsai-Kunden. Die Blätter sind viel zu groß und insgesamt wirkt der Baum in einem untypischen Topf eher wie eine gewöhnliche Zimmerpflanze. In vielen Großstädten gibt es Bonsai-Clubs. Diese züchten ihre Bonsais selbst und bieten ihre Bäumchen auch zum Verkauf an. Sie können auch in renommierten Pflanzenfachgeschäften Ihr Glück versuchen. Einige haben sich inzwischen auf die echten Bonsais spezialisiert.

Selber pflanzen und ziehen – der Bonsai im Selbstversuch

Es ist nicht ganz einfach, Bonsai-Pflanzen selbst zu züchten und in Form zu bringen. Dies erfordert durchaus ein gewisses Maß an Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Wenn Sie es als blutiger Anfänger dennoch einmal probieren möchten, lassen Sie sich von Fachleuten vorab gut beraten. Es gibt diverse Gesellschaften, die sich den kleinen Baumpflanzen verschrieben haben und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen sowie hilfreiche Fachliteratur empfehlen können.

Ein Bonsai lässt sich in der Regel nur schwer aus Samen ziehen. Diese Methode ist sehr zeitintensiv und gelingt eher in Ausnahmefällen und unter den optimalen Bedingungen. Die einfachste Methode zur Bonsaizucht ist die Vermehrung aus Stecklingen. Der Nachteil dabei: Sie brauchen einen bereits halbwegs ausgewachsenen Azaleen-Bonsai, dem Sie die Stecklinge entnehmen können. Wenn Sie gerade erst mit der Zucht beginnen, wird Ihnen dieser wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen. Eine Möglichkeit wäre, sich an ein gutes Pflanzencenter oder einen professionellen Züchter zu wenden und dort nach jungen Stecklingen zu fragen.
Als Jahreszeit eignen sich die Sommermonate Juni und Juli am besten für den Schnitt der Stecklinge. Jetzt treiben ganz frische Triebe aus dem unteren Stammabschnitt der Azalee. Diese gedeihen nach der Vermehrung am schönsten. Profis geben den Tipp, die Stecklinge eher zu brechen als zu schneiden. Pflanzen Sie die Stecklinge etwa 2 cm tief in die Erde in eine passende Schale. Um der Wurzelbildung etwas auf die Sprünge zu helfen, können Sie den unteren Teil des Stecklings vor dem Einpflanzen kurz in Bewurzelungshormone für Bonsais tauchen. Über die Anzuchtschale sollten Sie nun eine Plastikfolie oder einen durchsichtigen Deckel stülpen. Der Treibhauseffekt sorgt für eine höhere Luftfeuchtigkeit und begünstigt das Wachstum. Die nun abzuwartende Verwurzelung dauert mehrere Monate. Danach kann der junge Bonsai in seine eigentliche Bonsaischale umziehen. Bis Sie mit der Gestaltung des Azaleen-Bonsais beginnen, sollten Sie noch mindestens ein Jahr warten und der Pflanze die nötige Zeit zum Wachsen und Verholzen geben.

Viel Pflege für eine große Wirkung – der Bonsai Blütentraum

Bonsais können bei richtiger Pflege und einem gewissen Grad an Seltenheit eine regelrechte Wertanlage werden. Vor allem unter Sammlern sind die Zierpflänzchen sehr begehrt. Einige Sorten können mehrere Hundert Jahre alt werden, was den Wert abermals um ein Vielfaches steigert. Damit der Bonsai diesen Status erreichen kann, muss er von Anfang an sehr gut gepflegt und gestaltet werden. Die Pflege beginnt schon allein bei der Wahl des richtigen Standortes. Azaleen sind meist sehr robust und können bei milden klimatischen Bedingungen das ganze Jahr draußen stehen. Wird es allerdings zu frostig, gehören die Bonsais nach drinnen. Die meisten Azaleen sind unempfindlich gegen Hitze und können auch bei sehr sommerlichen Temperaturen im Garten stehen. Einen Schattenplatz wissen sie dennoch zu schätzen. Generell gehören Azaleen-Bonsais nicht in die vier Wände. Wohnungen und Häuser können den Bedingungen der Pflanzen nicht gerecht werden. Azaleen brauchen sehr viel Tageslicht und eine hohe Sauerstoffsättigung. Lassen Sie die Bonsais nicht länger als ein paar Tage im Haus stehen. Sonst riskieren Sie die wunderbare Blütenpracht.

Die Azalee ist keine Zimmerpflanze und muss deshalb anders gegossen werden. Bonsais vertragen kein kalkhaltiges Wasser. Am besten eignet sich für die zarten Bäume immer noch Regenwasser. Während der Wachstumsperioden braucht die Pflanze viel Wasser, nach der Blüte beginnt die Erholungsphase und es muss weniger gegossen werden. Der Boden sollte allerdings auch im Winter niemals zu trocken werden, da sonst die kleinen Wurzeln schnell austrocknen. Pflegen Sie die Blätter, indem Sie Ihren Bonsai immer mal wieder besprühen. Außerdem braucht die Azalee ständig Nahrung. Um einen Dünger kommen Sie somit nicht herum. Düngekugeln und Eisen haben sich dabei sehr gut bewährt.

Azaleen als Bonsai sind unter Kennern sehr beliebt. Sie wachsen schnell und bilden zügig eine weite Verzweigung. Diese sollten Sie jedoch gekonnt durch die richtige Beschneidung im Zaum halten, bevor der Bonsai seine charakteristische Optik verliert. Noch vor der Blüte müssen die neuen, nach oben und unten wachsenden Triebe entfernt werden. Genießt Ihr Bonsai bereits mehrere Jahre der Gestaltung, sollten Sie auch die kräftigen Triebe entfernen. Auch die Blütenpracht muss meist ein wenig eingedämmt werden. Selektieren Sie einige Knospen um der Pflanze unnötigen Stress zu ersparen. In Japan gilt die Faustregel, alle 12 Jahre den kompletten Bonsai zu stutzen. Dabei werden auch die Hauptäste entfernt und es kann mit der Gestaltung und Formgebung von Neuem begonnen werden. Diese etwas radikal anmutende Methode erweist sich als Segen für den Bonsai, der nun die Zeit zur Revitalisierung nutzen und Sie mit noch schöneren und kräftigeren Blüten belohnen wird.

Gerade bei den Azaleen ist noch eine weitere Schnittmethode unumgänglich – das sogenannte Pinzieren. Auch dabei werden junge Triebe entfernt. Damit der Blattwuchs nicht zu sehr eingedämmt wird, müssen die Blätter jedoch stehen bleiben. Wie Sie dabei genau vorgehen und was entfernt werden soll, erfahren Sie in einschlägiger Literatur zum Bonsai. Oder Sie holen sich fachkundigen Rat vom Experten.

Ein unumgängliches Verfahren bei der Bonsai-Pflege ist das Drahten. Dadurch können die Bonsais in die gewünschte Form gebracht werden. Nachdem die Azalee abgeblüht hat, erkennen Sie die Struktur Ihres Bonsais am besten und können mit dem Drahten beginnen. Vorsicht: Ganz junge Bonsais eignen sich noch nicht für diese Methode. Sie müssen erst eine gewisse Stabilität und Verholzung erreicht haben. Auch bei den älteren Exemplaren sollten Sie mit Bedacht vorgehen. Die empfindliche Rinde darf durch den Draht nicht eingeschnitten und beschädigt werden. Vernarbte Hölzer sehen nicht nur unsauber aus, sie senken auch den Wert des Bonsais.

Das richtige Werkzeug für den richtigen Schnitt

Der Künstler ist nur so gut wie sein Werkzeug. Diese Weisheit gilt sowohl für den Maler als auch für den Bonsai-Züchter. Scharfe Klingen an Scheren und Zangen sind das A und O in der Pflege der Bonsais. Spezialisten verwenden sogar extra für den Bonsai entwickelte Werkzeugkoffer. Zu den gängigsten Werkzeugen zählen dabei der Blattschneider und die Astsäge für den richtigen Schnitt, die Wurzelkralle und der Wurzelhaken zum Bearbeiten des Wurzelballens, die Drahtzange und eine Drahtschere für das Formen des passendes Drahtgeflechts, sowie eine kleine Erdschaufel und ein Bonsai-Besen. Je nach Schwierigkeitsgrad kann dieses Equipment nach und nach erweitert werden.

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