Bodenlose Frechheit von Ebay - Angebot wegen angeblichen Grundsatzverstoßes gesperrt

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Hallo liebe Community,

 Ebay hat sich wieder einmal einen Blooper geleistet.

 Das sogenannte Sicherheitsteam hat eines meiner Angebote entfernt mit der Begründung, es stelle einen Verstoß gegen den Grundsatz zu gebrauchter Kleidung dar. Dass dieser Grundsatz (wie einige andere Regeln der Website) ein großer Lacher ist, dürfte jedem bekannt sein, der sich einmal durch die "Hilfe" gelesen hat und einen Sinn für ironischen Humor besitzt.

 Konkret besagt jene Regel zur gebrauchten Kleidung beispielsweise, dass "Angaben über körperliche Eigenschaften des Verkäufers, Trägers oder Vorbesitzers der Kleidung wie Alter, Größe, Gewicht, Haarfarbe usw., Beschreibungen über den Geruch der angebotenen Bekleidung sowie freizügige Abbildungen unbekleideter Körper und Körperteile" verboten sind.
Es ist der Hammer, oder? Falls ihr einmal im Web Kleidung verkauft habt, dann werdet ihr wissen, wie vielen Kunden Konfektionsgröße und Maßangaben nicht genügen, um eine Kaufentscheidung zu treffen. Man wird per E-Mail nach den persönlichen Körpereigenschaften gefragt oder nach einem konkreten Tragebeispiel, auf dem das Kleidungsstück "am Modell" zu sehen ist. Der Kunde will wissen, wie ein Teil getragen aussieht, will sich eine genauere Vorstellung von dem Produkt machen, bevor er bietet. So habe ich vor geraumer Zeit begonnen, meine Angebote auf Ebay mit Fotos auszuschmücken, auf denen ich selbst das zum Verkauf stehende Produkt am Leib trage. Freilich sind auf diesen Bildern dann auch unbekleidete Körperteile zu sehen - so weit sollte es nicht kommen, dass ich beim Fotografieren Handschuhe trage und mein Gesicht mit einem Niqab verhülle! Gewicht und Größe sieht man mir ebenso an auf den Produktfotos - meine Körperhöhe lässt sich im Verhältnis zu der im Angebotstext genannten Länge des Kleidungsstücks abschätzen; das Gewicht ist erahnbar, da tatsächliche Höhe und abgebildete Breite wiederum Rückschlüsse auf meinen Leibesumfang zulassen. So ein Foto ist also eine treffsichere Körperbeschreibung für jeden Betrachter, der die Grundlagen der Mathematik versteht. Um dem oben zitierten Ebay-Grundsatz zu genügen, dürfte Kleidung ausschließlich an armlosen, gesichtslosen Plastikbüsten oder von vollständig vermummten Menschen präsentiert werden. Jetzt frage ich euch, liebe Community: wollt ihr das? Soll ich mir künftig ein dickes Tuch um den Kopf wickeln, ehe ich vor den Spiegel trete, um die Produktfotos zu knipsen? Und möglichst noch einen Photoshop-Verzerrungseffekt auf die Bilder anwenden, um meine Körperbreite zu vertuschen? Wäre das ästhetisch und vor allem verkaufsfördernd?
Auch der Geruch ist ein leidiges Thema für viele Onlinekunden. In der Vintage-Community, bei der ich auf Facebook Mitglied bin, lese ich immer wieder Klagen zu diesem Thema. Manche Käufer haben eine Abneigung gegenüber bestimmten Parfüms oder Raumdüften. Ich halte es daher für fair, im Angebot über den Geruch des zu verkaufenden Artikels zu informieren. Der Kunde soll schließlich genau wissen, welche Art Kleidungsstück ihm vorliegt. Er soll alle sinnlich erfassbaren Eigenschaften der Sache kennen. Und zu diesen gehört neben Farbe, Form und Textur eben der Geruch. Ein Angebotstext sollte darüber Auskunft geben, ob das Kleidungsstück nach einem bestimmten Waschmittel riecht, oder eher nach einem Duftöl, das in der Wohnung verwendet wird - in meinem Fall Vanille. Ich weise in meinen Angeboten stets auf dieses Aroma hin, damit etwaige Vanille-Hasser sich nicht in die Auktion verirren und nachher enttäuschte Bewertungen abgeben. Dieser Ehrlichkeit hat Ebay nun einen Dämpfer verpasst. Soll ich also künftig wichtige Produkteigenschaften verschweigen? Wünscht ihr euch das?

 Und es wird noch besser. Der Grundsatz zur gebrauchten Kleidung besitzt nämlich einen zweiten Teil, gegen den ich nach Meinung des lieben Sicherheitsteams eventuell verstoßen haben könnte. Ich zitiere: "Sie dürfen auf eBay nur hygienisch saubere, gereinigte und gepflegte Bekleidung anbieten und auch nur in diesem Zustand versenden oder übergeben."
Also ganz schlecht ist diese Regel ja nicht. Es versteht sich von selbst, dass man anderen Leuten keine Sachen anbietet, die vor Dreck starren und von wimmelndem Ungeziefer überlaufen sind. ABER - haltet ihr es für richtig zu verlangen, dass jeder Ebayer seine Ware vor Verkauf extra noch einmal reinigt? So kann man den Grundsatz nämlich durchaus interpretieren. Im Klartext würde das für euch bedeuten - Ihr wollt das Shirt verticken, das zwei Jahre lang fein säuberlich im Schrank lag? Werft die Waschmaschine an! Ihr wollt eine Bluse verkaufen? Haltet die Waschmaschine und das Bügeleisen bereit! Der gute Rock und der Mantel müssen freilich in die Reinigung, was euch nicht nur Zeit, sondern auch Geld kosten wird. Geld, das nachher den Startpreis der Auktion um ein paar Euro aufstocken wird. Man macht sich die Mühe ja nicht umsonst. Für Ebay selbst würde dies wiederum mit weniger Umsatz einhergehen, da hohe Startpreise potenzielle Käufer abschrecken. Aber ja, diese Plattform war nie zimperlich darin, sich ins eigene Bein zu schießen!
Ich persönlich stehe nun vor der Wahl, erstens - meine Artikel vor dem Verkauf in die Reinigung zu geben und einen entsprechend hohen Startpreis zu setzen, oder zweitens - den gepflegten, jedoch nicht extra zuvor gereinigten Zustand meiner Ware zu verschweigen, so wie es wohl viele Verkäufer auf Ebay tun. Naja oder drittens, zu hoffen dass der betreffende Grundsatz weniger scharf zu verstehen ist und ich aufgrund einer der anderen Lachnummern getriezt wurde.
Was wünscht ihr euch denn? Hohe Startpreise, Unehrlichkeit oder Hoffnung?

 Grüße
von eurer "Sophiamelie"

 P.S.: Die Quelle für den erwähnten Grundsatz lautet http://pages.ebay.de/help/policies/used-clothing.h​tml .
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