Blitzgeräte – vom Pulver zum modernen Elektronic-Blitz

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Blitzgeräte – Vom Pulver zum modernen Elektronic-Blitz

Unter dem Begriff "Blitzlicht" werden in der Fotografie all jene Möglichkeiten zusammengefasst, die eine helle, momentane Beleuchtung im Augenblick des Auslösens erzeugen. Aufgrund der kurzen Belichtungszeit während der Aufnahme eines Fotos reicht ein kurzes blitzartiges Licht aus, um die Umgebung hinreichend zu beleuchten. Der Augenblick, in dem der Verschluss eines Fotoapparats am meisten geöffnet ist, und der Moment des Blitzes müssen zeitgleich, also synchron, stattfinden. Die sogenannte Blitzsynchronzeit ist daher die minimalste Verschlusszeit, in der der Sensor bei Digitalkameras oder Film bei analogen Kameras vollständig offen liegt.

Blitz ist nicht gleich Blitz. Ausschlaggebend für das spätere Foto ist die Lichtfarbe des Blitzes, die in der Einheit Kelvin gemessen wird. Üblicherweise hat Blitzlicht eine ähnliche Farbe wie das Sonnenlicht und kann daher auch sehr gut lediglich als indirekte Aufhellung der Umgebung eingesetzt werden. Das Mischen von wärmerem Licht, wie es von Glühlampen ausgeht, und kaltem Blitzlicht sollte grundsätzlich vermieden, oder zumindest technisch aufeinander abgestimmt werden.

Ein anderer Fachbegriff, in Zusammenhang mit Foto-Blitzen ist der Leuchtwinkel. Diese Zahl gibt Auskunft über die größte Objektivbrennweite, die mit dem Blitz noch ausgeleuchtet werden kann - den Radius des Blitzlichts also. Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Blitzsystemen unterscheiden: die fix in eine Fotokamera integrierten Blitze, aufsteckbare und somit auswechselbare Blitzgeräte und ganze externe Blitzanlagen, die bei Studioaufnahmen und professionellen Shootings Verwendung finden.

Die ersten Blitzapparaturen - die Pustblitzlampe erzeugt Magnesiumlicht

Die erste Methode, die Umgebung für ein Foto mit genügend Licht auszustatten, war das Blitzen mit offener Flamme. Bereits 1861 hatte ein Fotograf der ersten Stunde, Paul Liesegang, die Methode entwickelt, eine künstliche Aufhellung der Umgebung mittels Magnesiumlicht zu erzeugen.

Magnesium benötigt hohe Temperaturen, um sich zu entzünden. Daher wurde beim Magnesium-Blitz reines Magnesiumpulver mit einem kleinen Blasebalg direkt in eine Flamme gepustet. Es wurde auf diese Weise eine Spontanentzündung des Magnesiums erzeugt, welches sofort in einer hellen Flamme aufging. Diese erste Blitzapparatur wurde daher auch treffend Pustblitzlampe genannt. Der Blitz war mehr ein helles Aufflackern und kann nicht mit dem verglichen werden, was wir heute Fotoblitz nennen. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde eine weiterentwickelte Methode angewendet. Helles Licht wurde durch Entzünden von Magnesiumdraht oder -folie erzeugt.

Weiterentwicklung zum chemisch brisanten Blitzlichtpulver

Nachdem John Traill Taylor 1865 herausfand, dass sich Magnesiumpulver gemischt mit Kaliumpermanganat auch manuell entzünden lässt und kurzfristig sehr hell leuchtet, entwickelten Adolf Miethe und Johannes Gädicke 1887 ein Blitzlichtpulver, bestehend aus Magnesium, Antimon-Sulfid und Kaliumchlorat. Dieses Gemisch hatte den Vorteil, dass es einen sehr kurzen Blitz von etwa einer dreißigstel Sekunde erzeugt, der konstant und gleichmäßig leuchtete. Porträtaufnahmen glückten auf diese Weise besser, da der Blitz so überraschend und kurz war, dass der Fotograf eine Aufnahme machen konnte, ohne dabei eine Reaktion des Abzubildenden erkennen zu lassen. Das Problem dieser chemischen Verbindung bestand in ihrer Explosivität. Nicht selten kam es zu schweren Unfällen in Zusammenhang mit diesem Blitzpulver.

Daher wurden zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts weniger hoch entzündliche Mischungen patentiert, die überdies über eine gesteigerte Leuchtkraft verfügten. Pionier auf diesem Gebiet war die „Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Berlin", eher bekannt als das bis heute bestehende Unternehmen AGFA. Nachteile wie Gestank, offenes Feuer und eine starke Rauchentwicklung blieben bei den chemischen Neuerungen allerdings weiterhin bestehen.

Bis in die sechziger Jahre konnten sich diese sogenannten Beutelblitze auf dem Markt halten. Sie sahen wie kleine Teebeutel aus, die mit den chemischen Substanzen gefüllt waren. An der Unterseite verfügten sie über eine kleine Lunte, die man im richtigen Moment entzünden musste. Oben war eine Aufhängung angebracht, damit keine zusätzliche Person benötigt wurde, um den Blitzbeutel zu halten. Nicht selten kam es zu Versengungen auf dem Fußboden oder gar zu Bränden, wenn der Beutel nach der Entzündung zu Boden fiel. Diese Art des Fotoblitzes war jedoch weitaus preiswerter, als die bereits erfundenen Blitzbirnen.

Blitzlichtbirnen - eine neue und sicherere Form des Blitzens war erfunden

Optisch erinnert diese neue Form des Fotoblitzes tatsächlich an eine Glühbirne, nur die Funktionsweise ist eine völlig andere. Der Glaskörper ist mit einem Magnesiumdraht oder einer Magnesiumfolie und einem sauerstoffhaltigem Gasgemisch gefüllt. Über einen Stromanschluss an der Blitzbirne wird diese unter Spannung gesetzt, sodass der Draht oder die Folie zu glühen beginnt und sich das Sauerstoffgemisch entzündet. Das Resultat ist ein sehr heller Lichtblitz.

Diese Blitzlichtbirne ist nur einmal verwendbar, da das Glas durch die entstehende Hitze zerspringt. Um die Gefahr, die von den herumfliegenden Splittern ausgeht, abzuwenden, wurden die Birnen mit einer elastischen Plastikhülle ummantelt. Diese Art des Blitzes war sehr teuer, außerdem war der Zeitpunkt der Entzündung nicht genau vorherzubestimmen. Eine Synchronisation zwischen den Verschlusszeiten von Kameras mit Schlitzverschluss und Blitzbirnen war schier unmöglich. Um diese Problem zu umgehen, kamen Focal-Plane Blitzbirnen auf den Markt. Diese brannten insgesamt etwa hundert Mal länger als ein moderner elektronischer Blitz.

Blitzwürfel basieren auf dem gleichen Prinzip. Sie sind bis zu vier Mal verwendbar, da sich an jeder ihrer Seitenflächen eine Mini-Blitzbirne befindet. Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre wurden die sogenannten Flash-Cubes, Magiccubes und Topflash erfunden. Letzterer reduzierte zusätzlich den "Roten-Augen" - Effekt, der bei der Verwendung von Blitzwürfeln auf Pocketkameras häufig auftrat.

Die nächste Generation an Blitzgeräten: der moderne Elektronic-Blitz

Blitzlichtbirnen, die über eine chemische Reaktion ausgelöst werden, sind mittlerweile völlig vom Markt verdrängt. Lediglich Retro-Liebhaber mit einem Hang zur Authentizität möchten auf diese Art des Blitzens nicht verzichten. Heutzutage wird in aller Regel das elektronisch gesteuerte Blitzgerät bevorzugt.

Innerhalb einer dreihundertstel Sekunde gibt ein Elektroblitzgerät ein starkes Licht mit der Intensität von Tageslicht ab. Die ersten Elektronic-Blitze wurden 1938 von Harold E. Edgerton erfunden. Sie funktionieren nach dem Prinzip der Gasentladungsröhren, in denen Blitzlampen verbaut sind. In dieser Röhre befindet sich das Gas Xenon, das während der Gasentladung unter hohem Druck zur Entzündung der inneren Blitzlichtlampe führt.

Elektronic-Blitzgeräte gibt es in der ortsgebunden, großen Studio-Version, aber auch in einer mobilen, handlicheren Variante, die mittels Blitzschuh, eine Schienenvorrichtung mit Einrastfunktion, an der Kamera befestigt und über ein Synchronkabel an den Fotoapparat angeschlossen wird. Elektroblitzgeräte werden entweder via Funk oder mit einem Blitzauslöser betätigt. Fest eingebaute Elektronic-Blitze befinden sich hauptsächlich in Kompaktkameras.

Moderne Elektroblitzgeräte sind immer noch mit Xenon gefüllte Röhren, sie können bis zu zehntausend Mal verwendet werden. Dank des rasanten technischen Fortschritts in den achtziger Jahren, gerade was die Mikroelektronik anbelangt, sind die meisten Elektronik-Blitzgeräte heute mit einer Automatikfunktion ausgestattet. Verschiedene Hersteller bieten externe Blitzgeräte an, die mittels Adapter, basierend auf dem SCA-System, an Kameras unterschiedlicher Fabrikate angeschlossen werden können.

Auf dem Stand der neuesten Technik - Computerblitzgeräte mit Sensortechnik

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, das gilt auch für die Fototechnik. Computerblitze der ersten Generation wurden bereits in den sechziger Jahren von den Firmen Honeywell und Rollei entwickelt. Das Wort "Computer" kam damals neu auf und war in aller Munde. Doch hatten die damaligen Blitze nichts mit modernen Computersteuerungen und Berechnungen zu tun. Nur die Tatsache, dass ein Sensor über eine Regelung die ideale Belichtung misst und den Blitz dementsprechend darauf abstimmt, verleiht der neusten Errungenschaft in Sachen Blitzgeräte ihren klangvollen Namen.

Anders verhält es sich mit Computerblitzgeräten der zweiten Generation, die ihre Funktionen per Mikroprozessoren errechnen. Durch eine Abschaltautomatik wird die Akkulaufzeit der Kamera verlängert, da die für den Blitz benötigten Energie eingespart wird, sollten Sie den Blitz nicht verwenden. Lichtmessung und Anpassung des Blitzes sind ausgeklügelter, die Blitzfolgezeit ging teilweise auf unter eine Sekunde zurück. Bis dato musste man immer noch einige Zeit warten, bis sich das Blitzgerät wieder mit der nötigen Energie aufgeladen hatte. Mit den neuen Computerblitzen waren sogar mehrere schnelle Blitzfolgen möglich. Auch nach der Aufnahme zeigt ein Lämpchen an, ob die durch den Blitz erzeugte Helligkeit für ein ausrechend beleuchtetes Foto genügte. Auf diesem technischen Stand sind die neuesten Blitzgeräte bis heute.

Eine TTL-Steuerung macht das Fotografieren mit Blitz zum Kinderspiel

Die Sensormessung der Blitzbelichtung nennt man TTL (Through The Lense)-Steuerung. Hinter dem Objektiv liegt ein elektronischer Sensor, der auf die Filmebene gerichtet ist und dort das reflektierte Licht misst. Diese Daten werden über den Blitzschuh an das Blitzgerät weiter gegeben. Ein Vorblitz hilft zusätzlich, die passende Blitzintensität einzustellen. Der erste Fotoapparat, der diese Technik 1992 anwendete, war die Spiegelreflexkamera Nikon F90. Mit einem Vorblitz können Fehlbelichtungen, zu denen es früher oft kam, vermieden und Kontraste fein ausgearbeitet werden. Da man sich auf kein gemeinsames System einigen konnte, gibt es das SCA-300 und SCA-3000 Adaptersystem für Blitzgeräte von Fremdherstellern wie Metz und Culmann.

Moderne Digitalkameras verwenden heute üblicherweise die Vorblitzmessung. Sie funktionieren meist vollautomatisch, sofern die Blitzautomatik eingestellt wurde. Die Kamera misst die Helligkeit in der Umgebung und entscheidet, ob der integrierte Blitz aktiviert wird oder nicht. Für individuelle Belichtungseinstellungen lässt sich der Blitz jedoch auch manuell ein- oder ausschalten. Je hochwertiger und technisch ausgereifter Ihre Kamera ist, desto mehr Spielereien erlaubt sie in Sachen Blitzverwendung. Neben dem Vorblitz, kann beispielsweise zwischen direktem und indirektem Blitz entschieden werden. Mithilfe eines Stroboskop-Blitzes können bewegte Objekte vor einem dunklem Hintergrund effektvoll abgebildet werden. Die Bewegung ist auf dem Bild nachvollziehbar.

Mit modernster Computertechnik wird es zum Kinderspiel, gestochen scharfe Bilder zu schießen. Porträtaufnahmen mit befremdlich wirkenden roten Augen und verwackelte, überbelichtete Fotos gehören weitgehend der Vergangenheit an. Einmal auf den Auslöser gedrückt und die Autofokus Digitalkamera berechnet in Windeseile die Einstellungen, damit Sie sichergehen können, ein gutes Foto zu erhalten.

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