Bewegte Geschichte und eigenwillige Natur - Münzen als Reiseführer durch Südafrika

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Bewegte Geschichte und eigenwillige Natur - Münzen als Reiseführer durch Südafrika

Das heutige Südafrika hat seinen Ursprung in niederländischen Siedlungen, die zur Mitte des 17. Jahrhunderts am Kap der Guten Hoffnung entstanden sind. Sinn und Zweck war die Versorgung von Schiffen der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die zwischen Europa und Asien verkehrten. Um 1790 war die Ostindien-Kompanie finanziell angeschlagen und hatte einen großen Teil des Einflusses auf die Kapkolonie verloren. So kam es, dass 1797 britische Truppen die Siedlungen am Kap besetzten und bis 1806 eine feste Kolonie gebildet hatten.

Ein neues Kapitel in der Geschichte Südafrikas wurde wiederum 1910 aufgeschlagen, als die Kolonien am Kap sich als Südafrikanische Union unabhängig machten. Dieser Staat hatte bis 1960/61 Bestand, als der Rassenkonflikt in Südafrika mit dem Tod von 69 schwarzen Demonstranten seinen Höhepunkt erreichte. Die Südafrikanische Union musste aus dem britischen Commonwealth austreten, und als Nachfolger wurde die Republik Südafrika ausgerufen.

All diese Epochen der Geschichte Südafrikas, die von radikalem Wandel geprägt sind, haben auch jeweils eigene Münzen und Währungen besessen. Diese sind zeitlich sehr eng an die einschneidenden Ereignisse geknüpft. Welche Währung zu welcher Zeit in Südafrika verwendet wurde, erfahren Sie im Einzelnen in diesem Ratgeber.

Die ersten Münzen als Zahlungsmittel in der Kapkolonie

Mit der Machtübernahme der Briten im Jahre 1797 und der Ausweitung der Kolonie zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das britische Pfund als offizielle Währung in der Kapkolonie eingeführt. Eine der häufigsten Zahlungsmittel sollte die silberne Florinmünze werden, die vom Wert an den Gulden gekoppelt war. Diese wurden später auch in Südafrika geprägt. Eine eigene Währung existierte in den britischen Gebieten Südafrikas erst ab dem Jahre 1922.

Die Währungen in den Burenrepubliken im 19. Jahrhundert

Mit der Wanderung der Buren in den nördlichen Teil Südafrikas und der Gründung der Burenrepubliken zog auch eine eigene Währung in diese Teile des Landes ein. Zwischen 1867 bis hin zur Niederlage der Buren gegen die Briten im Jahre 1902 war das südafrikanische Pond als Zahlungsmittel in der Südafrikanischen Republik im Umlauf. Münzen aus dieser Zeit sind sehr selten, was auch auf den Glauben der Einwohner zurückzuführen ist. Die Buren sahen die Pondmünzen dazu als ein Symbol des falschen Stolzes des ersten Präsidenten der Südafrikanischen Republik an. Im Jahre 1874 wurden zwar die ersten 1-Pond-Münzen geprägt, jedoch verschwanden diese im selben Jahr aufgrund des Misstrauens in der Bevölkerung wieder. Von diesen Münzen wurden nur 837 Exemplare gefertigt, und zwar in einer Münzprägestätte im englischen Birmingham.

Es dauerte bis in das Jahr 1892, bis die Pondmünzen wiederkehren sollten. In Form von Banknoten hatte sich das südafrikanische Pond als Zahlungsmittel inzwischen durchgesetzt. Aufgrund der nun reichen Goldvorkommen in den Burenrepubliken wurden die 1-Pond-Münzen aus Gold mit einem Feingehalt von 91,66 Prozent geprägt. Ihr Gewicht betrug 7,98 Gramm, was einem Feingewicht von 7,3 Gramm Gold entspricht. Die ersten Ausgaben dieser Goldmünzen wurden übrigens in der preußischen Prägeanstalt in Berlin gemünzt, denn zu dieser Zeit war die Prägestätte in der Südafrikanischen Republik noch nicht einsatzbereit. Der Durchmesser der Münzen, die bis in das Jahr 1900 geprägt wurden, betrug immer 22 Millimeter.

Die Nominalen des südafrikanischen Pond

Das südafrikanische Pond orientierte sich stark an der englischen Währung dieser Zeit und unterteilt sich ebenfalls genauso wie das Pfund. Ein Pond bestand aus 20 Shilling beziehungsweise aus 240 Pence. Die kleinste Münze jener Zeit war die 1-Pence-Münze. Diese wurde 1893 eingeführt und nun in Pretoria geprägt. Weitere Pence-Münzen wurden mit Werten zu 3 und 6 Pence ausgegeben. Alle diese Kleinmünzen wurden ebenfalls in Gold geprägt, was ein weiteres Zeichen des Reichtums dieser Region zum Ende des 19. Jahrhunderts ist. Von den Shillingen gab es vier Nominale, die zwischen 1892 bis 1897 geprägt wurden. Dabei handelte es sich um Münzen zu 1, 2, 2,5 und 5 Shilling.

Ab 1897 wurden alle Münzen, mit Ausnahme der 1-Pond-Münze, nicht mehr gefertigt. Die 5- Shilling-Münzen wurden sogar nur im Jahre 1892 geprägt. Mit der Niederlage der Südafrikanischen Republik und dem Verlust der Unabhängigkeit 1902 wurde das britische Pfund auch in diesem Teil Südafrikas offizielles Zahlungsmittel.

1923 – die erste südafrikanische Währung

Bereits am 31. Mai 1910 wurden die Gebiete der südafrikanischen Kolonie sowie die ehemaligen Burenrepubliken unabhängig von Großbritannien. Der neue Staat erhielt den Namen Südafrikanische Union. Jedoch sollte das britische Pfund noch bis in das Jahr 1922 als einzige und offizielle Währung Bestand haben. Als erste Zentralbank Afrikas überhaupt wurde 1921 die South African Reserve Bank eröffnet, welche dann für die Einführung einer neuen Währung zuständig war. Diese wurde in Form des südafrikanischen Pfundes 1922 eingeführt. Diese Währung orientierte sich noch stark an dem britischen Pfund, was an Namen und Formen der Münzen deutlich wird. Ebenso wie das britische Pfund jener Zeit, teilt sich ein südafrikanisches Pfund in 20 Shilling oder 240 Pence. Als Überbleibsel aus der britischen Währung wurden die Florin- und Sovereign-Münzen noch bis in das Jahr 1932 in Südafrika geprägt und verwendet.

Die Währungsreform von 1932

1932 reformierte England sein Währungssystem und schuf den Goldstandard ab, was auch von Südafrika umgesetzt wurde. Die südafrikanischen Sovereign-Münzen stimmen in allen Punkten überein mit den britischen Sovereign-Münzen. Sie erkennen jedoch die goldenen Sovereign aus Südafrika am Prägestempel auf dem Revers der Münzen, welcher sich direkt über der Jahreszahl befindet. Ein kleines „SA“ findet sich nur auf Münzen, die aus dem südafrikanischen Pretoria stammen. So können Sie die britischen von den südafrikanischen Sovereign-Münzen unterscheiden.

Bis 1960 wurden sieben Serien von Münzen geprägt, die sich anhand des Münzbildes unterscheiden lassen. Da die Südafrikanische Union zum Commonwealth gehörte, wurde als Bild der jeweils amtierende Herrscher Großbritanniens abgebildet. Auf den Münzen zwischen 1923 und 1936 war dies zum Beispiel König George V. Die kleinsten Nominale waren die Viertel- und Halb-Penny-Münzen. Weitere Münzen wurden zu 3 Pence sowie 6 Pence herausgegeben. Bei den silbernen Shillingen ist es hingegen deutlich übersichtlicher. Zwischen 1923 und 1947 existierte zunächst nur die 1-Shilling-Münze. 1947 folgte eine 5-Shilling-Münze. Diese wurden beide aus Silber mit einem Feinanteil von 80 Prozent geprägt. Sollten Sie Silbermünzen als Anlagemünzen kaufen, beachten Sie, dass ab 1951 der Silberanteil in den Shilling-Münzen auf 50 Prozent gesenkt wurde.

Der Rand als länderübergreifendes Zahlungsmittel im Süden des Kontinents

Mit dem Ende der Südafrikanischen Union verschwand auch das südafrikanische Pfund als Währung. Das 1961 eingeführte Zahlungsmittel wurde Rand getauft und verabschiedete sich ebenfalls von der komplizierten, englischen Teilung in Shilling und Pence. Ein südafrikanischer Rand besaß nun den Wert von 100 Cent. Diese Währung wurde zugleich im benachbarten Namibia sowie in Lesotho und Swasiland zum offiziellen Zahlungsmittel.

Die Tradition der Goldmünzen wurde beibehalten, sodass die Münzen mit dem Wert 1 und 2 Rand aus Gold geprägt wurden. Diese beiden Münzen wurden bis in das Jahr 1983 gefertigt, danach endete die Ära der regulären Goldmünzen in Südafrika. Wie alle vorherigen Goldmünzen Südafrikas wurden auch die Rand-Münzen mit einem Feingehalt von 91,67 Prozent geprägt.

Die Cent-Münzen wurden in Werten zu 1,5, 1, 2, 2,5, 5, 10, 20 und 50 Cent gefertigt. Die 1- und 2-Cent-Münzen wurden im Jahr 2002 aus dem Währungssystem entfernt, die 5-Cent-Münzen folgten im Jahre 2012. Bereits in den 70er-Jahren verschwand die 1,5-Cent-Münze aus dem Umlauf. Anfangs wurden alle Cent-Münzen ab 2 ½ Cent aus Silber geprägt, dies stellte man jedoch bereits 1965 ein und prägte alle Cent-Münzen fortan aus einer Kupfer-Nickel-Legierung.

Seltene Münzen aus der Geschichte Südafrikas

Sind Sie auf der Suche nach den seltensten und begehrtesten Münzen Südafrikas, fallen zwei Goldmünzen besonders ins Visier. Dies sind zum einen die sogenannten Sammy-Marks-Tickey, die im Jahre 1898 in der Südafrikanischen Republik geprägt wurden. Diese Münzen aus 92 Prozent Gold sind bei Sammlern sehr beliebt und von den Originalen wurden nur 215 Exemplare gefertigt.

Bei den anderen handelt es sich um die Krügerrand-Goldmünzen, die seit 1967 geprägt und von einem Springbock geziert werden. Es gibt sie in vier verschiedenen Gewichtsklassen von 3,393 bis 33,93 Gramm. Wie alle Goldmünzen aus Südafrika liegt ihr Feingehalt bei 91,67 Prozent. Der Springbock wurde als Motiv gewählt, da es sich um ein Tier handelt, dass die Natur Südafrikas verkörpert. Außer in Südafrika kommt der Springbock nur noch im benachbarten Namibia vor.

Münzen aus Südafrika mit Motiven aus der Fauna und Flora

Südafrika besitzt eine sehr vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Das Klima im Süden an der Küste ist eher maritim geprägt, während im Norden des Landes die Wüste Kalahari beginnt. An der Grenze zu Namibia im Westen finden sich hingegen subtropische Wälder. Diese Streuung wird auch in den Sammelmünzen wiedergegeben, die jährlich von der Südafrikanischen Münze herausgegeben werden. 1994 machte ein Löwe den Anfang als Münzmotiv. Es gibt von jeder Auflage vier verschiedene Prägungen mit unterschiedlichen Werten und Größen, alle Münzen bestehen jedoch aus 999er-Gold. Die Münzwerte reichen von 10 über 20 und 50 bis hin zu 100 Rand. Einige der weiteren Tiere, die als Motive die Fauna Südafrikas auf den Münzen repräsentieren, sind ein Elefant, ein Nilpferd oder ein Spitzmaulnashorn. Für Sammler sind diese Prägungen sehr interessant, auch aufgrund ihrer limitierten Auflagen. Jährlich werden weniger als 10 000 Münzen in dieser Serie herausgegeben.

2013 erschien dazu eine Serie von vier Silbermünzen, welche die Meereswelt an den Küsten Südafrikas umschreibt. Auf der 50-Cent-Münze wurde ein Korallenriff dargestellt, in dem ein Rotfeuerfisch schwimmt. Die 20-Cent-Münze ziert eine Karettschildkröte, die vom Aussterben bedroht ist. Als Motiv auf der 10-Cent-Münze sehen Sie einen Komoren-Quastenflosser, welcher an der Ostküste Südafrikas heimisch ist und erst 1938 entdeckt wurde. Die 5-Cent-Münze schließlich zeigt einen Allards Anemonenfisch, welcher ebenfalls endemisch ist und nur an den Küsten Afrikas vorkommt.

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