Bewährte vs. innovative Technik bei Foto, Film und Camcorder

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Foto und Camcorder früher und heute – ein Ratgeber über bewährte Technik und innovative Neuheiten

Multifunktionalität ist das Zauberwort in der heutigen Zeit: War ein Handy etwa früher ausschließlich zum Telefonieren da, sind Smartphones als Nachfolger und Ergänzung wahre Alleskönner: Neben der Telefonie ist das Surfen im Internet möglich, Fotografieren und Musik hören und noch so einiges mehr. Ganz so extrem ist es in Bezug auf Camcorder noch nicht: Der Begriff setzt sich dabei zusammen aus Camera und Recorder, was explizit auf die Möglichkeit hinweist, dass Videos gedreht und Bilder geschossen werden können. Klar sollte dabei sein, dass ein Camcorder keine Digitalkameras ersetzen kann.

Die Entwicklungsgeschichte der Camcorder bis zum heutigen Level ist als ähnlich rasant zu bezeichnen wie bei vielen anderen technischen Produkten - vom Mobilfunkgerät über Computer bis hin zu Monitoren. Aus diesem Grund ist ein historischer Rückblick sicherlich interessant und kann Aufschlüsse darüber geben, was sich als Technik bewährt hat und welche innovativen Neuheiten von Bedeutung sind. Im Anschluss an den Rückblick finden Sie in dem Einkaufsratgeber Hinweise und Tipps, was Sie beim Kauf möglichst beachten sollten, damit das Produkt am Ende Ihren Wünschen entspricht.

Camcorder und die Vorgänger - ein historischer Rückblick

Die gesamte Videotechnik zu betrachten, führt etwas zu weit, die Anfänge sind auf jeden Fall in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt, allerdings dauerte es noch einige Jahrzehnte, bis erste portable Videokameras zum Einsatz kamen. Die damaligen Röhrenkameras waren im Vergleich noch sehr sperrig, zudem musste eine separate Rekordereinheit mitgenommen werden, um überhaupt Aufzeichnungen tätigen zu können. Diese ersten Systeme waren primär für den professionellen Einsatz bestimmt. Den Hobby-Filmern jener Zeit standen entsprechende 8 Millimeter Kameras zur Verfügung, deren direkte Nachfolger die Super 8 Kameras waren. Bei beiden Varianten musste das analog aufgenommene Material mit Schere und Klebstoff aus einzelnen Sequenzen zu einer Gesamtszene zusammengeschnitten werden, was bei digitalen Camcordern längst nicht mehr der Fall ist, aber durchaus seinen Reiz hat.

Beide Schmalfilm-Formate waren eben für den privaten Gebrauch gedacht - von der Hochzeitsfeier über die Kommunion bis hin zu vielen weiteren Gelegenheiten, kamen zum Teil jedoch auch im professionellen Bereich zum Einsatz. Beide Formate werden noch heute von Enthusiasten verwendet, die einen besonderen Wert auf den experimentellen und künstlerischen Charakter der Aufnahmen legen. Zum Abspielen bedarf es eines 8 mm Projektors oder eines Super 8 Projektors. Wer tatsächlich noch alte Aufnahmen der beiden genannten Filmformate besitzt, kann diese selbstverständlich auch digitalisieren, um sie der Nachwelt noch weiter zu erhalten, dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, allerdings mit deutlichen Qualitätsunterschieden:

Die einfachste Möglichkeit ist es, den Film mit einer Digitalkamera von der Leinwand abfilmen, allerdings verbunden mit einem hohen Qualitätsverlust, da die Bildwiederholraten zu unterschiedlich sind (lediglich 16 Bilder pro Sekunde bei 8 mm Filmen) - Flimmern ist die Folge. Mithilfe sogenannter Umlenkspiegel kann die Qualität etwas verbessert werden - ausprobieren ist notwendig, um ordentliche Ergebnisse zu erhalten. Wer viel (wirklich viel) Zeit hat, kann die einzelnen Bilder von Hand einscannen und mit entsprechender Software zur Videobearbeitung aneinanderfügen und den Ton dazu aufspielen. Die entsprechende Software kann auch für bereits digitale Aufnahmen verwendet werden, um das Material nachzubearbeiten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Filme an entsprechende Dienstleister zu übergeben, die diese digitalisieren.

Videosysteme, Magnetbänder und die ersten Videokameras

Die nächste bedeutende Stufe der Entwicklung wurde im Jahr 1983 durch die Firma Sony eingeläutet und feiert damit sozusagen ein dreißigjähriges Jubiläum: Die Geräte basierten auf dem sogenannten Betamax-Magnetbandsystem. Die Geschichte von Betamax begann einige Jahre früher und zog gemeinsam mit dem von Grundig und Philipps entwickelten Video 2000 den Kürzeren - als Gewinner aus diesem System-Streit ging VHS als beliebteste Variante für Heim-Videorekorder hervor und setzte sich durch. Das VHS System wurde seinerzeit von JVC, Hitachi, Panasonic und einigen anderen Unternehmen entwickelt und sehr schnell und erfolgreich auf dem Markt positioniert. Ein großer Nachteil gegenüber heute: Es konnte mit diesem frühen Camcorder nur aufgenommen werden, eine Art Bildkontrolle vor Ort war nicht möglich, dazu kam ein weiteres Manko: Zur Verwendung kamen die original Betamax-Kassetten, wie sie in den Videorekordern selbst verwendet wurden. Ebenfalls erschwerend war, dass die Konkurrenz keineswegs schlief: Nur knapp ein Jahr später kamen erste Geräte auf den Markt, die auf VHS, genauer gesagt auf dem VHS-C Format basierend deutlich kleinere Kassetten verwendeten, was sich natürlich auch auf die Bauart der Camcorder niederschlug. Zum Abspielen auf dem VHS-Heimvideorekorder benötigte es einzig eine Adapter-Kassette, was nicht wirklich ein Problem darstellte.

Video 8 - die nächste Revolution

Wie an den Jahreszahlen leicht zu erkennen ist, überschlugen sich die Ereignisse mehr oder weniger, denn bereits im Jahr 1984 einigte sich ein Konglomerat von weit über 100 Firmen auf ein neues Format, das unter der Bezeichnung Video 8 für weitere Bewegung auf den Markt sorgte. Die verwendeten Kassetten ähnelten in der Größe herkömmlichen Musikkassetten, das Magnetband als Speichermedium hatte eine Breite von 8 Millimeter - die Laufzeit betrug anfänglich allerdings "nur" etwa 60 Minuten. Zu den Produzenten geeigneter Camcorder zählten gerade einmal etwas mehr als eine Handvoll Hersteller, zu diesen gehörten etwa Sony, Kodak, Polaroid oder General Electric.

Speziell Sony übernahm die Vorreiterrolle mit zwei Modellen, zunächst mit dem CCD-V 8, dem schnell das nächste Modell mit der Bezeichnung CCD-M 8 folgte und der als kleinster Camcorder seiner Zeit galt. Das M in der Bezeichnung stand für "Mini", CCD für Charge-coupled Device, womit klar ist, dass das Sony-Modell erstmalig ein elektronisches Bauteil als Lichtsensor verwendete und das Ende der Röhren-Sensoren mehr oder weniger eingeläutet wurde. Für die Erfindung selbst kamen George E. Smith und William Boyle zu späten Ehren: Ihnen wurde im Jahr 2009 der Nobelpreis für Physik verliehen.

Autofokus, Videosucher und Schnittpulte

Noch im selben Jahr kam - ebenfalls von Sony - die CCD-V 8 AF auf den Markt: Integriert waren in den Camcorder ein Video-Sucher (Schwarz/Weiß) sowie ein Autofokus. Zwei Dinge sind dabei noch zu vermerken: Zum einen war diese Kamera nicht gerade klein und wog über 2 Kilogramm, zum anderen standen ambitionierte Hobby-Filmer dem Autofokus eher kritisch gegenüber, er wurde vor allem als Eingriff in die kreative Freiheit betrachtet.

Zu dieser Zeit kam es auch zu den ersten Schritten und Versuchen in Bezug auf die Nachbearbeitung des Filmmaterials, der Grund lag darin, dass das Super 8 Format auf das VHS Format umgewandelt werden musste, um die Aufnahmen vorführen zu können. Während der Umwandlung bestand direkt die Möglichkeit, unerwünschte Szenen herauszuschneiden, wofür es allerdings ein zusätzliches Mischpult benötigte. Vorreiter bei der Entwicklung von Mischpulten war die Firme GSE, was Sony nicht lange auf sich sitzen ließ und mit einem eigenen Mischpult den Markt im wahrsten Sinne des Wortes aufmischte: Das Modell RM-E 100 war mehr als die Hälfte günstiger als das Pendant von GSE und kostete zu seiner Zeit etwa um die 500 DM. Geschnitten wurde noch über von einem Zählwerk ausgehende Impulse, der Timecode kam erst später.

Erhöhung der Bildqualität auf dem Weg zur Digitalisierung

Im Jahr 1987 wurde durch die Firma JVC das S-VHS Format eingeführt, was zu einer sichtbaren Qualitätsverbesserung bei der Darstellung führte, das Akronym steht dabei für Super Video Home System. Nur zwei Jahre später, nämlich 1989 folgte dann HI8 als nächste Stufe, die Besonderheiten: Die Empfangssignale für Farbe und Helligkeit wurden getrennt aufgezeichnet wie auch der erstmalig in dem Segment in Erscheinung tretende HiFi-Ton (High Fidelity). Bei der Bildauflösung fand für die damalige Zeit ein Quantensprung statt von 250 auf 400 Linien. Beide Neuerungen zählen allerdings zu den letzten analogen Weiterentwicklungen. Beide Systeme bedienten eher den Bereich für professionelle Anwendungen und konnten sich im privaten Bereich kaum durchsetzen.

Zwei weitere entscheidende Bausteine: LCD (Liquid Crystal Display) und Mini-DV

Zu den ersten Camcordern mit einem farbigen LCD Monitor gehörten die Sharp Viewcam Camcorder, die im Jahr 1992 auf den Markt gebracht wurde - sozusagen das fehlende Bindeglied zu allen modernen Camcorder-Modellen bis heute und eine absolut sinnvolle Ergänzung, da man das Ergebnis direkt vor Ort kontrollieren kann - zudem ein deutliches Plus an kreativer Freiheit, auch wenn der Monitor nicht schwenkbar war, wie längst Gang und Gebe. Die endgültige Digitalisierung des Mediums begann mit der Einführung des Mini-DV Formats (Digital Video noch auf Magnetband), das Mitte der 90er Jahre zur Marktreife gelangte und sich recht lange halten konnte. Im Jahr 2000 trat der erste DVD-RAM-Camcorder von Hitachi in Erscheinung, die DVDs hatten einen Durchmesser von 8 Zentimeter im Gegensatz zu normalen DVDs mit 12 Zentimeter. Mittlerweile kommen vor allem Festplatten und Speichersticks zum Einsatz, über die sich auf noch kleinerem Raum weitaus größere Datenmengen abspeichern lassen.

Klein ist nicht immer fein - einige Kriterien für den Kauf

Natürlich sind die kleinen Camcorder äußerst reizvoll, jedoch: Je größer der Bildchip ist, desto mehr Licht kann dieser Einfangen und in elektrische Signale umwandeln, ein Plus an Qualität. Achten Sie zudem darauf, dass der Zoombereich nicht zu groß ist, oder Sie müssten entsprechend tief in die Tasche greifen für ein hochwertiges Objektiv. Bei der Brennweite entscheidet der Anwendungsbereich: Für Aufnahmen in Innenräumen sollte wert auf die Weitwinkel-Funktion gelegt werden. Weitere Kriterien sind die Lichtstärke, der Zoomfaktor, ob ein Sucher zusätzlich zum Display vorhanden ist (vorteilhaft bei Sonnenschein), die Qualität des Bildstabilisators sowie die Laufzeit des Akkus, damit nicht frühzeitig das Licht ausgeht. Beachten Sie diese Aspekte, können Sie im Grunde nichts mehr falsch machen.

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