Betrügerische Käufer und ihre Maschen

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Betrügerische Käufer und ihre Maschen

Über betrügerische Verkäufer hier bei eBay wurden ja bereits zahlreiche Ratgeber verfasst, Käufer hierbei jedoch nicht erwähnt. Wozu auch? Ein Käufer kann ja nicht viel falsch machen, oder? Er bietet, gewinnt und bezahlt - fertig. Und selbst wenn er nicht bezahlt, ist das zwar ärgerlich, dem Verkäufer entstehen dadurch aber nur die eBay-Gebühren und evtl. eine Wertverminderung des Artikels. Also kein Grund zur Besorgnis, nicht wahr? Leider nicht, denn auch Käufer sind hier bei eBay keine Heiligen, und gehen mit immer raffinierteren Methoden vor, sich Artikel möglichst günstig anzueignen, wobei es ihnen durch das neue eBay-Bewertungssystem noch leichter gemacht wird. Da sie ja schließlich nicht mehr negativ bewertet werden können, denken manche Käufer, sie genießen Narrenfreiheit. Daher möchte ich im Folgenden einige Methoden betrügerischer Käufer vorstellen, mit denen ich selbst Erfahrungen gemacht habe, oder von denen ich gehört habe.

1. Spassbieter

Gäbe es ein eBay-Unwort des Jahres - dieser Begriff hätte meine Stimme. Überall hier liest man davon. Besonders hochpreisige Artikel kommen schon in der Beschreibung mit Drohungen a la "Über Spassbieter freut sich mein Anwalt", oder "Spassbieter zahlen garantiert 20% des Auktionspreises" daher. Dabei ist das Wort "Spassbieter" nicht wörtlich aufzufassen, denn es gibt hier bei eBay wohl niemanden, dem es Spass macht, auf Artikel zu bieten, diese dann nicht zu bezahlen, Verwarnungen zu kassieren, und letztendlich irgendwann rausgeschmissen zu werden. "Spassbieter" sind vielmehr Personen, die leichtfertig und ohne darüber nachzudenken auf einen Artikel bieten, jedoch hinterher bemerken, dass sie diesen doch nicht wollen - aus welchen Gründen auch immer. Statt dies jedoch dem Verkäufer mitzuteilen, schalten sie auf taub, beantworten e-Mails nicht und zahlen einfach nicht. Dies ist für Sie als Verkäufer allerdings in der Regel kein besonders großer Schaden, da Sie den Artikel schließlich noch haben, und wiedereinstellen können.Wenn Sie den Artikel als nicht bezahlt melden und es zu keiner Einigung kommt, erhalten Sie sogar die Verkaufsprovision zurück. Wirklich ärgerlich wird die ganze Sache nur bei Artikeln mit hohen Lagerungskosten (wie z.B. Autos), Artikeln, die schnell an Wert verlieren (wie z.B. Computer, oder insbesondere Konzert- oder Theater-Karten, deren Gültigkeit irgendwann erlischt), oder sehr hochpreisigen Artikeln, die Sie aus finanziellen Gründen verkaufen müssen. Aber egal, ob Auto oder Milchtüte - ärgerlich ist es allemal.
Daher mein Rat an Sie, wie Sie mit nicht zahlenden Kunden umgehen sollten: Schicken Sie dem Käufer nach 2 Wochen eine vorsichtige Anfrage (keine Beschuldigungen, keine Drohungen - das kann nach hinten losgehen), ob das Geld schon überwiesen wurde, und, falls nicht, ob der Käufer dies schnellstmöglich nachholen könne. Bekommen Sie keine Antwort, wiederholen Sie dies eine Woche später erneut, diesmal vielleicht etwas schärfer, aber immer noch freundlich. 4 Wochen nach Auktionsende würde ich den Artikel dann bei eBay als nicht bezahlt melden - auf keinen Fall früher, denn laut BGB sind Rechnungen immer erst 4 Wochen nach Rechnungsdatum fällig, daher ist niemand verpflichtet, den Betrag schon vorher zu bezahlen. Wenn sich der Käufer nicht meldet, lassen Sie ihn verwarnen, sodass Sie Ihre Gebühren zurückerhalten, und stellen Sie den Artikel erneut ein. Handelte es sich wirklich um einen der oben genannten Artikel, bei dem ein nicht-Verkauf besonders ärgerlich ist, sollten Sie zunächst den eBay-Kundenservice informieren, und, falls dies nichts nützt (was höchstwahrscheinlich der Fall sein wird), einen Anwalt einschalten, um den Wertverlust, oder die Lagerungskosten ersetzt zu bekommen.

2. Gebote zurückziehen

Ich habe vor einiger Zeit hier mal ein Handy mit einem eBay-Wert von ca. 70€ eingestellt. Am nächsten Tag war ich dann umso überraschter, als das Höchstgebot auf das Handy nach nur einem Tag schon bei ca. 120€ lag. Ich habe mir natürlich nichts dabei gedacht, sondern mich gefreut. Diese Freude währte allerdings nur noch sechs Tage. Dann ist das Angebot ausgelaufen und das Handy wurde für rund 5€ verkauft. Wie das geht? Die beiden einzigen Personen, die mehr geboten haben (die eine 120€ und die andere 121€) haben beide weniger als eine Minute vor Auktionsende ihre Gebote zurückgezogen und der Artikel ging somit an den Dritt-Höchstbietenden - für 5€. Die beiden Höchstbietenden waren also Freunde des Dritt-Höchstbietenden (oder vielleichts sogar er selbst) und haben absichtlich den Preis schon kurz nach Auktionsbeginn so weit hochgetrieben, dass sich kein anderer Mensch mehr dafür interessieren kann, dann jedoch in letzter Sekunde ihre Gebote zurückgezogen. Letztendlich habe ich den Artikel natürlich nicht verkauft, denn in einem solchen Fall, also wenn der Verkaufspreis nachweislich weit unter dem Wert liegt, kann ein solcher Kaufvertrag angefochten werden. Ich habe mit eBay Kontakt aufgenommen, und da diese drei Benutzer (hinter denen, wie sich später herausstellte, ein und dieselbe Person steckte) dieses Spielchen wohl schon öfter gespielt haben, sind sie inzwischen nicht mehr bei eBay unterwegs.
Daher mein Rat an Sie: Wenn Ihnen auch so etwas passiert, schildern Sie dem eBay-Kundenservice Ihr Problem und sorgen Sie so für eine Auflösung des Vertrags, möglichst bevor der Käufer sein Geld überwiesen hat.

3. Doppelkäufe

Eine noch weitaus raffiniertere Methode, braven Verkäufern teure Artikel abzuluchsen, sind so genannte Doppelkäufe: Jemand kauft einen voll funktionsfähigen Artikel bei Ihnen und denselben Artikel in defektem Zustand bei einem anderen Benutzer. Sobald Sie ihm Ihren (funktionstüchtigen) Artikel zugesandt haben, teilt Ihnen der Käufer mit, der von Ihnen erworbene Artikel sei defekt und sendet Ihnen mit genau dieser Begründung den bei eBay als defekt erstandenen Artikel zu. So gelingt es dem Käufer einen funktionstüchtigen Artikel zum Preis eines defekten zu erstehen. Und da diese Methode der Abzocke nicht so leicht zu durchschauen ist, denken die meisten Verkäufer, der Artikel sei beim Versand kaputt gegangen, erstatten den Kaufpreis zurück und merken nie, dass sie betrogen worden sind.
Daher mein Rat an Sie: Wenn Sie einen hochpreisigen Artikel verkaufen, notieren Sie sich immer die Seriennummer und/oder andere Merkmale, wie z.B. Kratzer an ganz bestimmten Stellen. Wenn Sie dann eine Reklamation bekommen, vergleichen Sie den zurückerhaltenen Artikel mit dem versandten. Falls Sie dies versäumt haben, sehen Sie sich die Bewertungen des Käufers an. Taucht dort irgendwo der defekte Artikel auf? Oder vielleicht andere defekte Artikel? Aber die meisten Betrüger werden nicht so dumm sein, diese unter demselben eBay-Account zu kaufen. Daher bleibt als einzige Möglichkeit tatsächlich die Notierung der Seriennummer.

4. Reklamationen

Viele Käufer machen sich noch nicht einmal die Mühe, einen Artikel doppelt zu kaufen - Sie kaufen einfach, behaupten dann fälschlicherweise, der Artikel weiche von der Beschreibung ab (erstatten evtl. sogar bei eBay diesbezüglich Meldung), erhalten aus Angst vor einer negativen Bewertung ihr Geld zurück, senden den Artikel jedoch nicht zurück. Das Problem hier ist, dass es sehr mühsam ist, dem Kundenservice nachzuweisen, dass Sie das Geld zurücküberwiesen, den Artikel jedoch nicht zurückerhalten haben. Sie müssen evtl. Kopien Ihrer Kontoauszüge einschicken, der Käufer wird jedoch steif und fest behaupten, er habe den Artikel bereits zurückgeschickt. Und Sie haben nichts gegen ihn in der Hand.
Daher mein Rat an Sie: Wenn es zu einer Reklamierung kommt, bitten Sie den Käufer, Ihnen Photos des Artikels zuzuschicken, auf denen die Mängel ersichtlich sind. Da diese Masche jedoch häufig bei ungeprüften Artikeln (Uhren mit leerer Batterie, Handys mit defektem Akku, etc.) angewandt wird, nützt Ihnen allerdings auch kein Photo. Daher empfehle ich Ihnen, ungeprüfte Artikel immer als defekt einzustellen. Erklären Sie, dass Sie keine Möglichkeit haben, das Gerät in Betrieb zu nehmen, und daher keine Garantie für einen eventuellen Defekt geben. Das drückt zwar den Verkaufspreis, schützt Sie jedoch vor Betrügern. Außerdem sollten Sie, falls es zu einer Reklamation kommt, immer eine versicherte Rücksendung verlangen (auch wenn Sie für diese etwas mehr bezahlen müssen), denn nur in diesem Fall bekommt der Rücksender einen Paketschein, mit dem er den Versand nachweisen kann. Kann er diesen im Ernstfall nicht dem eBay-Kundenservice vorlegen, können Sie im Gegenzug nachweisen, dass der Artikel nicht versandt wurde.

5. Epressungen

Diese Methode wird aufgrund ihrer Dreistigkeit und Offensichtlichkeit zwar eher selten angewandt, aber auch ich habe damit meine Erfahrungen gemacht und will sie daher der Vollständigkeit halber nennen: Käufer kaufen einen (meist niedrigpreisigen) Artikel bei Ihnen und melden diesen bei eBay sofort als nicht erhalten. Sie erhalten dann eine Androhung einer negativen Bewertung und einer Verwarnung seitens eBay, wenn Sie den Artikel nicht für einen günstieren Preis versenden. Manche Käufer versichern Ihnen auch felsenfest, sie hätten das Geld überwiesen und würden Sie bei eBay anschwärzen, wenn Sie den Artikel nicht versenden. Die meisten Verkäufer schicken den Artikel dann aus Angst vor einer Verwarnung und einer negativen Bewertung ab. Diese Erpressungsmethode wird durch das neue eBay-Bewertungssystem noch erleichtert, da der Käufer schließlich keine negative Bewertung zu befürchten hat. Das ist leider die Schattenseite dieser, wie ich finde, sonst sehr erfreulichen Änderung im eBay-Bewertungssystem.
Mein Rat an Sie: Wenn Ihnen sowas passiert, geben Sie dies sofort an den eBay-Kundenservice weiter, möglichst zusammen mit dem E-Mail-Verkehr zwischen Ihnen und dem Käufer. Wenn es wirklich hart auf hart kommt, kopieren Sie Ihre Kontoauszüge und senden sie ebenfalls an eBay als Beweis, dass Sie das Geld nie erhalten haben.


So, das war´s erstmal mit den Betrugsmethoden von Käufern hier bei eBay, die ich kenne. Falls mir noch weitere einfallen sollten, werde ich Sie hinzufügen. Falls Sie noch andere Methoden kennen, oder schonmal auf andere Weise als Verkäufer betrogen worden sind, mailen Sie mir doch einfach, oder verfassen Sie selbst einen Ratgeber über dieses Thema. Ich hoffe jedenfalls, dass ich Ihnen etwas helfen und die Angst nehmen konnte, sich im "Ernstfall" mit einem betrügerischen Käufer anzulegen.

Nützliche Links

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