Betamax & Betacam - Videorecorder im Fokus

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Betamax & Betacam - Videorecorder im Fokus

Die siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts sahen eine ganze Reihe von unterschiedlichen Formaten im Medienbereich. In dieser Zeit wurde zum Beispiel die Audiokassette groß und die „Compact Disc“ war gerade dabei, den Markt für sich zu erobern. Die Schallplatte konnte sich in dieser Zeit zwar noch behaupten, wurde langsam aber sicher zum Auslaufmodell.

Soviel zum Audiobereich. Im Videobereich sah es ähnlich vielfältig aus. Eines der Formate war das sogenannte Betamax, entwickelt von Sony. Sein späterer Ableger Betacam wurde für den professionellen Bereich geschaffen. Zwar konnte sich das VHS-Video-System behaupten. Betamax wurde jedoch auch, in kleinerem Umfang, von den Endverbrauchern verwendet.

Wieso nun dieser Ratgeber? Das ist eine berechtigte Frage. Der Erwerb und die Verwendung eines Betamax-Recorders sind heutzutage doch nicht mehr zeitgemäß. Die Bild- und Tonqualität ist wesentlich schlechter als bei digitalen Aufnahmeverfahren, Anschlussmöglichkeiten sind nur noch über Umwege zu realisieren. Außerdem werden Betamax-Recorder nicht mehr hergestellt.

Die Gründe, weswegen man einen Betamax-Recorder betreiben sollte, sind jedoch sehr unterschiedlich. Vielleicht haben Sie in der besagten Zeit ein solches Gerät besessen, es mit der Zeit aussortiert, aber die alten Bänder noch behalten. Jetzt möchten Sie sie wieder ansehen? Oder vielleicht möchten Sie sie sogar digitalisieren? Welche Beweggründe Sie auch immer haben mögen: Wenn Sie sich für Betamax und Betacam interessieren, sind Sie hier richtig.

Der Ratgeber wird zunächst einen kleinen Abriss zur Entstehung des Betamax-Systems geben. Weiterhin beschäftigt er sich mit den Vor- und Nachteilen der Magnetbandaufzeichnung im Allgemeinen und Betamax im Speziellen. Dabei sollen auch die Weiterentwicklungen des Betamax-Formates nicht zu kurz kommen. In einem letzten Teil soll der Betamax-Recorder im Detail besprochen werden.

Dabei erhebt der Ratgeber keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Er wendet sich an „Einsteiger“, bzw. an all diejenigen, die mit Betamax noch wenige Erfahrung gemacht haben. „Alte Betamax-Hasen“ kommen aber vielleicht auch auf ihre Kosten.

So entstand Betamax 

1975 war das Jahr von Betamax. Zu dieser Zeit stellte Sony sein Videosystem offiziell der Öffentlichkeit vor und zielte damit auf den Verbrauchermarkt für Heimbedarf. Der erste Betamax-Recorder war der SL-6300. Er wurde zunächst in Japan und den USA vertrieben. Am 5. April 1978 wurde die PAL-Version in Deutschland vorgestellt.

Es folgten weitere Recorder in schneller Folge. Einer der legendärsten Recorder war der LV-1901. Dieser bestand nicht nur aus dem Betamax-Recorder, sondern hatte auch gleich einen Fernseher mit an Bord. Zwei Geräte in einem Gehäuse. Die Entwicklung des „Beta-Formats“ ging immer weiter.

Konnte man mit den Geräten zunächst nur Kassetten mit einer Spieldauer von einer Stunde aufnehmen, wurde die Spiel- und Aufnahmelänge sukzessive erweitert. Neben Sony beteiligten sich ebenfalls Sanyo und Toshiba an der Weiterentwicklung des Formats.

Besonders in Japan und den USA wurde Betamax schnell beliebt. Hier konnte man „Zenith“, den amerikanischen Farbfernseherhersteller Nr.1 zur Verwendung des Beta-Formates gewinnen. Man entwickelte Dienstleistungen zur Überspielung der verbreiteten Super-8-Amateurfilme. 16 Rollen Super-8-Film passten auf eine einstündige Betamax-Kassette.

Trotz guter Marktstrategien versagte Sonys Marketing bei der Verbreitung des Beta-Formats. Das lag vor allen Dingen an der parallel angestoßenen Entwicklung und Einführung des VHS-Systems von JVC. Trotz objektiver Vorteile von Betamax gegenüber VHS, konnte sich Sonys Format nicht im Formatkrieg durchsetzen. Die letzten Geräte und wurden 2002 produziert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der japanische Konzern 18 Millionen Betamaxgeräte verkauft.

Aufzeichnung von Ton und Bild via Magnetband

Der Ratgeber möchte Ihnen im Folgenden einige kurze Hinweise zur Verwendung von Magnetbändern im Allgemeinen geben. Welches Format man auch immer hernimmt, die Videoaufzeichnung per Magnetband funktioniert nach demselben Prinzip.

Die Audio- und Videosignale, die in Form elektrischer Spannung von einem Quellgerät (bspw. einem Fernseher oder einer Kamera) an den Videorecorder gesendet werden, werden elektromagnetisch auf das Videoband aufmoduliert. Hierzu besitzt jedes Band eine magnetisierbare Schicht. Die Magnetisierung des Bandes wird mithilfe von Video- und Tonköpfen realisiert.

Diese bestehen aus ringförmigen Elektromagneten, die auf der bandzugewandten Seite über einen Kopfspalt verfügen, der das Band magnetisiert. Angetrieben wird das Videoband der Kassette dabei von der sogenannten Capstanwelle. An diese wird das Band mithilfe von Andruckrollen angepresst. Durch Rotation der Welle wird das Band transportiert.

Da jedes Videoband nicht nur einmal, sondern sehr oft bespielbar ist, befindet sich im Recorder ein zusätzlicher Löschkopf. Mithilfe dieses Löschkopfes wird das Band entmagnetisiert und all seine Informationen dadurch gelöscht.

Zur Wiedergabe und Aufzeichnung von Videoaufnahmen kommen dabei – unabhängig vom verwendeten Format – ausschließlich Kassetten zum Einsatz. Die robusten Kassetten bestehen zumeist aus Kunststoff. Sie integrieren die Auf- und Abwickelspulen sowie das Magnetband selbst.

Magnetbänder haben, obwohl sie fast nicht mehr zum Einsatz kommen, verschiedene Vorteile. Sie besitzen eine lange Lagerbarkeit (30 Jahre), sie sind mehrfach beschreibbar, sind kostengünstig und unanfällig gegen Stöße. Nachteilig wirkt sich allerdings aus, dass Videobänder sehr empfindlich gegenüber Staub, Feuchtigkeit und externe magnetische Felder sind. Sie haben lange Zugriffszeiten (Spulen), es gibt nur noch wenige Anbieter und sie sind zum Teil umständlich zu handhaben.

Betamax und seine Weiterentwicklungen      

Der Standardkassettentyp bei Betamax war die L-750 Kassette. Diese besaß eine Spieldauer von 195 Minuten. Weiterhin existierten Kassetten mit Spiellängen von 30 (L-125), 45 (L-165), 65 (L-250), 95 (L-370) und 130 (L-500) Minuten. Nicht sehr weite Verbreitung fand die L-830 mit einer Spieldauer von 215 Minuten. Die Angabe L steht dabei für die Länge des Bandes in Fuß.

In Deutschland betrug die Bandgeschwindigkeit bei einem PAL-Gerät 1,95 Zentimeter pro Sekunde. Das Band war ein halbes Zoll breit. VHS-Systeme nutzten eine Bandgeschwindigkeit von 2,34 Zentimetern in der Sekunde. Auf das VHS-Band konnten die Video- und Audiodaten nicht so dicht aufmoduliert werden. Es besaß eine um 20 % geringere Speicherdichte als das Betamax-Band.

Superbeta war die erste Weiterentwicklung von Betamax

Hatte man in den siebziger Jahren bereits viel Erfahrung mit dem Betamax-Format gesammelt, stellte man in den achtziger Jahren eine erste Weiterentwicklung vor: Superbeta. Das Format war abwärts kompatibel zu dem bisherigen Betamax-Format. Alle Superbeta-Recorder konnten daher auch Betamax-Kassetten abspielen und aufnehmen.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger besaß Superbeta eine weitaus bessere Auflösung und ein deutlich geringeres Bildrauschen. Im Formatkrieg gegen VHS konnte sich Superbeta jedoch nicht gegen das zeitgleich erschienene Super-VHS durchsetzen.

ED-Beta stellte den letzten Versuch dar, das Beta-Format am Markt zu positionieren

ED-Beta war wiederum eine Weiterentwicklung des Superbeta-Formats. Mit einem Videofrequenzgang von 10 MHz und einer Auflösung von 6000 Linien war es seinen Konkurrenten haushoch überlegen. Genauso wie Superbeta war ED-Beta abwärts kompatibel zu seinen Vorgängern.

Das Magnetband von ED-Beta war mit einer speziellen Metalllegierung beschichtet. ED-Beta wurde dabei nur in den USA und in Japan vermarktet. Das Format hatte allerdings wiederum kein Glück. In Europa wurde es gar nicht erst eingeführt.

Betacam als Format zur professionellen Anwendung

1982 stellte Sony Betacam für die professionelle Anwendung im Broadcastingbereich vor. Es benutze zwar das von Betamax bekannte Kassettenformat, war mit diesem jedoch inkompatibel. Betacam benutzte ein anderes Aufzeichnungssystem innerhalb der Recorder und Kameras.

Dabei nimmt Betacam auf einem oxidbeschichteten Band auf. Hierbei werden sowohl die Helligkeitssignale aus auch die Farbdifferenzsignale auf getrennte Spuren aufgezeichnet. Dies wird von ebenfalls getrennten Köpfen erledigt. Die Differenzsignale werden dabei zeitlich komprimiert (in doppelter Geschwindigkeit) auf das Band geschrieben.

Die Folge ist eine sehr hohe Farbqualität. Die Bildauflösung wiederum erreicht 4 MHz und stößt dabei an die Grenzen von Oxidmagnetbändern. Die maximale Spieldauer für ein Band beträgt 36 Minuten.

Betacam SP als Weiterentwicklung von Betacam

Heute ist Betacam das noch am häufigsten verwendete MAZ-Format. Es wurde von Sony 1986 vorgestellt. Die Abkürzung SP steht für „Superior Performance“. Betacam SP konnte die Qualität seines Vorgängers noch einmal erweitern. Es gibt zwei verschiedene Kassettentypen. Diese haben eine maximale Spieldauer von entweder 30 oder 90 Minuten. Gerade für den Broadcastingbereich bietet das Betacam SP Format bis zu vier Tonspuren.

Weitere Nachfolger des Betacam-Formats bestimmen noch heute die Fernsehtechnik

Digital Betacam, 1993 eingeführt, komprimiert die Audio- und Videodaten digital auf dem Band. Hierzu wird ein blockbasiertes DCT-Verfahren verwendet. Auch hier sind vier Tonspuren verfügbar. Es ist abwärts kompatibel zu Betacam und Betacam SP und benutzt Bänder mit einer maximalen Spieldauer von 40 oder 124 Minuten.

1996 stellte Sony Betacam SX vor. Hierbei werden die Daten bereits mit einer Datenkompression im Faktor 10:1 auf das Band gespielt. Genutzt wird hierbei das MPEG-2-Verfahren. Dabei beträgt die Datenrate 44 Mbit/s. 18 Mbit werden für das Videosignal, 3 Mbit für das Audiosignal verwendet. Die restliche Bandbreite wird für den Fehlerschutz und die Fehlerkorrektur verwendet.

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