Besteck-Entwürfe v. Behrens, Christiansen, Olbrich etc.

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Täglich in der Hand! Täglich in der Hand??

Es finden immer wieder Angebote ihren Weg zu ebay, die in der Beschreibung insinuieren, daß es sich bei diesem oder jenem Besteckteil um Entwürfe von Behrens, Olbrich, Christiansen, Riemerschmid oder gar van de Velde, handelt -obwohl sie es offenkundig nicht sind. Wenn der/die AnbieterIn besonders ehrlich ist, wird durch "??" bekundet, daß er/sie sich darüber nicht sicher ist, respektive es dem Käufer überläßt, sich ein Urteil zu bilden und letztendlich zu entscheiden, ob man es für einen entsprechenden Entwurf hält oder nicht.

Nun: die Besteckentwürfe o.g. Künstler (auch anderer "Designer") sind dank der unermüdlichen Arbeit von Experten wie Frau Grotkamp-Schepers, Hrn. Klein (Riemerschmids Bestecke f. Bruckmann), Hrn. Sänger, Hrn. Ziffer, Hrn. Amme nicht zu vergessen, seit Jahren bestens dokumentiert. Es ist keine Neu-Entdeckung zu erwarten; mit anderen Worten: Alle Besteckmuster sind bekannt und abgebildet; es gibt keinen Freiraum für Zuschreibungen oder gar Spekulationen. Es ist entweder Behrens -oder nicht Behrens, aber nicht ein bißchen Behrens...

Wenn ein Käufer unsicher ist, nicht über die entsprechende Literatur verfügt und keinen Experten fragen kann, sollte er eine Bibliothek aufsuchen und Fachliteratur konsultieren.

Behrens hat für die Sächsische Metallwarenfabrik A. Wellner Söhne, Aue i.S., zwei Modelle entworfen, nämlich das "schwere Hotelmuster moderner Form" (Modell-Nr. 175) vor 1910, und das Modell mit der Nummer 124 um 1902. Modell 175 wurde naturgemäß (Verwendung in der Gastronomie) nur in Alpacca hergestellt, hingegen Modell 124 gab es sowohl in Silber als auch in Alpacca. Für F. Bahner AG, Silberwarenfabrik, Düsseldorf, entwarf Peter Behrens vier Modelle, mit den Bezeichnungen 6200, 6300, 8200 und 8400. Diese wurden ausschließlich in Silber ausgeführt. Modell 6300 ist so rar, daß kaum je einer ein Exemplar in der Hand gehalten haben dürfte. Modell 8200 wurde zum Teil (in Lizenz?) in Dänemark produziert. Solche Teile finden sich immer wieder, auch in ebay. Für die Firma M.J. Rückert, Silberwarenfabrik, Mainz, entwarf Behrens drei Bestecke: das Modell Nr. 4800 - Modell "Haus Behrens" (um 1900/01), ferner das sog. "Wertheim-Modell" (um 1901/02) und modifizierte das bereits vorhandene Modell Nr. 5100 (um 1901/04), das ein hauseigener Entwurf war. Alle wurden ausschließlich in Silber ausgeführt.

Hans Christiansen hat zwar mehrere Bestecke entworfen, da anscheinend nur das Modell 3001 (häufiger: 3001 1/2, mit Abweichungen bei Gabeln und Messern), hergestellt bei P. Bruckmann & Söhne, Heilbronn, je ausgeführt wurde, es hinlänglich bekannt ist, wird auf weitere Ausführungen verzichtet.

Joseph Maria Olbrich hat drei Besteckentwürfe geliefert. Für Christofle, Paris/Karlsruhe, das Modell 5920a in Alfenide versilbert; für Clarfeld & Springmeyer, Hemer i.W., das Modell Nummer 2000, das anscheinend zum Teil auch von anderen Manufakturen produziert wurde, in Alpacca versilbert. Für A. Wellner das Modell Nummer 130 "Kant", evtl. in Silber, jedenfalls in Alpacca. Auf Besonderheiten (sog. Leykauf-Klinge beim Messer d. Modells 5920a; von Christofle überarbeiteter Entwurf desselben Modells mit der Bezeichnung 9357 "Louvre") wird nur am Rande hingewiesen.

Richard Riemerschmid hat mehrere Bestecke entworfen, darunter so seltene wie das sog. "Secessions"-Modell und andere für die Vereinigte(n) Werkstätten für Kunst im Handwerk, die so rar sind, daß auf die Fachliteratur hingewiesen wird. Von Belang sind zwei Modelle, für Carl Weishaupt, München, entworfen, nämlich das Modell "CWM", um 1908 (und nicht um 1911-12, wie meist in der Literatur angegeben wird), und das seltenere Modell M350, auch "CWR" genannt, um 1911. Beide Modelle wurden bei Bruckmann/Heilbronn ausgeführt und finden sich nicht in der Modellliste von Bruckmann. Die Originalklingen waren mit dem Zeichen der Vereinigte(n) Werkstätten (selten), oder mit dem Carl Weishaupts bezeichnet. Die Modellbezeichnungen "CWM" und "CWR" sind im Katalog "Bruckmann Heilbronn Silber für die Welt" vertauscht und nur Lesern des Buchs

Das Münchner Goldschmiedegewerbe von 1800-1868, Matthias Klein (Verf.), Beiträge zur Kunstwissenschaft Band 50

dürfte dieser Umstand bekannt sein (anhand der Originaldokumente). Das Modell M309 und das Secessionsbesteck erfuhren so kleine Auflagen, sodaß sie nur dem Fachpublikum bekannt sein dürften und hier nicht von Interesse sind.

Bei van de Velde verweise ich ausschließlich auf die Fachliteratur, z.B. Reinhard W. Sänger, "Das deutsche Silber-Besteck", Stuttgart 1991, Arnoldsche.

Zusammenfassend läßt sich feststellen: Die Entwürfe beim deutschen Silberbesteck lassen sich allesamt nachweisen, es gibt keinen Freiraum für Spekulationen à la ganz im P. Behrens Stil; Entwurf P. Behrens ? und dergleichen. Auch die Anbieter (Verkäufer) möchten dies doch beherzigen und von falschen Zuschreibungen absehen.

 

PS: Wegen der Copyright-Problematik mußte ich auf Fotos aus Publikationen verzichten. Sollte sich herausstellen, daß Abbildungen erwünscht sind, werde ich solche von den Objekten aus meiner Sammlung einstellen. Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, speziell in Detailfragen. Es gibt natürlich eine Menge anderer Jugendstil-Besteckentwürfe, z.B. von Vogeler, Lock, Albin Müller, Karl Groß... Alles zu finden in der Fachliteratur. Für Hinweise, Verbesserungen, errata und addenda bin ich dankbar.

Verwendete Marken- und Produktnamen sind Handelsmarken, Warenzeichen oder eingetragene Warenzeichen der entsprechenden Inhaber.

 

Modell 124 für Wellner                                                   "Haus Behrens"

 

 

Bahner Modell 8200


  Modell Wertheim

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