Besonderes Licht in absoluter Dunkelheit – Wissenswertes über die Dunkelkammerbeleuchtung

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Besonderes Licht in der absoluten Dunkelheit – Hintergründe und Wissenswertes über die Dunkelkammerbeleuchtung

Fotos selbst zu entwickeln liegt heute wieder voll im Trend. Anders als bei der Digitalfotografie sind analog gemachte Fotos nicht sofort präsent, sondern müssen erst in einem Fotolabor mithilfe bestimmter Verfahren und Chemikalien entwickelt und auf Fotopapier gebracht werden. Dieser Vorgang lässt sich bei schwarz/weiß Fotografien auch relativ einfach zu Hause bewerkstelligen. Es ist spannend, zu erleben, wie aus dem Nichts allmählich die aufgenommenen Motive erscheinen.
Zentrale Grundlage für diese Tätigkeit ist ein völlig lichtdichter Raum, auch Dunkelkammer genannt. Die Verdunkelung bezieht sich hierbei auf das Aussperren der Lichteinflüsse von außen. In der Dunkelkammer selbst gibt es dagegen schon Licht. Allerdings muss dieses Licht spezielle Ansprüche erfüllen, damit es für die Filmentwicklung geeignet ist. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten der Dunkelkammerbeleuchtung es gibt und was Sie generell bei der Einrichtung Ihrer Dunkelkammer beachten müssen.

Grundlagen der Fotografie – so kommen die Motive auf den Film

Da der absolute Ausschluss von Licht essenziell ist für die Qualität der Ergebnisse, sollten Sie Ihre Dunkelkammer sorgfältig planen und einrichten. Gerade beim entwickeln des Films in der Filmentwicklungsdose ist Licht absolut tabu. Hier darf nicht einmal die spezielle Dunkelkammerbeleuchtung aktiv sein, denn ein kurzer Lichtstrahl genügt und der gesamte Film ist wertlos. Warum ist das so? Filme für die Fotografie bestehen aus lichtempfindlichem Material. Das heißt, sie sind mit einer lichtempfindlichen Substanz beschichtet. Dabei handelt es sich um eine Trägerschicht mit eingelagerten Körnchen aus einem Silberhalogenid wie zum Beispiel Silberbromid. Bei Lichteinfall lösen sich diese Stoffe aufgrund einer chemischen Redoxreaktion in seine Bestandteile auf. Bei Silberbromid wären das beispielsweise Brom und Silber. Das Brom verdunstet in die Luft, während das metallische Silber auf dem Film verbleibt. Dort entsteht ein sogenanntes „verstecktes Silberbild".

Die Filmentwicklung – Bilder aus dem Nichts

Die versteckten oder latenten Silberatome sind noch zu klein, als dass sie mit bloßem Auge oder mit dem Mikroskop erkannt werden könnten. Diese fein verteilte Silberschicht ist so fein, dass sie nicht metallisch glänzt, sondern schwarz erscheint. Diese belichteten Silberatome bilden sogenannte Cluster (= Haufen) mit bis zu 4 Silberatomen, sie werden auch als Keime bzw. Entwicklungskeime bezeichnet. Durch diese Keime können bestimmte Chemikalien, die Entwicklerflüssigkeiten, den gesamten Silberhalogenidkristall in metallisches Silber umwandeln. In dieser Lösung beginnt sich das belichtete Motiv zu entwickeln. Es taucht buchstäblich langsam auf dem bis dato leeren Filmstreifen auf und wird stetig schwärzer und schwärzer, da die chemische Reaktion, einmal in Gang gesetzt, automatisch weiter verläuft. Wird der exakte Moment verpasst und der Film zu lange entwickelt, wirken die entstandenen Negative zu dunkel oder sogar völlig schwarz.
Die Entwicklungszeiten richten sich dabei nach der Art des verwendeten Films und der benutzen Chemikalien. Die in den Gebrauchsinformationen angegebenen Zeiten, Temperaturangaben und Dosierungen sind auf jeden Fall strikt einzuhalten. Nach dem Entwickler folgt das Stoppbad, um die chemische Reaktion zu beenden. Anschließend dann noch ein Bad in einem Fixierer. Hierbei werden die Reste des lichtempfindlichen Materials chemisch herausgewaschen. Erst jetzt ist der Film fertig entwickelt und die Negative können nach dem Trocknen gefahrlos unter Licht betrachtet und weiterverarbeitet werden. Fällt vor dem Fixieren Licht auf den Film, reagiert das Silberhalogenid erneut mit dem Licht und die Motive auf dem Film sind zerstört.

Nun können Sie daran gehen, die entwickelten Negative zu vergrößern und auf Fotopapier abzulichten. Fotopapier ist im Gegensatz zu den mit Silberhalogeniden beschichteten Filmen für bestimmte Wellenlängen unempfindlich. Welche es genau sind, liegt wieder an den verwendeten Materialien. Daher können Sie bei diesen Schritten mit einer speziellen Dunkelkammerbeleuchtung arbeiten.

Zwischen Licht und Dunkel - die Einrichtung der Dunkelkammer

Eine Dunkelkammer muss nicht besonders groß sein. Wichtigstes Kriterium ist, dass der Raum aus obengenannten Gründen absolut lichtdicht gemacht werden kann. Dazu gehört die völlige Verdunkelung der Fenster, das Abkleben des Schlüssellochs und das Abdecken der Türritzen. Achten Sie dabei auf eine ausreichende Belüftung der Dunkelkammer. Aufgrund der verwendeten Chemikalien kann es sonst insbesondere in kleinen Räumen zu Atembeschwerden und Vergiftungserscheinungen kommen. Am besten eignet sich zu diesem Zweck eine fest eingebaute Lüftungsanlage. Wenn diese nicht realisierbar ist, sollten Sie den Raum zwischen den einzelnen Arbeitsschritten wann immer es geht kräftig durchlüften.

Nun können Sie Ihre Dunkelkammer mit dem nötigen Arbeitsgerät und einer geeigneten Beleuchtung ausstatten. Die gängige Vorstellung davon ist nach wie vor ein schummriges Rotlicht. Das stimmt aber nur noch zum Teil und ist, wie gesagt, abhängig von dem verwendeten Fotopapier. Entgegen der landläufigen Meinung ist es nicht notwendig, die Wände der Dunkelkammer komplett schwarz zu färben. Dies empfiehlt sich nur rings um den Vergrößerer, da weiße Wände hier das Licht reflektieren können und es bei der Belichtung zu Störeffekten kommen kann. Als Alternative zur schwarzer Farbe können Sie auch schwarzen Moltonstoff benutzen.

Rot, Orange oder Gelb - das Papier bestimmt das Arbeitslicht

Fotopapier ist unempfindlich für Licht einer bestimmten Wellenlänge. Daher kann es bei einer Beleuchtung mit dieser Lichtfarbe verarbeitet werden, ohne dass die Fotos davon beeinflusst werden. Allerdings ist dieses Lichtspektrum verschieden. Einige Papiersorten können beispielsweise nur bei Rotlicht eingesetzt werden während andere rotes und gelbes Licht tolerieren. Gerade Gradationswandelpapiere benötigen dagegen bernsteinfarbenes oder orangenes Dunkelkammerlicht. Dazu kommen noch viele Festgradationspapiere, die ein spezielles gelbgrünes Licht erfordern. Welches Papier welche Lichtfarbe benötigt, steht in der Regel auf der Verpackung des Fotopapiers. Im Handel finden Sie zudem jede menge Ratgeber und Sachbücher zum Thema Dunkelkammergestaltung und Fotoentwicklung mit nützlichen Informationen zu den gebräuchlichsten Beleuchtungsarten.

Generell gilt es, mit der Dunkelkammerleuchte den gesamten Arbeitsplatz gleichmäßig auszuleuchten. Dabei sollte die Leuchte nicht zu dicht über dem Tisch platziert werden, damit sie nicht beim Arbeiten stört.

Der Schleiertest – das Dunkelkammerlicht auf dem Prüfstand

Um herauszufinden, ob die Dunkelkammerbeleuchtung für das jeweilige Fotopapier geeignet ist, empfiehlt es sich, den sogenannten Schleiertest durchzuführen. Es gibt verschiedene Variationen dieses Tests. Im Folgenden werden Ihnen zwei davon vorgestellt.

1. Der Münztest

Nehmen Sie bei eingeschalteter Dunkelkammerbeleuchtung ein frisches Blatt Fotopapier aus der Verpackung und legen Sie eine Münze darauf. Halten Sie diese Münze mit dem Finger fest, damit sie nicht verrutscht und gehen Sie nun mit dem Papier überall dort herum, wo Sie bei der Fotoverarbeitung auch sein würden (Vergrößerer, Platz mit dem Entwicklungsbad etc.). Schalten Sie nach ca. 4 Minuten das Licht aus und beginnen Sie das Papier in absoluter Dunkelheit zu entwickeln, fixieren und zu wässern. Nun können Sie das Fotopapier bei „normalem" Tageslicht oder Lampenlicht begutachten. Ist der Abdruck der Münze auf dem Papier als hellerer Fleck zu sehen, ist die gewählte Beleuchtung der Dunkelkammer nicht für das Fotopapier geeignet.

2. Der Vergleichstest

Dieser Test ist etwas umfangreicher, dafür liefert er jedoch auch aufschlussreichere Ergebnisse. Legen Sie dazu ein Papier bei ausgeschaltetem Dunkelkammerlicht in den Vergrößerer und belichten sie stufenweise so lange, bis es gerade beginnt, ein leichtes Grau zu zeigen. Stoppen Sie diese Zeit der Grundbelichtung. Danach legen Sie wiederum ein Papier in den Vergrößerer und belichten es genau diese ermittelte Zeitspanne lang. Nun decken Sie das Papier bis auf einen etwa 4 cm breiten Streifen am Rand mit einem Karton ab und schalten die Dunkelkammerleuchte ein. Warten Sie je 30, 60 und 120 Sekunden und decken Sie dabei das Papier stets um ein weiteres Stück ab. Anschließend das Testpapier entwickeln und trocknen lassen. Dieses Papier gibt Ihnen einen recht genauen Aufschluss darüber, ob und wann die Beleuchtung Schleier erzeugt.

Licht ist nicht gleich Licht

Da Rotlicht in der schwarz/weiß Entwicklung für viele Papierarten geeignet ist, liegt es nahe, sich einfach eine handelsübliche 15 Watt Glühlampe mit rotem Glas zu besorgen. Aber Vorsicht: Solche Lampen besitzen meist ein zu weit gestreutes Spektrum, sodass es dabei zu Verschleierungen kommen kann. Spezielle Dunkelkammerleuchten weisen dagegen ein erheblich engeres Lichtspektrum auf. Zudem besitzen sie eine Schutzkappe am Sockel, damit garantiert kein weißes Licht nach außen dringen kann. Der Kopf der Glühlampe besteht bei der professionellen Fotolabor-Version auch nicht aus einfachem Glas, sondern aus Opalglas mit einem elastischen roten Überzug. Achten Sie beim Kauf von gebrauchten Dunkelkammerleuchten darauf, dass dieser Überzug noch intakt ist und keine Risse oder Löcher aufweist. Schon kleinste Beschädigungen lassen weißes Licht austreten und verändern das Lichtspektrum der Lampe.

Alternativ dazu eignen sich auch rote LED-Lampen als Dunkelkammerbeleuchtung. Sie punkten mit geringem Stromverbrauch und hoher Bruchfestigkeit. Außerdem entwickeln LED-Lampen keine Wärme, was besonders dem Klima in kleinen Dunkelkammern zugutekommt. Wer oft und viel in der Dunkelkammer arbeitet, bekommt mit einer etwas teureren Profi-Lampe das perfekte Arbeitslicht. Diese Leuchtstoffröhren gibt es je nach Modell mit auswechselbaren Filtereinsätzen. Damit können Sie wahlweise rotes, orangenes oder beinsteinfarbenes Licht erzeugen.

Fazit:

Durch den Umgang mit lichtempfindlichen Materialien ist die richtige Beleuchtung in der Dunkelkammer ein entscheidender Faktor für optimal entwickelte Fotos. Beim Entwickeln des Films wird absolute Dunkelheit benötigt, daher empfiehlt sich die Verwendung einer professionellen, lichtundurchlässigen Filmentwicklungsdose. Für das Vergrößern und Übertragen der Motive auf Fotopapier benötigen Sie eine spezielle Dunkelkammerlampe, für deren Lichtspektrum das verwendete Papier unempfindlich ist. Dieses Spektrum kann sich je nach Art des Papiers ändern. Achten Sie daher auf die Angaben des Herstellers. Um sicherzugehen, dass das verwendete Licht für das Fotopapier geeignet ist, können Sie den sogenannten Schleiertest anwenden. Bei diesem wird ermittelt, ob und wie sehr die Dunkelkammerbeleuchtung das Fotopapier beeinträchtigt.

Als Dunkelkammerbeleuchtung eignen sich zum einen Glühlampen mit rotem Farbüberzug sowie professionelle Dunkelkammerleuchten mit verschiedenen Farbfiltern. Da jedes Fotopapier anders ist, ist es ratsam, vor der Verwendung einer neuen Sorte oder beim Kauf einer neuen Lampe erneut einen Schleiertest durchzuführen.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber