Bergstiefel

Aufrufe 40 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Wer ins Gebirge geht zum Wandern, sollte das richtige Schuhwerk tragen. Nicht irgendwelche Flachlandtrittchen, auch nicht Turnschuhe. Solche Leute liebt die Bergwacht besonders, wenn sie Träger/innen solchen Schuhwerks halblebendig oder ganz tot bergen muss. Schon auf einer abschüssigen Bergwiese kann man mit unpassendem Schuhwerk einen plötzlichen Abgang talwärts erleben. Turnschuhe und Laufschuhe haben eine dämpfende Sohle, aber das hilft nichts auf Geröll, feuchten Bergwiesen oder abschüssigem Gelände.  Also: gute Bergstiefel haben eine griffige Sohle (z.B. die famose VIBRAM-Sohle) und sind halb- oder ganz hoch, um im Fuß nicht umzuknicken. Die Profilsohlen härten mit den Jahren  aus: sie werden dann rutschiger. Abhilfe schafft sanftes Aufrauhen mit Schmirgelpapier oder Drahtbürste. Die Farben der Stiefel oder der Schnürsenkel sind ziemlich nebensächlich. Wer stundenlang Geröllfelder quert oder durch Matsch und Schlamm stapft, wird sich danach über das Aussehen seiner neuen Stiefel wundern. Es sind Verschleißartikel, keine modischen Schmuckstücke. Die Lebensdauer von PU-Zwischensohlen ist etwa 12 bis 15 Jahre, dann werden die PU-Keile zur Trittdämpfung brüchig, unabhängig davon, wie oft die Stiefel getragen wurden!  Manche Bergstiefel haben über die Spitzen gezogene Gummiränder, die praktischerweise den Stiefel vor vorzeitigem Verschleiß schützen. Velourslederstiefel werden unschön blank, wenn sie mit Sport-Wax behandelt werden. Glattleder finde ich besser. Ganz wichtig: die richtige Größe! Ich habe festgestellt, daß ich statt normalerweise Größe 10 bei Bergschuhen Größe 11 1/2 brauche. Auch das halbstündige Herumlaufen mit Stiefeln im Sportgeschäft zeigt nicht die gleiche Wirkung wie nach achtstündiger Wanderung mit Kletterei - weil die Füße erst bei Betrieb richtig anschwellen! Sehr schmerzhaft, wenn der Stiefel dann zu klein wird. Außerdem: Druckstellen an den Zehen können Fußpilz hervorrufen, also die Stiefel groß genug wählen! Wer orthopädische Ganzfußeinlagen mit Weichbettung hat, kann sie anstatt der Stiefeleinlagen austauschen. Dann gibt es verschiedene Weiten. Manche Stiefel sind von Haus aus schmal geschnitten. Für meine Füße passen am besten die von Haus aus breit-bequem geschnittenen MEINDL-Stiefel. Die Sohlen sind für normale Bergtouren noch biegsam. Nur wer höher hinaus will auf Gletscher etc., der braucht eine steife Sohle, um daran Steigeisen befestigen zu können. Da nützt auch Goretex was, weil es draußen kälter ist als im Schuh drinnen. Ansonsten braucht man Goretex.nicht. Weil durch die Goretex-Membrane die Luftzirkulation und der Schweißabtransport nach draußen bei normalen Temperaturen, also keinem großem Temperaturunterschied zwischen Füßen und der Außentemperatur, stark eingeschränkt sind. Fußpilzgefahr!! Ich habe meine Bergstiefel vor Touren mit Sport-Wax so gut versiegelt, daß auch nach sechs Tagen im österreichischen Alpen-Dauerregen noch kein Wasser durchkam. Wichtig: an den Stiefelsocken nicht sparen! Am besten ist Funktionsfaser. Darunter ziehe ich dünne Funktions-Unterziehsocken. Wenn dann etwas scheuert, dann nur Socke auf Socke, aber nicht auf Haut. Auf der Bergtour kann man das Waschen der Socken total vernachlässigen. Übertriebene Hygiene durch tägliche Wascherei der Socken mit Chemie kann zu unschönen Hautreizungen führen. Lieber den Fußschweißgeruch mann/frauhaft ertragen, als die Füße unnötig reizen.  Noch etwas zum Thema Bergunfall: die meisten Unfälle passieren beim Abstieg, weil viele dann nicht mehr aufpassen. Faustregel: wenn man gucken möchte, die Aussicht genießen, bleibt man stehen. Beim Gehen achtet man nur auf den Weg. Wer beides gleichzeitig macht, Umhergucken und Laufen, riskiert seine Knochen und macht der Bergwacht viel Arbeit. Mit Stöcken kann man bergabwärts seine geschundenen Knie entlasten, nützlich für Träger/innen schwerer Rucksäcke. Auf asphaltierter Straße empfinde ich Stockeinsatz etwas deplaziert.
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden