Bereit fürs Turnier: So wählen Sie die passenden Gamaschen und Decken für Ihr Pferd aus

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Bereit fürs Turnier: So wählen Sie die passenden Gamaschen und Decken für Ihr Pferd aus

Wer sich dafür entscheidet, mit seinem Pferd an Turnieren teilzunehmen, wird schnell feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, sich durch die vielen Reglementierungen bezüglich der Ausrüstung von Pferd und Reiter zu kämpfen. Ist es dem Freizeitreiter weitestgehend freigestellt, welche Decken, Gamaschen und Zaumzeuge er benutzt und welche Kleidung er selbst beim Reiten bevorzugt, so sieht es auf den Turnierplätzen in Deutschland ganz anders aus. Hier wird durch die Leistungsprüfungsordnung, kurz LPO, geregelt, welche Ausrüstung für die unterschiedlichen Disziplinen und Leistungsklassen zulässig ist und welche nicht. Da eine Missachtung der Reglementierungen – ungeachtet dessen, ob sie bewusst oder unbewusst geschieht – unausweichlich zum Ausschluss aus der jeweiligen Prüfung führt, ist es sinnvoll, sich im Vorfeld im Detail darüber zu informieren und entsprechende Ausrüstungsgegenstände für Reiter und Pferd frühzeitig anzuschaffen.

Schutz für teure Pferdebeine: Gamaschen und Springglocken

Zum Schutz der empfindlichen Beine des Pferdes benutzen viele Reiter beim alltäglichen Training und auf Ausritten Gamaschen. Sie wirken ähnlich wie Knie- bzw. Ellbogenschoner und sind daher ein durchaus nützlicher Teil der Ausrüstung. Auf Turnieren gibt es bezüglich des Beinschutzes jedoch bestimmte Reglementierungen, die je nach Art der Prüfung variieren. Für Dressurprüfungen ist die Benutzung von Gamaschen in allen Leistungsklassen strikt untersagt. Lediglich beim Abreiten dürfen die Beine geschützt werden, zur Prüfung selbst ist dies aber nicht gestattet. Anders sieht es bei Springprüfungen aus: Egal, ob auf dem Reitplatz oder im Geländeparcours, die Verwendung von Gamaschen oder alternativ von Bandagen ist Pflicht, da das Verletzungsrisiko im Springparcours bedeutend höher ist als im Dressurviereck.

Verschiedene Gamaschenformen

Um den empfindlichen Pferdebeinen optimalen Schutz zu gewähren, ohne die Bewegungsfreiheit und den Blutzufluss zu den Hufen einzuschränken, gibt es unterschiedlich geformte Gamaschen für die Vorder- und Hinterbeine. Über die hinteren Fesselgelenke werden meist sogenannte Streichkappen gestreift, die verhindern, dass das Pferd sich beim Zusammenschlagen der Beine über dem Sprung selbst verletzt. Zusätzlich können Sie die vorderen Fesselköpfe mit Springglocken schützen. Da die Optik von Pferd und Reiter in Spring- und Geländeprüfungen im Gegensatz zu den Dressurprüfungen nicht ausschlaggebend ist, haben Sie bei der farblichen Auswahl der Gamaschen völlige Freiheit. Lediglich für Stilspringprüfungen, die nur in den unteren Leistungsklassen vorkommen und in denen auch der Gesamteindruck eine Rolle spielt, empfiehlt es sich, weiße Protektoren zu verwenden.

Transportgamaschen

Neben den Gamaschen, die beim Reiten benutzt werden, gibt es außerdem sogenannte Transportgamaschen. Diese sind hilfreich, um die Pferdebeine während der Fahrt zum Turnierplatz zu schützen. Der Vorteil dieser speziellen Gamaschen ist der optimale Schutz für Gelenke, Haut und Fell im Transporter, jedoch reagieren nicht alle Pferde positiv auf die großen Protektoren, da sie die Bewegungsfreiheit stark einschränken. Wenn sich Ihr Pferd mit Transportgamaschen unwohl fühlt, können Sie auch einfache Bandagen – am besten mit einer weichen Unterlage – oder Reitgamaschen beim Transport verwenden.

Decken für unterschiedliche Zwecke auf dem Turnierplatz

Pferdedecken gibt es in unzähligen Varianten: als Sattelunterlage, als Schutz vor Wind und Wetter oder zur Insektenabwehr. Auch auf dem Turnier kann es sinnvoll sein, verschiedene Decken im Gepäck zu haben. Ein absolutes Muss ist, nicht nur auf Turnieren, die Benutzung einer Satteldecke. Diese gibt es in verschiedenen Formen und unterschiedlichen Längen, je nachdem, ob sie unter einem Spring- oder Dressursattel verwendet werden. Viereckige Satteldecken werden auch Schabracke genannt und in Dressurprüfungen oft bevorzugt, da sie edler wirken als eine normale Satteldecke. Zum Unterstreichen der Optik gibt es auch Dressurschabracken, die mit Strass besetzt sind. Ein glamouröser Auftritt ist Ihnen und Ihrem Pferd mit einer solchen Decke garantiert. Unabhängig davon, ob Sie eine Schabracke oder eine Decke in Sattelform verwenden möchten, sollte diese in Dressurprüfungen immer weiß sein. Gleiches gilt auch für Stilspringprüfungen. Für Zeitspringprüfungen haben Sie die freie Auswahl bezüglich Farbe und Form der Sattelunterlage, grundsätzlich sind Decken in Sattelform im Springsport aber häufiger anzutreffen.

Abschwitz- und Fliegendecken

Gerade im Sommer, in der Zeit, in der die meisten Turniere stattfinden, wird Ihr Pferd nach dem Reiten oft schwitzen. Damit es mit dem nassen Fell nicht friert oder sich erkältet, was gerade bei kühlem Wind schnell passieren kann, empfiehlt es sich, sofort nach gerittener Prüfung eine Abschwitzdecke überzuwerfen. Diese dünne Decke schützt vor Zugluft und nimmt den Schweiß auf, sodass das Pferd schneller trocknet. Ist das Pferd zur Zeitüberbrückung zwischen zwei Prüfungen unter freiem Himmel angebunden, kann es außerdem nützlich sein, ihm im Anschluss an die Abschwitzdecke eine dünnere, luftdurchlässige Fliegendecke überzuwerfen, die das Pferd vor Insekten wie Fliegen und Bremsen schützt, ohne das Fell von Licht und Luft zu isolieren.

Das passende Gebiss – eine Wissenschaft für sich

Ein Gebiss zu finden, das zur eigenen Reitweise passt und sowohl den Ansprüchen des Pferdes als auch dem eigenen Können gerecht wird, ist schon im Trainingsalltag nicht einfach. Noch schwieriger wird die Auswahl jedoch für die Nutzung auf Turnieren, da es hier genaue Vorschriften darüber gibt, welche Zäumungen und Mundstücke erlaubt sind und welche nicht. Komplizierter als im Springsport ist auch hierbei die Regelung für Dressurprüfungen. Im Falle der erlaubten Gebisse wird zwischen den kleinen Klassen E und A sowie den höheren Klassen L, M und S unterschieden. In E- und A-Prüfungen darf ausschließlich auf Wassertrense geritten werden, wobei es aber Ihnen überlassen bleibt, ob Sie ein einfach oder doppelt gebrochenes Gebiss verwenden möchten. Einfach gebrochene Trensen gelten als „weicher“, können aber beim Annehmen der Zügel den sogenannten Nussknacker-Effekt auslösen, bei dem das Gebiss mit dem in der Mitte befindlichen Gelenk gegen den Gaumen des Pferdes drückt und Schmerzen bereiten kann. Dies passiert mit einem doppelt gebrochenen Gebiss nicht. Es hat jedoch den Nachteil, dass es bei unsachgemäßer Nutzung die Zunge einschnüren kann. Welche Trense Sie bevorzugen, hängt vor allem davon ab, mit welcher Variante Ihr Pferd zufriedener ist.

Kandaren und Hackamores

Ab Klasse L gibt es zusätzlich Dressurprüfungen, die auf Kandare geritten werden, für die hohen Klassen M und S sind Prüfungen auf Trense sogar gar nicht mehr vorgesehen. Das Stangengebiss übt mehr Druck auf Zunge und Mundwinkel des Pferdes aus, ist somit „schärfer“ als ein Trensengebiss und gehört nur in erfahrene Reiterhände. Durch eine Kinnkette und kleine Stangen, genannt Anzüge, an denen die Zügel befestigt werden, wirkt die Dressurkandare zusätzlich auf Unterkiefer und Genick des Pferdes und ermöglicht so eine feinere Hilfegebung, die das Reiten hoher Dressurlektionen vereinfacht.

Auch in Springprüfungen höherer Klassen ist das Benutzen einer Kandare erlaubt. Die Springkandare wirkt wie die Dressurkandare zusätzlich auf Kinn und Genick des Pferdes und erleichtert die Kontrolle des Pferdes im Parcours. Auch die Verwendung eines Hackamores ist laut LPO in Springprüfungen ab Klasse L erlaubt. Diese gebisslose Zäumung wirkt über einen steifen Nasenriemen direkt auf den empfindlichen Nasenrücken des Pferdes und zusätzlich, ähnlich wie die Kandare, über zwei Anzüge auf Kinn und Genick. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist das Hackamore nicht sanfter in der Einwirkung als ein Gebiss, kann aber eine gute Alternative darstellen, wenn Ihr Pferd sich mit einem Mundstück unwohl fühlt. Kandare und Hackamore sind in Springprüfungen der Klassen E und A noch nicht zulässig. Hier dürfen Sie lediglich die einfache Wassertrense verwenden.

Pflicht in Dressurprüfungen: Die Verwendung eines Reithalfters

Reithalfter sind abnehmbare Teile der Zäumung, die auf Nase und Kinn des Pferdes wirken. Sie verteilen einen Teil des Drucks, den das Gebiss auf Zunge und Mundwinkel ausübt, auf den Nasenrücken und entlasten somit das Maul. Ein Reithalfter ist verpflichtend, wenn Sie eine Dressurprüfung reiten möchten. Ihnen bleibt jedoch selbst überlassen, welche Art Sie verwenden möchten. In Springprüfungen schreibt die LPO das Reithalfter nicht vor, die meisten Springreiter nutzen es aber ohnehin, da es zusätzlich verhindert, dass das Pferd sich der Zügeleinwirkung entzieht.

Die verschiedenen Halfterformen

Das meistgenutzte und sanfteste Reithalfter ist das Englische Reithalfter, das hinter dem Gebiss verschnallt wird und recht weit oberhalb der Nüstern liegt, sodass es die Atmung nicht beeinträchtigen kann. Kombiniert mit einem schmalen Sperrriemen, der zusätzlich nahe der Nüstern vor das Gebiss geschnallt wird, wirkt es ähnlich wie ein Hannoveranisches Reithalfter. Auch dieses wird vor dem Gebiss verschnallt und ist schärfer als die englische Variante, da es bedeutend tiefer liegt und somit auf die empfindlichere Region nahe der Nüstern wirkt. Hier müssen Sie besonders darauf achten, dass das Reithalfter weder zu tief liegt, noch zu fest angezogen ist, da es sonst die Atmung behindert und dem Pferd Schmerzen zufügen kann. Eine Variante, die weit oben auf dem Nasenrücken liegt und trotzdem eine starke Sperrwirkung hat, ist das Mexikanische Reithalfter. Dieses wird über Kreuz sowohl vor als auch hinter dem Gebiss verschnallt und garantiert so eine problemlose Atmung. Gleichzeitig hat es durch den unteren Riemen aber eine ähnlich starke Wirkung wie das Hannoveranische Reithalfter. Beide Varianten werden eher im Springsport eingesetzt, Dressurreiter bevorzugen meist das Englische Reithalfter, das auch problemlos mit einer Dressurkandare kombiniert werden kann.

Spezielle Turnierkleidung ist auch für den Reiter Pflicht

Nicht nur Ihr Pferd muss für ein Turnier entsprechend ausgestattet sein, auch bezüglich der Reitkleidung gibt es Regularien. Verpflichtend für alle Disziplinen ist neben einer Kopfbedeckung unter anderem das Tragen einer weißen oder cremefarbenen Turnierreithose, die mit weißem oder grauem Lederbesatz ausgestattet ist. Dieses kann sich entweder über die gesamte Sitzfläche verteilen oder nur an den Bereichen um die Knie aufgenäht sein. Neben der Turnierreithose gehört zu dem Outfit auch ein schwarzes, dunkelblaues oder braunes Jacket. Dieses liegt eng am Körper an und gibt den Richtern so die Möglichkeit, in Dressur- und Stilspringprüfungen Ihren Sitz zu beurteilen. An heißen Sommertagen ist es jedoch zum Teil erlaubt, auch ohne Jacket an den Start zu gehen. Für den Fall sollten Sie eine unifarbene, möglichst weiße oder beige Bluse respektive ein Shirt oder Hemd tragen, das auch möglichst enganliegend sein sollte. Im Handel finden Sie zu diesem Zweck auch spezielle Blusen für Turnierreiter. Zu guter Letzt ist auch ein bestimmtes Schuhwerk auf Turnieren vorgeschrieben. Schwarze Reitstiefel sind Pflicht, die einzige Alternative bieten Stiefelschafte aus Leder, die über schwarze Stiefeletten gestülpt werden und optisch einem Stiefel sehr nahe kommen. Turnierreitstiefel sollten im Idealfall aus Leder bestehen, da dieses hochwertiger ist und eine bessere Optik bietet als Kunststoff.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden